<RPG>
Ort: Néryon, Vael’Korin
Zeit: MD 08.1910
Irgendwie tat es ihr schon fast im Herzen weh – das Wasser war so nah und doch nicht erreichbar. Nari seufzte, während sie dem Rest ihrer Truppe hinterherschlenderte. Sie war überrascht gewesen, dass sie diesem eher kulturell interessierten Trupp zugeordnet worden war, aber bislang war es sehr interessant.
Sie legte den Kopf in den Nacken und sah an die glänzende Kuppeldecke, an deren Außenfläche sich das Wasser spiegelte. Auch wenn es schon recht spät am Tag war, brach sich das Licht im Wasser. Der Effekt, den es unterhalb der Kuppel erzeugte, war grandios. Nari hätte einiges dafür gegeben, einen Weg zu finden, sich für eine Runde schwimmen und tauchen in dem klaren Wasser zu entschuldigen, aber der Auftrag war nunmal ein anderer. Es war seltsam, die Touristen zu spielen, aber sie verstand durchaus, dass ihre Truppe für diesen Zweck gut geeignet waren – äußerlich unterschieden sie sich wirklich sehr von den Aelari. Nari entgingen die neugierigen, aber freundlichen Blicke nicht, die ihnen immer wieder zugeworfen wurden. Ihr Führer schien freundlich zu sein und hatte eine angenehme Stimme – trotzdem hatte Nari Schwierigkeiten, seinen Ausführungen zu folgen. Aber das schienen die anderen dafür umso mehr zu tun. So kam es also, dass sie ihren Kollegen ein wenig hinterherhinkte – sie ließ sich immer wieder von kleinen Entdeckungen ablenken und musste sich selbst daran erinnern, den Anschluss nicht zu verlieren.
Sie blieb abrupt stehen, als vor ihr plötzlich ein aelarisches Kind auftauchte. Mit großen Augen blinzelte es die Mindani an – ein Lächeln, wie sie sich zum Glück hatte merken können. Musste sie jetzt zurück blinzeln? Oder konnte sie lächeln? Nari entschied sich für eine Mischung aus beiden und warf sicherheitshalber noch ein kleines Winken in den Ring. Das Kind lachte auf. Nari stellte fest, dass sie hier mal wieder an eine Spezies geraten war, die ihr größentechnisch maßlos überlegen war. Die Gesichtszüge und die noch etwas unbeholfene Art, wie es sich bewegte, ließen Nari vermuten, dass es sich noch um ein recht junges Kind handelte, trotzdem überragte sie selbst es nur um wenige Zentimeter.
„Hallo!“ versuchte sie es trotzdem – wenn Nari eines war, dann war es unbekümmert und vielleicht konnte sie hier ihre eigenen Untersuchungen anstellen. Die Augen des Kindes weiteten sich wieder. Nari war sich nicht sicher, ob es sich um ein Mädchen oder einen Jungen handelte.
„Hallo!“ kam sogleich das Echo in einem hohen aber melodischen Stimmchen, dann streckte das Kind eine Hand aus und nahm prompt eine Strähne von Naris langem, gewellten blauen Haar zwischen die Finger. Es legte den Kopf schief und rieb sie zwischen den Fingern, bevor es den Kopf drehte – und Nari stellte fest, dass es diesen ziemlich weit drehen konnte, ohne den Oberkörper mitzunehmen – und laut „Ka’Tak! Haare!“ rief. Nari beobachtete, wie sich ein erwachsener, männlicher Aelari von einer Unterhaltung löste und zu ihnen herüberkam.
„Mi’ran, bitte lass los. Das ist nicht… angemessen.“
Nari winkte mit der einen Hand ab, auch wenn sie insgeheim froh war, dass das Kind ohne Widerrede ihre Haarsträhne freigab. Sie nickte dem Aelari – Ka’Tak – dankbar zu.
„Das ist schon ok, sie war nur neugierig.“ Oder er, aber da sie nicht korrigiert wurde, ging Nari davon aus, dass sie ins schwarze getroffen hatte.
„Sie sind zu Besuch.“ Stellte Ka’Tak fest. „Ganz allein?“
Es wäre übertrieben zu sagen, dass Nari sich erschrocken umschaute, aber etwas zerknirscht war sie dann doch als sie feststellte, dass der Rest ihrer Truppe auf Anhieb nirgends zu entdecken war. Verlegen fuhr sie sich mit der Hand durch das Haar, eine Geste, die sowohl Ka’Tak als auch Mi’ran fasziniert beobachteten.
„Uhm… eigentlich nicht. Ich glaube, ich war etwas zu abgelenkt.“ Nari lachte leise auf und wurde mit freundlichem Blinzeln belohnt. Ka’Tak machte eine einladende Handbewegung in Richtung eines weiteren dieser ungewohnten Gebäude.
„Gehören Sie zu der Gruppe, die Tira’kor begleitet?“
Nari nickte. So hatte ihr Führer doch geheißen, oder?
„Dann kommen Sie mit. Ich weiß, wohin er Sie als nächstes bringen wollte.“
Die Sicherheitsoffizierin in ihr wurde minimal misstrauisch. Kannten die sich hier alle? War ihr Besuch so ein Riesending, dass hier jeder über den Ablaufplan Bescheid wusste? Oder war sie hier nur zufällig dem besten Kumpel ihres Reiseführers in die Arme gelaufen? Vorerst beschloss sie, ihm zu folgen. Mi’ran griff ihre Hand, ein ungewohntes Gefühl bei Händen, die größer waren als ihre eigenen, und Nari vermutete, dass sie von diesen Leuten wohl nichts zu befürchten hatte. Die kleine Aelari summte ein Lied – Summen war vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Es klang glucksend, fast so als würde jemand versuchen, unter Wasser zu summen.
„Wie gefällt Ihnen unsere Welt bisher?“ brachte ihr erwachsener Begleiter Naris Gedanken wieder zurück in die Realität. Sie wägte ihre Antwort nur einen kurzen Moment ab.
„Ihre Architektur ist anders als alle mir bekannten Bauweisen.“ Gab Nari zu, dann nickte sie in Richtung der Kuppeldecke. „Aber das Wasser außerhalb hat es mir noch mehr angetan. Mein eigenes Volk hat eine enge Verbindung zum Wasser.“
Der Aelari folgte ihrem Blick. „Sie können unter Wasser atmen, wie wir?“ fragte er neugierig. Nari schüttelte den Kopf. „Leider nein. Aber im Vergleich zu anderen humanoiden Spezies fühlen wir uns im Wasser trotzdem wie zuhause. Wir können recht lang unter Wasser bleiben. Natürlich nicht im Vergleich zu Ihnen.“
Einen Moment lang gingen sie schweigend nebeneinander her. Dann entdeckte Nari einen weiteren der – Risse wäre vielleicht übertrieben, aber beschädigt war die Kuppel schon irgendwie. Sie hatte vorher mit halbem Ohr mitgehört, dass Tira’kor diese seltsam unbeeindruckt hinnahm. Auch ihre zwei Begleiter schienen nicht besorgt.
„Habt ihr keine Sorge, dass die Beschädigungen zunehmen?“
Vielleicht war das nicht die beste Frage in Anwesenheit eines Kindes, aber so etwas fiel Nari meistens erst auf, wenn es bereits ein wenig zu spät war. Mi’ran aber schien völlig unbeeindruckt.
„Man darf nicht dran klopfen.“ Quietschte sie fröhlich und imitierte mit der linken Hand ein Klopfen, während sie mit der rechten Nari weiterzog. Ihr Vater – Bruder – Nari wusste es nicht und fand es auch nicht angemessen, nachzufragen, strich dem Kind über den Glatzkopf.
„Man darf nicht dran klopfen.“ Bestätigte er mit einem Zwinkern in Richtung des Kindes, wandte sich dann aber etwas ernster an Nari. „Die Kuppeln sind sehr stabil. Und viele von uns denken, dass das Schicksal geschrieben ist. Wenn es einen Bruch vorsehen würde, hätte es einen Sinn.“
Nari hob zweifelnd eine Augenbraue. Es stand ihr nicht zu, über diese Ansicht zu urteilen, aber sie fand das Ganze schon etwas fatalistisch. Naja, immerhin hatte irgendwer hier die Sternenflotte um Hilfe gebeten. Komplett schicksalsergeben schienen die Aelari also doch nicht zu sein, oder zumindest nicht alle von ihnen. „Denken Sie das auch?“
Ta’Kar antwortete nicht, aber sein Blick streifte kurz über das Kind an Naris Seite. Natürlich. Es war das eine, ein Schicksal für sich selbst zu akzeptieren, aber nochmal etwas ganz anderes, die Verantwortung für ein weiteres Leben zu tragen. Bevor Nari versuchen konnte, die Stimmung wieder etwas zu heben, blinzelte der Aelari aber bereits wieder und wies mit der Hand auf eine kleine Gruppe, nur noch ein paar Meter entfernt. //Naja sei Dank, es wäre wirklich peinlich gewesen, hätte ich hier gleich mein Team verloren.// fuhr es Nari durch den Kopf, während sie sich wieder zu den anderen gesellte. Tira’kor und Ta’Rak nickten sich zu, während Mi’ran sich mit großen Augen die anderen Offiziere anschaute. Fabien raunte Nari fragend zu: „Haben Sie etwas Interessantes in Erfahrung bringen können?“
Nari fuhr sich erneut mit der Hand durch die blaue Mähne. „Ja… ich hab Haare und das ist anscheinend echt spannend.“
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Ort: Néryon, Vael’Korin
Zeit: MD 08.1910
Nari verliert ihre Gruppe, wird aber von zwei Aelari aufgegabelt, die wissen wohin es geht.
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