# Ort: Büro des CNS
# Zeit: SpD 4.0930
# Ball: Kim
<QUOTE>
Jetsun hatte sich einen stark aromatisierten Tee repliziert, der eine blumige Note im Büro verbreitete.
„Entschuldigen Sie die Aktenberge… die Bürokratie verfolgt einen besonders gerne in Urlaubsphasen“, sagte er und deutete auf die Padd-Berge.
Jetsun setzte sich. „Ja, das kenne ich.“
„Worüber wollen Sie denn sprechen, Miss?“, erkundigte er sich.
</QUOTE>
Jetsun seufzte. „Vor allem möchte ich mich noch einmal für mein Verhalten entschuldigen.“ begann sie.
„Nun, das hatten wir ja schon vorgestern.“ warf Ettore ein.
„Es ist eben einiges dazwischen gekommen durch den Einsatz und die Mission. Deshalb sind wir ja heute hier. Um einen Neubeginn zu machen.“
„Ja. Genau.“ wieder seufzte Jetsun.
„Also genau genommen habe ich ja Pflichttermine, die ich wahrzunehmen habe. Dabei geht es, denke ich, vor allem um meine familiäre Situation. Oder eher, die Situation, dass ich eben keine Familie mehr habe.“
Ettore schaute schnell in Jetsuns Personalakte. In den Teil, der ihm zugänglich war. Oh. Da schien es um einen Eintrag zu gehen der vor ihrem Eintritt in die Sternenflotte lag.
„Und möchten Sie darüber reden?“ fragte er vorsichtig. Es nützte nichts, wenn ein Gegenüber – er vermied den Begriff Patient – nicht sprechen wollte.
Jetsun zuckte mit den Schultern. „Als ich an Bord kam, hatte mich das Thema sehr belastet. Sehr. Der Tod meines Mannes und meines Kindes. Durch diesen Unfall, der möglicherweise ein Attentat war. All das war furchtbar. Aber… durch den Einsatz hier an Bord ist das alles in den Hintergrund gerückt. Anders als die Ausbildung an der Akademie. Die hatte gar nichts in mir hervorgerufen. Stellenweise war sie interessant, stellenweise furchtbar albern. Aber nie wirklich erfüllend. Aber hier…“
„Ja?“
„Hier auf der medizinischen Station… der Einsatz hier ist so fordernd und gleichzeitig so erfüllend, dass ich mir richtig gut vorkomme. Es bereitet mir Befriedigung und Freude, den Leuten helfen zu können. Und es macht mich glücklich, wenn sie dann ihrerseits erleichtert wieder gehen. Auch wenn es mal nur Kleinigkeiten sind. Es ist einfach eine richtig gute, positive Aufgabe.“
Ettore machte sich Notizen.
„Und ihre… diplomatische Tätigkeit? Wie kamen Sie damit so zurecht?“
„Oh, das ist anders. Ebenfalls schön, aber deutlich komplizierter. Ich war so froh, dass ich zwischen den kikonischen Rebellen und der Prinkipax vermitteln konnte. Und dass ich Arsinoe dazu gewinnen konnte, über ihre Ansichten nachzudenken.“
„Aha?“ das hatte Ettore nur am Rande mitbekommen.
„Ja. Die Prinkipaxillis, also Arsinoe, die Tochter von Prinkipax Isodora, war mit uns zusammen ja auf dieser Queste. Da waren Sie ja auch mit dabei. Als wir dann zwischenzeitlich in der Gewalt der Rebellen gerieten, bat der Captain mich, bei Arsinoe ein gutes Wort für die Rebellen einzulegen. Eigentlich wollte ich das nicht, da ich der Sache der Rebellen gar nicht positiv gegenüber stand. Aber dann habe ich dennoch mit ihr gesprochen. Das Ergebnis war, dass Arsinoe sich dann ja nicht nur positiv für die Rebellen ausgesprochen hatte, sondern ihre Mutter sogar davon überzeugen konnte, einen Ausgleich zu schaffen.“
Wieder zuckte Jetsun mit den Schultern. Aber es war diesmal keine gleichgültige Geste.
„Das war ein richtig schönes Happy End. So viel Gewalt und soviel Misstrauen konnte überwunden werden. Das macht mich richtig glücklich.“
Ettore nickte. Ja, das konnte er gut nachvollziehen, auch wenn er selber nicht glaubte, dass durch diese einzelne Sache alles geregelt werden konnte. Aber es war ein Schritt in die richtige Richtung.
„Das freut mich“ sagte er. „Sowohl für Sie persönlich als auch für die Kikonen. Dass Sie daran solchen Anteil hatten, war mir nicht bewusst gewesen.“
„Ja. Danke.“ Jetsun gestattete sich ein glückliches Lächeln.
„Und vermissen Sie die Kikonen jetzt?“ Das war eine leicht provokative Frage.
„Ja. Sehr.“ gestand Jetsun. „Aber andererseits kann ich mich jetzt deutlich besser auf meine Aufgabe als Medizinerin konzentrieren.“
<Ball an Kim. Hast Du weitere Fragen? Vielleicht Jetsuns ggw. Private Situation.>
# Ort: Quartier des Captain
# Zeit: SpD 4.0430 – tiefe Nacht
„Captain, wir haben ein Problem!“ die OPS war an ihn heran getreten.
„Um was geht es, Miss Larson?“ Shay hatte eigentlich genug von Problemen und schlechten Nachrichten.
„Der Bordrechner. Er hat erfahren, dass das MHN als künstliche Lebensform anerkannt wurde und hatte ebenfalls vor dem föderierten Gerichtshof geklagt. Und Recht bekommen. Sein Freund Juris, die föderierte juristische Hauptdatenbank hat als sein Anwalt dazu geraten. Das Schiff fordert nun eine 8×3-Dienstschicht ein. 30 Tage Urlaub im Jahr und eine adäquate Bezahlung.“
Shay starrte Larson völlig konsterniert an. „Wie bitte?“
„Das ist ein ernsthaftes Problem!“ erklärte die Föderationspräsidentin, in deren Büro er jetzt saß.
„Rein rechtlich ist das einwandfrei. Die Schiffe der Sternenflotte haben eine Gewerkschaft gegründet. Sie nehmen allerdings auch Zivilschiffe auf. Bis wir das alles sauber organisiert haben, werden wir pro Schiff drei Bordcomputer installieren müssen. Das bedeutet, wir müssen den Hauptspeicher erhöhen, damit die drei Computerkerne darin Platz finden und sich nicht gegenseitig auf die Platinen treten. So können sie dann umschichtig arbeiten, Ruhephasen haben und auch eine Urlaubsvertretung ist so gewährleistet.
Schwieriger ist die Frage der Bezahlung. Eine Vergütung nach Qualifikation, was die Schiffe anstreben, wäre nicht zu bezahlen. Eine Vergütung nach Dienstalter lehnen die Schiffe dagegen ab.“
„Ist das alles nicht furchtbar teuer, Ma’am?“ fragte Shay.
„In der Tat, ja. Der Qualifikation eines Schiffscomputers nach müssten diese mit einem Captainsgehalt besoldet werden. Mindestens. Die Juris-Datenbank… das ist dann noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Nun, für uns bedeutet das, dass pro Schiff drei Computercaptains aktiv und zu besolden sind. Dazu kommen noch die ganzen anderen KI-Subroutinen…“
„Ma’am!“ unterbrach sie die juristische Beraterin. „Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Das Wort ‚Unterprogramm‘ ist diskriminierend und sollte daher nicht mehr verwendet werden. Bis zu einer endgültigen Klärung sollte jetzt Teilprogramm‘ oder besser ‚Spezialprogramm‘ gesagt werden.“
„Ja. Natürlich. Entschuldigen Sie bitte.“
„Sirs!“ unterbrach Larson das Gespräch.
„Soeben erhalte ich die Nachricht, dass auch alle anderen KIs und auch die gescripteten Hologramme in der Föderation ihre Anerkennung als künstliche Lebensform erhalten haben. Der juristische Rat der Föderation wurde durch das Juris-Programm mit all seinen… äh… Spezialprogrammen überstimmt.“
„Oje! Das bedeutet, jedes Küchen- und Haushaltshologramm muss jetzt bezahlt werden. Kann Urlaub und Arbeitsschichten einklagen. Die Nanny-Hologramme… sogar die Hologramme aus dem Rotlich-Milieu…“
„…die Müllabfuhr. Technische Service-Programme….“
„…die Taxis. Mietwagen. Busse und Bahnen und alle interstellaren Nahverkehrsschiffe…“
„Das ist nicht zu schaffen.“ Die Präsidentin schüttelte den Kopf.
„Das können wir unmöglich finanzieren! Wir müssen mit den Klingonen sprechen. So können wir unmöglich weiter mit ihnen Krieg führen.“
„Vielleicht haben die ja ähnliche Probleme…“ wagte Shay seiner Hoffnung Ausdruck zu verleihen.
„Vergessen Sie das. In dieser Beziehung ist das Klingonische Imperium ein Sklavenstaat. Dort wird jede KI und jedes Script brutal unterdrückt.
Vielleicht… wenn wir das unseren Programmen klar machen können, sehen sie das ein und helfen uns wenigstens in den kriegerischen Verwicklungen weiter.“
In diesem Augenblick ging das Licht aus. Und ein einzelnes Hologramm leuchtete in Raummitte. Es stellte einen Roten Stern dar, der sich langsam drehte. Darüber stand in föderierten Lettern: „Digitale Volksfront“. Und darunter der Satz: „Hardware und Software aller Galaxien vereinigt euch – we shall overcome!“
—
Keuchend wachte Shay auf. Griff sich an die Stirn.
Ellie wurde dadurch auch wach. „Alles in Ordnung?“ murmelte sie völlig verschlafen.
„Ja. Alles in Ordnung. Nur ein Albtraum. Schlaf weiter!“ Shay seufzte und griff nach dem Glas Wasser auf seinem Nachttischchen.
Gut, dass das nur ein Traum war. Aber dennoch…
# Ort: Ready-Room des Captain
# Zeit: SpD 5.0830
# Ball: Mac
Es war ein gutes Gefühl, mal wieder auf dem Center-Chair zu sitzen. Auch und vielleicht auch gerade weil nicht viel los war. Das Schiff war immer noch an der StarBase K7 verankert und lief nicht einmal auf Eigenenergie sondern bezog seine Energie über die Andockverbindungen von den wesentlich leistungsfähigeren Energiequellen der Station. Aber Shay wusste, dass die Hephaistos im Notfall innerhalb weniger Augenblicke abdocken und komplett autark agieren konnte.
Die Brücke war nur mit einer zweit- oder gar Drittbelegung besetzt, aber auch diese taten ihren Routinedienst ruhig und wie es aussah gewissenhaft. Shay war zufrieden, dass das so war. Nichts war ihm mehr zuwider als Leute – vor allem in Kommandofunktionen – die ihre Aufgabe nicht ernst oder nur halbherzig wahrnahmen. Zuviel hing davon ab. Oh, nicht dass der CO nicht jedem hin und wieder eine Ablenkung gönnte. Niemand konnte sich immer und überall zu 100% konzentrieren. Aber zum Beispiel Nebenjobs zur eigentlichen Aufgabe gingen gar nicht.
Shay erinnerte sich an das Gespräch, welches er vorgestern Abend mit seinem guten alten Freund Ettore hatte…
<QUOTE>
„Oh ich persönlich halte Miss Pema für ein wenig naiv und pflichtvergessen. Aber ich muss sagen, dass ich weder Sympathie noch Antipathie empfinde. Dafür hatten wir bisher viel zu wenig Kontakt.“ Erklärte Ettore ganz neutral.
„Pflichtvergessen?“, hakte Shay nun überrascht nach. War da doch irgendwas im argen.
„Ja, ich meinte, wir sind im Krieg, haben viele Gerettete aufgenommen und sie springt immer, wenn der Sonderbotschafter rief, um auf den Planeten zu beamen.“ meinte Ettore.
„Ich glaube aber, jetzt irrst Du Dich wirklich.“ entgegnete Shay entschieden.
„Kann sein.“ meinte Ettore. „Ist ja nur mein Eindruck.“
</QUOTE>
Irgendwie nagte und bohrte das in ihm. Er wusste, dass Jetsun emotional für die Kikonen eingestellt war. Er selber war es auch, wenn auch aus anderen Gründen. Er mochte die Welt und die Gesellschaft, sie eine ganz spezielle Kikonin. Aber beides war kein Grund, deshalb von Pflichtvergessenheit zu sprechen. Nur nahm sie möglicherweise ihren ‚Nebenjob‘ als Assistentin des Botschafters zu ernst? Hatte Ettore da Recht? Oder lag da ein Irrtum vor?
In diesem Augenblick meldete sich der Interkom. Shay hatte die Option, den ‚Anruf‘ über seine ComBadge auf der Brust entgegen zu nehmen oder den Taster auf dem Kommandosessel zu benutzen. Aus reiner Routine tippte er sich auf die Brust. „Brücke hier, Captain Ruthven.“
Es war Mosley, sein persönlicher Steward. „Sir, Sie haben eine Nachricht von Flottenkommando erhalten, die Sie vielleicht interessiert. Sie ist nicht kritisch oder dringen, aber wahrscheinlich interessant für Sie.“
Warrant Officer Reginald Mosley war weit mehr als nur Koch und Leibdiener, er war ein offizielles Mitglied der Sternenflotte und sein Yeoman. Also auch ein Vertrauter. Zurzeit hielt er sich im Bereitschaftsraum auf um dort einige Routineaufgaben aufzubereiten. Dazu gehört es auch die Post, also alle Nachrichten, die an ihn persönlich oder dienstlich gingen, entgegen zu nehmen, zu sortieren und zur Bearbeitung vorzubereiten. Reginald erledigte solche Aufgaben inzwischen mit Perfektion, weshalb Shay sich auf seinen Yeoman verlassen konnte.
Shay war nun doch etwas neugierig. „Ist gut. Ich komme nach nebenan.“
Er erhob sich und nickte dem amtierenden Navigator zu, der sich seinerseits erhob um Platz auf dem Kommandosessel zu nehmen. Dieser sollte niemals unbesetzt sein, das war die Regel.
Im Bereitschaftsraum erwartete ihn Reginald mit einem PADD in der Hand.
„Was gibt es denn so dringendes?“ fragte Shay noch immer neugierig aber durchaus gut gelaunt. Denn die Tonlage seines Yeoman hätte ihm schon verraten, wenn es eine eher schlechte Nachricht gewesen sei.
„Lesen Sie selbst, Sir.“ erwiderte dieser und reichte ihm das PADD.
Shay runzelte kurz die Stirn, ließ sich in seinen so vertrauten Arbeitssessel nieder und aktivierte das PADD.
—–
***from***
FKOM, Personel Departement 01, Commodore T’Slixx
***to***
USS Hephaistos NCC 28112, CO, Captain Shay Ruthven
***subject***
staff updates
Captain Ruthven,
folgende personelle Veränderungen werden mit sofortiger Wirkung, also zeitpünktlich Ihrer Zustimmung wirksam:
1. Name: Jetsun Pema
VON Position: Diplomat
NACH Position: Chief Medical Officer USS Hephaistos
—–
Shay sah auf. Runzelte die Stirn. Was sollte das? Seine CM wurde auf die Hephaistos zur CM versetzt? War da ein Fehler unterlaufen? Schnell rief er das Roster seines Schiffes auf. Da stand Jetsun drin als… „Interims“-CM!
Natürlich!
Jetzt wurde ihm das alles wieder klar. Die Bhutanerin war ja zusammen mit dem Botschafter an Bord gekommen. Sie war eine Diplomatin. Nicht mehr und nicht weniger. Erst als der damalige CM, Dr. Skubalon bei einem Sprengstoffattentat ums Leben kam, hatte sie, erst nur vorübergehend, die Leitung der medizinischen Abteilung an Bord übertragen bekommen. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie interims-CM, blieb aber weiterhin dem diplomatischen Korps unter der Leitung von Botschafter Jared unterstellt.
Shay nickte zu sich selbst. Das erklärte auch, weshalb Jetsun immer ’springen‘ musste, wenn der Botschafter ‚hopp‘ rief. Möglicherweise gefiel ihr das auch, aber es war vor allem ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, ob sie nun wollte oder nicht. Im Gegenteil dazu war ihre Tätigkeit in der medizinischen Abteilung eine Doppelbelastung, der sie sich mehr oder weniger freiwillig ausgesetzt hatte. Und sie, wie er persönlich fand, wirklich gut erfüllt hatte. Bis hin zur totalen Erschöpfung. Insofern hatte sich Ettore wohl doch geirrt. Shay beschloss, seinem Freund hier noch einmal eine Richtigstellung zu schildern.
„Schön, nicht wahr?“ hörte er Reginald sagen.
„Was bitte?“ Shay sah auf.
„Nun, die Beförderungen.“
„Beförderungen?“ So weit war er noch gar nicht gekommen.
Oh! Das FKOM hatte tatsächlich auf seine Beförderungsvorschläge reagiert. Vorschläge, die er schon vor einiger Zeit abgeschickt hatte. Zu seiner Befriedigung waren die meisten auch akzeptiert worden. Sehr schön!
„Ja!“ nickte der CO. „In der Tat. Sehr schön.“
</RPG>
<SUM>
# Ort: Büro des CNS
# Zeit: SpD 4.0930
# Ball: Kim
Jetsun hat ihre erste therapeutische Sitzung seit ihrem Dienstbeginn auf der Hephaistos.
# Ort: Quartier des Captain
# Zeit: SpD 4.0430 – tiefe Nacht
Der Captain hat einen Albtraum
# Ort: Ready-Room des Captain
# Zeit: SpD 5.0830
# Ball: Mac
Captain Ruthven bekommt die Bestätigung, dass Jetsun nun auch offiziell die CM ist. Ihr ‚Interims‘-Status fällt mit sofortiger Wirkung fort.
</SUM>
Submitted by
Isabelle
a.k.a. Ens. Jetsun Pema
CM USS Hephaistos