[USS-Hephaistos] Blendende Aussichten


# Zeit: MD 5.1000 # Ort: Klingonischer Kreuzer „Hol“
„… Dass wir schon lange tot sind und du sterben wirst.“
Seit sie diese Worte gehört (gedacht?) hatte, war die Zelle wieder leer. Doch der Klang der Frauenstimme schien immer noch im Raum nachzuhallen. Emily konnte nicht aufhören, sie in Gedanken hin und her zu wälzen. War sie verrückt? Hörte sie Stimmen? Im Augenblick war ihr völlig klar, dass diese ganzen Personen nicht einfach erscheinen und wieder verschwinden konnten. Doch vorhin hatte sie es hingenommen und nicht weiter darüber nachgedacht. War das nicht schon ein Zeichen beginnender geistiger Umnachtung?
„Dass wir schon lange tot sind…“ – Geister? Hatte sie vielleicht eine spirituelle Verbindung zum Totenreich, die plötzlich zum Vorschein gekommen war? Zumindest konnte sie froh sein dass die … wer auch immer ihr anscheinend wohlgesonnen waren.
Das mit dem Sterben konnte sie sich gerade vorstellen. Ihr war schlecht, und auf verrückte Weise fühlte sich ihr Magen gleichzeitig voll und leer an. Wann immer sie den Kopf bewegte kamen leichte Schwindelgefühle auf.
Sie musste hier raus. Sie musste einen richtigen Arzt finden, nicht diese klingonische Sanitöterin, und der musste ihr sagen was mit ihr los war. Sehnsüchtig dachte sie an die Hephaistos, an ihre Freund dort und an ihren Maschinenraum. Plötzlich hatte sie ganz schreckliches Heimweh.
Da waren draußen Schritte zu hören. Automatisch hob Emily den Kopf um nachzusehen. Sofort wünschte sie sich, sie wäre liegengeblieben, als die Wände sich um sie drehten. Wahrscheinlich brachten sie sowieso nur den Franzosen zurück.
Tatsächlich, blieben die Schritte in unmittelbarer Nähe stehen, und das Schott der Zelle öffnete sich. Fabièn wurde hereingeschubst, und schon war die Tür wieder zu. Emily hatte keine Lust sich jetzt auch noch mit fremden Problemen zu befassen. Sie schloss die Augen und stellte sich schlafend.
Nicht dass das nötig gewesen wäre. Auch Fabien war nicht zum Reden aufgelegt. Die „Untersuchungen“ der klingonischen „Wissenschaftler“ waren nicht sonderlich angenehm gewesen. Und das Wissen, dass sie gerade jetzt irgendwelche Experimente an ihm planten, war noch weniger angenehm. Wieder einmal fragte er sich, was sie wohl mit seiner Zellengenossin angestellt hatten. Vielleicht wollte er das aber auch gar nicht so genau wissen.
Jedenfalls würde er nicht warten bis sie ihn wieder holten. Heute Nacht würde er hier abhauen, so oder so. Die Trill würde natürlich mitkommen.
Einmal draußen, würden sie halt improvisieren müssen. Von den Beobachtungen unterwegs her war er zuversichtlich, dass die anderen Gefangenen in der Nähe zu finden sein würden. Wenn diese befreit waren, würde vielleicht jemand anderes eine zündende Idee beisteuern. Auch hatte er die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Raka noch mal auftauchen würde.
Wieder einmal über die Fluchtmöglichkeiten grübelnd, ließ er sich auf seiner Pritsche nieder.
# Zeit: MD 5.2000 # Ort: Klingonischer Kreuzer „Hol“
Von den morgendlichen Verrichtungen abgesehen, war der Tag ereignisarm verlaufen. Mittags hatte man ihnen eine karge Mahlzeit zugestanden. Es war für Fabièn nicht leicht gewesen, seinen Anteil gegen die gefräßige Emily zu verteidigen.
Ansonsten hatte sich der Zustand der Ingenieurin aber über den Tag hinweg stetig verschlechtert. Die „ansprechbaren“ Phasen waren immer kürzer geworden. Den Rest der Zeit schlief sie oder unterhielt sich mit Personen, die nur sie sehen konnte. Sie sah auch fertig aus. Er machte sich ernsthaft Sorgen, wie lange sie noch durchhalten würde.
Zwischendurch hatte er erkundet, wie man das elektrische System der Zelle lahmlegen konnte. Das hatte nicht wirklich viel Zeit in Anspruch genommen. Es würde kein Problem sein, die Abdeckung der Beleuchtungseinheit zu entfernen. Ein Metallstück zum Kurzschließen hatte er auch. Simpel.
Danach war er auf seine Pritsche zurückgekehrt und hatte zu schlafen versucht, doch die Sorge nagte an ihm und ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. So verstrichen einige ereignisarme Stunden. Gelegentlich wechselte er zwei, drei Sätze mit seiner Zellengenossin oder beobachtete ihren Kobold. Er war immer noch nicht sicher ob das nun Permin war oder nicht.
Am späten Nachmittag war wieder eine Wache gekommen und hatte Emily geholt. Wahrscheinlich wieder zum Abendessen mit dem Kommandanten. Er schien irgendwelche Informationen von ihr zu wollen und versuchte es mit Zuckerbrot. Nun ja, Fabièn glaubte nicht, dass sie in ihrem Zustand viel plaudern würde. Vor allem wenn sie mit Kauen beschäftigt war.
Seitdem: Ruhe. Man konnte fast das Gefühl bekommen, als wäre er schon seit Wochen hier in dieser Zelle. Er starrte apathisch die Wände an und träumte von blühenden Feldern im Sommer.
LaGroille sah auf, als sich draußen wieder einmal jemand näherte. Kam nun sein Abendbrot? Seinem Magen nach wurde es jedenfalls Zeit dafür.
Doch nein. Als die Tür zur Seite fuhr, kamen dahinter zwei Klingonen in Laborkitteln zum Vorschein. War es nun soweit?! Fabi spannte sich an – bereit, seine Gesundheit teuer zu verkaufen.
„Keine Sorge“, beruhigte ihn einer der Wissenschaftler, „wir wollen nur eine kleine Untersuchung durchführen.“
„Ja, nur ein kurzer Betawellenscan“, versicherte der andere. Er hielt ein klobiges, schwarzes Gerät mit blinkenden Lämpchen in die Höhe, das an einem Gurt um seinen Hals hing. Fabièn gestatte sich vorsichtige Erleichterung. Nicht dass er anderenfalls eine Wahl gehabt hätte. Wenn wenigstens Emily mit Permin hier wäre… Er brummte etwas undefinierbares, um seine Zustimmung zu signalisieren.
Die beiden Wissenschaftler kamen an seine Liege. Der zweite mit dem Scanner in der Hand stellte sich vor ihn und setzte sein Gerät in Betrieb. Einige Anzeigen blinkten und es gab ein periodisches Piepsen von sich. Er bewegte den Scanner vorsichtig auf und ab, während Fabièn ihn skeptisch betrachtete.
„Alles in Ordnung“, meinte der Klingone in beruhigendem Ton, den Blick auf seine Anzeigen gerichtet.
Unterdessen hatte sich der zweite Klingone links neben ihm platziert und schien seinem Kollegen zuzusehen. Plötzlich jedoch packte er Fabièns Arm. Der Wissenschaftler mit dem Scanner schien damit gerechnet zu haben. Sofort ließ er das Gerät los und zauberte wie aus dem Nichts eine Spritze hervor. Ehe Fabièn begriffen hatte, wie ihm geschah, hatte der Klingone ihm auch schon die Nadel in den Arm gestochen und den Kolben heruntergedrückt. Ein unangenehmes Druckgefühl breitete sich in Fabièns Arm aus.
Einen Augenblick war er fassungslos. Dann protestierte er lautstark. „Fait chier, was ist war das für ne Nummer!? Haben Sie nicht gesagt es ist nur ein Scan??“
Die Klingonen grinsten. „Das war gelogen. Eine wirkungsvolle Methode um die Gegenwehr zu reduzieren.“
„Ahh“, das Druckgefühl im Arm verwandelte sich in einen pochenden Schmerz. „Was zur Hölle war das!?“
„Sie werden es schon merken. Ein paar Stündchen dauert es aber noch. Wir können Ihnen leider nichts verraten – wir wollen doch keine Placeboeffekte riskieren, sie verstehen…“
Fabièn hätte am liebsten seine Faust in die grinsenden Gesichter versenkt. Doch was hätte es genutzt. Der Schaden war angerichtet. Die Wissenschaftler verzogen sich wieder und ließen ihn mit den Schmerzen im Arm alleine.

# Zeit: MD 6.0300 # Ort: Klingonischer Kreuzer „Hol“
„LaGroille“, flüsterte eine Stimme. „Aufwachen, Lieutenant! LaGroille!“
Fabien wälzte sich verschlafen herum und setzte sich langsam auf.
„Wollten _Sie_ nicht _mich_ wecken? Das fängt ja gut an“, beschwerte sich Emily. Nachdem sie vom Abendessen zurückgekehrt war, hatte Fabièn sie über seine Fluchtabsicht informiert. Sie hatten zwar immer noch keinen wirklich guten Plan, doch Emily merkte selbst dass die Uhr tickte, und hatte schließlich zugestimmt.
LaGroille stand auf und blinzelte. Das Licht in der Zelle kam ihm grell vor und tat in den Augen weh. Instinktiv rieb er sich die Lider, doch es wurde nicht besser.
„Alles klar“? fragte Emily mit leichter Sorge in der Stimme. Fabi verkniff sich einen Lacher – *sie* sorgte sich um *ihn*!? – und nickte. „Ich komm schon klar.“
Unter seinem Bett zog er den kleinen Metallsplitter hervor, den er vor zwei Tagen auf dem Boden gefunden hatte. „Stellen Sie sich schon mal an die Tür, es wird gleich zappenduster hier drin.“
Emily tat wie geheißen. Permin folgte ihr. Die Anspannung der Sternenflottenoffiziere übertrug sich auf den kleinen Kobold und er begann nervöse Kreise um Emily herum zu laufen. Sie strich ihm beruhigend über das Fell.
Wie gestern erkundet, löste Fabièn derweilen die Abdeckung der Beleuchtungseinheit. Das Licht schmerzte! Er senkte seine Augenlider, so weit er konnte. Derweilen hatte er seinen Uniformärmel über die Hand gezogen (hoffentlich hatte er eine gewisse Isolationswirkung) und dann durch den Stoff hindurch den Splitter gegriffen.
Noch einmal prägte er sich das Bild des Lampensockels ein, dann zog er den Leuchtkörper heraus. Nun herrschte ägyptische Finsternis, ein Zustand den Fabièns Augen willkommen hießen. Schnell, bevor er vergaß wo er hin musste, versuchte er das Metallstück in die Fassung zu stecken. Er musste einige bange Sekunden damit herumtasten, doch dann gelang es ihm. Es blitzte und ein elektrisch riechendes Rauchwölkchen stieg auf.
Emily, die unmittelbar an der Tür stand, hörte das gedämpfte „Klack“, mit dem sich die Magnetklammern lösten. Sofort legte sie die Hände auf das Schott und drückte mit aller Kraft seitwärts. „Es hat geklappt“, flüsterte Sie. „Los, schnell!“ An den Beinen spürte sie wie sich etwas an sie schmiegte – dem Kobold schien die Dunkelheit nicht zu behagen.
Fabièn eilte ihr zu Hilfe. Gemeinsam schafften sie es, die schwere Metallplatte in Bewegung zu setzen. Kaum war die Tür einen Spaltbreit offen, drangen zwei Dinge herein.
Das eine davon war recht erfreulich. Es handelte sich um ein gleichmäßiges Schnarchen. Raka hatte die Wahrheit über ihre Wache gesagt – er schlief seelenruhig und ahnte nichts. Sie hatten also eine Chance.
Das Zweite, was hereindrang, war das Licht der Gangbeleuchtung. Auch diese war im Nachtmodus, doch immer noch deutlich heller als das Licht in der Zelle. Für Fabièn war es, als wäre plötzlich Earendils Stern vor ihm aufgetaucht. Es war *unglaublich* hell und schmerzhaft. Instinktiv schloss er die Augen.
„Merde, ist das grell“, fluchte er so leise er konnte. „Können Sie was sehen?“
„Wie meinen“, fragte Emily. „Ist doch ganz normales Licht?“ Verwirrt sah sie den Franzosen an.
Fabi blinzelte und versuchte die Augen aufzubekommen. Für Sekundenbruchteile sah er etwas. Doch es war nicht auszuhalten! Selbst durch die wieder geschlossenen Lider hindurch konnte er das Licht wahrnehmen.
„Keine Ahnung“, brummte er. Jetzt war die falsche Zeit um über dieses Phänomen nachzudenken. „Wir müssen weg hier und die anderen Gefangenen finden. Gehen Sie vor, ich sehe nix…“
# Ort: Klingonischer Kreuzer „Hol“ # Zeit: MD 5.2000 – Während Emily wieder beim Kommandanten ist, bekommt Fabièn in seiner Zelle Besuch von zwei klingonischen Wissenschaftlern. Sie spritzen ihm ein unbekanntes Serum.
# Ort: Klingonischer Kreuzer „Hol“ # Zeit: MD 6.0300 – Emily und Fabièn gelingt es ihre Zelle zu verlassen. Fabièn sieht nichts, oder genauer gesagt viel zu viel.

**submitted by Nessy a.k.a. Lt. Fabiè%§&$##+*’*‘ — vom Licht überstrahlt —
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