Technologietransfer

<RPG>
# Ort: Krankenstation
# Zeit: MD12.0700

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Grace legte ihre Hand auf die Schulter des Mannes und drehte ihn herum, „Ich hole mal den Scanner. Einfach stehen bleiben.“

„Wo soll ich denn auch hin…. Ich sehe ja nichts“, flötetet Fabien schon wieder besser gelaunt.
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Nachdem sie erst einmal begriffen hatte, dass der Scherz keiner gewesen war, hatte sich Grace als deutlich freundlicher erwiesen, als es anfangs den Anschein gehabt hatte. Sie hatte noch mal bestätigt dass er blind war (Überraschung), und ihn dann auf die Krankenstation gelotst. Wie sich herausstellte war diese vom Shuttlehangar nur einen Katzensprung entfernt.

Dort angekommen, setzte sie ihn auf eine der Behandlungsliegen und ging dann, um sich erst einmal seine Krankenakte von der Cassandra zu besorgen. Es war ziemlich langweilig, da um diese Zeit auch noch nicht viel los war. Fabi hatte kurz die Idee, sich zum Zeitvertreib ein Hörbuch zu bestellen. Doch dann fiel ihm wieder ein, dass er ja für den Bordcomputer immer noch eine persona non grata war. Somit fiel das wohl flach.

Er lauschte den Geräuschen des Schiffes. Es war ihm noch nie bewusst aufgefallen, wie viele verschiedene Geräusche es in so einem Schiff selbst bei scheinbar absoluter Ruhe zu hören waren. Da war das feine Rauschen der Belüftungsanlage. Das pneumatische Zischen von Türen, die in kleinerer oder größerer Entfernung geöffnet oder geschlossen wurden. Leises Piepsen von Konsolen, die in irgendeiner Form um Aufmerksamkeit bettelten. Summen von irgendwelchen Kraftfeldern…

Nach, wie es schien, einer Ewigkeit, kam Grace zurück. „Hab Ihr Padd gefunden, hat leider etwas gedauert. Wir haben einen ganzen Haufen von den Dingern von der Cassandra bekommen. Den hab ich bestimmt viermal durchwühlt, denn irgendjemand hat Ihres auf den Boden fallen lassen…. Egal.“

Sie setzte sich zu ihm und legte ihre Hand auf seine. „Also erstmal mein Beileid zu dem was Ihnen passiert ist. Bitte entschuldigen Sie dass ich vorhin so grob zu Ihnen war.“

Sie machte eine kurze Kunstpause und nahm dann die Hand wieder weg. „Ich habe mir die vorgeschlagene Behandlung kurz angesehen und denke dass wir das mit unseren Geräten hier machen können. Aber das ist eindeutig eine Sache für die Chefin.“ Grace verschwieg lieber, dass auch Jetsun noch Ensign war, und wie die Jungfrau zum Kind an den CM-Job gelangt war

„Sie hat heute leider die Spätschicht. Das heißt, sie wird frühestens gegen 1700 hier auftauchen. Sie können aber so lange gern hier bleiben, zumal Quartiere sowieso gerade Mangelware sind“.

„Vielen Dank“, erwiderte Fabien schon etwas besser gelaunt. „Dann bleibe ich mal lieber, bevor ich wieder den Notruf wählen muss.“

„Alles klar. Soll ich Ihnen vielleicht ein Frühstück ordern?“ fragte Grace. Langsam wurde sie LaGroille sympathisch.

# Ort: Krankenstation
# Zeit: MD12.1700

Allmählich wünschte sich der Franzose doch ein Quartier. Auch wenn die Krankenstation nicht mit einer klingonischen Gefängniszelle zu vergleichen war, war es doch ein wenig wie auf dem Bahnhof. Ein ständiges Kommen und Gehen. Dass er nicht sehen konnte wer da gerade hereinkam, machte es nicht angenehmer. Keine Minute in der man, sagen wir mal, ungestört popeln konnte.

Dummerweise hatte er im Laufe des Tages erfahren, dass die Krankenschwester bezüglich der Wohnraumsituation keineswegs übertrieben hatte. Mit anderen Worten, solange er in irgendeiner Weise als krank durchging, war seine Medoliege sein Quartier.

Wie als hätte sie seine Gedanken gelesen, zischte schon wieder die Tür. Vielleicht war das ja jetzt endlich die Ärztin, Ens. Pema. Wenn sie es war, musste sie sehr leichtgewichtig sein, denn er hörte keine Schritte. Oder… war da nicht ein leichtes Trippeln gewesen?

Noch während der Franzose über seine Wahrnehmungen nachdachte, erschreckte er sich zu Tode. Irgendetwas … kleines… hopste plötzlich auf seinen Schoß! Es war flauschig und hatte Krallen und Federn und … war eindeutig ein Huhn.

„He was machst du denn hier du Racker“, begrüßte LaGroille den Ausreißer. „Hast du denn deinen Therapiehuhnkurs schon abgeschlossen?!“

# Ort: Büro der TO
# Zeit: MD13.1000

Endlich wieder Zivilisation! So interessant die Zeit bei den Kikonen auch gewesen war, so sehr genoss Tine es, wieder in ihrem vertrauten Quartier nach Starfleet Standard zu schlafen, ihre normalen Kollegen um sich zu haben, und in ihrem normalen Büro normaler Arbeit nachgehen zu können.

Nicht dass es gerade besonders stressig gewesen wäre. Vor der Kikonenmission hatte sie vor allem mit dem ATAK-System zu tun gehabt, was im Grunde genommen ein frustrierender Job war. Inzwischen hasste sie die Worte „Top Secret“…

Also hatte sie in den ersten Tagen erstmal einen gründlichen Bericht über ihre Erlebnisse auf Thassos IV abgefasst. Es tat gut, alles noch mal Revue passieren zu lassen und sozusagen literarisch aufzuarbeiten. Im Nachhinein betrachtet, hätte sie sich gern noch mal mit der Leiterin des Infrastrukturamtes, Apulis Paismataris Tavros, unterhalten. Trotz ihres Altersunterschiedes hatten sie bezüglich ihrer Begeisterung für Wissenschaft un Technik ziemlich auf einer Wellenlänge gelegen; im Gegensatz zu den meisten anderen Kikonen denen sie begegnet war. Aber es war keine Gelegenheit mehr gewesen und würde wohl auch keine kommen.

Nachdem sie den Bericht fertig hatte, hätte sie sich den liegengebliebenen Aufgaben widmen können. Aber Tine hatte heute spontan entschieden, dass die letzteren auch nicht davonliefen, wenn sie noch einen Tag länger lägen. Also hatte sie erst mal ausgiebig in der Prawda geschmökert. Die Nachrichten von der Front (von der sie ja ein Teil waren) klangen nicht sehr ermutigend. Im Grunde war es nur die Kochrubrik mit dem Tintenfisch, die einem beim Lesen die Stimmung rettete.

Sie war noch dabei die Artikel zu lesen, als hoher Besuch ihr Büro betrat. Es war Claudia Ruthven, die Schwester des CO. Hastig schob Tine die Prawda vom Bildschirm und legte das erstbeste dienstliche Schriftstück darüber (ihren Missionsbericht).

„Hallo Commodore, was kann ich für sie tun?“ begrüßte Tine Ruthven mit (hoffentlich) unverdächtigem Ton. Sie wurde nicht so richtig schlau aus der Frau, mal kam sie herrisch und/oder entschlossen rüber und ein andermal empathisch; abgesehen davon war nicht zu übersehen, dass sie und Shay wie Hund und Katze waren. Insgesamt war sie Tine nicht sonderlich sympathisch.

Jetzt auf den zweiten Blick fiel ihr auf, dass Ruthven einen altmodischen Ordner unter dem Arm trug. Diesen platzierte sie nun auf Tines Schreibtisch.

„Ensign Jenkins, wie geht es Ihnen? Haben Sie den Einsatz gut überstanden?“

Tine nickte nur auf die offensichtlich rhetorische Frage. „Habe sogar meinen Bericht schon fertig abgeliefert.“

Claudia blickte ein wennig säuerlich, diese lästige Pflicht lag noch vor ihr. Zumindest gab es an Bord keinen ranghöheren Offizier, der sie deswegen rundmachen konnte.

„Glückwunsch dazu. Das ist gut, dann haben Sie ja den Kopf frei für eine interessante Aufgabe.“

Claudia lächelte bei diesen Worten; dennoch dachte Tine spontan //Ach, was ich sonst mache ist wohl nicht so wichtig//, bevor ihr wieder einfiel wie sie die letzten Stunden verbracht hatte.

Claudia fuhr fort. „Wie Sie ja sicherlich wissen, haben wir gestern erneut mit den Kikonen verhandelt, und es ist uns gelungen eine Übereinkunft zu erreichen. Die Dokumente müssen noch in Ruhe ausgearbeitet und unterzeichnet werden. Aber wir haben schon erste Unterlagen zur kikonischen Schildtechnologie erhalten. Ich denke, ich muss Ihnen wohl nicht erklären, wie dringend wir diese Technologie in der aktuellen Situation gebrauchen können…“

// .. als ob ich das nicht auch so wüsste…// kommentierte Tine in Gedanken sarkastisch. Doch ihr Blick und Gedanken wanderten schon neugierig zu dem Ordner auf ihrem Tisch.

„Bitte sehen Sie sich mal an, was wir da bekommen haben, und ob man damit was anfangen kann. Ich hätte gern um 1400 einen ersten Zwischenstand, ganz egal wieviel sie bis dahin herausgekriegt haben. .. ach ja, natürlich auch an den Captain“, fiel ihr als Nachgedanke noch ein.

„Aye Ma’am, ich kümmere mich augenblicklich darum“, akzeptierte Tine. Ihre Finger machten sich schon selbstständig daran den Ordner aufzuschlagen, ehe ihr einfiel, dass die Commodore das als respektlos ansehen konnte. „Ähm… noch etwas?“

„Nein“, antwortete Claudia mit einem leichten Lächeln. „Legen Sie los. Ach ja… es gibt nur dieses eine Exemplar. Also seien Sie vorsichtig.“

//Pfff, sehe ich aus als wär ich vier Jahre alt?// dachte Tine. Sie lächelte und salutierte zum Abschied. Kaum hatte Claudia ihr den Rücken zugedreht, zog sie den Ordner zu sich heran und schlug ihn auf.

# Ort: Besprechungsraum 1
# Zeit: MD13.1400

Tine trat ein und erstarrte kurz. Sie hätte es sich natürlich denken können, dass das Thema allgemeines Interesse weckte. Aber dass es so schnell ging…

Es waren nicht nur Claudia und Shay anwesend, wie sie erwartet hatte. Am Besprechungstisch saßen außerdem Botschafter Jared, Ajur der TAK und Geary der CSO. Also fünf Gesichter, die sie erwartungsvoll anschauten. Noch während sie das dachte, spazierten Cmdr. Bateh und Lt. Claton durch die Tür herein. Spontanes Lampenfieber erfasste Tine.

Um Zeit zu schinden, umrundete sie mit langsamen Schritten den Tisch bis zu dem Präsentationsdisplay am anderen Ende. Dort angekommen, drapierte sie den wertvollen Ordner auf den Besprechungstisch. Genau genommen würde sie ihn jetzt nicht brauchen, aber sie hatte es nicht gewagt, ihn irgendwo zurückzulassen.

//Ruhig Blut Tine// ermahnte sie sich. Aber es half nicht. In Windeseile überlegte sie, was sie in welcher Reihenfolge erzählen sollte. Nur nebenher bekam sie mit, wie Claudia die anderen begrüßte und ihr dann das Wort erteilte. Erst als alle sie anstarrten, merkte sie dass sie jetzt dran war.

„Ja ähm, also gut…“ , stotterte sie. „Moment.“

Sie bastelte am Display herum, bis eine der Seiten aus dem Ordner in groß erschien. (Ihre erste Amtshandlung war natürlich das Einscannen des gesamten Inhaltes gewesen.) Sie zeigte eine Schemadarstellung der kikonischen Schildemitter.

„Schön dass Sie alle hier sind und mehr über die kikonischen Schilde wissen wollen..  ich habe mich mit den Unterlagen der Kikonen ein wenig befasst. Sie haben uns einen Ordner mit etwa 500 Seiten überlassen, die ich natürlich nur stichprobenartig überfliegen konnte. Soweit ich bisher sehen konnte sind die Pläne vollständig und gut vorbereitet..“

//Komm zum Punkt Tine// dachte sie sich. Sie war automatisch in einen Vortragsstil verfallen, der ihre Unsicherheit hoffentlich nicht zu sehr durchblicken ließ.

„Ich denke, ich habe das Funktionsprinzip grundsätzlich verstanden. Es handelt sich um ein subraumgestütztes Schirmfeld ähnlich wie zum Beispiel unser Hangarkraftfeld. Im Gegensatz dazu ist aber die Phase über die gesamte Feldfläche synchron. Außerdem ist er frequenz-und phasenadaptiv auf eintreffende Belastungen, wodurch er wahrscheinlich enorm an Belastbarkeit gewinnt…“

Sie sah an den Gesichtern der Zuhörer, dass sie das ganze einfacher formulieren musste.

„.. also ich will sagen, die Technologie basiert auf den uns bekannten physikalischen Grundlagen; aber die Kikonen haben mit einigen  genialen Kniffen erhebliche Verbesserungen erreicht.“

„Das klingt ja super“, kommentierte Shay. „Wann können wir es einschalten?“

Die anderen grinsten ein wenig, Tine eingeschlossen.

„Ja Sie haben es sich sicherlich schon gedacht, der Pferdefuß kommt noch. Eigentlich können wir die kikonischen Pläne nämlich gar nicht lesen.“

Das erzeugte fragende Gesichter. Tine holte eine andere Seite auf den Bildschirm.

„Hier zum Beispiel. Das ist der Schaltkreis für die Phasenadaption. Die Leitungen hier sind die Betriebsspannung… dort kommt ein Sensorsignal rein… hier ist der Signalausgang…“

Tine zeigte dabei auf die entsprechenden Bereiche des Plans. „Sie sehen, mit dem nötigen technischen Verständnis kann man den groben Aufbau verstehen. Aber wenn sie genauer hinschauen“, sie zoomte einen Bereich auf, „dann finden Sie hier Fragezeichen über Fragezeichen.“

Sie zeigte auf ein Schaltsymbol. „Sehen Sie beispielsweise diese Zahlen an den Widerständen? Keine Ahnung wie groß das Ohm auf Thassos ist. Das gleiche gilt für Kapazitäten und Induktivitäten.“

Sie zoomte auf ein Symbol eines Vierecks mit einer verschlungenen Wellenlinie darin.

„Das hier kommt an etlichen Stellen vor. Wahrscheinlich irgendeine Art Standardbaustein. Es könnte eine Art Verstärker sein oder auch irgendetwas ganz anderes. Es gibt auch verschiedene Verweise auf Industriestandards, die wir natürlich nicht vorliegen haben. Und fragen Sie gar nicht erst nach den digitalen Steuerschnittstellen.“

Die TO machte eine dramatische Pause. „Alles in allem denke ich, werden wir den Kikonen wohl noch viele Fragen stellen müssen, ehe wir daran denken können diese Technologie nachzubauen oder auch nur einzubauen.“

Einen Moment herrschte nachdenkliches (betretenes?) Schweigen.

„Danke Ensign“, brach Shay schließlich die Stille. „Gute Arbeit, vor allem angesichts der knappen Zeit die Sie hatten. – Hat jemand Fragen?“

# Ort: Quartier Tine Jenkins
# Zeit: MD 13.2100

Geistesabwesend schaufelte Tine ein Replikator-Abendessen in sich hinein. Ihr Blick ruhte auf dem großen Rund des Planeten Thyene, den die Hephaistos nach wie vor umkreiste.

Auch Tines Gedanken kreisten. Um die kikonischen Pläne. Um das was sie erlebt hatten und ihre baldige Abreise.

Es hatte am Nachmittag noch einige Diskussion gegeben. Weniger um die technischen Aspekte (die hatte sie wohl klar genug dargestellt), sondern eher darum wie man jetzt weiter vorgehen sollte. Dabei hatte Tine auch erfahren, dass eine ständige Vertretung der Föderation  auf Thassos IV eingerichtet werden würde. Wahrscheinlich würde sogar bei ihrer Abreise schon ein Team auf dem Planeten zurückbleiben.

Sie dachte an Apulis Paismataris Tavros. Schon auf dem ersten Empfang, an dem sie teilgenommen hatten, hätte die energische alte Dame sie am liebsten abgeworben.

Sollte sie es tun? Alles was blieb, war auf „Senden“ zu drücken…

Während sie aufaß, betrachtete sie unentschlossen die Worte auf der Tischkonsole neben ihr: „Betreff: Antrag auf Freistellung vom Dienst“…

</RPG>
<SUM>
# Ort: Krankenstation
# Zeit: MD 12.0700 – MD12.1700
– Mangels Alternativen wird LaGroille in der Krankenstation einquartiert. Am Nachmittag kommt ein unerwarteter Gast zu Besuch.
# Ort: Besprechungsraum 1
# Zeit: MD13.1400
– Die TO hat die kikonischen Pläne studiert. Es wird nicht einfach sein die Technologie im Detail zu verstehen.
# Ort: Quartier Tine Jenkins
# Zeit: MD13.2000
– Tine denkt darüber nach, auf Thassos IV zu bleiben.

</SUM>

submitted by
Johannes
aka Lt. Fabièn LaGroille