danke Kim für diese wunderbare Idee, die ich hiermit aufgreife 🙂
Wer Bälle findet darf sie beantworten.
Grüße, Johannes
<RPG>
# Ort: zwischen den Welten
# Zeit: MD 10.2145
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Ein Ruck ging durch die Menge.
Alle sahen sich nun mit offenen Augen und plötzlich gerade Haltung an.
Peron erkannte in ihren Blicken etwas, das er an diesem dunklen Ort
niemals erwartet hätte.
Hoffnung.
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Selbst der abgestumpfteste Geist raffte sich ob der unerwarteten Wendung auf, und schleppte sich zur Reling, um hinaus auf das Meer zu spähen. Bald standen alle außer dem Steuermann aufgereiht am Rand des Decks, um zu sehen, was es dort gab.
Düstere rote Wolken hingen dicht und bedrohlich über dem Wasser. Ein diffuses, rotets Licht drang aus ihnen hervor. Unruhig wogten darunter die Wellen auf dem endlosen Meer aus Blut. Bis zum Horizont reihte sich Welle an Welle, ohne irgendeinen Punkt, der dem Auge Halt gab. Unidentifizierbare Schemen bewegten sich in der trüben Flüssigkeit unter ihnen. Der Grund könnte Meter oder auch Kilometer tief ein – es war nicht zu erkennen.
Peron sah, dass direkt voraus der Himmel noch etwas dunkler schien. Schnell speicherte er diesen Fakt im Gedächtnis ab, solange das Schiff noch auf dem alten Kurs lag. Ohne den Gesang war das der einzige Anhaltspunkt, der ihnen für die Navigation zur Verfügung stand.
Eine unruhige, heiße Bö strich über sie hinweg. Fast als wollte das Meer ihnen sagen, „nun macht dass ihr weiterkommt.“
Während alle anderen noch nach irgendetwas ungewöhnlichem suchten, löste Peron sich von der Kante und stieg die kleine Stufe hinunter, zurück aufs Deck. Die abgewetzten, hölzernen Planken knarrten unter seinen Stiefeln. Er ging nach achtern, zum Steuermann. Das Schiff schaukelte leicht auf den Wellen, drängte ihn abwechselnd nach links und nach rechts.
„Aye“, grüßte ihn der Steuermann, als Peron ihn erreichte. In seinem Backenbart mischten sich graue und schwarze Strähnen. Sein Gesicht wirkte auf seltsame Weise alterslos. Er hätte fünfzig Jahe alt sein können oder auch über hundert. Sein abgeschabter, grauschwarzer Mantel wurde von keinem Hauswappen oder Ornament verziert. Auf dem schwankenden Deck stand er gerade wie ein Pfeiler.
„Was passiert jetzt? Sind wir verirrt? Werden wir nun für immer das Blutmeer befahren?“, fragte Peron vorsichtig. Etwas warnte ihn, dass er es nicht mit einem gewöhnlichen Klingonen zu tun hatte. Wer wusste schon, über welche Mächte dieses Wesen gebieten konnte.
Doch der Steuermann schüttelte den Kopf, lächelte sogar freundlich. „Mach dir mal keine Sorgen, Junge. Es gibt mehr als einen Hafen an diesem Ozean. Wozu bräuchte man sonst ein Schiff?“
Eine unruhige Bö fuhr in das Segel, ließ die Leinwand einmal laut knallen.
„… davon abgesehen … Schiffer zu sein, ist nicht der schlechteste Weg, die Ewigkeit zu verbringen“, fuhr der Seemann fort. „Glaub mir, ich spreche aus Erfahrung.“
Wieder fauchte der Wind. Erneut hatte Peron das Gefühl, das Meer wäre ungeduldig. Es duldete nicht, dass jemand auf ihm einfach nur herumlungerte. Auch der Seegang schien allmählich zuzunehmen.
„Wir sollten weiterfahren, oder?“ brachte er sein Gefühl zum Ausdruck.
„Aye“, knurrte der Steuermann. „Könnte sonst ungemütlich werden. Sie mags nicht, wenn man keinen Kurs hat.“
Wie zur Bestätigung platschte ein Brecher gegen die Reling, brachte das Schiff zum Schaukeln und sprühte schaumige Gischt über die Gaffer an der Backbordseite. Diese wichen ein Stück zurück.
Der Steuermann zog an einem der Seile, und das Segel drehte sich in den Wind. Ein anderes Seil, und ein kleiner Ruck ging durch das Schiff. Es begann Fahrt aufzunehmen. Unruhe kam in die Passagiere an der Reling. Einige blickten zu ihnen hinüber.
Peron betrachtete kurz das Meer, das in alle Richtungen gleich aussah. Sie schienen sich etwas gedreht zu haben. Die dunklere Stelle am Horizont lag nun etwas weiter rechts… äh, nach Steuerbord, würde man hier wohl sagen.
Den Blick auf die Stelle am Horizont gerichtet, fragte Peron: „In welche Richtung fahren wir?“
„Westen“, knurrte der Steuermann. Plötzlich wirkte er hundert Jahre alt. Er spuckte auf die Planken. „Auf dieser See fährt man *immer* nach Westen.“
„Ahso, interessant, können wir vielleicht trotzdem ein wenig weiter nach rech.. steuerbord halten?“ fragte Peron etwas vorlaut. Auch wenn er nicht glaubte, dass der alte Seebär sich von ihm irgendwas über die Schifffahrt sagen lassen würde.
Doch zu seiner Überraschung zuckte der Alte mit den Schultern. „Wie du meinst, Junge. Spielt keine Rolle.“
Lautlos drehte sich das Steuerrad unter seinen behaarten Händen. Das Schiff gehorchte. Augenblicke später zeigte der Bug wieder geradewegs auf die dunklere Stelle in den Wolken. Peron ließ sie nicht aus den Augen. Nach einer Weile meinte er, ein schwaches Echo des Gesangs zu hören. Vielleicht war es aber auch nur der Wind.
# Ort: Interstellarer Nebel
# Zeit: MD 11.0000
Seit unvordenklichen Zeiten trieben die Nebelteilchen dahin. Ungestört flitzten sie durch die Leere des Alls, stießen gelegentlich zusammen und trennten sich wieder, gingen ihrer Wege. Einzig die unendlich sanfte Hand der Gravitation lenkte ihre Flugrichtung, sorgte dafür, dass sie sich nicht verloren.
Doch in letzter Zeit gab es ganz schön viel Unruhe hier. Gerade erst hatten die Nebelteilchen sich an die Anwesenheit eines blechernen Riesenteilchens gewöhnt, das seit einigen Jahrzehnten hier herumtrieb und ständig den Weg versperrte. Und nun das. Irgendetwas unsichtbares. Noch eine andere Sorte Riesenteilchen. Manövrierdüsenausstoß. Elektrische und magnetische Kraftfelder, die für Wirbel sorgten.
Nun kam noch ein weiteres Ereignis hinzu. Wären die Nebelteilchen denkende, organisierte Wesen gewesen, so wäre dies mit Sicherheit der sprichwörtliche Tropfen zuviel gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Nebelteilchen wären spontan auf der Straße stehen geblieben, um sich gegenseitig über die Zustände zu beklagen. Bürgerinitiativen hätten sich gebildet. Petitionen würden eingereicht, in denen die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung gefordert würde. Möglicherweise wäre sogar eine wütende Meute von Nebelteilchen zum Rathaus gezogen, um dort zu demonstrieren und Sprechchöre zu skandieren.
Doch Elementarteilchen sind blind und dumm und bilden keine Sprechchöre. Darum bemerkte zunächst auch niemand die kleine Stelle im Nebel, an der die Flugbahn der zufällig vorbeifliegenden Atome nicht mehr hundertprozentig gerade verlief. Sie krümmte sich ein wenig. Und nach geraumer Zeit und genügend beobachteten Teilchen hätte man zu dem Schluss kommen können, dass da irgendeine Art Strudel oder Wirbel sich bildete.
Schließlich, genau zu Beginn der Geisterstunde, blitzte es im Zentrum des Wirbels einmal rötlich auf. Und plötzlich war da etwas neues. Ein Teilchen, welches vorher nicht hier gewesen war. Erneut blitzte es, und ein zweites folgte…
# Ort: Brücke USS Hephaistos
# Zeit: MD11.0005
Shay verließ gerade den Besprechungsraum, gefolgt von den restlichen Führungsoffizieren. Doch sie sollten nicht weit kommen. Der junge Caitianer an der Taktikstation hatte offenbar nur auf ihr Erscheinen gewartet.
„Lt. Ajur, Sir, könnten Sie sich das kurz ansehen?“
Neugierig geworden, ging Shay noch vor dem Klingonen hinüber zum Terminal. Ajur folgte ihm. „Worum geht es, Leftenant?“
„Wir haben hier seit einigen Minuten ein seltsames Signal in der Ortung.“
Auf seiner Konsole war schemenhaft der Umriss des Nebels zu sehen. Darin waren durch Symbole die Position der Hephaistos, der Baltimore sowie des klingonischen Scouts markiert. Was vorher nicht da gewesen war, war jedoch der kleine rote Punkt zwischen den Schiffen, näher zur Hephaistos als zu den Klingonen.
S’eerrin tippte auf zwei Tasten. Der rote Punkt zoomte heran. Er vergrößerte sich zur Darstellung einer Art Wirbel, der die Nebelmaterie in Bewegung brachte.
„Eine Subraumverzerrung?“ fragte Shay mit Kennerblick.
„So etwas in der Art“, bestätigte der Caitianer. „Es ist genau um Null-hundert entstanden. Wir haben es erst nicht bemerkt. Aber dann fing es an, Materie auszustoßen. Momentan wächst es mit geringer Geschwindigkeit.“
Inzwischen stand Ajur neben ihm. Ungefragt tippte er auf das Terminal, und brachte ein Spektrogramm auf den Bildschirm.
„Wasserstoff, Sauerstoff, Kohlenstoff“, sprach er aus, was das Bild zeigte. „Lt. Claton, haben sie bitte einen Moment!?“
Der Angesprochene, der gerade in den Turbolift steigen wollte, drehte um und kam zu ihnen herüber. Shay erklärte ihm mit kurzen Worten die Beobachtung und bat um eine Einschätzung. Daniel holte sich die Messung auf die benachbarte Wissenschaftsstation und ließ eine detailliertere Spektralauswertung laufen.
„Hmm, was ist denn das“, murmelte er. „Wasser, Proteine, Elektrolyte, komplexe organische Verbindungen…“
Eine Vielzahl komplizierter chemischer Formeln und Begriffe erschien auf seinem Schirm. Daniel kratzte sich am Kopf.
„Wie kommt so was ins Weltall, das müsste doch alles durch die kosmische Strahlung zerlegt werden. Ein buntes Gemisch komplexer organischer Verbindungen. Da sind ja sogar komplette lebende Zellen drin. .. ah!!!“
Man konnte förmlich hören, wie der Groschen mit Wucht auf dem Boden aufprallte. Claton überflog noch einmal kurz die Liste der Stoffe um sicherzugehen. Dann drehte er sich zu Shay um.
„Sir, die Erklärung ist ebenso simpel wie eigenartig. Es handelt sich schlicht und ergreifend um Blut.“
„Blut!?“ fragten Ajur und Shay ungläubig.
„Jawohl. Normalerweise würde ich sagen, da ist eine Weltraumleiche geplatzt, aber dafür ist es zuviel…“, er schaute auf das Display, „anscheinend schon mehrere Kubikmeter…“
„Ist das jetzt wieder so eine Wahnvorstellung?“ überlegte der CO. Fast wäre es ihm lieber. Rätselhafte Subraumverzerrungen konnten sie jetzt nicht auch noch gebrauchen.
# Ort: USS Baltimore
# Zeit: MD11.0200
So peinlich das auch war, für ein rätselhaftes und mächtiges Wesen aus einer anderen Dimension, doch das Zeraowa verlor allmählich den Überblick.
Noch immer war es darauf konzentriert, zu seinen Kindern zu gelangen. Das war nicht so einfach, denn eine Art Schleier ließ sie diffus werden. In menschliche Begriffe übersetzt, war es, als ob sie hinter einer Milchglasscheibe verborgen wären. Man konnte zwar schemenhaft die Richtung erahnen, aber nichts genau erkennen.
In den letzten Stunden hatten sie irgendetwas mit den Kindern gemacht. Inzwischen war Zeraowa nicht mehr sicher, ob es klug gewesen war, die Kleinen alleine loszuschicken. Es war sicher gewesen, dass diese Zweibeinerwesen keine Bedrohung darstellten. Doch möglicherweise hatte es sie unterschätzt.
Es konnte zwar die Gedanken seiner Kinder nicht lesen, nur ihre Gefühle erspüren. Das reichte aber völlig aus, um zu bemerken, dass zwei von ihnen in irgendeiner Form eingesperrt waren und vergeblich versuchten, ihr Gefängnis zu verlassen. Wie es dem dritten ging, war es nicht sicher. Die starken Frust-und Wutgefühle der anderen beiden überlagerten es.
Auch die direkte Steuerung dieser Hülle überforderte es. Es war viel einfacher gewesen, die Zweibeiner das Schiff lenken zu lassen. Sie wussten, was zu tun war, und man musste ihnen nur das richtige Ziel vorgaukeln. Nun, da das Zeraowa aus eigener Kraft den Computer manipulierte, löste es andauernd irgendwelche Fehlfunktionen aus. Mal wurde hier die Luft aus den Quartieren gesaugt, mal begann dort ein Replikator, eine rigelianische Rübe nach der anderen zu synthetisieren. Unter diesen Umständen war es eine echte Herausforderung, die Baltimore in die Richtung zu steuern, in der es seine Kinder spürte. Zumal man anscheinend auf der Gegenseite immer wieder den Kurs änderte.
Weitere Entwicklungen hatte es am Rande mitbekommen. Da war ein weiteres Schiff, das sehr weit weg, am Rande seiner Wahrnehmung aufgetaucht war. Langsam, aber stetig kam es näher. Das Zeraowa war ziemlich sicher, dass es das Schiff mit seinen Flugmanövern selber angelockt hatte. Egal. Wenn sie nahe genug waren, würde es sie in den Griff bekommen, so wie immer.
Interessanter war dieser Wirbel, der sich in der Nähe gebildet hatte. Es hatte ihn zuerst ignoriert, fixiert darauf, die Kinder zu retten. Doch die Aura des Phänomens wurde stärker und stärker. War es zunächst nur ein angenehmes Ziepen gewesen, so wuchs es nach und nach zu einem… einem unvergleichlichen Gesang, einem … Chor aus Wahnsinn, Macht, Verzweiflung, Verheißung… Es war wie das Tor zum Paradies, ein Quell von Kraft, wie das Zeraowa sie noch nie gekostet hatte.
Andererseits… seine Kinder waren bereits gefangen. Wenn sie die Zweibeiner unterschätzt hatten, vielleicht tat es auch das Zeraowa selbst? Konnte das ein Trick der Zweibeiner sein? Würde die Falle zuschnappen, sobald es vom Strom der Macht kostete?
Bisher war die Verlockung noch zu ignorieren. Wiederum in menschliche Begriffe übersetzt: wie eine Musik, der eine urtümliche Kraft innewohnte. Man konnte sich darauf einlassen, oder sie geistig weg blenden. Doch von Minute zu Minute wurde sie intensiver.
Was lag hinter der Musik? Würde es in einem Kerker landen? Würde es in völliger Ekstase entschweben und diese Dimension vergessen? Oder unvorstellbare Macht erlangen? Der Schlüssel zur Befreiiung seiner Kinder?
Es zögerte.
</RPG>
<SUM>
# Ort: zwischen den Welten
# Zeit: MD 10.2145
Die Totenbarke ist etwas orientierungslos nach Verstummen des Gesangs. Peron überzeugt den Steuermann, den Kurs wieder aufzunehmen.
# Ort: Brücke USS Hephaistos
# Zeit: MD 11.0005
Im Nebel beginnt sich eine Raumanomalie zu bilden. Daraus tritt enne Substanz hervor, die nach genauerer Analyse als Blut identifiziert wird. Auf der Hephaistos ist man unsicher, ob man den Daten glauben kann.
# Ort: USS Baltimore
# Zeit: MD 11.0200
Das Zeraowa spürt das klingonische Schiff, sowie eine Art Durchgang mit einer verlockenden Aura der Macht.
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**submitted by
Johannes a.k.a. Lt. Fabièn LaGroille