{"id":5165,"date":"2019-10-19T21:14:49","date_gmt":"2019-10-19T21:14:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sf-germany.org\/einheiten\/hephaistos\/20190910-in-aller-freundschaft-628\/"},"modified":"2019-10-19T23:16:55","modified_gmt":"2019-10-19T21:16:55","slug":"20190910-in-aller-freundschaft-628","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sf-germany.org\/einheiten\/uss-hephaistos\/20190910-in-aller-freundschaft-628\/","title":{"rendered":"In aller Freundschaft"},"content":{"rendered":"<p>In aller Freundschaft<\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"100%\" class=\"header-part1\">\n<tr>\n<td><b>Betreff: <\/b>In aller Freundschaft<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><b>Von: <\/b>v2vc <\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><b>Datum: <\/b>10.09.2019, 22:59<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"100%\" class=\"header-part2\">\n<tr>\n<td><b>An: <\/b>USS-Hephaistos@yahoogroups.de<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Moin,<\/p>\n<p>hier ein etwas l\u00e4ngeres Copost mit Mac. Dank Dir \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Es hat nix mit der Mission zu tun und ist reines Charbuilding, das schon<br \/>l\u00e4nger geplant war. Shay und Ettore f\u00fchren darin ein sehr privates Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Wer mit der Beschreibung von Verletzungen Probleme hat, sollte etwas<br \/>aufpassen. Ansonsten viel Spass beim Lesen.<\/p>\n<p>&lt;RPG&gt;<\/p>\n<p># Zeit: MD 4.2016<br \/># Ort: Quartier della Scala\/Loona<\/p>\n<p>\u201eHmm danke noch einmal f\u00fcr die Einladung.\u201c Shay sa\u00df gem\u00fctlich auf dem<br \/>Sofa und schwenkte den Inhalt seiner Teetasse ein wenig. Der aromatische<br \/>Duft des Tees kitzelte in seiner Nase und er versuchte immer noch<br \/>herauszufinden, was Melody hier gebraut hatte.<\/p>\n<p>\u201eDas war doch das Geringste, was wir tun konnten, als kleinen Dank, dass<br \/>Du uns neulich gleich informiert hast und eingesprungen bist, bei den<br \/>Kindern zu helfen. Ich meine neben all den anderen Pflichten, die Du als<br \/>Captain so hast.\u201c Melody strahlte Shay an und schob das Tablett zur<br \/>Seite, auf dem bis vor wenigen Augenblicken noch ein gro\u00dfer Stapel<br \/>Sandwichs gelegen hatte.<\/p>\n<p>Das kleine Abendessen hatte eher den Eindruck eines Familienpicknicks<br \/>gehabt, was Shay ganz recht war, da es \u00fcberhaupt keinen formellen<br \/>Charakter hatte.<\/p>\n<p>\u201eNicht der Rede wert!\u201c, sagte der Schotte sehr betont und war froh, weil<br \/>er glaubte, endlich einen Hauch Verbene herausgerochen zu haben. Ettore<br \/>setzte sich mit einem m\u00fcden Aufseufzen zu ihm. Dem Italiener w\u00e4re ein<br \/>Glas Rotwein lieber gewesen, aber Melody hatte darauf bestanden, dass<br \/>alle dasselbe tranken und zwar eine gro\u00dfe Kanne Kr\u00e4utertee. Es w\u00fcrde<br \/>angeblich die Lebenskraft st\u00e4rken und zus\u00e4tzlich entspannen. Auf ganz<br \/>nat\u00fcrliche Art, wie sie betont hatte.<\/p>\n<p>\u201eWie geht es Dir jetzt eigentlich?\u201c fragte Shay mit einem Blick auf den<br \/>Italiener. \u00c4u\u00dferlich waren keine Spuren von dem Vorfall von neulich mit<br \/>Besuch auf der Krankenstation zu sehen. Aber man konnte nie wissen. \u201eAch<br \/>es geht ganz gut, ich habe ja auch schon wieder ganz normal meinen<br \/>Dienst verrichtet.\u201c erkl\u00e4rte Ettore m\u00f6glichst beil\u00e4ufig. \u201eKomm, mach mir<br \/>nichts vor. Mein Counselor w\u00fcrde sagen, so etwas geht nicht spurlos an<br \/>einem vorbei.\u201c Der Schotte versuchte sich in einem aufmunternden L\u00e4cheln.<\/p>\n<p>\u201eVielleicht sollte ich mal mit ihm sprechen, er scheint Ahnung zu<br \/>haben.\u201c Ettore musste auch lachen. Ganz nat\u00fcrlich, nicht verkrampft.<br \/>\u201eNat\u00fcrlich geht so etwas nicht spurlos an einem vorbei. Es war wie ein<br \/>verbaler Schlag in die Magengrube. Das muss ich zugeben. Da scheinen die<br \/>Nerven dann \u00fcberreagiert zu haben. Daher wohl auch der Zusammenbruch..<br \/>ich wei\u00df nicht.\u201c<\/p>\n<p>Shay musterte seinen Freund. F\u00fcr ihn war auch wichtig, wie sich das<br \/>Zusammenleben- und arbeiten weiter gestalten sollte, wo seine Schwester<br \/>noch an Bord war. \u201eIch habe schon mal mit meiner Schwester, der<br \/>Commodore geredet&#8230;\u201c, begann er vorsichtig, wurde aber von Ettore<br \/>direkt unterbrochen.<\/p>\n<p>\u201eDas habe ich mir schon gedacht, aber von meiner Seite aus gibt es keine<br \/>Vorbehalte, kann ich Dir gleich sagen. Sie ist zwar etwas sehr<br \/>pers\u00f6nlich und verletzend geworden, aber da sie auch nach wie vor<br \/>traumatisiert ist &#8211; auch wenn sie es nicht zugeben oder sich gar<br \/>behandeln lassen m\u00f6chte &#8211; ist der Vorfall &#8230; na ja, ich vermute. dass<br \/>ich einfach der Kollateralschaden aller Zusammenk\u00fcnfte von Ereignissen<br \/>bin&#8230;\u201c Ein kurzes und bitteres Lachen des Italieners.<\/p>\n<p>\u201eNa h\u00f6r mal, so ja auch nicht, sowas geht weder pers\u00f6nlich und schon gar<br \/>nicht dienstlich\u201c, widersprach Shay.<\/p>\n<p>Aber Ettore hob die abwinkend die Hand. \u201eLass es gut sein. Es ist nicht<br \/>r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, aber es breit zu treten hilft erst recht<br \/>niemandem. Versuchen wir uns auf unsere Aufgaben zu konzentrieren. Dann<br \/>gewinnen wir alle.\u201c<\/p>\n<p>Shay dachte einen Augenblick nach. Dann nickte er im Einverst\u00e4ndnis. Er<br \/>war froh, dass Ettore das so sah, das w\u00fcrde alles etwas leichter machen.<br \/>Dennoch w\u00fcrde diese Aktion seiner Schwester disziplinarische Folgen<br \/>haben. Welche das sein w\u00fcrden stand jedoch noch in den Sternen. Shay<br \/>lie\u00df den Blick wieder zu Ettore gleiten und versuchte an etwas anderes<br \/>zu denken, als ausgerechnet an Claudia.<\/p>\n<p>\u201eDa wir gerade von \u201apers\u00f6nlich\u2018 sprachen, m\u00f6chtest Du mir nicht mal<br \/>erz\u00e4hlen, wie Du Deinen Arm verloren hast und warum Du keinen<br \/>k\u00fcnstlichen Arm oder eine Prothese hast?&#8220;, fragte Shay pl\u00f6tzlich, ohne<br \/>dass er die Frage diesmal zur\u00fcckhalten konnte. Es war nicht seine Art,<br \/>von sich aus zu fragen. Er war der Meinung, dass jemand etwas erz\u00e4hlen<br \/>w\u00fcrde, wenn dasjenige bereit dazu war es zu erz\u00e4hlen. In Anbetracht der<br \/>Sache mit seiner Schwester und den damit aufkommenden Erinnerungen an<br \/>seine eigene Krankengeschichte schien seine Neugier jedoch nun Oberhand<br \/>zu gewinnen. Vielleicht war es auch der Anblick des leeren \u00c4rmels von<br \/>Ettores legerem Oberteil, der unbemerkt leblos auf einem Sofakissen zu<br \/>liegen kam.<\/p>\n<p>Ettore zwirbelte kurz an seinem Schnurrbart. \u201eEs ehrt Dich, dass Du Dir<br \/>diese Frage so lange aufgehoben hast, Shay\u201c, sagte er dann ruhig. Der<br \/>Schotte l\u00e4chelte knapp und zuckte dann mit den Schultern. \u201eIch dachte<br \/>mir, dass Du es mir erz\u00e4hlen wirst, wenn du es m\u00f6chtest. Es war nicht<br \/>mein Platz danach zu fragen. In Anbetracht der j\u00fcngsten Ereignisse<br \/>f\u00fcrchte ich jedoch, dass ich es fragen muss. Als Freund und als CO.&#8220;<br \/>erkl\u00e4rte der Schotte schlie\u00dflich.<\/p>\n<p>\u201eWirst du mir eine Antwort geben?&#8220; schob er dann fragend nach. Er w\u00fcrde<br \/>sich auch mit einem \u201aNein\u2018 von Ettore zufriedengeben. Immerhin standen<br \/>die meisten Dinge auch in Ettores Akte. Dennoch h\u00e4tte er gerne Ettores<br \/>pers\u00f6nliche Sicht der Geschichte geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Der Italiener z\u00f6gerte die Antwort hinaus und \u00fcberbr\u00fcckte dieses Z\u00f6gern<br \/>damit, dass er sich noch eine Tasse Tee einschenkte.<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich gebe ich Dir Antwort. Ich sage aber gleich dazu, dass ich es<br \/>selten jemand erz\u00e4hle. Aber wenn Du schon fragst &#8230; Da du mich<br \/>inzwischen etwas besser kennst, wirst Du die Antwort hoffentlich<br \/>verstehen. Und immerhin sitzt Du ja schon, dann wird es Dich wenigstens<br \/>nicht umhauen&#8230;&#8220;, begann Ettore schlie\u00dflich z\u00f6gernd. Nicht sicher wo<br \/>und wie er genau beginnen sollte. \u201eIch bin der statistisch<br \/>unwahrscheinliche Fall, bei dem ein verlorenes K\u00f6rperteil nicht wirklich<br \/>ersetzt werden kann, weil mehrere ung\u00fcnstige Faktoren zusammenkommen.<br \/>Ich m\u00f6chte vorwegnehmen, dass ich mich meiner nicht sch\u00e4me. Ich wei\u00df,<br \/>eine offensichtliche Behinderung ist f\u00fcr viele nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df.<br \/>Eine einfache Prothese ohne gute Funktion w\u00e4re m\u00f6glich, w\u00fcrde aber nur<br \/>das Bed\u00fcrfnis der anderen befriedigen, mich irgendwie konform zu machen.<br \/>Mir hilft es nicht. Also lasse ich es sein. Ich wei\u00df, dass zumindest<br \/>einige Crewmitglieder da Vorbehalte haben. Aber ich hatte das gro\u00dfe<br \/>Gl\u00fcck, Personen zu begegnen, die mich immer so akzeptiert haben, wie ich<br \/>bin, allen voran meine liebe Mel. Dir. Das hat mir sehr geholfen,<br \/>einfach nur ich selber zu sein. Mehr m\u00f6chte ich gar nicht. Ich m\u00f6chte,<br \/>dass Du das vorab verstehst.\u201c Ettore blickte Shay kurz in die Augen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sagte der Schotte: \u201eIch wei\u00df nicht, ob ich es verstehe. Aber<br \/>ich werde es mir merken.\u201c Shay lehnte sich noch etwas zur\u00fcck und nippte<br \/>an dem Tee. Auch Ettore nahm einen Schluck da er wusste, dass das es<br \/>eine lange Geschichte sein w\u00fcrde und er eine feuchte Kehle ben\u00f6tigte, um<br \/>sie erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eEs begann vor 15 Jahren. Du wei\u00df doch sicher aus meiner Akte, dass ich<br \/>vor meiner Karriere in der Sternenflotte eine wissenschaftliche Karriere<br \/>als Arch\u00e4ologe eingeschlagen hatte? Wir hatten ein tolles Projekt mit<br \/>einigen vulkanischen und romulanischen Wissenschaftlern nahe der<br \/>Neutralen Zone. Es hatte Spuren gegeben, dass beide Kulturen dort schon<br \/>einmal auf gleichem Boden anwesend gewesen waren. Stell Dir vor, was f\u00fcr<br \/>eine Entdeckung! Ich durfte f\u00fcr die F\u00f6deration an diesem Projekt<br \/>teilnehmen. Es war ein kleines Camp von Wissenschaftlern und einigen<br \/>wenigen Sicherheitskr\u00e4ften der Sternenflotte, sowie auch der Romulaner.<br \/>Aber alle dort waren in friedlicher Gesinnung.&#8220; geriet er kurz ins<br \/>Schw\u00e4rmen, ehe sich seine Gesichtsz\u00fcge wieder verh\u00e4rteten.<\/p>\n<p>&#8222;Mit einer Frau aus der Sicherheit, f\u00fchrte ich bald eine Beziehung und<br \/>sie wurde meine Frau. Liebe auf den ersten Blick. Ach, Frederica&#8230; Du<br \/>wei\u00dft, dass ich vor Melody schon einmal verheiratet war?&#8220;, fragte Ettore<br \/>und nutzte diese Frage erneut, um einen Schluck zu trinken. Shay nickte<br \/>lediglich und wartete, bis der Italiener bereit war, seine Geschichte<br \/>fortzusetzen. Der Schotte sp\u00fcrte, dass es Ettore nicht leicht fiel, \u00fcber<br \/>seine erste Frau zu sprechen und er musste sich eingestehen, dass er<br \/>sich seinen Freund schwerlich mit jemand anderem vorstellen konnte, als<br \/>mit Mel, die sich schon die ganze Zeit auf dem Sofa mit \u00fcbergeschlagenen<br \/>Beinen im Halbschlaf an ihren Mann kuschelte.<\/p>\n<p>&#8222;Dann eines Tages wurden wir von Schatzj\u00e4gern \u00fcberfallen. Hinterher kam<br \/>heraus, dass es sich um einige Ferengi handelte, die glaubten, wo so<br \/>viele verschiedene Spezies zusammenarbeiten, k\u00f6nne man Profit machen. Es<br \/>waren ideelle Sch\u00e4tze, aber das werden sie wohl nie verstehen.&#8220; Ettores<br \/>Stimme verlor sich ein wenig und er starrte auf einen unsichtbaren Punkt<br \/>an der Wand.<\/p>\n<p>&#8222;Ich wei\u00df noch, dass ich mich mit der linken Hand an einer Stange o. \u00e4.<br \/>abgest\u00fctzt hatte, um etwas am Boden Liegendes besser sehen zu k\u00f6nnen.<br \/>Dann h\u00f6rte ich mehrere Detonationen und als N\u00e4chstes wei\u00df ich nur, dass<br \/>ich einen stechenden Schmerz in meinem linken Arm sp\u00fcrte und durch die<br \/>Luft gewirbelt wurde. Danach wei\u00df ich f\u00fcr viele Tage nichts mehr&#8220; fuhr<br \/>er schlie\u00dflich leiser und sehr monoton fort.<\/p>\n<p>Er atmete einmal tief durch: \u201eIch kann Dir also nur erz\u00e4hlen, was andere<br \/>berichtet haben: Ich wurde durch einen direkten Einschlag neben mir<br \/>viele Meter durch die Luft geschleudert. Der untere Teil des Arms war<br \/>wohl komplett weggerissen worden und oben an der Schulter war er aus dem<br \/>Gelenk gerissen. Nur ein kleiner Rest hing noch durch eine Sehne und<br \/>etwas Haut verbunden an mir. Alles wurde notd\u00fcrftig verbunden. Es gab<br \/>bei uns im Wissenschafts Camp nur einige der Sternenflottler und<br \/>Romulaner, die in Erster Hilfe geschult waren. Sie haben die wenigen<br \/>\u00dcberlebenden notd\u00fcrftig versorgt. Ich hatte sonst noch Prellungen und<br \/>einige kleinere Schnittwunden erlitten, aber nichts Nachhaltiges. Dann<br \/>mussten wir auf Hilfe warten. Es hat Tage gedauert, bis ein kleines<br \/>Forschungsschiff unseren Notruf aufgenommen hatte und zu uns kam. Alle<br \/>\u00dcberlebenden wurden evakuiert und dort medizinisch durch einen<br \/>vulkanischen Arzt versorgt, der sich wohl auch nicht hatte tr\u00e4umen<br \/>lassen, dass er statt medizinischer Experimente auf seiner Reise viele<br \/>Notf\u00e4lle versorgen musste. Er konnte nichts mehr machen, es war schon zu<br \/>viel Zeit vergangen. Er schnitt den Rest vom Arm auch noch weg und die<br \/>Wunde wurde so gut es ging verschlossen. Es war eine Standardprozedur.<br \/>So w\u00fcrde man mir auf der n\u00e4chsten Sternenbasis einen k\u00fcnstlichen Arm<br \/>anpassen k\u00f6nnen. Und das Ergebnis kennst Du ja schon.&#8220; Ettore l\u00e4chelte<br \/>d\u00fcnn. Er drehte sich zu Shay und zeigte ihm die linke Schulter. Wie zur<br \/>Demonstration zog er die Schulterbl\u00e4tter einmal zusammen und auch ein<br \/>leichtes Schulterzucken gelang ihm. Ettore l\u00e4chelte stolz: \u201eImmerhin,<br \/>das geht noch.\u201c<\/p>\n<p>Shay war versucht, dem Italiener die Hand auf die Schulter zu legen,<br \/>Trost zu spenden, wollte ihn aber auch nicht davon abhalten die<br \/>Geschichte weiter zu erz\u00e4hlen. Etwa sagte ihm, dass dies etwas war, das<br \/>Ettore tun musste. Sich alles von der Seele reden. Aber was hatte es mit<br \/>dem Tonfall auf sich? Wahrscheinlich war es eine gewisse Form der<br \/>Selbstironie oder des Galgenhumors. Wie man \u00fcber so etwas spa\u00dfen konnte,<br \/>war ihm unverst\u00e4ndlich, aber er musste auch zugeben, dass er sich<br \/>gedanklich noch nie ernsthaft versucht hatte, in Ettore Situation<br \/>hineinzuversetzen. Wahrscheinlich war es die ganz normale Art seines<br \/>Freundes, mit seiner Behinderung umzugehen. Schlie\u00dflich gewann der<br \/>Wunsch nach einem physischen Kontakt die Oberhand. Aber statt eines<br \/>Trostes klopfte er ihm &#8211; wenn auch vorsichtig &#8211; kumpelhaft auf die<br \/>Schulter. Den Tonfall von Ettore aufgreifend best\u00e4tigte er: \u201eImmerhin.\u201c<\/p>\n<p>Der Italiener atmete tief durch und schloss kurz die Augen. Es war nicht<br \/>leicht, die Vergangenheit pl\u00f6tzlich wieder lebendig werden zu lassen<br \/>nach all den Jahren. Es war eine ferne Vergangenheit. &#8222;Auf diesem Schiff<br \/>habe ich erstmals das Bewusstsein wiedererlangt. Zwar nur durch den<br \/>Nebel von einer hohen Dosis Schmerzmittel, aber doch klar genug,<br \/>zumindest zu sehen, was mit mir passiert war. Man sagte mir, alles werde<br \/>gut, der Arm w\u00fcrde mir ersetzt werden. Als ich den Kopf nach links<br \/>drehte und das erste Mal sah, dass der Arm nicht mehr da war, schloss<br \/>ich die Augen und redete mir ein, es sei alles nur ein Albtraum. Ich<br \/>wollte einschlafen, denn nach dem Aufwachen w\u00e4re alles wieder in<br \/>Ordnung. Von Frederica wusste ich damals noch nichts.&#8220; Ettores Stimme<br \/>brach und er versuchte diesen Umstand mit einem weiteren Schluck Tee zu<br \/>kaschieren. Shay nutzte diese Gelegenheit und schenkte sich und dann ihm<br \/>nach.<\/p>\n<p>\u201eAber nichts war in Ordnung, nicht wahr?&#8220; fragte der Schotte<br \/>dannungewohnt sanft. Er kannte die Antwort bereits. Ettore l\u00e4chelte<br \/>freudlos und sch\u00fcttelte den Kopf.<\/p>\n<p>&#8222;Nein. Nichts war in Ordnung. Die Realit\u00e4t, in die ich aufwachte, war<br \/>eine andere. Als wir schlie\u00dflich viele Tage sp\u00e4ter auf einer<br \/>Sternenbasis ankam, wurde ich medizinisch weiter behandelt. Man passte<br \/>mir einen k\u00fcnstlichen Arm an und schickte mich in eine Reha. Au\u00dferdem<br \/>erfuhr ich, dass unter den Todesopfern auch meine Frau war. Ich hatte<br \/>nicht einmal mehr eine M\u00f6glichkeit gehabt, in irgendeiner angemessenen<br \/>Form von Ihr Abschied zu nehmen, keine Gelegenheit zur Trauer. Es ist so<br \/>unglaublich. Einen Augenblick bist Du gl\u00fccklich und im n\u00e4chsten ist<br \/>nichts mehr davon \u00fcbrig\u201c, reflektierte er nun n\u00fcchtern und mit einer<br \/>Spur Bitterkeit.<\/p>\n<p>Ein pl\u00f6tzlicher Schrei aus dem Kinderzimmer unterbrach die schwebende<br \/>Stille. Mit einem Satz war Mel auf den Beinen und eilte nach nebenan und<br \/>die beiden M\u00e4nner lauschten dem leisen Nachgesang von Melody, der aus<br \/>dem Kinderzimmer drang. Kieran hatte einen Albtraum und wollte<br \/>unbedingt, dass sie ihm etwas vorsang. Die Zwillinge schliefen seelig.<\/p>\n<p>\u201eWo war ich? Ach in der Reha, in der vor allem die physischen Aspekte im<br \/>Vordergrund standen, zeigten sich dann die Probleme. Man hat mir<br \/>hinterher gesagt, dass der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle gespielt<br \/>hat. Je schneller ein k\u00fcnstliches K\u00f6rperteil anoperiert wird, umso<br \/>wahrscheinlicher ist es, dass es gut funktioniert und vom K\u00f6rper<br \/>akzeptiert wird. Aber bei mir waren schon Wochen vergangen. Die<br \/>k\u00f6rperlichen Voraussetzungen waren ebenfalls schlecht. Die Nervenenden<br \/>wollten sich nicht stimulieren lassen und da die Muskeln weggerissen<br \/>worden waren, gibt es an der Stelle nur noch Haut, die direkt \u00fcber den<br \/>Knochen spannt. Du hast den Stumpf ja schon gesehen. Jedenfalls hatte<br \/>ich unendliche Schmerzen und nur eine eingeschr\u00e4nktere Funktion als<br \/>eigentlich m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Ich trainierte flei\u00dfig, aber mein<br \/>K\u00f6rper wehrte sich. Der Kontakt zwischen dem k\u00fcnstlichen Arm und meiner<br \/>Schulter war st\u00e4ndig wund.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem sagte mir mein Unterbewusstsein, dass es falsch war. Das war<br \/>nicht mein Arm. Und doch konnte ich mit den k\u00fcnstlichen Fingern etwas<br \/>f\u00fchlen. Das hat mich fast verr\u00fcckt gemacht. Die Reha machte keine<br \/>Fortschritte. Alle redeten mir gut zu. Vielleicht war ich nicht bereit,<br \/>aber ich merkte, dass ich mich eher mit dem Verlust des Arms abfinden<br \/>konnte als mir weiterhin wie ein Versuchskaninchen medizinischer<br \/>Experimente vorzukommen. Ich lie\u00df mich noch einmal operieren und der Arm<br \/>wurde wieder entfernt. Man entlie\u00df mich als austherapiert.<\/p>\n<p>Ich dachte, ich m\u00fcsse einfach funktionieren und weiter machen, ging<br \/>zur\u00fcck an die Universit\u00e4t in Rom. Jeden Tag war ich mit den Kollegen<br \/>zusammen, die ich von fr\u00fcher kannte. Alle waren freundlich und<br \/>nachsichtig und taten so, als w\u00e4re nichts geschehen. Aber es war viel<br \/>Geschehen. Alles war anders. Ich hatte ein gebrochenes Herz und war<br \/>Witwer. Au\u00dferdem war ich nun einarmig und k\u00e4mpfte darum, v\u00f6llig auf mich<br \/>gestellt den Alltag zu meistern. Ich musste mich an meinen ver\u00e4nderten<br \/>K\u00f6rper erst gew\u00f6hnen und viele allt\u00e4gliche Dinge neu erlernen. Noch<br \/>immer hatte ich Schmerzen in meinem Schulterstumpf und nahm Medikamente.<br \/>Aber das Leben entglitt mir. Ich suchte Hilfe in weiteren Medikamenten.<br \/>Ich habe, wenn ich mir eine neue Dosis verabreichte die Sekunden<br \/>gez\u00e4hlt, bis die Wirkung endlich einsetzte. Ich war abh\u00e4ngig geworden<br \/>von den Schmerzmitteln, die mich in eine Wolke der Leichtigkeit hoben<br \/>und den Geist umnebelten.&#8220;<\/p>\n<p>Ettore lehnte sich etwas zur\u00fcck. Ein Teil der Anspannung fiel von ihm<br \/>ab. Shay konnte teilweise nachempfinden, was in Ettore vorgegangen sein<br \/>musste und er machte ihm keinen Vorwurf daraus. manchmal half es, f\u00fcr<br \/>eine Zeit lang allem zu entfliehen &#8211; vorausgesetzt man kam wieder<br \/>zur\u00fcck. Da Ettore heute neben ihm sa\u00df, wusste er bereits, wie diese<br \/>Geschichte ausgegangen sein musste. Er lie\u00df dem Italiener Zeit, die<br \/>richtigen Worte zu finden und h\u00f6rte einfach nur zu.<\/p>\n<p>Shay wusste, von was Ettore redete. Er selbst hatte etwas \u00c4hnliches mit<br \/>gemacht. Zwar ohne von den Mitteln abh\u00e4ngig zu werden, aber er kannte<br \/>dieses Gef\u00fchl der Leichtigkeit. Des Alles-um-sich- herum-Vergessens. Und<br \/>er wusste auch, dass wenn man aus diesem Nebel wieder auftauchte, die<br \/>Realit\u00e4t mit voller Wucht zuschlug. Der Griff nach einer weiteren Dosis<br \/>war f\u00fcr den Schotten sehrnachvollziehbar.<\/p>\n<p>Ettore seufzte schlie\u00dflich lautstark und fuhr fort.<\/p>\n<p>\u201eDann kam der Tag, an dem nichts mehr ging. Ich zog die Rei\u00dfleine und<br \/>brach alle Br\u00fccken hinter mir ab. Es gab nur eine Person, zu der ich<br \/>genug Vertrauen hatte, dass sie mir bedingungslos helfen w\u00fcrde. So flog<br \/>ich zu meiner Schwester in die Marskolonie. Sie gab mir den gesch\u00fctzten<br \/>Raum und ein Umfeld unendlicher Akzeptanz. Ich musste mich nicht<br \/>verteidigen und niemand etwas beweisen. Sie hatte sich immer schon um<br \/>mich gek\u00fcmmert, auch als wir kleiner waren. Sp\u00e4ter haben wir am gleichen<br \/>Ort studiert. Anna meldete sie mich bei einem Psychologen an und sorgte<br \/>daf\u00fcr, dass ich die Termine wahrnahm. Dort konnte ich endlich die<br \/>dringend ben\u00f6tigte Hilfe bekommen und annehmen. Erstmals hatte ich das<br \/>Gef\u00fchl, jemand wollte und konnte mir wirklich helfen, denn es ging um<br \/>mich, nicht um die \u00c4rzte und ihre Kunst. Die Therapie war erfolgreich.<br \/>Im Verlauf konnte ich die Schmerzmittel reduzieren und soweit wieder ich<br \/>selber werden, dass ich die Scherben meines Lebens aufklauben konnte, um<br \/>daraus etwas Neues zu erschaffen.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Aber warum bist Du nicht gleich zu Deiner Schwester gefahren, als Du in<br \/>das Sol-System zur\u00fcckgekehrt bist?&#8220;, fragte Shay verwundert. Ettore<br \/>lachte. &#8222;Da sieht man mal wieder ganz der Sternenflottler durch und durch.&#8220;<\/p>\n<p>Shay war \u00fcberrascht: &#8222;So fern ist der Gedanke nicht&#8220;, rechtfertigte er sich.<\/p>\n<p>&#8222;Nein, nat\u00fcrlich nicht.\u201c Ettore streckte einmal den Oberk\u00f6rper und zog<br \/>dann das Hemd wieder gerade. \u201eAber man muss erst einmal darauf kommen,<br \/>dass man Hilfe braucht und sich dann welche suchen. In der Sternenflotte<br \/>gibt es daf\u00fcr Strukturen, Mediziner, Counselor, Psychologen. Guck Dich<br \/>hier mal auf dem Schiff um. Da gibt es einige, denen sogar gesagt wurde,<br \/>dass Sie Hilfe brauchen und die es trotzdem nicht wahrhaben wollen. Was<br \/>also soll jemand tun, der gar nicht erst auf die Idee kommt, dass er<br \/>Hilfe braucht? Ich war damals sehr weit von solchen gedanklichen<br \/>Strukturen entfernt, wie Du mich heute durch meinen neuen Beruf kennst.&#8220;<\/p>\n<p>Shay sch\u00fcrzte die Lippen. &#8222;Ok, ich sehe den Punkt. Und wie hast Du dann<br \/>genug Energie f\u00fcr einen Neuanfang gefunden?&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich brauchte eine neue Perspektive, um meinem Leben wieder eine<br \/>Richtung zu geben&#8220;, sagte Ettore. &#8222;Heute klingt das ganz simpel, aber<br \/>man muss erst einmal drauf kommen. Meine Eltern sind in der<br \/>Sternenflotte. Meine erste Frau war in der Sternenflotte, weil sie daran<br \/>geglaubt hatte, dass Zusammenarbeit das gr\u00f6\u00dfte Ziel war, denn es<br \/>erweiterte den Horizont. F\u00fcr dieses Ideal war sie gestorben. Ich fand<br \/>diese Ideologie lohnenswert. Also lag es f\u00fcr mich nahe, mich auch einer<br \/>Sternenflottenkarriere zuzuwenden. Ich bewarb mich an der Akademie.<br \/>Nat\u00fcrlich gab es gro\u00dfe Vorbehalte. Aber ich konnte meine Motivation gut<br \/>begr\u00fcnden. Ich wollte in Zukunft helfen zu vermeiden, dass anderen etwas<br \/>widerfahren musste wie mir. Ich hatte selber auf die harte Tour gelernt,<br \/>wie wichtig psychologischer Beistand war. Warum sollte ich nicht aus<br \/>meiner Erfahrung heraus anderen helfen k\u00f6nnen? So wurde ich angenommen,<br \/>allerdings auf die von mir angestrebte Karriere in Diplomatie und<br \/>Counselling beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Da ich aber das Grundtraining wie jeder durchlaufen musste, wurde mir<br \/>dort noch eine sehr schlichte Prothese f\u00fcr Au\u00dfeneins\u00e4tze u. \u00e4.<br \/>angepasst. Es war nur eine sehr eingeschr\u00e4nkte Funktion und das Tragen<br \/>verursachte die \u00fcblichen Druckschmerzen. Aber ich hatte ja immer die<br \/>M\u00f6glichkeit, das Ding abzuziehen.&#8220; Ettore schnaubte belustigt und<br \/>zwirbelte erneut an seinem Schnurrbart.<\/p>\n<p>Shay fielen tausend Fragen zu diesem Abschnitt in Ettores Leben ein.<br \/>Hatte man ihn an der Akademie geh\u00e4nselt? Wie war er dort aufgenommen<br \/>worden? Was war ihm besonders schwer gefallen? Welche Freundschaften<br \/>hatte er dort geschlossen? Und und und &#8230; Gleichzeitig sp\u00fcrte er aber<br \/>auch, dass es falsch w\u00e4re Ettore jetzt zu unterbrechen. Die M\u00f6glichkeit<br \/>w\u00fcrde sich sicher ein andermal ergeben. Immerhin wollte er Ettores<br \/>Geschichte zu dem verlorenen Arm h\u00f6ren und keine Campus-Nostalgie.<\/p>\n<p>&#8222;Na ja, so kam ich zu meiner ersten Verwendung als Counselor auf die USS<br \/>Agamemnon. Du siehst, die alten Griechen sind mir irgendwie erhalten<br \/>geblieben. Jedenfalls hatte ich dort auf unserer ersten Mission das<br \/>gro\u00dfe Pech von einem Erzfeind der Captain zusammen mit ihrem Mann \u2013<br \/>meinem sehr gesch\u00e4tzten Counselor-Kollegen \u2013 gefangen genommen und<br \/>gefoltert zu werden. Ich habe Dir mal kurz davon erz\u00e4hlt, aber glaube<br \/>mir, keine Erz\u00e4hlung kann ann\u00e4hernd ausdr\u00fccken, was ich durchgemacht<br \/>habe. Die Spuren der Plasmapeitschen hast Du ja schon gesehen. Aber auch<br \/>die Neuroimplantate f\u00fcr Ganzk\u00f6rperschocks haben ihre Spuren<br \/>hinterlassen. Es war eine Au\u00dfenmission, deshalb trug ich die Prothese.<br \/>Die Schocks wurden nat\u00fcrlich zu den metallenen Teilen der Prothese<br \/>geleitet und richteten dort st\u00e4rkere Verbrennungen an, als wenn ich noch<br \/>einen Arm aus Fleisch und Blut gehabt h\u00e4tte. Immerhin, ein zweites Mal<br \/>konnte ich den Arm nicht verlieren.&#8220; Ettore verzog den Mund kurz.<\/p>\n<p>&#8222;Mir scheint eher die griechischen G\u00f6tter w\u00e4ren Dir nicht sonderlich<br \/>hold.&#8220; gab Shay mit erhobener Augenbraue zur\u00fcck. Gut auf der Hephaistos<br \/>hatte Ettore bislang Gl\u00fcck gehabt &#8230; Aber er erinnerte sich an Ettores<br \/>Erz\u00e4hlung von der Folter und wie es den Italiener mitgenommen hatte,<br \/>dass etwas Vergleichbares auf der Hephaistos hatte stattfinden k\u00f6nnen.<br \/>Nicht gerade ein Augenblick in dem er als CO gegl\u00e4nzt hatte.<\/p>\n<p>\u201eJedenfalls haben sie mich nicht zu Charons F\u00e4hre geschickt, sondern<br \/>eher in die Obhut von Apollon gegeben. Denn man hat mich wieder<br \/>zusammengeflickt und konnte auch die Verbrennungen mit nachgez\u00fcchteter<br \/>Haut bedecken\u201c, fuhr Ettore in seiner Erz\u00e4hlung fort und riss Shay damit<br \/>aus den eigenen Gedanken.\u201eIch hatte viele schwere innere und \u00e4u\u00dferliche<br \/>Verletzungen. Wieder Schmerzmittel, Tage, die ich v\u00f6llig hilflos auf der<br \/>Krankenstation verbracht habe. Wusstest Du, dass eine Krankenstation der<br \/>Dragon Class 31 Deckenplatten hat?\u201c<\/p>\n<p>Als Ettore Shays etwas blassen Gesichtsausdruck sah, sah er ihn mit<br \/>einem belustigten Gesichtsausdruck an. \u201eDu wolltest doch die Geschichte<br \/>h\u00f6ren. Und keine Sorge, das Erz\u00e4hlen sorgt nicht f\u00fcr neue Schmerzen.\u201c<br \/>Shay fiel nichts anderes ein, als sich mit der Hand durch die Haare zu<br \/>fahren. \u201eJa schon, aber wer h\u00e4tte geahnt&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Ettore nahm wieder einen besonnenen Gesichtsausdruck an: \u201eAber diesmal<br \/>war ich nicht alleine, ich hatte Hilfe, Kollegen, Freunde allen voran<br \/>Mel, die sich damals sehr lieb um mich gek\u00fcmmert habt, obwohl wir damals<br \/>\u2018nur\u2019 befreundet waren. Ich konnte wirklich innerlich wie \u00e4u\u00dferlich<br \/>heilen, auch wenn es wieder viele Wochen in Anspruch nahm. Das Ende vom<br \/>Lied, danach war es endg\u00fcltig aus mit Versuchen, den Verlust des Arms zu<br \/>ersetzen. Das sahen schlie\u00dflich auch die \u00c4rzte ein und so hast Du viele<br \/>Jahre sp\u00e4ter eben einen behinderten Counselor an Bord bekommen.&#8220;<\/p>\n<p>Nach der langen Erz\u00e4hlung nahm Ettore sich auch jetzt erst mal eine<br \/>Schluck Tee. Dann lehnte er sich entspannt zur\u00fcck. Es deutete nichts<br \/>darauf hin, dass er sich in seinem K\u00f6rper irgendwie unwohl f\u00fchlen w\u00fcrde,<br \/>was seine Geschichte best\u00e4tigte.<\/p>\n<p>Shay starrte in seine Tasse. &#8222;Wenn ich geahnt h\u00e4tte, was meine Frage<br \/>ausl\u00f6st, h\u00e4tte ich mir von Mel besser etwas Alkoholischeres geben lassen<br \/>sollen.&#8220; murmelte er schlie\u00dflich.<\/p>\n<p>&#8222;Sie h\u00e4tte es dir genausowenig gegeben wie mir&#8220;, zwinkerte Ettore, der<br \/>immer noch lieber einen Wein getrunken h\u00e4tte statt des Tees.<\/p>\n<p>Dann wurde sein Gesichtsausdruck wieder ernster. \u201eVielleicht verstehst<br \/>Du jetzt, warum ich meine Lebensgeschichte seltenteile. Viele sind<br \/>peinlich ber\u00fchrt von mir. _Sie_ sch\u00e4men sich dann f\u00fcr _mich_. Ich mache<br \/>ihnen keinen Vorwurf, aber versuche immer, sie von dieser Geschichte<br \/>fernzuhalten. Sie nicht pers\u00f6nlich zu involvieren. Den meisten hilft<br \/>das, dass sie selber dar\u00fcber hinwegsehen k\u00f6nnen. Sie k\u00f6nnen sich<br \/>vormachen, dass ja gar nichts w\u00e4re.<\/p>\n<p>Ich habe mich mit dem Zustand einfach abgefunden und renne nicht mehr<br \/>irgendwelchen Ideen hinterher, die nur meine Kraft kosten. Wenn ich in<br \/>den Spiegel schaue, erkenne ich mich selbst. Wie viele k\u00f6nnen das von<br \/>sich sagen?&#8220; fragte Ettore nun mit leicht erhobener Stimme in der Stolz<br \/>aber auch so etwas wie Trotz mitschwang.<\/p>\n<p>&#8222;Nicht viele.&#8220; meinte Shay nur ohne auf die urspr\u00fcngliche Frage<br \/>einzugehen. Der Schotte verzog das Gesicht, nachdem er den letzten<br \/>Schluck Tee getrunken hatte. Die Fl\u00fcssigkeit war abgek\u00fchlt und schmeckte<br \/>ihm kalt so \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p>Ettore nickte knapp und stellte seinen eigene Tasse auf dem Tisch ab.<br \/>Unbewusst rieb er sich mit der nun freien Hand \u00fcber den Stumpf, was Shay<br \/>zu einer Frage veranlasste.<\/p>\n<p>&#8222;Hast Du heute immer noch Schmerzen?&#8220; wollte der Schotte wissen. Er<br \/>hatte hin und wieder bemerkt, wie Ettore den Sumpf massierte, sich aber<br \/>bislang nichts weiter dabei gedacht.<\/p>\n<p>&#8222;Ab und an, ja, dann f\u00fchlt es sich an, als h\u00e4tte ich einen Krampf im<br \/>Arm&#8220;, verzog Ettore das Gesicht um anzuzeigen, dass dies jetzt gerade<br \/>der Fall war.<\/p>\n<p>&#8222;Nimmst Du dann Schmerzmittel?&#8220; bohrte Shay weiter und ahnte, dass der<br \/>CSO in ihm bei dieser Frage durchkam. Doch gerade in Anbetracht dessen,<br \/>was Ettore ihm gerade erz\u00e4hlt hatte, war dies eine Frage, die ihn nicht<br \/>nur als Freund interessiert.<\/p>\n<p>&#8222;Nein, das hilft nicht wirklich. Ich muss versuchen, zu entspannen. Eine<br \/>Massage am Stumpf hilft mir immer, mich zu entspannen. Am Besten stelle<br \/>ich mir vor, wie man das auch bei einem normalen Krampf tut, zu<br \/>entspannen und eine Gegendehnung einzuleiten. Also ich dehne dann meine<br \/>vorgestellte Hand und Finger und dann wird es besser&#8220;, erkl\u00e4rte der<br \/>Italiener weiter und schloss zum Veranschaulichen die Augen. Shay nutzte<br \/>dies, um sich diesmal ein Glas Wasser einzuschenken. Die Teekanne selbst<br \/>war inzwischen leer.<\/p>\n<p>Nachdenklich drehte der Schotte das Wasserglas in seiner Hand, w\u00e4hrend<br \/>Ettore seine Entspannungs\u00fcbungen machen. Die kurze Schmerzattacke war<br \/>wohl vor\u00fcber, denn inzwischen sah der Gesichtsausdruck des Italieners<br \/>wieder ganz normal aus: \u201eAber auch sonst tut es ganz gut, au\u00dferdem muss<br \/>ich ja etwas mit den Fingern machen, wo ihr bimanuellen Personen die<br \/>Arme verschr\u00e4nken oder die Daumen drehen k\u00f6nnt\u201c, sagte Ettore.<\/p>\n<p>Shay blickte \u00fcberrascht auf. Als Ettore ihn dabei ein wenig schelmisch<br \/>anl\u00e4chelte, kam er nicht umhin, dies zu erwidern. Es war tats\u00e4chlich ein<br \/>Aspekt, \u00fcber den er nie nachgedacht hatte. \u201eWenn ich mich recht<br \/>erinnere, hast Du die Narben aber nicht noch einmal behandeln lassen,<br \/>oder?&#8220; fragte Shay dann pl\u00f6tzlich. Jetzt war es der Counselor, der Shay<br \/>verbl\u00fcfft ansah.<\/p>\n<p>&#8222;Nein, das ist richtig. Wozu auch? &#8222;, wollte er nun im Gegenzug wissen.<br \/>Shay kratzte sich kurz am Kopf, um Zeit zu gewinnen. Er selbst hatte<br \/>seine Narbe von damals entfernen lassen.<\/p>\n<p>\u201eNa ja, die meisten versuchen sich optisch anzupassen&#8220;, gab der Schotte<br \/>schlie\u00dflich zu bedenken. Nun musste Ettore lachen. Es war ein<br \/>gewinnendes Lachen und mit ihm war die ganze Spannung um dieses sehr<br \/>pers\u00f6nliche Thema irgendwie gewichen. \u201eDu meinst, nach dem<br \/>offensichtlichen Verlust des Armes, w\u00fcrde die Optik mit ein wenig<br \/>Narbenkorrektur wieder im Lot sein?\u201c, stichelte der Italiener. Dann in<br \/>ernsterem Tonfall: \u201eEs w\u00e4re wirklich nur Kosmetik f\u00fcr die Gef\u00fchle der<br \/>anderen. Und es w\u00e4re aufwendig gewesen. Du hast es ja gesehen, die<br \/>Wunden dringen tief ins Gewebe ein. Ein wenig nachgez\u00fcchtete Haut kann<br \/>das alles nur bedecken, aber f\u00fcr eine umfangreiche kosmetische<br \/>Behandlung h\u00e4tte das Gewebe in mehreren Schritten aufgebaut werden<br \/>m\u00fcssen. Und ich habe wirklich von Operationen und Behandlungen mehr als<br \/>genug.&#8220;<\/p>\n<p>Shay schien nicht wirklich \u00fcberzeugt. &#8222;Vielleicht hast du recht, aber es<br \/>ging mir nicht darum. Nicht nur. Ich gebe durchaus zu, dass ich in<br \/>manchen Dingen eitel bin aber ich pers\u00f6nlich &#8230; m\u00f6chte nicht durch<br \/>Narben an meinem K\u00f6rper an die Dinge erinnert werde, die diese Narben<br \/>verursacht haben.&#8220; begann Shay dann stockend. Es war das erste Mal, dass<br \/>er sich damit auseinandersetzte und erkl\u00e4rte, warum er seine Narben<br \/>entfernen lie\u00df. Speziell diese eine.<\/p>\n<p>Ettore seufzte leise. \u201eDas verstehe ich. Es ist sicher genau das<br \/>Richtige, denn es ist Dir wichtig gewesen. Aber in meinem Fall &#8211; so<br \/>paradox es klingen mag &#8211; der fehlende Arm ist ein Teil von mir. Ich<br \/>werde so oder so daran erinnert da kommt es auf ein paar Narben nicht<br \/>mehr an&#8220;, meinte er und Shay grinste schief. Wenn man es im Ganzen<br \/>betrachtet und nachdem er die Geschichte geh\u00f6rt hatte, machte es<br \/>wirklich keinen Unterschied.<\/p>\n<p>&#8222;Ja vermutlich hast du Recht&#8230; W\u00fcnschst Du Dir manchmal, es w\u00e4re wieder<br \/>wie fr\u00fcher?&#8220; gab Shay den Ball wieder zur\u00fcck und nun kam Ettore ins<br \/>Stocken.<\/p>\n<p>&#8222;Es war ein ganz anderes Leben. Ich kann einfach das eine nicht mit dem<br \/>anderen vergleichen. Es gibt kein Zur\u00fcck \u00fcber die Wasser der Lethe. Aber<br \/>ja, manchmal w\u00e4re es toll, zwei H\u00e4nde zu haben.&#8220; gab Ettore zu.<\/p>\n<p>&#8222;Wann denn zum Beispiel?&#8220; Shays Augenbraue hob sich fragend. Ihm kamen<br \/>etliche Dinge in den Sinn, die sich besser mit zwei H\u00e4nden tun lie\u00dfen.<br \/>Er fand es aber beruhigend, dass Ettore dies so frei zugeben konnte.<\/p>\n<p>&#8222;Ach, es ist gar nichts Gro\u00dfes. F\u00fcr mich ist es normal, einige Dinge<br \/>nicht zu k\u00f6nnen. Wir sind alle verschieden, der eine ist schneller, der<br \/>andere st\u00e4rker. Damit kann ich leben&#8230;\u201c Ettore z\u00f6gerte einen Moment.<br \/>Dann sagte er ganz leise: \u201eEs gibt diese kleinen Momente, die einem<br \/>einen kurzen Stich versetzen. Wenn ich nicht Keirans begeistertes<br \/>H\u00e4ndeklatschen teilen kann, nicht beide Zwillinge gleichzeitig im Arm<br \/>halten kann. Oder wenn ich mir w\u00fcnschte, ich k\u00f6nnte Mel im Arm halten<br \/>und gleichzeitig diese vorwitzige Haarstr\u00e4hne aus dem Gesicht streichen&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Der letzte Teil war fast kaum h\u00f6rbar. Shay bemerkte \u00fcberrascht, dass<br \/>Ettore ein wenig rot wurde und bohrte nach: \u201eUnd was machst Du dann in<br \/>solchen Momenten? &#8222;<\/p>\n<p>Ettore seufzte tief: \u201eIch schlucke die Bitterkeit herunter, Shay. Ich<br \/>kann sagen, dass ich insgesamt heute ein gl\u00fccklicher Mensch bin. Aber<br \/>ich habe f\u00fcr mein kleines Gl\u00fcck wirklich schon einen sehr hohen Preis<br \/>bezahlt. Ich m\u00f6chte nicht, dass alles umsonst war und etwas, das ein<br \/>gl\u00fccklicher Moment sein k\u00f6nnte, durch dunkle Gedanken eintr\u00fcben. Denn<br \/>diese Momente als gl\u00fccklich wahrzunehmen und intensiv zu erleben braucht<br \/>es eine innere Kraft, die ich in dem langen Prozess wieder zu mir selber<br \/>zu finden, gewonnen habe.&#8220;<\/p>\n<p>Ettores Stimme und sein Blick, mit dem er dem von Shay stand hielt,<br \/>sprachen von Aufrichtigkeit.<\/p>\n<p>Der Schotte hob die Augenbrauen.<\/p>\n<p>\u201eDankbar f\u00fcr etwas zu sein, das einem fehlt &#8211; &#8220; Shay deutete auf Ettores<br \/>Stumpf. &#8222;Ich dachte, so etwas k\u00f6nnten nur Vulkanier&#8220;, grinste er dann.<\/p>\n<p>\u201eNa dankbar f\u00fcr diese langen Krankenakte zu sein, ist wohl \u00fcbertrieben<br \/>&#8230;\u201c Ettore stutzte kurz, als er noch mal \u00fcber Shay Ausspruch<br \/>nachdachte. Diesen Spruch hatte er schon einmal geh\u00f6rt und nun wieder<br \/>einmal zwirbelte er an seinem Schnurrbart.<\/p>\n<p>\u201eHast du da gerade Kirk zitiert?&#8220; fragte er dann mit ebenfalls erhobenen<br \/>Augenbrauen und Shay lachte auf. Und ob er das hatte.<\/p>\n<p>&#8222;Pssscht&#8220; zischte es pl\u00f6tzlich und Melody tauchte aus dem Nebenzimmer<br \/>auf. &#8222;Wehe ihr zwei weckt mir die Kinder!&#8220;<\/p>\n<p>&lt;\/RPG&gt;<\/p>\n<p>&lt;SUM&gt;<\/p>\n<p># Zeit: MD 4.2016<br \/># Ort: Quartier della Scala\/Loona<br \/>Shay und Ettore unterhalten sich dar\u00fcber, wie es dazu kam, dass der<br \/>Italiener nur einen Arm hat.<\/p>\n<p>&lt;\/SUM&gt;<\/p>\n<p>Viele Gr\u00fc\u00dfe<br \/>Mac &amp; Kim<\/p>\n<p>SD 250910.9<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In aller Freundschaft Betreff: In aller Freundschaft Von: v2vc Datum: 10.09.2019, 22:59 An: USS-Hephaistos@yahoogroups.de Moin, hier ein etwas l\u00e4ngeres Copost mit Mac. Dank Dir \ud83d\ude42 Es hat nix mit der Mission zu tun und ist reines Charbuilding, das schonl\u00e4nger geplant war. Shay und Ettore f\u00fchren darin ein sehr privates Gespr\u00e4ch. Wer mit der Beschreibung von&#8230;<\/p>\n<p class=\"more-link-wrap\"><a href=\"https:\/\/www.sf-germany.org\/einheiten\/uss-hephaistos\/20190910-in-aller-freundschaft-628\/\" class=\"more-link\">Read More<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;In aller Freundschaft&rdquo;<\/span> &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-5165","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-archiv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sf-germany.org\/einheiten\/uss-hephaistos\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5165","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sf-germany.org\/einheiten\/uss-hephaistos\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sf-germany.org\/einheiten\/uss-hephaistos\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sf-germany.org\/einheiten\/uss-hephaistos\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sf-germany.org\/einheiten\/uss-hephaistos\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5165"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.sf-germany.org\/einheiten\/uss-hephaistos\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5165\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5323,"href":"https:\/\/www.sf-germany.org\/einheiten\/uss-hephaistos\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5165\/revisions\/5323"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sf-germany.org\/einheiten\/uss-hephaistos\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5165"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sf-germany.org\/einheiten\/uss-hephaistos\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5165"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sf-germany.org\/einheiten\/uss-hephaistos\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}