# Heiligabend – vormittags
# Ort: New Age Filmstudios
„Feierabend Leute. Geht nach Hause! Tut mir Leid das ich euch heute hab arbeiten lassen müssen, aber ihr wisst wir stehen unter Zeitdruck. Du nicht Fabi! Dich brauchen wir noch.“ ertönte die Stimme des Regisseurs und Fabi rollte mit den Augen. „Wofür den nun wieder? Ihr wisst schon das heute Heiligabend ist. Ich will nach Hause zu meiner Familie!“ beschwerte er sich und der Regisseur musterte ihn.
„Sorry, aber wir haben das Glück das Set von ‚Stirb langsam – Primal‘ nutzen dürfen. Das Waldsetting von denen passt wunderbar zu unserer Weihnachtsszene. Geh dich duschen und umziehen, ich erwarte dich in 15 Minuten drüben.“ erklärte er und Fabi seufzte. „Fein, aber die Überstunden zahlt ihr mir!“ grollte er dann ehe er sich in den Umkleidebereich verkrümmelte. Immerhin würde er die Klamotten die er als Gefangener trug für die nächste Szene ausziehen können.
# kurz darauf / Studio 3
„Du auch hier?“ begrüßte Fabi Emily die ein missmutiges Gesicht zog. „Ja – ich saß schon im Shuttle nach Hause als der Anruf kam.“ „Und du bist wieder zurück?“ fragte Fabi ungläubig. „Hey ich hatte keine Wahl, die können immer noch entscheiden das mein Char an dem Wurm verreckt und ich brauch den Job.“ verteidigte sie sich. Fabi legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter. „Ja, nicht nur du. Immerhin können wir froh sein das wir nicht von Disney aufgekauft wurden. Dann müssten wir dauernd singen.“ versuchte er sie aufzumuntern und tatsächlich kicherte Em leise. „Ja oder von Netflix – stell dir mal vor wie blutig die Folter dann gewesen wäre oder die ganzen Sexszenen.“ schüttelte sie sich und nun lachte auch Fabi auf. „Komm gehen wir rein und bringen es hinter uns.“ meinte er dann und öffnete die Studiotür und die Kulisse der Winterlandschaft war sofort zu erkennen.
# Zeit: SD 251341
# Ort: Holodeck
Für den doch sehr frühen Abend war schon Irgendwie zauberte ih die ganze Kulisse ein Lächeln in sein Gesicht. Es kam ihm fast ein bisschen so vor, als konnte er seine Kindheitsfreuden mit der gesamten Crew teilen. Fast der gesamten, denn natürlich standen gewisse vulkanische Crewmitglieder recht unamüsiert herum. Aber Shay war sich sicher, dass Emily sich am Laufe des Abends noch darum kümmern würde.
Die Stimmung war angenehm, trotz der Kälte. Tine genoss den Abend, es war immerhin ihr erstes Weihnachtsfest seit der Akademie. Die letzten Jahre hatte sie immer in irgendwelchen Aufenthaltsräumen auf dem Campus gefeiert und dort gemütliche Abende verbracht. Dementsprechend war sie mit vergleichsweise geringen Erwartungen hierher gekommen, und war von diesem tollen Holoprogramm ziemlich geplättet. Nach einiger Zeit war Tine nun auch an der Bar angekommen, nachdem sie immer wieder in Gespräche verwickelt wurde. Und natürlich stand Trish hinter den Tresen.
„Frohe Weihnachten, Tine! Etwas zum Aufwärmen?“ Trish war wieder voll in ihrem Element und kurz nachdem Tine genickt hatte, stand auch schon eine dampfende Tasse vor ihr.
„Wie gefällt es dir hier so? Hier, bei deinem ersten Weihnachten auf der Hephaistos?“
„Gut. Ein bisschen kalt, aber schöne Stimmung. Schöne Kulisse. Irgendwie ein bisschen nostalgisch.“, ein bisschen kalt war fast schon etwas untertrieben, denn eigentlich fühlte sie sich schon komplett durchgefroren.
„Shay, unser Captain ist hier aufgewachsen. Die Kulisse war seine Idee.“
Stimmt, jetzt erinnerte sich Tine an ihre Recherche. Das alles passte perfekt zu einer, zugegeben etwas klischeehafter, nordeuropäischer Winterlandschaft.
Nachdem sich Trish der anderen Kundschaft zugewandt hatte, machte sich Tine zum Feuer auf, um sich ein bisschen auszuwärmen.
Winterlandschaft….
Der riesige Weihnachtsbaum zeigte jedem unmissverständlich, warum man sich hier traf.
Gearys Blick schweifte über die Kulisse und etwas wie wohlige Sehnsucht machte sich in ihm breit.
Langsam bewegte er sich auf die große Tanne zu, um dort sein Geschenk zu platzieren.
„Glühwein mit Amaretto.“
Mit diesen Worten setzte sich Geary an die Bar und grinste.
„Sind wir nicht etwas jung dafür?“ frotzelte Trish
„Scheint Sie haben endlich ihre wahre Berufung gefunden“ erwiderte der CSO mit einem lachen.
Trish prostete ihm zu:
„Na dann will ich heute mal eine Ausnahme machen“
Geary mochte diese kleinen Neckereien und Trish schien dem auch nicht abgeneigt zu sein…
Er trank noch einige Glühwein und sah sich das vergnügte treiben an.
Es gefiel ihm und er fühlte sich wohl, als wäre er wieder zu Hause mit Mam und Dad……
Commodore Claudia Ruthven erlebte das Weihnachtsfest zum ersten Mal auf dem Schiff ihres Bruders. So richtig wohl war ihr nicht dabei. Zu tief saßen noch die Erinnerungen an die Ainama und ‚ihre‘ Crew. Wenn sie ehrlich war, hätte sie ja viel, viel lieber mit denen gefeiert. Sie dachte an ihre EO, LtCmdr Samantha DeCoster, die immer noch auf der Krankenstation lag und mit dem Verlust ihrer Erinnerung zu kämpfen hatte. Hoffentlich wurde das wieder. Die CM hatte es zumindest behauptet und auch wenn die noch ausgesprochen unerfahren wirkte, vertraute Claudia ihr. Zumindest bei ihrer eigenen Behandlung hatte sie ja durchaus Erfolg gehabt und Sam schien es zumindest wieder soweit gut zu gehen das sie heute Abend anwesend sein konnte.
Nein, nichts gegen die Crew der Hephaistos, auch wenn da einige ziemlich seltsame Gestalten darunter waren. Nur ihr Bruder… naja. Außerdem wollte sich die Commodore nicht mit ‚Hätte‘, ‚Wäre‘ und ‚Wenn‘ beschäftigen. Es machte keinen Sinn, sich gegen die Realität zu stemmen. So etwas war unwürdig.
Wichteln. Ihr eigenes Geschenk hatte sie… naja… hübsch verpackt und würde es zu gegebener Zeit unter dem Baum ablegen. Sie hoffte, dass sie damit einigermaßen gut lag. So etwas war immer sehr schwierig, zumal sie ja selber die Crewmitglieder der Hephaistos kaum kannte. Das galt aber auch umgekehrt. Von daher machte sich die Commodore auch keine Illusionen, was das Geschenk an sie anging. Wenn es nicht gerade Shay wäre, der sie zu beschenken hätte. Und ein Geschenk von ihrem Bruder… auch da machte Claudia sich keine Illusionen. Sie würde sich freuen, lächeln und sich bedanken. Und dann mal sehen, wo sie damit dann bleiben würde, was immer es auch sein würde.
Sie betrat das Holodeck und war etwas überrascht, eine Schneelandschaft vorzufinden. Aber natürlich! Warme Kleidung! Leicht schmunzeld versuchte Claudia die Gegend zu erkennen, scheiterte dann aber doch. Letztendlich war das auch wieder egal. Es waren schon eine Menge Leute zugegen und Claudia erkannte viele davon. Unter anderem saß da auch die CM zusammen mit ihrer Alien-Freundin, gegen deren Anwesenheit sie allerdings nichts einzuwenden hatte. Wenigstens war die in einem Stück und stemmte sich nicht aufgrund irgendwelchen Trotzes gegen eine medizinische Behandlung. Kurz verdüsterte sich wieder ihre Stimmung, verflog dann aber wieder als sie das große Feuer und den hölzernen Unterstand erkannte. Irgendwie war die Stimmung wirklich gut und so atmete sie einmal tief durch (gute, kühle Holodeck-Luft) und trat dann zu den Anderen. Zu ihrer Überraschung winkte die CM ihr tatsächlich zu und zu sich und… warum nicht?.. lächelte sie und setzte sich zu den beiden jungen Frauen. Irgendwie tat es wohl, willkommen geheißen zu werden.
Es gab sicher etwas leckeres zu Essen und zu Trinken, dass allein war schon ein guter Grund an der Winterparty teilzunehmen. Natürlich würde Emily sich auch kein kostenloses Geschenk durch die Lappen gehen lassen und sie war sich bei den Bräuchen der Menschen auch nicht sicher ob nicht die Geschenke die am Ende übrig waren unter den letzten Gästen der Party verteilt werden würden.
NIEMAND!!!! Wirklich NIEMAND würde mit ihrem Geschenk heute zurück in sein Quartier gehen, soweit würde es noch kommen.
Mit der großen Transportbox unter dem Arm huschte die Trill den Korridor entlang, das Tier brauchte ja nicht zwingend Sauerstoff, sicher konnte es den Brustkorb heben und senken und hatte eine angenehme Temperatur von 40 Grad in den Flüssigkeitsschläuchen, aber Luft brauchte es nicht und darum war es auch legitim die ganze Box in dicken Schichten aus bunten Einhorngeschenkpapieren zu verpacken. Das Schnurren zog zwar immer wieder die Blicke der Leute die an Emily samt Geschenkpapierungetüm vorbeihuschten, auf sich – sicher nur blanker NEID. Kopfschüttelnd hatte Em dies zur Kenntnis genommen, die Katze sah fast aus wie eine Echte, jedoch hatte sie ein paar Extras, sie konnte im dunklen glimmen, damit man nicht aus Versehen auf sie trat, oder wenn man das Licht nicht anschalten wollte, aber doch noch dringend Kekse mit Milch brauchte um in einer kühlen Winternacht nicht zu erfrieren, oder zu verhungern wenn der Supermagen noch nicht ganz gefüllt war.
Die Krallen konnte man auch als Multiwerkzeug benutzen. Eigentlich konnten jetzt schon alle nach Hause gehen, IHR Geschenk würde den ersten Preis machen. Ja, ja…. Nik hatte x Mal erwähnt das man keinen Preis für sein Geschenk bekommen würde, egal wie gut oder schlecht es war. Der Junge von der COMM war schrecklich naiv. Es gab bestimmt einen Preis, für die Kostüme auf der Halloweenparty hatte es doch auch Preise gegeben. Und da hatte sie nichts gewonnen… rein gar nichts… nicht mal nen Keks.
Nik ging an solche Dinge einfach zu blauäugig heran, aber er hatte sich ihr auf den letzten Metern angeschlossen und als guter Freund… vielleicht sogar als bester, trug er nun die doch nicht ganz so leichte Box und Emily konnte sich noch mal mit ihrem roten Hot Ms Santa Kleidchen befassen. Es war doch ein wenig kurz geraten und vielleicht würde die weiße Strumpfhose nicht so sehr wärmen wie sie es sich wünschte. Die roten Stiefel waren zwar warm, aber von der Wade bis zum Ansatz des Rockes waren das noch einige Zentimeter und…. während Emily noch ihr Outfit gedanklich zerpflückte, öffnete sich das Schott des Holodecks vor den Beiden und Em beschlich der Gedanke das sich dringend bei irgendwem auf dem Schoss sitzen musste, nur den gesamten Abend lang, anderenfalls würde sie morgen mit einer Lungenentzündung auf der Krankenstation vor sich hin sterben…. Wobei ?! Wer gut aussehen wollte, der musste vielleicht für eine religiöse Sage ihrer Freunde auch mal ne Lungenentzündung in kauf nehmen.
Nik stellte die monströse Box unter den Baum, „Sollten wir da nicht doch ein paar Luftlöcher rein machen.“
Emily schüttelte den Kopf, „Ne, komm ich muss was essen und dann Cat finden, wenn sie was Warmes anhat dann ist der Platz auf ihrem Schoss heute Abend nur für mich reserviert.
„Ich hoffe, sie mag deine Idee….vielleicht hatte sie ja anderes vor.“
Emily zuckte zusammen, „Wie, was?… sie darf doch niemanden sonst auf dem Schoss haben.“
Nik lächelte, „Darf sie nicht?“
Emily nickte unsicher und blickte sich dabei um, „Sie will nicht, ich weiß das!“
Nik harkte sich bei Emily unter, „Wenn du das weist, ist doch alles gut. Komm wir gehen zu Trish.“
*wisch*
Der Schneeball flog mit einem zischenden Geräusch nur ganz knapp an Shays Ohr vorbei. Er drehte sich um, um den Werfer zu entdecken. Lange brauchte er nicht suchen, denn Keiran kam auf den Knien sitzend mit Schwung auf der Eisfläche auf ihn zugeschliddert. Hinter ihm versuchte Melody mit den Armen zur Unterstützung des Gleichgewichts wild rudernd, den Jungen einzufangen.
„Hallo Shay, das ist ja gerade noch mal gut gegangen“, sagte sie und wischte eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Ach halb so wild.“ Shay hob abwehrend die Hand. „Ihr seid allein?“, fragte er erstaunt, nachdem er sich vergeblich nach dem Rest der Familie umgesehen hatte.
„Ja, Ettore kommt nachher kurz zur Bescherung. Das mit der Kälte ist nicht so sein Ding, Du weißt ja, dass er nicht so gute Erfahrungen damit gemacht hat… außerdem meinte er, ich solle mal unter die Leute kommen. Das nehme ich gerne an.“ Sie lachte. Dann hob sie die Hand und flüsterte ihm zu. „Außerdem ist er noch völlig fertig von der durchwachten Nacht an Yule. Ich glaube, er wird langsam alt.“ Sie lachte, hob Keiran auf und wandte sich zum nächsten Stand mit heißen Getränken.
„Ach ja, ich werde heute spät in der Nacht mal vorbeikommen und unser Geschenk übergeben. Wir wollten es der Praktikabilität wegen lieber gleich in Dein Quartier bringen.“ Sie winkte und eilte dann mit Keiran weiter.
„Nehmen Sie auch eine Tasse, Lieutenant?“ fragte die rothaarige Halbfranzösin, die trotz der Kälte – beheizter Thermowäsche sein dank – ein verboten kurzes Nikolauskleid mit tiefem Ausschnitt und weißen Puscheln trug, gerade den TAK, der brummend ablehnte. Entgegen des Klischees lag es aber nicht daran, dass Glühwein traditionell ohne Blut getrunken wurde, sondern dass Ajur es für besser hielt, Alkohol zu meiden. Selbstbeherrschung erforderte stetige Arbeit.
„Schauen Sie nicht so grimmig, Lieutenant“ forderte ihn Sureya auf, die sich gerade der Bar näherte. Ihr Tonfall war neckend und doch war Ajurs Antwort eher trocken. „Jawohl, Commander.“ Der in Gala gekleidete Klingone setzte ein Lächeln auf, bei dem mancher glauben konnte, er wollte ihn fressen. Sureya guckte für einen Moment verdutzt und lachte dann. „Wenn ich so darüber nachdenke, seien Sie lieber wieder sie selbst“ gluckste sie und nahm von Trish einen Glühwein entgegen.
„Genau – sonst verschrecken sie noch die Brownies!“ warf Emily vom Rand der Bar ein, wo sie gerade die Honigkuchen-Vorräte dezimierte.
„Willst du nicht auch noch ein paar für die anderen übrig lassen, Emily?!“ fragte Trish streng, als die Trill erneut nach dem Blech griff.
„Wischo? Die könnön schich doch nöhmin!“ merkte diese mit vollem Mund an.
„Ich hole mir einen Flammlachs – kommen Sie mit, Lieutenant?“ versuchte Sureya den TAK von der Bar wegzulocken. Dieser nickte nur und schritt neben der EO davon.
„Oh, Captain!“ rief Trish dem vorbei flanierenden Shay zu, der sich umwandte und zur Bar kam.
„Ich bräuchte noch eine Genehmigung“ sagte sie, während sie ihm einen Glühwein und ein PADD reichte. Shay nahm den Glühwein, stellte fest, dass dieser heiß war und bestätigte das Formular auf dem PADD mit seinem Fingerabdruck. Manchmal nahm die Bürokratie echt überhand, selbst für eine Weihnachtsfeier. Aber für solche Events gab es eben immer große Ressourcenanforderungen – und die mussten genehmigt werden.
Bevor er jedoch weiter mit Trish sprechen konnte, näherte sich ihm Ileytis von Las’Tor: „Eine Frage, Captain…“
# Ort: Holodeck
# Zeit: Bescherung
Fabien brauchte nicht lange nach seinem Geschenk zu suchen. Es war das einzige nicht verpackte Geschenk. Ein großer handgeflochtener Korb mit einem großen Henkel stand auf einem kleinen Tisch. Sein mit Spezialitäten überquellender bunter Inhalt, machte sich auch ohne Verpackungskünste nur so, wie er war sehr gut. Eine Geschenkanhänger aus dickem wertigen Papier hing am Henkel. Sein Name stand in einer weiten, verschnörkelte Schrift gut lesbar darauf.
Ajur hatte zunächst abgewartet, wie die anderen sich auf ihre Geschenkestürzten. Schon um zu beobachten, ob es vielleicht irgendwelche Bräuchebeachten galt, von denen er bislang nichts geahnt hatte. Doch esschien einfach ein fröhliches, unbeschwertesPapier-abfetzen-und-sein-Geschenk-herumzeigen ohne tiefereHintergedanken zu sein.
Als der Staub sich etwas gelegt hatte, musterte darum auch er denGeschenkestapel, etwas unsicher ob ihm auch ein Päckchen zugedacht warund wie er es wohl identifizieren sollte. Doch es war gar nicht so schwer. Fast sofort fiel ihm ein kleines Geschenkpaket ins Auge, das eingroßes kreisrundes Symbol trug. Das Auffällige daran war, dass eineSeite des Kreises das Emblem des klingonischen Reiches zeigte und die andere Seite das Föderationslogo. Die Trennlinie bestand aus zweientgegengesetzten Kreisbögen, die sich im Zentrum trafen. Jetzt fiel esihm ein, das war das Yin-und-Yang-Symbol aus der irdisch-chinesischen Mythologie, das er im Zusammenhang mit dem Go-Spiel schon kannte.
Unzweifelhaft sein Geschenk. Die Beschriftung „A.S.d.N.“ bestätigte es.Es war schwer und recht kantig; Ajur tippte auf ein Buch. Vorsichtigmachte er sich daran, die Verpackung zu öffnen.
Das Buch, das zum Vorschein kam, hatte den Schenker einiges Suchengekostet. Obwohl es ein echter Klassiker war, war es doch nicht sehrbekannt. Dazu kam, dass es etliche Übersetzungsversuche aus der alten Erdensprache gegeben hatte, in der es verfasst worden war. Was Fabièndazu gezwungen hatte sich gründlicher als geplant mit der Geschichte desWerkes auseinanderzusetzen, um eine Fassung zu finden, die sowohl original getreu war als auch für heutige Leser noch verständlich. Dennwoher sollte ein Klingone wissen wie lang ein „li“ war? Oder was einSturmdach war? Schließlich hatte er eine Ausgabe gefunden, in der all diese Sachen durch ausführliche Fußnoten erklärt wurden. In goldenenLettern war der Titel auf den Buchdeckel geprägt:
孙子兵法
Sun Tzu: Die Kunst des Krieges
Claudia hatte sich in der Mitte der zwei Frauen ausgesprochen wohl gefühlt. Die CM schien sie richtig zu mögen was ihr gut tat. Und auch die Liduuri – was immer auch das für eine Spezies zu sein mochte – war nicht unsympathisch, zumal sie beide irgendwie Probleme mit dem Counselor zu haben schienen was beide in Claudias Augen noch einmal eine ganze Menge sympathischer machte. Die Commodore überlegte ernsthaft, noch einmal mit der CM zu sprechen, was ihren eigenen Vorfall mit dem Counselor anging. Vielleicht hatte sie in ihr ja eine ungeahnte Hilfe. Doch das hatte Zeit.
Dann wurde ihr Name aufgerufen. Nur Vorname und Familienname. „Claudia Ruthven“. Inzwischen war sie so gut gestimmt, dass sie ohne sich zwingen zu müssen lächelte und absichtlich ein wenig ungeschickt durch den Schnee zum Weihnachtsbaum stapfte. Diese kleine Showeinlage schien zumindest bei einer ganzen Reihe Crewmitgliedern gut anzukommen. Naja, zu Weihnachten ging das mal.
Ihr Paket war ungefähr 30 mal 30 mal 15 Zentimeter groß, fest und recht schwer. Aber es gluckerte verdächtig als sie es bewegte. Wohl eine Flasche in einer festen Verpackung. Gar nicht mal übel! Claudia hielt das Paket hoch um es den übrigen zu zeigen und nahm es dann mit zurück zu ihrem Platz. Dann riss sie die Verpackung auf.
Zum Vorschein kam eine fein gearbeitete und recht hübsch verzierte Holzschatulle, die mit einem feinen Hakenverschluss asymmetrisch verschlossen war. Claudia öffnete sie und zuerst fiel ihr ein Umschlag entgegen, den sie jedoch erst einmal auf den Tisch ablegte. Darunter offenbarte sich eine recht apart geformte Flasche mit einem Etikett auf dem mit großen Lettern stand:
„Midleton – very rare – Vintage Release – bottled in 2410 – No. 25706“
Darunter, in kleineren Lettern: „FINEST IRISH WHISKEY“
IRISCHER Whisky? Nein, Whiskey? Irischer?
War das ein Fehler, oder war das Absicht? Claudia war ernsthaft verwirrt. Sie zupfte ein Beipackheftchen hervor und schlug es auf.
„Midleton Very Rare
Ein seltener Whiskey der Oberklasse
Der Midleton Very Rare ist ein beliebter irischer Whiskey der Oberklasse von dem jährlich eine limitierte Menge von 50 Fässern abgefüllt wird. Jede einzelne Flasche ist vom Master Distiller Brian Nalton signiert und nummeriert. Nur die feinsten Destillate finden für seine Herstellung Verwendung. So reiften alle beteiligten Whiskey zwischen 12 und 25 Jahre in den erlesensten Bourbonfässern. Vom Duft her strahlt er eine wunderbare Komplexität aus und kommt sehr subtil daher. Würzige Töne von Holz und Eiche wechseln sich mit herrlichen Fruchtaromen ab. Am Gaumen präsentiert er sich unglaublich aromatisch und fein. Unterschiedlichste Noten von Früchten und Honig gehen eine harmonische Verbindung mit einem zarten Mandelaroma ein. Florale Nuancen begleiten bis in den lang anhaltenden und weichen Abgang.
Geruch: komplex, subtil, würzig, Holz und Eiche, sehr fruchtigGeschmack: aromatisch und fein, Früchte, Honig, Hauch Mandeln, blumigAbgang: lang anhaltend und weich“
Naja. Das klang ja doch recht angenehm. Vielleicht würde sie diesem Irischen Destillat ja doch eine Chance geben.
Ach, da war ja noch der Umschlag!
Claudia nahm ihn und öffnete ihn. Er war nicht verklebt. Darin war eine Karte auf der zu lesen war:
„Wohlfühlgutschein
Deinen Verspannungen lässt sich prima mit einer intensiven Ganzkörper-Massage beikommen. Die Wärme, die Berührungen und die gezielten Griffe durch kundige Hände wirken besonders wohltuend. Aroma-Öle unterstützen die entspannende Wirkung zusätzlich. Nach so einer Behandlung fühlst Du Dich garantiert wie neugeboren! Und was ist besser als eine Massage? Ein ganzes Programm. Und was ist besser als ein solches Programm? Zwei dieser Anwendungen!
Lass Dich einfach, nein, zweifach mal verwöhnen und entfliehe für einen gewissen Zeitraum den Anstrengungen des Alltags.
Einzulösen bei Deinem Wichtel. Einfach den Code auf der Rückseite eingeben.“
Claudia war verblüfft. Wer konnte das sein. Hatte jemand der Crew Erfahrungen in Massage und Wellness? Jemand der hier anwesenden? Oder war das einfach nur ein Holoprogramm? Das wäre ja auch nicht schlecht, wäre aber auch etwas ganz anderes.
Nun, sie würde es erfahren, wenn sie das Geschenk einlösen würde. Und das würde sie. Denn, ganz ehrlich, das war wirklich etwas, was sie mal richtig gut brauchen konnte.
<NRPG: Dies ist auch eine explizite Einladung an denjenigen, der Claudia spielt, für ein CoPost wenn sie das Geschenk einlösen möchte. So sie es denn tut.>
==
„Lady Ileytis von Las’Tor!“
Der Geschenkeverteiler schien leichte Probleme mit der Verlesung des Namens zu haben, was aber möglicherweise weniger mit dem Namen als Solchem zu tun hatte als vielmehr mit der Tatsache, dass der Name überhaupt verlesen wurde. Dazu auch, dass bei dem Namen noch ‚Lady‘ stand. Wer immer den Namen geschrieben hatte, schien wohl Wert darauf gelegt zu haben, weshalb auch immer.
Ileytis war nun nicht verwirrt, denn sie hatte ja schon gesagt bekommen, dass auch sie ein Geschenk erhalten sollte. Also erhob sie sich und trat zu dem Baum hin, so wie zahlreiche andere zu Beschenkende vor ihr auch. Sie erhielt ein kleines Päckchen aus den Händen des Gebers und nahm es mit den Worten „Ich danke Dir!“ entgegen. Dabei leuchteten ihre Augen und die Vilga-Drüse auf ihrer Stirn zog sich leicht zusammen. Der junge Mann aber errötete bei ihren Worten sichtlich und musste sich erst einmal räuspern ehe er fortfahren konnte.
Der Rest der Anwesenden aber schien sich zumindest äußerlich nicht daran zu stören, dass auch Ileytis ein Geschenk bekommen hatte. Und so trat die Liduuri zurück zu ihrem Platz, öffnete das Päckchen ausgesprochen vorsichtig und entdeckte darin ein Armband, zwei dazu passende Ohrhänger und ein Kärtchen auf dem sich nur ein handgezeichnetes rotes Herz befand. Das Armband hatte einen Haftverschluss ebenso wie die Ohrhänger, die nicht durch einen Haken in einem Loch getragen wurden. Der Schmuck haftete am Stoff, am Verschluss oder an der Haut wie die Kommunikatoren. Der Schmuck wirkte gebraucht. Alt. Und ausgesprochen kostbar!
Ileytis sah fast ein wenig hektisch auf zu Jetsun ehe ihr einfiel, dass man ja nicht wissen können sollte, von wem dieses Geschenk kommen würde. Daher lächelte sie entschuldigend und legte ihn einfach an ehe sie Jetsun ansprach. „Wie sieht es aus?“
„Wunderschön!“ erwiderte diese. „Es passt hervorragend zu Deiner Haut- und Haarfarbe.“
Ileytis streckte noch einmal die Hand aus und schaute das Armband an.
„Hoffentlich wurde da jetzt kein Rahmen gesprengt. Ich habe gelesen, dass die Geschenke beim ‚Wichteln‘ möglichst alle denselben Wert haben sollten. Nunja. Ich freue mich auf jeden Fall sehr. Wirklich sehr. Es scheint, als habe ich einen Verehrer, meinst Du nicht?“
Jetsun seufzte lächelnd. Und hoffte, dass Ileytis dieses Spiel nicht zu weit trieb.
Commodore Ruthven, die nach wie vor mit den beiden Frauen am Tisch saß, hatte das natürlich mitgehört und fragte sich, was das wohl sollte. Dass die beiden ein Paar waren, hatte sie, wüsste sie es nicht schon, spätestens auf dieser gemeinsamen Feier mitgekriegt. Warum also dieses Versteckspiel? Nun, das war deren Sache und sie würde den Teufel tun und die beiden deswegen verurteilen. Letztendlich mochte sie beide irgendwie, wenn sie auch aus dieser Liduuri nicht so hundertprozentig schlau wurde.
„… und das nächste Päckchen ist für…“ Shay sah auf das Etikett, dass nur Computerschrift trug, um jeden Hinweis auf dem Absender auszuschließen. „Emily Wells“
Er reichte der Trill das Päckchen, dass nicht wirklich klapperte und auch nicht sonderlich schwer war. Neugierig drehte die Trill das eher neutral und praktisch verpackte Paket in den Händen, ehe sie es auf eine der Bänke legte und öffnete.
Das erste, was sie sah, war violett. Violett mit Glitzer. Sie holte das Leder(?) heraus und faltete es auf. Schnell erkannte sie, dass es sich um eine Werkzeugtasche handelte. Ihr Wichtel hatte diese gefärbt und einige zusätzliche Funktionen angebaut. So gab es den Zuckerstangenhalter (mit Demo-Zuckerstange), eine wasser- und öldichte Tasche für Bonbons und einen integrierten aber nicht offensichtlichen Kommunikator.
Als Em die Schnalle betrachtete, entfuhr ihr ein aufgeregtes „Wheee!“ – denn die Schnalle bestand aus zwei Einhörnern, deren Vorderhufe sich ineinander verhakten, um die Schnalle zu schließen!
Selbst Shay musste breit grinsen als er Emilys Reaktion auf dieses Geschenk sah. Wer auch immer ihr Wichtel gewesen war er oder sie hatte sich mühe gegeben. Dann nahm er das nächste Geschenk.
„Und hier das nächste Paket – Samantha DeCoster. Fröhliche Weihnachten!“
Der CO reichte der braunhaarigen Frau das Paket, dass nicht unbedingt schwer, aber schon etwas sperrig war. Es klapperte verheißungsvoll, aber doch auch irgendwie nicht aussagekräftig.
Vorsichtig stellte Sam das Paket ab und packte das sorgfältig in glitzerndes, rotes Papier gewickelte Papier aus. Unter der Schleife zwinkerte ihr der Aufkleber eines irischen Kobolds, als Glücksbringer, zu. Sam lächelte und legte den Karton frei, den sie öffnete. Dort fand sie ein auf Papier gedrucktes Buch, einen Brief und mehrere Frischhalteschachteln und Stasispakete vor. „Lila blüht das Gras auf Betazed – die Abenteuer des Ashlen Tamarr“ las Sam den Titel des Romans vor. Vorsichtig legte sie es beiseite und öffnete den Brief.
„Liebe Mrs. DeCoster,
ich muss gestehen, dass die Zulosung mich anfangs etwas ratlos zurück ließ. Von Crewmitgliedern der Ainama erfuhr ich, dass Sie gerne lesen. Von daher hoffe ich, dass Ihnen der Roman gefällt – es ist ein Klassiker, der humorvoll und spannend einen Streifzug über Betazed beschreibt. Und etwas fürs Herz ist auch dabei.
Besonders ist er aber auch, weil der Autor in vielen Szenen die lokale Küche im Detail beschreibt. Und so habe ich ihnen jene Gerichte, die sich vorbereiten und aufbewahren lassen, in eben jene beiliegenden Behälter gepackt, auf dass die literarische Reise auch eine kulinarische wird.
Beiliegend finden Sie eine Liste, welche Box zu welcher Seite im Roman passt.
Viel Vergnügen und guten Appetit,
Ihr Wichtel“
Ein etwas längliches und auch sperriges Geschenk fand als nächstes seinen Weg in Shays Hände und er überreicht es Jetsun Pema. Shay war im Jahr zuvor Jetsuns Wichtel gewesen und er hoffte das der diesjährige Wichtel ihr nicht das gleiche schenkte wie er im letzten Jahr. Daher wartete er bis sie das Geschenk auspackte und atmete erleichtert auf als er sah es diesmal offenbar ein Schwert war und nicht noch ein Bogen. Dann wandte er sich dem nächsten Geschenk zu.
„Mr. Geary!“ rief er und John hätte beinahe den Glühwein verschüttet den er zum trinken angesetzt hatte. Der Texaner stand auf und trat trotz des ganzen Glühweins den er den Abend über getrunken hatte recht gerade auf Shay zu. Eine Box wechselte den Besitzer und Geary konnte es kaum erwarten sie auszupacken. Zum Vorschein kam ein eine weitere Holzbox und dieser lag ein echtes Bowie-Messer sowie ein Datenchip. Die kurze Notiz erklärte ihm das er auf dem Chip eine Auswahl an historischen Country-Liedern aus allen Epochen finden würde. Leise pfiff er durch die Zähne während er das Messer aus der Box nahm und eingehend musterte.
Shay bückte sich nach einem größeren Geschenk und hob es nur kurz hoch ehe er es wieder abstellte.
„Trish Sophie Ó Grianna“ verkündete er und Trish winkte hinter der Bar kurz zu. „Besser sie holen sich jemanden der beim tragen hilft.“ meinte Shay dann während sich Trish einen Weg durch die Menge bahnte. „Was auch immer es ist, es ist schwer.“ fügte er unnötigerweise hinzu.
„Oh, ich bin sicher ich finde den einen oder anderen starken Helfer, Captain.“ erklärte sie und begann das Geschenk direkt unter dem Baum auszupacken. Was dort zum Vorschein kam war nicht anderes als ein nagelneuer Thermomix 2450.
Shay hatte keine Ahnung was das für ein Ding war aber er war sich ziemlich sicher das es etwas mit kochen oder backen zu tun hatte.
Nachdem Trish ihr Geschenk mit zwei Helfern vorsichtig hinter die Bar verfrachtet hatte gab es nur noch ein Geschenk unter dem Baum und Shay nickte seiner Schwester knapp zu die auf ihn zutrat.
„Jaja ich weiß sie alle möchten jetzt ihre Geschenke ausprobieren aber ich muss noch einmal kurz um Aufmerksamkeit bitten. Es gibt noch eine Person die noch kein Geschenk bekommen hat und das würde ich gerne ändern.“ verkündete Shay und tatsächlich sammelten sich die Leute wieder.
„Sureya Bateh, würden sie bitte her kommen.“ erklärte er formell und die kleine Ägypterin fragte sich sichtlich was das nun sollte. Shay hielt etwas in der Hand das nur mit einem Tuch bedeckt war und sie war neugierig.
Shay wartete und ließ die Spannung noch etwas steigern ehe er Sureya zuzwinkerte. „Bevor ich das ‚Geschenk‘ überreichen kann muss ich das Wort erst noch an meine Schwester abgeben. Commodore,“
Claudia straffte sich etwas und zog eine kleine Schatulle aus ihrer Tasche bei deren Anblick es Sureya sofort heiß und kalt wurde.
„Sureya Bateh. Kraft meines Ranges als Commodore sowie in Absprache mit dem Flottenkommando befördere ich sie hiermit zum Captain. Herzlichen Glückwunsch, Captain Bateh.“ erklärte Claudia und fast sofort brannte Beifall auf und Sureya schien tatsächlich für einen Moment sprachlos zu sein.
„Danke, das ist – eine Ehre.“ begann sie und wurde dann von Shay unterbrochen. „Langsam, wir sind noch nicht fertig. Auch wenn ich sagen muss das ich dieses ‚Geschenk‘ ungern überbringe weil es bedeutet das ich damit wiedereinmal eine hervorragende EO verliere – “ begann er und zog das Tuch weg. Zum Vorschein kam das Modell eines Raumschiffes. „Darf ich vorstellen, die USS Gravity. Dein neues Schiff, Captain. Du hast es dir wahrlich verdient.“ meinte er und erneut brannte Beifall auf.
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