[USS-Hephaistos] Time-Out I

Hey Zusammen!
Ein weiteres Copo zum Sonntag! Viel Spaß beim lesen!
Lieben Gruß Miri & Mo

Zeit: MD 08.0234 Ort: USS Cassandra, Quartier der Marines
Charley wusch sich durchs Gesicht. Bereits zum dritten Mal lies er das warme Wasser durch seine Finger fließen, während er einen Großteil davon auf Kopf und Bart übertrug. Er genoss das Gefühl. In diesen Momenten konnte er ganz bei sich selbst sein. Sobald er den Kopf hob erkannte er sein Spiegelbild was ihn verhöhnte.
„Na du Looser? Hast du dich schön gemacht? Nein lass dir die Zeit, Platon hat sicher Verständnis dafür das du dich erst herausputzen willst bevor er auf dem OP Tisch verblutet. Emily sicher auch!“, hörte Charley seine eigene Stimme. Das helle Auge mit dem Okularimplantat blitze kurz auf. Charley versuchte die Stimme zu ignorieren, die Vorwürfe einfach hinnehmen.
Erneut griff er mit den Händen unten den noch laufenden Wasserhahn und schaufelte sich das warme Nass ins Gesicht. Er hatte die Augen geschlossen. Diesen letzten Moment Ruhe gönnte er sich, bevor er zurück musste. Er wusste das sein Platz auf der Krankenstation war.
„Es ist zu spät, die anderen sind tot! Also genehmige dir ruhig ne ganze Dusche oder leg dich direkt ins Bett und schlaf!“ plärrte seine imaginäre Stimme. Die Lautstärke verblüffte Charley, weshalb er schnell die Augen öffnete. Sein Spiegelbild blickte ihn hassverzerrt an.
Dieses zweite Ich war seit Jahren sein fester Begleiter. Es hatte ihn über die Schlachtfelder des Universums begleitet, ihn ständig daran erinnert in Bewegung zu bleiben. Immer in Bewegung bleiben. Die Schattenseite des zweiten Ichs war die Unruhe. Es gestattete kein zur Ruhe kommen. Niemals.
Charley trocknete sein Gesicht ab. Er hatte die Augen wieder geschlossen, während er die Feuchtigkeit aus seinem Gesicht wischte. Seine Gedanken schweiften zur den Erlebnissen der letzten Tage. Während sein Kopf den Umstand das sie diese Situation tatsächlich überlebt hatten bereits verarbeitet hatte, spürte er wie die Ohnmacht der Sachlage immer noch in seinem Körper umher hallte. Er klammerte sich kurz mit beiden Händen am Waschbecken fest, als er spürte wie ihn seine Gefühle kurzzeitig zu übermannen drohten.
„Was bist du nur für erbärmlicher Jammerlappen!“, schrie das zweite Ich, während die Stimme sich überschlug. „Wenn dich deine toten Kameraden sehen könnten, wie du hier rumheulst! Sie würden dich auslachen! Versager!“
„Das…ist….nicht wahr…“, presste Charley zwischen den Lippen heraus, während seine Hände sich ins Handtuch krallten. Wenn er die Stimme doch nur zum verstummen…. Mit einem lauten Schrei warf er das Handtuch gegen den Spiegel.
Zeit: MD 08.0245 Ort: USS Cassandra, Deck 4 Krankenstation
„Unerverändert“, grunzte Jesper Pennycod.
Der junge Mediziner hatte unwillig den Kopf gehoben als Charley ihn nach dem Gesundheitszustand von Emily befragt hatte. Die Operation des MHN war mittlerweile überstanden. Emily lag auf einem der hinteren Biobetten. Nur an anhand der Helligkeit in diesem Bereich des Raums und der ständigen Anwesenheit des medizinischen Personals konnte man erschließen das der Zustand der jungen Trill nach wie vor sehr ernst war.
Emilys Augen waren geschlossen als sich Charley leise neben ihrem Bett nieder lies. Die Ereignisse der letzten Stunden hatten sie so fest zusammengeschweißt das es sich für Charley völlig normal anfühlte die junge Frau zu beschützen. Es war vollkommen unvorstellbar das ausgerechnet Emily, das quirlige Energiebündel ihrer Gruppe, plötzlich so aus dem Leben katapultiert wurde. Die Angst um sie setzte Charley zu, was ihn selbst überraschte. Die junge Frau war mit einer solchen Selbstverständlichkeit durch die Hol gehüpft, das Charley immer wieder von ihrer Sorglosigkeit überrumpelt worden war. Ihr durfte nichts geschehen! Charleys Blick wanderte weiter. Zwei Betten weiter lag Ruan Lombard, genannt „Platon“, oder wie Mozart ihn jetzt nannte „den Auferstandenen“. Platon hatte seine Operation mittlerweile mehr oder weniger gut weggesteckt. Die gezogenen Zähne waren ersetzt worden, aber dennoch fühlte es sich anders fast fremd in seinem Mund an. Es waren nur Zähne, das hatte er sich in den letzten Stunden immer wieder ins Gedächtnis gerufen.
Zähne waren zu ersetzen und das sogar mehr als leicht. Die Fleischwunden waren ebenfalls versorgt worden und dennoch fühlte er sich nicht gut. Dem drohenden Gespräch mit dem CNS hatte er bis jetzt zwar noch entkommen können, aber seine Ausreden würden irgendwann auch verpuffen und sich in Rauch auflösen. Seit sie auf der USS Cassandra gestandet waren hatten Mozart und der weiße Wolf immer zu Wache gehalten. Sie vier gegen den Rest des Krieges? Ein Umstand den der Halbitaliener allerdings nicht tolerieren konnte, war der eingedämmte Informationsfluss über den Zustand der kleinen Trill. Man hatte ihnen zwar gesagt dass die OP gut verlaufen war und das sie sich nicht mehr in Lebensgefahr befand, aber das waren zu wenig Informationen. Einem Angehörigen aber musste man Auskunft geben, so hatte er all seinen italienischen Charme zusammengekehrt und sich vor der blonden Schwester mit der prächtigen Oberweite aufgebaut, „Ich muss nun wirklich über den Zustand von Ms. Wells informiert werden.“ Skeptisch musterte die Frau den Mann vom Schopf bis zum Schuh, „Angehörige?“ „Ich wusste das Sie das fragen“; stellte Platon siegessicher fest, „Wir sind verlobt?“
Immer noch stand die Blondine unbeeindruckt vor dem Marine und strich sich eine ihrer langen Locken hinter das Ohr, „Ach so…. wenn das wirklich so ist dann könnte ich Sie informieren, ABER da war heute Morgen ein blinder Franzose, der hat genau das Gleiche behauptet. Vielleicht klärt ihr erst mal eure Geschichten ab und dann kommt ihr zusammen zu mir und versucht es noch mal… besser“, kopfschüttelnd drehte die junge Frau sich um und schritt von dannen. „Und bei ihm sagen sie nichts?!“, rief Platon ihr unwillig hinterher und deutete auf Charley, der immer noch neben Emilys Bett saß. „Psssst! Ruhe!“, raunzte die Krankenschwester unladylike zurück. Ohne sich umzudrehen steuerte sie auf das Bett von Mozart zu, der ganz plötzlich aus seinem Schlaf zu erwachen schien. Der Andorianer lag lässig auf einem Biobett, während eine blonde Krankenschwester um ihn herum wuselte. Obwohl der Marine keiner von der plumpen Sorte war konnte Charley sehen das Mozart die plötzliche Aufmerksamkeit um seine Person genoss.
Charley erhob sich und streckte Platon im vorbeigehen die Zunge raus, was dieser mit einem kurzen Schnauben quittierte. Dann setzte sich der Halbitaliener auf den gerade frei gewordenen Stuhl und beugte sich vorsichtig vor, um Emilys Gesicht sehen zu können.
„Bleiben wir an Bord?“, fragte Mozart ohne Umschweife, als Charley die letzten Meter zu seinem Freund hinter sich gebracht hatte. Mozarts Blick ruhte auf Charley. Die Blässe rund um die Nase entging ihm nicht. „Alles gut Gandhi?“, setzte er direkt nach, während er die Stimme senkte und sich aufrichtete.
„Alles gut. Ich weiß noch nicht. Erstmal müssen alle wieder ganz gesund werden.“ bestätigte Charley schnell. Lieber würde er eine Rückrunde auf der Hol angehen als Mozart mit seinem Bullshit belästigen. Er war immer noch eine Führungspersönlichkeit für den Andorianer! Anführer durften nicht wanken!
In diesem Moment fiel Mozarts Blick auf Emilys Bett. „Die Kleine wacht auf Gandhi!“, rief der Andorianer ohne lange zu überlegen. Ohne auf den Protest der Krankenschwester zu hören glitt der Marine von seiner Matratze herunter und machte sich mit dem weißen Wolf auf zur ihrer verletzten Kameradin.
Ems Augen flatterten. Langsam schoben sich ihre Lider auseinander und die junge Trill begann die Umgebung in Augenschein zu nehmen. Platon hatte sein schönstes Lächeln aufgesetzt. Ihr war schwindelig und irgendwie wollte Emily beim aller besten Willen nicht klar werden wo sie sich genau befand. Ihr Kopf schmerzte, ihr Bauch fühlte sich seltsam an und von ihren Freunden war auch nichts zu sehen. Ah… doch… wenigstens die Marines waren da, das waren nicht ihre neuen engsten Freunde aber vielleicht war das ein Anfang. Für einen Moment dieser Erkenntnis musste die Trill kurz die Augen schließen und hoffte das der Arzt ihr noch einen Moment lang fern bleiben würde, damit sie sich gedanklich sortieren konnte. Noch einmal atmete die Trill tief ein, irgendetwas in ihrem Bauch hatte sich bewegt, dieser Umstand sorgte dafür dass ihre Augen wieder aufschnellten. „Leben wir noch?“ Kam es nun rau über ihre Lippen, mit einem Räuspern versuchte sie klarer sprechen zu können, „Wo sind die Hühner?“
„Die haben ein eigenes Quartier.“, sagte Platon während er vorsichtig nach Ems Hand griff. „Beziehungsweise, deins. Die Crew wollte die Hühner in der Küche … lagern… aber das konnten ich.. wir ja nicht zulassen.“, ergänzte er mit einem schiefen Lächeln. Seine neuen Zahnprothesen blitzen im Licht der Beleuchtung. Fragend legte die Trill ihre Stirn in Falten. Wer bitte lagerte denn Hühner in der Küche? Die Tierchen waren niedlich, aber man sollte doch keine Tiere in der Küche lagern, das war irgendwie unhygienisch. Für einen fragenden Einwand war Emily allerdings zu schwach, was sicherlich schade war, denn diese Diskussion hätte bestimmt zu einem Angriff der Trill auf die Küche geführt.
„Wir haben den Bereich so gestellt das sie ein bisschen Freiraum haben, aber ich fürchte das wird sie nicht davon abhalten zu randalieren.“ erzählte Charley trocken. Er hatte es als seine Aufgabe auserkoren Platons wildes Temperament zu zügeln. Der junge Mann machte offensichtlich kein Geheimnis daraus das er Emily sehr spannend fand. Ein bisschen zu spannend für ein Paar das sich bei einem unfreiwilligen Meet and Greet auf einem klingonischen Kreuzer kennengelernt hatte. // Vermutlich seine italienische Ader // dachte Charley.
„Hauptsache denen gehts gut.“, sagte Emily. Ihre Stimme klang immer noch etwas matt. Neben ihr hatte es Platon aufgegeben nach ihrer Hand zu greifen. Vielleicht hatte er unter Charleys Blick selbst festgestellt das die Geste etwas fehl am Platz war.
„Das tut es.“, bestätigte Charley. Mozart beugte sich tiefer über Emily. „Gehts dir gut Chefin?“, fragte er frei heraus.
Ging es ihr gut? So sicher war sie sich da nicht. Tief atmete die junge Frau ein, nur um Sekunden später die Luft wieder still aus den Lungen entweichen zu lassen. In ihrem Bauch war wieder diese seltsame Bewegung und das ungute Gefühl, dass irgendwer ihnen etwas antun wollte. Spontan richtete Emily sich auf, „Ich glaub wir sind uns da nicht ganz sicher.“
Es war neu, dass sie die Sorgen, oder besser die Panik des ekligen Wurms spüren konnte und irgendwie auch etwas auf das sie gut und gern verzichtet hätte.
„Und wie geht es dir?“, ihre Frage bezog sich auf den Andorianer.
„Geht schon wieder.“, wiegelte Mozart sofort ab. Charley sah ihm an das das nicht ganz der Wahrheit entsprach, aber er konnte den Freund verstehen. Was würde eine frisch Operierte wohl am Liebsten hören wollen?
In diesem Moment kam die blonde Krankenschwester zurück, sie trug ein Tablett mit kleineren Speisen und Getränken, das sie sorgsam vor Emily abstellte. Ihr Blick war immer noch ein wenig ungehalten. „Ich hab ein kleines Nachtmahl für sie. Für sie alle… steht an ihren Betten bereit.“, sagte sie spitz in die Runde. „Vielen Dank…Barta Erzsébet“, entgegnete Mozart während er unauffällig einen Blick auf das Namensschild der Schwester warf. Die Schwester lächelte Shib als sie ihren Namen hörte. „Sehr gerne.“
„Wo kommt der Name her?“, versuchte es Mozart nach der ersten positiven Reaktion mit Small Talk. „Ich komme aus Budapest, in Ungarn auf der Erde.“, erzählte die Schwester bereitwillig. Sie war stehen geblieben und bedachte den Andorianer mit einem warmen Schmunzeln.
// Was ist denn hier los? Ist hier was in der Luft oder so?// Charley warf Mozart einen eindeutigen Blick zu, den dieser aber verpasste weil seine Augen immer noch im Dekolleté der ungarischen Krankenschwester hingen. So kannte er Shib garnicht! Etwas ungläubig drehte er seinen Kopf zu Emily, die seinen Blick im Gegensatz zu Mozart bemerkt hatte. Ein Lächeln hatte sich auf ihre Lippen gestohlen. Nur langsam konnte Em sich von der privaten Soap, die sich direkt vor ihren Augen abspielte lösen und sich dem Essen widmen. Ihr erste Impuls war, dass alles in sich hinein zu schieben, allerdings war sie sich auf einmal gar nicht mehr so sicher ob sie nicht irgendwas davon nicht mochte. Angewidert schob sie den Teller zur Seite und blickte traurig an die Decke. Es war das eine mit dem Symbionten drauf zu gehen, aber etwas ganz anderes damit zu leben. Ihre Freunde fehlten ihr und das hier schien alles nicht richtig zu sein. Die Ungarische Krankenschwester hatte sich nun zu Emily vorgebeugt und nach dem Essen gesehen, „Stimmt damit etwas nicht?“
Okay, dem Anblick konnte auch die junge Trill sich nicht entziehen, waren das Doppel – D Körbchen? Auf jeden Fall wohl geformt und beeindruckend. „Ich habe keinen Hunger“, stelle Emily genervt fest. Auch ihr Ausblick auf die Zwillingsberge konnten ihre Stimmung nicht aufhellen.
„Ich glaub ich sag dem Arzt Bescheid“, diese Worte hatten das High Five mit dem Andoriander hinter dem Rücken der Krankenschwester auf halben Weg verpuffen lassen. Die Frau entfernte sich und Emily krabbelte von der Liege und stand nun mehr als wackelig vor dem weißen Wolf. „Was wird das“, knurrte dieser missmutig, „wir gehen jetzt sicher nicht die Hühner besuchen.“
„Ich will doch nicht die Hühner besuchen. Okay, will ich schon aber nicht jetzt. Ich muss meine Freunde suchen. Ich bin mir sicher dass ich was Wichtiges vergessen habe und sicher wissen sie es noch!“
Die Fragezeichen über den Köpfen der Marines schien fast greifbar zu werden, als Emily barfuß und im Nachthemd die nächste Flucht und den Aufbruch in die nächste Mission antrat.
Würde das Wolfsrudel ihr folgen?

Zeit: MD 08.0234 Ort: USS Cassandra, Quartier der Marines
Charley verschnauft kurz in seinem Quartier auf der USS Cassandra. Plötzlich meldet sich seine innere Kriegsstimme und wirft ihm vor seine Kameraden auf der Krankenstation alleine zu lassen.
Zeit: MD 08.0245 Ort: USS Cassandra, Deck 4 Krankenstation
Während Emily sich nach der OP noch erholt sucht Platon ihre Nähe. Mozart bewundert die ungarische Krankenschwester Barta. Als Emily aufwacht sieht sie Platon, Charley und Mozart um ihr Bett versammelt. Sie verlässt das Bett um ihre Freunde zu suchen.
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