[USS-Hephaistos] Das diplomatisches Parkett

Ort: königlicher Palast, Thassos IV Zeit: MD 9.1035
> Es herrschte Ruhe für einen langen Augenblick. Die Atrexa stand auf und näherte sich > einer Fensterfront. Von dort hatte man einen guten Ausblick auf die Hauptstadt von > Thyene. Nur langsam drehte die Frau sich wieder um. „Was würde ein Abkommen, > eine Allianz zwischen unseren Völkern bedeuten? Ziehen Sie uns mit hinein in einen > Krieg? Was bedeutete das für mein Volk? Welche Sicherheiten können Sie mir > anbieten, gerade auch im Hinblick auf unsere Lebensweise, unsere Kultur?“
Samantha seufzte, zumindest innerlich. Diese Frage war schwer zu beantworten. Was bedeutete eine Kooperation für die Kikonen. Das kikonische Lebens- und Wertesystem würde zumindest kurzfristig die Föderation nicht verändern. Der Zusammenschluss war darauf ausgelegt, dass viele auch verschiedene Lebensformen gemeinsam lebten, arbeiteten, …
Aber andersherum? Wie würde sich die Föderation auf die Kikonen auswirken?“
„Atrexa, ich möchte ehrlich sein, ich weiß es nicht.“ Sam suchte nach Worten. „Leider war ich gesundheitlich angeschlagen und kenne das Zusammentreffen unserer Leute im Palast der Prinkipax Myzen Elektryon Lysikia Mideia atto Myzen nur aus den Berichten. Das was mir berichtet wurde deutet darauf hin, dass auch unsere Leute erst mal überrascht wurden.“
Die Atrexa wirkte leicht erheitert, doch war sich Samantha nicht ganz sicher, da sich die Herrscherin des Planeten einen neuen Schluck ihres Wasser genehmigte. Sie selbst starb innerlich tausend Tode, äußerlich transpirierte sie einfach nur.
„Vielleicht wäre es besser, sie würden mit unserem Diplomaten reden, auch wenn er ein Mann ist. Botschafter Jared kann mit Ihnen sicher genauer und besser erörtern, welche Vor- und auch Nachteile eine Kooperation mit uns hätte. Auch weiß er eher, wie die Föderation Sie unterstützen könnte und welche Sicherheiten wir bieten können. Es tut mir leid, ich bin nur eine Offizierin, welche erst kürzlich ihr Schiff in einem Krieg verloren hat, den wir nie haben wollten.“ Ein Schatten schlich sich in Ihre Gedanken bei der Erinnerung an die Lebewesen, welche dabei ihr Leben ließen.
Nun lächelte die Atrexa offen. „Nun, mir ist bewusst, dass bei Ihnen auch Männer in höheren Positionen tätig werden. Aber gestatten Sie mir, dass ich mich in meinem Alter nicht mehr umgewöhnen mag. Außerdem frage ich wirklich Sie, was denken Sie, wird eine Zusammenarbeit mit der Föderation für Auswirkungen auf uns haben?“
Sam schluckte. Es sah nicht so aus, als würde sie da raus kommen. Sie war sich ziemlich sicher Botschafter Jared würde sie im Anschluss lynchen.
„Ich denke, das wird davon abhängen, wie weit unsere Kooperation gehen wird. Werden wir nur einen Handel aufbauen? So wie ich hörte, gab es bei Ihnen Interesse an dem Prozess der Glasherstellung und wie Sie wissen, interessieren wir uns für Ihre Schildtechnologie. Unsere Strategen denken, dass dies einen Vorteil in diesem Krieg bedeuten könnte. Ein solcher Handel wird weitgehend keinen Einfluss auf Ihre Bevölkerung haben, da dies nur wenige betrifft. Wir gehen einen einmaligen Handel ein, wir bekommen etwas, Sie bekommen eine Gegenleistung und wir sind wieder weg. Aber ich weiß nicht, ob wir Sie damit in den Krieg hineinziehen. Aus unserer Sicht – nein, aber aus Sicht der Klingonen?“ Samantha musste schlucken. „Ich vermute, die Klingonen könnten dies als Anlass nehmen, Sie in diesen Krieg hineinzuziehen. Und ich weiß ehrlich nicht, ob die Föderation Sie zu schützen vermag.“
Die Atrexa nickte bedächtig. „Also verstehen Sie sicher, dass wir sehr genau abwägen müssen, ob wir uns darauf einlassen können. Auch uns ist bewusst, dass die Klingonen uns nicht in Ruhe lassen werden, unabhängig davon ob wir Ihnen helfen oder nicht. Derzeit waren wir immer zu unwichtig, aber ich fürchte, allein Ihre Anwesenheit in unserem System hat die Aufmerksamkeit der Klingonen bereits auf uns gelenkt. Egal ob wir mit Ihnen einen Handel eingehen, wir haben bereits verloren.
Samantha wurde kreidebleich und es lief ihr eiskalt den Rücken hinunter. Niemand von ihnen hatte auch nur darüber nachgedacht, was ihre Anwesenheit im Thassos-System für die Bewohner bedeuten würde. Wieder nickte die Herrscherin von Thassos-IV. „Ich sehe, Sie verstehen auch diese Zusammenhänge. Ich weiß nicht, ob wir noch zurück können. Daher will ich Sie noch einmal fragen. Was würde ein Abkommen, eine Allianz zwischen unseren Völkern bedeuten und was bedeutete das für mein Volk?“
Samantha dachte nach und ihr Gegenüber lies ihr die Zeit. Sie goss ihnen beiden derweil erneut etwas zu Trinken ein. Nach einigem Zögern begann Sam zu sprechen. „Wenn wir eine Allianz miteinander eingehen, wird die Föderation, so wie auch schon jetzt nicht versuchen Ihre Kultur umzukrempeln. Jede Spezies innerhalb der UFP ist anders, es gibt Gemeinsamkeiten, aber noch mehr Unterschiede. Wir sind es also gewohnt, dass der kulturelle Hintergrunde der Mitglieder aber auch der assoziierten Völker oft grundverschieden ist. Aber….“
Samantha kam ins Stocken. Das Oberhaupt der Kikonen ließ ihr die Zeit, ihre Gedanken weiterzuführen. Diomeda Ismara wusste die richtigen Fragen zu stellen und zu lenken. Die Offizierin der Sternenflotte war ein angenehmer Gesprächspartner und sie war nicht dumm. Auch wenn der Atrexa die Physiognomie der Menschen nicht geläufig war, konnte sie doch sehen, dass die Frau vor ihr anfing die richtigen Schlüsse zu ziehen. Das war gut. Würde sie ihr einfach nur ihre Bedenken vortragen, wäre das Gespräch sicherlich auch recht angenehm verlaufen, aber sie wäre mit oberflächlichen Zusicherungen abgespeist worden. Doch nun bestand die berechtigte Hoffnung, dass die Föderation verstand….
„Aber ich bin mir nicht sicher, wie sich eine Annäherung auf das kikonische Volk auswirken wird. Sie sagten, nicht alle ihre Untertanen sind zufrieden. Es wäre gut möglich, dass mancher der Unzufriedenen sich in seinen Meinungen bestärkt sehen wird, wenn er hört oder gar erlebt, wie das Zusammenleben anderswo organisiert ist. Wir Menschen kennen eine Redensart *Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner* – das bedeutet, dass sich viele Lebewesen oft das wünschen, was sie nicht haben aber woanders sehen. Auf der anderen Seite lassen sich Veränderungen nicht aufhalten. Aber vielleicht lenken? Ich fürchte, wir haben bereits auf Einige Ihres Volkes eingewirkt, nicht willentlich und unwissentlich. Ich gestehe auf uns wirkt es befremdlich, wenn Männer nur eine untergeordnete Rolle einnehmen. Früher auf der Erde war es eher andersherum. Da wurden Frauen durch die Männer dominiert. Und es hat sehr lang gedauert und selbst heute gibt es eher Männer, die ihre Frauen dominieren, als andersherum.“
Ismara lächelte wissend. Es war immer die Frage, was ein jeder unter dominieren verstand. Dominierte sie ihren Mann? Oder beeinflusste er nicht eher ihre Meinungen und Entscheidungen. Wie groß war wohl der Einfluss des Clubs der Dichter? Oh sie war sich sicher, dass nicht nur Tereus es verstand, seine Gemahlin in so manch gewünschte Richtung zu lenken. Bei ihr und ihrem Mann beruhte dies jedoch auf Gegenseitigkeit. Und in ihren Augen machte dies auch ein gutes Herrscherpaar aus. Eine Atrexa war ohne ihren Atres nur ein Bruchteil des Ganzen.
Während Ismara so nachdachte, setzte Sam fort. „Ihre Gesellschaft wird sich verändern, ob mit oder ohne uns. Aber auch wenn sich eine Zusammenarbeit zwischen Ihnen und der UFP anbahnen sollte, bin ich mir sicher, dass die Föderation Sie nicht in eine Richtung drängen würde. Das steht uns nicht zu.“
Die Atrexa lächelte. „Ich danke Ihnen für Ihre ehrliche Antwort.“

Ort: königlicher Palast, Thassos IV Zeit: MD 9.1035
Sam fühlt sich auf dem diplomatischen Parkett sichtlich unwohl. Die Atrexa führt das Gespräch und lenkt Samanthas Gedanken in die „richtige“ Richtung

***submitted by Samantha DeCoster – im diplomatischen Parkett eingebrochen
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