Ich habe ja etwas Mitleid mit Shay, sein Leben hat sich echt verkompliziert.
<RPG>
# Zeit: MD 20.2100
# Ort: Quartier Ruthven
Shay und Trish sahen einander an und dann wieder zu Elisa. Diese fuhr
davon ungerührt fort. „Das wäre auch nicht sinnvoll, wenn sich
irgendwann Nachwuchs ankündigt. Sie wollen doch Kinder?“
Trish verharrte, ließ die Arme in der Bewegung wieder etwas sinken. Hier begannen einige Dinge gerade falsch zu laufen – und es war wohl an ihr, einzugreifen. Trish und Elli hatten sich früher nur aus der ‚Ferne‘ gesehen, bevor letztere das Schiff verlassen hatte, aber in gewisser Weise reagierte sie genauso rational über, wie die Rothaarige befürchtet hatte.
„Ja, ich möchte irgendwann Kinder. Mit dem Richtigen. Aber das Leben passiert ohne dass wir es planen – und es ist glaube ich noch nicht die Zeit darüber zu reden.“
Sie warf einen kurzen Blick zu Shay – nicht um sich Mut zu holen oder weil sie sich unsicher war. Sie wusste, was sie wollte – aber die Reaktion des Schotten war dennoch interessant zu sehen.
„Ich haben Shay gesagt, dass ich auf keinen Fall jemand sein möchte, der eine funktionierende Beziehung zerstört. Dann wiederum kann ich mir ganz verschiedene Arten von Beziehungen vorstellen – gleichzeitig werde ich aber auch nicht das dritte Rad am Wagen sein.“ Sie blickte ernst zu der Texanerin.
„Sie haben ja bereits das Arrangement angesprochen, dass Sie beide haben. Von daher ist es gut, dass es wohl wirklich existiert. Die Frage ist, wenn Sie gestatten, wie Sie sich dabei fühlen? Gerade wenn diese… Vereinbarung wohl schon älter ist und Sie anscheinend bis jetzt keinen Grund hatten, erneut über solche Dinge zu sprechen.“
Ihr Tonfall war zeitgleich sanft wie ernst.
„Sie preschen hier voran, als wäre es ein Wettbewerb, Mrs. Careen. Rational, kühl, als wollten Sie es schnell hinter sich bringen. Doch wird dies kein gutes Ende nehmen, wenn wir am Ende nicht darin überein kommen, was wir wollen und dass es für uns alle in Ordnung ist. Also, wenn ich fragen darf – was wollen _Sie_, in Bezug auf Shay, ihren Ehemann?“
Der Skipper wurde gerade nicht gefragt.
Zwischen Shay und Trish hin und herblickend dachte Elisa nach. „Ms Greene, Sie zerstören keine Beziehung. Jedenfalls nicht in der Form, wie Sie sich das vielleicht vorstellen. Uns beide verbindet“ Sie dachte kurz nach „eine tiefe Freundschaft. Diese hängt nicht daran, ob Shay mit jemand anderem intim wird.“
„Also gehen Sie davon aus, dass es ’nur Sex‘ ist? Dass ich eine Affäre bin, die wieder verschwinden wird?“ fragte ihre Gegenüber nach, seufzte. „Sie beide haben – obgleich Sie anscheinend nicht intim mit einander sind, wie Sie es ausdrücken – einen Weg gefunden, nicht nur miteinander auszukommen, sondern Sie leben zusammen. Teilen verschiedene Dinge.“ Trish würde ja eher ‚Sex haben‘ oder ‚vögeln‘ verwenden, aber auch mit einer eher rationaleren Sprache konnte sie umgehen – als Technikerin hatte sie schon viel zu viele Sprüche über Stecker und Dosen zu hören bekommen, um noch irritiert zu sein.
„Ich habe nicht vor Ihnen Shay ‚wegzunehmen‘ – aber ich habe auch nicht vor, nur das Bett mit ihm zu teilen“ Sie legte wie beiläufig eine Hand auf den Arm des Schotten und drückte diesen leicht. „Ich bin bereit, Sie kennen zu lernen und zu sehen, wie wir drei miteinander klar kommen – in welcher Konstellation auch immer. Die Frage ist, ob Sie das auch versuchen wollen und bereit sind, _mich_ anzunehmen und kennen zu lernen?“
Mit Beziehungskonstellationen, die unter Menschen als ‚ungewöhnlich‘ galten, hatten sie nun keine Probleme – so lange es alle ehrlich meinten und man miteinander sprach, Probleme löste. Shay mochte dies wohl auf Grund dessen, was er bereits von ihr wusste, ahnen.
„Ich bin übrigens Trish..“ wagte sie einen Vorstoß gegenüber Elli.
Diese nickte. „Meine Freunde nennen mich meist Elli.“ Der Vorschlag war nur vernünftig. Sie würden mit Sicherheit noch einige Zeit miteinander verbringen.
Dann räusperte sich Elli. „Ich habe mich vielleicht auch missverständlich ausgedrückt, was unsere Vereinbarung angeht. Ich sehe keine Notwendigkeit, an dieser zu rütteln. Wir hatten bisher jedoch nie einen Grund über den Punkt der Diskretion zu sprechen oder ihn zu modifizieren. Ich habe jedoch den Eindruck, dass es diesmal notwendig sein könnte, weil es sich eben nicht nur um den Sex dreht.“ Kurz fragte sie sich, was die Technikerin dagegen hatte, das Thema zügig zu klären. Das Thema war nun auf dem Tisch und es war nur vernünftig, zügig eine Lösung zu finden.
„Sie sind … nein du bist die erste Frau, die Shay mir vorstellen möchte. Entsprechend gehe ich davon aus, dass es ihm ernst ist mit dir. Und ich freue mich, dass er jemanden gefunden hat. Ich will und werde mich nicht zwischen euch stellen. Ich muss aber gestehen, ich hatte noch nicht ausreichend Zeit gehabt, darüber nachzudenken, was dies am Ende für uns alle heißt.“ Sie versuchte zu lächeln, was jedoch etwas verunglückte. „Entsprechend habe ich auch nicht darüber nachgedacht, ob wir beide uns näher kennenlernen sollten. Ich denke eure Beziehung funktioniert auch ohne, dass wir uns näher kennen.“ Sie blickte nachdenklich Shay an. „Ich vermute aber, dir wäre es lieber, wenn wir uns näher kennenlernen, sonst hättest du dieses Essen nicht … organisiert?“
Auch der Blick der Rothaarigen wandte sich Shay zu – der sich nun auf einmal der Aufmerksamkeit beider Damen sicher sein konnte. Und beiden erwarteten eine Antwort, wie es schien. „Ja, wie hast du dir das denn gedacht, Shay?“ fragte Trish mit vordergründiger Unschuld, in einem Tonfall wie Toffée-Konfekt in Zuckerwatte, eingebacken in süßen Brandteig, mit Eis und Kirsche garniert. Doch darunter wartete die Frau, die sich auch von einem feuerspeienden Prix-Männchen nicht hatte einschüchtern lassen.
Wie immer wenn er nervös wurde fuhr er sich zuerst mit der Hand durchs Haar und griff dann nach seinem Glas um einen Schluck zu trinken und Zeit zu gewinnen.
Nicht das ihm das gerade sonderlich half.
„Um ehrlich zu sein – ich habe keine Ahnung.“ begann er dann und wandte den Blick einmal von Elli zu Trish und dann wieder zurück.
„Es war nicht notwendig bislang mir darüber Gedanken zu machen weil du eigentlich auf der Erde sein solltest und nicht plötzlich hier an Bord.“ zwinkerte er Elli zu. „Was nicht heißt das ich mich nicht freue dich hier zu haben, aber es macht alles etwas komplizierter und ja ich hoffe wirklich ihr beide kommt miteineinander aus.“
„Ach – aus den Augen, aus dem Sinn? Das war deine Lösung?“ unterbrach ihn da Trish – und man musste kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass sie biestig wurde. „Die Ehefrau-Freundin auf der Erde, die Geliebte im All während den Missionen… und irgendwie jonglieren?“
In ihrem Blick blitzte es gefährlich. „Männer!“ Sie stieß ein paar unfeine Wörter in betazed, französisch und zuletzt irisch aus und schüttelte nur den Kopf.
„Vielleicht solltest DU dir erstmal klar werden, was du willst, Herr Ruthven, bevor wir Frauen uns Gedanken machen, ob wir dir die Chance geben.“
Sagte dies, kühl, und wandte dann den Kopf und Elli zuzulächeln – warm, wie ein Sonnenaufgang über den Aldaraasi-Tälern auf Betazed. „Was nicht heißt, dass ich dich nicht kennen lernen möchte. Vielleicht sollten wir einmal was zusammen unternehmen? Nur wir zwei – und mit etwas mehr Vorlauf als nur zwei Minuten?“
Shays Gesichtsfarbe wechselte recht schnell von bleich zu rot zurück zu bleich und er schluckte hart. Irgendwie hatte er sich das anders vorgestellt. Dennoch konnte er nicht umhin wie umwerfend Trish aussah wenn sie sich aufregte und in verschiedenen Sprachen fluchte. Aber das brachte ihn nicht wirklich weiter im Moment.
„True.“ erklärte er daher zerknirscht. „Das mit den 2 Minuten war nicht wirklich einer meiner besten Ideen. Und ich weiß ziemlich genau was ich will oder eher nicht will.“ meinte er dann. „Ich werde mich nicht scheiden lassen. Nicht jetzt zumindest.“ wandte er sich an Elli. „Ich weiß, dass sowas in deinem Kopf herumspukt und die Antwort ist weiterhin nein.“
Dann drehte er den Kopf zu Trish und fing ihren Blick auf. „Und das liegt nicht daran das ich nichts für dich empfinden würde – ganz im Gegenteil. Aber ich versuche, das zu sein was man früher einen Ehrenmann nannte. Ich habe Elli geheiratet und dabei Dinge versprochen die ich nicht leichtfertig über Bord werfen werde nur weil es jetzt schwierig oder kompliziert wird. Ich kann nur hoffen das du das verstehst und akzeptieren kannst weil ich dich nicht verlieren will Trish Ó Grianna. Ich will euch beide nicht verlieren.“
„Du weißt, mein Angebot steht.“ Elisa seufzte und widerstand dem Impuls ihm ihre Hand auf seine Hand zu legen. Sie hatte das Gefühl, dass dies ein falsches Signal senden würde. Also blickte Sie Trish an. „Ich bin mir sehr sicher, dass er sehr viel für dich empfindet, auch wenn er mit seinen Worten womöglich vorschnell ist. Würde er es geheim halten wollen, hätte er das Treffen heute nicht arrangiert.“
„Ach, wenn ich das nicht glauben würde, hätte er schon längst irgendein Lebensmittel im Gesicht und ich wäre nicht mehr hier“ winkte Trish ab, als sei das eine total übliche Reaktion. „Und es geht mir auch nicht darum, wer mit wem wie und warum verheiratet ist. Du solltest sehr genau wissen, dass meine Erfahrungen mit Familie eher der eines Klumpen von Menschen, die für einander da sind, ist, mein Lieber“ Sie stocherte etwas mit dem Finger gen Shay, ohne diesen jedoch ernsthaft zu gefährden.
„Worum es mir geht ist, dass wir alle wissen, woran wir sind. Dass wir einander respektieren, akzeptieren… und miteinander klar kommen. Dass am Ende alle glücklich sind. Ob das nun bedeutet, dass Elli und ich auch miteinander ausgehen, ob wir uns aus dem Weg gehen, ob du mit uns beiden unterwegs oder immer nur eine von uns haben kannst, wird sich alles zeigen.“ Sie blickte Shay ernst in die Augen. „Wichtig ist, dass du es genauso ernst mit mir wie mit ihr meinst.“ Dann hinüber zu Elisa. „Und dass wir einander nicht unnötig verletzen und diese Beziehung auf Sand bauen. Denn wenn das funktioniert, werden wir drei wohl länger miteinander auskommen wollen, müssen und sollen… wie auch immer.“
Elisa hob ihre Hände, nicht abwehrend, sondern eher hilflos. „Glücklich…“ Sie lies das Wort auf ihrer Zunge zergehen. „Was ist schon Glück. Aber nichts liegt mir ferner, als dich oder auch Shay zu verletzen. Ich will und werde eurem Glück nicht im Wege stehen. Ich bin mir sicher, dass wir miteinander auskommen werden. Du hast vorhin gesagt, du möchtest nicht an der Zerstörung einer Beziehung schuld sein und das kann ich dir versichern, das wirst du nicht. Ich freue mich, wenn ihr eine glückliche Beziehung führt und bin mir sicher, dass unsere Freundschaft…“ sie blickte Shay mit Zuneigung an „…darunter sicher nicht leiden wird.“ Ihr Blick wanderte zurück zu Trish. „Wir können gern auch etwas miteinander unternehmen.“ Auch wenn Elisa die Idee fehlte, was sie beide gemeinsam tun könnten, würde sie dem nicht entgegenstehen, wenn es half. „Aber wenn du das nur machen möchtest, damit das nicht zu merkwürdig ist, so glaube mir, es ist nicht nötig. Du und Shay, ihr mögt euch, das ist offensichtlich. Und ich glaube nicht, dass ich dabei eine Rolle spielen muss. Wenn es dir hilft: betrachte mich als seine Schwester.“
„Nun, ich habe Commodore Ruthven kennen gelernt – und ich bezweifle, dass er sich mit Ihr das Schlafzimmer teilt“ sagte Trish, bewusst trocken. Dass Shay und Elisa sich hingegen eines teilte, konnte sie mit einem Blick durch das Quartier erahnen. Die Einrichtung war nicht dafür gemacht, dass einer der beiden dauerhaft auf der Couch schlief.
Dann sah sie wieder zu Shay. „Und was machen wir so? Ich meine, du bist der Captain. Ich bin dir nicht direkt unterstellt, sondern ’nur‘ deiner CING, das macht es einfacher. Aber ich kann nicht ständig einen Reparaturauftrag vortäuschen um in euer Quartier zu kommen. Und wenn Elli dann jedes Mal Blumen pflücken geht, fällt das auch auf.“ Sie lächelte schief. „Was mein Quartier angeht, so habe ich ja seit Neustem und mit dem ganzen Hin und Her wieder einen Mitbewohner… – und dieser ist diesmal nicht Emily, die man einfach mit Essen glücklich machen und ablenken konnte.“ Sie lächelte ein wenig beim Gedanken an die Trill. Sie hatte gerne mit Em zusammen gewohnt und vermisste diese besondere Chaos-WG schon ein wenig.
„Ich muss ja nicht das Quartier verlassen“ meinte Elli trocken, „ihr könnt ins Schlafzimmer gehen.“ 😛
Shay wurde erneut bleich. Allein die Vorstellung … „Ähm, das müssen wir ja sicher nicht gleich heute entscheiden, oder?“ wagte er einen vorsichtigen Vorstoß.
</RPG>
<SUM>
# Zeit: MD 20.2100
# Ort: Quartier Ruthven
Shay und seine beiden Frauen unterhalten sich, kommen sich näher, werden lauter und müssen genau überlegen, wie eine gemeinsame Beziehung in Zukunft aussehen könnte. Die genaue Lösung wird jedoch vertagt. Man ist sich zumindest einig, dass es nicht von vornherein aussichtslos ist.
</SUM>
*submitted by
effi&ela&Mac aka
die Feurige & die Nüchterne & der Hahn im Stall