eine neue Pera

Hallo!

Auf Friddis Steilvorlage musste ich einfach eingehen.
Und dann konnte ich auch Isidoras Schicksal anbringen. Wenigstens den ersten Teil.

Sorry, wieder mal nur die Kikonen…

<RPG>

Ort: Thyene, Myzen
Zeit: MD 13.0840

Überraschung. Gefolgt von Entsetzen. Und dann von Zorn!

Wie konnte sie es nur wagen!

Wie konnte diese Frau es nur wagen, die Anweisungen der Prinkipax einfach zu ignorieren! Ja, ihre Mutter hatte Recht gehabt. Leute wie diese Frau, diese Dagon Unatra Ricara Anjeta atto Myzen waren es, die den Frieden auf Thyene störten. Nicht diese Rebellen. Die reagierten nur darauf. Sicherlich mit ganz falschen Mitteln, aber dennoch.
Insofern war es gut, das wieder einmal so deutlich vor Augen geführt zu bekommen. Jetzt hatte sie ein wundervolles Exempel, auf das das heute Gespräch mit der Rebellenführerin Isidora fußen konnte. Zu gern hätte sie die junge Tabitha dabei gehabt, doch das wollte sie dieser armen Frau nicht mehr zumuten.
Bitternis überkam sie bei dem Gedanken, dass Tabitha von Thyene fliehen musste um den Nachstellungen ihrer Tante zu entgehen. Wie schlimm war das denn? Wie tief waren sie gesunken! Was für ein erbärmliches Bild gaben sie für die Föderation ab. Arsinoes Gesicht wurde dunkelrot und sie zitterte unter ihrer mühsam beherrschten Wut.
„Du, Unatra Anjeta,“ sprach sie diese bewusst unter Fortlassung ihres vollen Titels und Namen an, „geh. Verschwinde! Aber halte Dich bereit. Ich bin sicher, dass die Prinkipax Dich sehr bald sprechen möchte.“

Jetzt war es an Anjeta, doch etwas blass zu werden. Jedoch nicht, weil sie selber befürchtete, zu weit gegangen zu sein, als vielmehr den Nachstellungen dieses Kindes, dieser Prinkipaxillis ausgesetzt zu sein. Die ihrerseits den Einflüsterungen durch diese Fremden ausgesetzt war, die diese neuen, peinlichen Ideen ins Reich gebracht hatte. Wiederlich!
Dennoch verbeugte sie sich tief. Rang war Rang und Titel war Titel. „Gewiss, Prinkipaxillis. Und bitte verzeiht, wenn ich Euch verärgert habe. Das lag nicht in meiner Absicht.“

Arsinoe hatte gar nicht zugehört, machte nur eine wegwerfende Geste mit ihrer Hand und Anjeta verschwand so schnell als möglich. Draußen bemerkte sie den Schweber und die zwei Gardistinnen, die sie misstrauisch musterten. Und die Nachbarn. Also nahm sie ihren ganzen Stolz hervor, rückte ihre Brust raus und stolzierte davon.

Arsinoes Aufmerksamkeit war inzwischen auf Jetsun und Tabitha gerichtet, wo sich die Ärztin gerade um die gerötete Wangen kümmerte. Nichts, was wirklich Aufmerksamkeiten bedurfte. Jedoch kannte Arsinoe Jetsuns fürsorgliches Wesen und ließ sie daher machen. Und Tabitha war von der ganzen Situation so dermaßen eingeschüchtert, dass sie überhaupt keinen Widerstand gegen irgendetwas entgegenbrachte.

Der Mann dagegen, Tomasi, verbeugte sich… relativ ehrerbietig.
„Herrin, ich danke Euch. Vielmals. Für Euer beherztes Eingreifen und für Euer wundervolles Angebot. Die Sterne zu sehen! Ins All zu reisen und all das. Das ist so…“

Wieder hob Arsinoe ihre Hand und Tomasi unterbrach sich sofort.
„Bitte, Mann! Tomasi, nicht wahr? Du musst unbedingt lernen, Dich zu beherrschen. Ist Dir nicht klar, dass es vor allem und allein Deine Worte waren, die Dich, Tabitha und eure Kinder, ja auch eure Dienerschaft in diese furchtbare Situation gebracht haben? Du kannst denken, was immer Du möchtest. Aber achte unbedingt auf das, was Du sagst. Worte können helfen. Worte können vieles bewirken. Aber sie können auch zerstören. Vernichten. Denke immer daran.“

Tomasi senkte betroffen den Kopf. Kurz. Er wusste, dass er ein leidenschaftlicher Mann war. Männer waren gefühlvoll, das war schon immer so und zeichnete sie ja auch aus. Nicht umsonst waren Männer ja auch die Künstler und Musiker des Volkes. Aber er wusste, dass die Prinkipaxillis Recht hatte. Er war vorlaut. Und ließ sich so leicht von seinen Leidenschaften dahin reißen. Und ja, er bereute es zutiefst, durch seine Worte seine Familie so ins Chaos gestürzt zu haben, doch eigentlich bereute er seine Worte nicht. Hatten sie nicht zuletzt doch dafür gesorgt, dass er ins All fliegen durfte? Ihr Götter, er hatte jetzt schon hunderte Melodien im Kopf, die er dazu komponieren konnte. Und Bilder vor Augen. Das Leben würde wundervoll werden!

Tabitha dagegen war einfach nur zutiefst erleichtert. Sie wollte eigentlich nicht fort. Sie war eine ganz normale Kikonin und liebte ihre Heimat zutiefst. Weshalb sollte irgendeine Kikonin ihre Welt verlassen wollen, wo es andernorts doch niemals so schön sein konnte.
Eigentlich! Denn natürlich wusste Tabitha auch, dass sie nie ein schönes, ruhiges Leben hier führen können würde. Ihre furchtbare Verwandtschaft würde keine Ruhe geben, solange sie hier sein würde. Ihr Mann, ihr armer, lieber, leidenschaftliche, liebevoller und auch so naiver Mann würde furchtbar leiden. Und ihre Kinder würden ausgegrenzt werden. Das brach ihr das Herz. Dass ihre Kinder nicht als echte Kikonen aufwachsen würden. Jedenfalls nicht zuhause. Doch wenn sie die Wahl hätte, diese selber und durch ihren Mann zu erziehen, oder andererseits sie durch ihre Tante und deren Speichellecker erzogen zu sehen, wusste sie genau, was der bessere Weg wäre.

Sie riss sich zusammen. Die Erdenfrau hatte ein kühlendes Gel auf ihre Wangen aufgetragen und das tat sehr gut. In mehrfacher Hinsicht. Es tat körperlich wohl, aber es war auch ein schönes Gefühl, dass andere, sogar Fremde sich um einen kümmerten und bemühten. Diese Föderierten waren ein freundliches, liebevolles Volk, wie es schien und auch wenn es nicht Thyene sein würde, wo sie zukünftig leben würde, so das Leben unter solchen Kikonen… nein, Menschen… oder Leuten… was auch immer, es würde einfach friedvoller sein. Ihr Mann konnte malen, komponieren, schaffen… und ihre Kinder würden in Frieden und Toleranz aufwachsen. Selbst ihre Dienerschaft würde in Frieden leben können. Das war jedes Opfer wert.
Sie sah die Fremde Frau an. In ihrer eher schlichten Uniform sah sie so anders aus. Auch dieser hübsche rote Schal, den sie trug änderte nur wenig daran. Aber ihr Gesicht und ihre Augen waren dieselben. Tabitha verbeugte sich tief. „Ich danke Euch, Jetsun Pema. Ihr habt mir sehr geholfen.“

„Oh,“ erwiderte diese, „das war nichts. Nur ein wenig Gel. Etwas ganz Einfaches.“

„Nein, das meinte ich nicht, Herrin. Ich meinte insgesamt. Ihr, euer edler Kommandant, euer ganzes liebes Volk. Ihr alle habt mir und meiner Familie im wahrsten Sinne des Wortes das Leben gerettet. Das werde ich euch nie vergessen!“

Jetsun wurde rot. „Oh, danke.“
Eigentlich wollte sie abwiegeln, doch als ausgebildete Diplomatin war ihr bewusst, dass viele Völker so etwas nicht schätzten.
„Ich weiß, dass es nicht nur mir, sondern auch unserem Captain eine Freude und eine Verpflichtung war, Euch zu helfen. Ihr seid uns allen herzlich willkommen! Ob ihr nun auf einem unserer Schiffe tätig sein werdet, oder ob ihr doch lieber auf einer unser Welten leben möchtet. Das bleibt noch zu ergründen.“

Ums Haar wäre Tomasi wieder herausgeplatzt und hätte lautstark für ein Raumschiff votiert, doch dieses Mal hielt er sich im Zaum. Nicht zuletzt, weil Arsinoe noch neben ihm stand.
„Wir werden zusehen, so schnell als irgend möglich bereit zu sein.“ brachte er stattdessen aufgeregt hervor.

Ort: Thyene, Myzen, Palast der Prinkipax
Zeit: MD 13.1000

Prinkipax Lysikia knirschte mit den Zähnen.
„Was hat diese… Person… getan? Ja, ist sie denn vollends von allen guten Geistern verlassen?“

Lysikia fasste es einfach nicht. Vergaßen sich diese Leute? Sicher, sie hatten einen Titel. Rang und Namen. Aber gerade deshalb sollten sie doch begreifen, dass auf Thyene keine Demokratie existierte! Ober sticht unter. So einfach war das. Und wenn ein ‚unter‘ seine ‚ober‘ zu sehr herausforderte, würde es krachen. Auch das war einfach.
Und es würde krachen, darauf konnte sich diese Anjeta verlassen. Aber sowas von.

Lysikia senkte den Kopf. Sie hatte einen Plan gehabt. Hatte gehofft, Arsinoe als Konsulin auf die Erde zu schicken. Vielleicht für 4 Jahre oder so. Und Tabitha hätte als deren Angestellte mitgehen können. Dann hätte sie nie den Kontakt verloren und Tabitha hätte in den anderen Konsulatsangestellten andere Kikonen um nicht einsam zu werden. Aber das würde jetzt nicht mehr gehen. Diese von allen Göttern verfluchte Anjeta hatte ihr das verdorben. Dafür würde sie büßen!

„Mutter, ich denke, es ist höchste Zeit, dass wir mit Isidora sprechen.“ warf Arsinoe ein. Der Zeitpunkt war günstig.

„Ja. Stimmt. Gehen wir zu ihr.“ meinte Lysikia.
„Das passt mir grade ganz gut!“

Mutter und Tochter gingen dann gemeinsam in Arsinoes Zimmer, was im Grunde mehr eine Zimmerflucht im Palast war. Eine großzügige Wohnung komplett mit Außenbereich, in dem auch der Pool lag, in dem Arsinoe mit Jetsun zusammen… gebadet hatte. Der jungen Prinkipaxillis wurde ganz war bei der Erinnerung daran, doch sie schüttelte den Gedanken wieder ab. Daran wollte sie jetzt nicht denken.
Stattdessen trat sie an einen kleinen Safe der hinter einem Wandvorhang eingebaut war und deaktivierte die Sperre. Daraus zog sie die kleine Transportereinheit mit der zusätzlich angebauten Energieversorgung hervor und stellte beides auf den Boden. Ihre Mutter hatte sich bereits in einen der Sessel gesetzt, die Hände vor dem Kinn gefaltet und schien noch etwas vor sich hin zu brüten. Arsinoe wartete gern. So konnte auch sie sich ihre Gedanken noch einmal zurechtlegen.

Die waren im Grunde genommen fast schon revolutionär. Sie hatte sich von Jetsun mit ganz viel Material über die verschiedenen Regierungsformen der Erde versorgen lassen. Viel Zeit, diese zu lesen hatte sie noch nicht gehabt, hatte aber das eine oder Andere schon verstanden.
Eine Demokratie, wie sie auf der Erde existierte würde sie hier nicht haben wollen. Selbst wenn diese vielleicht gut wäre, so würde der Umbruch furchtbares bewirken. Außerdem war Thyene und das ganze Reich organisch gewachsen und kein Kunstprodukt. Und jede Demokratie der Erde fußte auf Revolution oder Krieg, was Arsinoe ganz schrecklich fand. Nein, das war nichts für sie.
Aber ein Kronrat. Das wäre etwas. Ein Gremium, welches vielleicht ja noch nicht einmal mehr als nur beratende Funktion hätte. Das wäre gut. Man würde gute Leute dort finden, gerade wenn es nur beratende Funktion hätte. Denn dort würde man sich nicht profilieren können. Aber die Mitglieder würden gute Argumente vorbringen um etwas zu bewirken. Wenn Isidora dort vielleicht vertreten wäre. Als Abgeordnete ihrer Fraktion. Ihre Mutter hatte ja angeregt, den Rebellen Amnestie zu gewähren und ihnen das Land zu übereignen. Irgendwie so etwas. Isidora könnte vielleicht sogar geadelt werden. Auch das war eine Idee von Jetsun gewesen. Peers nannte man diese Form des Adels, wo Leute aufgrund ihres Verdienstes geadelt werden. Und nur die Leute, nicht die ganze Familie. Sie würde diese vielleicht Pera nennen. Pera Isidora. Klang doch nicht schlecht…

„Träumst Du?“ riss sie die Stimme ihrer Mutter aus ihren Gedanken.

„Verzeih. Nein, ich habe mir Gedanken gemacht, was wir mit Isidora besprechen wollen.“ erwiderte sie.

„Gut. Ich ebenfalls. Wollen wir uns abstimmen?“

Ort: Thyene, Myzen, Palast der Prinkipax
Zeit: MD 13.1300

(vor zwei Tagen)

Isidora hatte sich gesetzt und die Schale mit den Keksen fixiert. Ihr wollte nicht so recht in den Kopf, was die junge Prinkipaxillis vorhatte. Sie seufzte. Das mochte sie nicht. Allerdings mochte sie es noch weniger, demnächst getötet zu werden. Also setzte sie sich auf ihre Pritsche und begann, ihre Kekse aufzumuffeln.

Plötzlich bemerkte Isidora, wie sich ihre Umgebung aufzulösen begann. Oder besser, sie selbst löste sich auf.
Ein Transportvorgang! War das…

(Gegenwart)

…Arsinoes Idee gewesen? Wahnsinn!

Isidora blinzelze. Die Umgebung war eine andere geworden. Das hatte sie erwartet.
Was sie nicht erwartet hatte, war, der Prinkipax Lysikia gegenüber zu stehen. Und ihrer Tochter.
Und ohne Kleidung dazustehen.

Letzteres war kein Problem für sie. In der Kultur ihrer Welt hatte Kleidung weniger die Funktion eines Antitabus als vielmehr die eines Zeichens von Wohlstand. Wobei hier weniger Kleidung höheren Rang darstellte. Das war also wirklich unproblematisch.
Sie lebte also noch. Gut. Die Transmission war also nicht ihre Hinrichtung gewesen. Alles weiter würde sich klären.
Isidora kniete sich hin und legte Hände und Unterarme auf den Boden und den Kopf darauf. Eine Geste absoluter Unterwerfung. Einmal war das angemessen, denn schließlich war sie die (noch nicht) verurteilte Anführerin der Rebellion. Und außerdem gab ihr das ein wenig Zeit, sich zu sammeln.

Jedoch nicht allzu viel, denn die Stimme der Prinkipax erklang.
„Sei gegrüßt, Carpianis Thoas Isidora atto Thermidava.“

Isidora richtete sich auf. Die Prinkipaxillis schien relativ aufgewühlt zu sein. Ihr Gesicht zeigte das deutlich und sie selbst war gut darin, Gesichter zu lesen. Das hatte sie letztendlich zur Anführerin gemacht. Das, und die anderen von ihren Ideen zu überzeugen. Geholfen hatte ihr das aber wohl nicht. Oder vielleicht doch?
„Herrin?“

„Du weißt, weshalb Du hier bist?“

„Nein, Herrin. Ich weiß, weshalb ich in der Festung war. Was jedoch der Grund ist, weshalb Ihr mich hier haben wollt, weiß ich nicht.“

„Und was schätzt Du?“

„Ich denke, ich wünscht mit mir zu sprechen. Der selbe Grund, weshalb Eure Tochter mich in der Festung aufgesucht hatte.“

„Einer der Gründe. Aber gut. Erhebe Dich und nimm Platz.“ Lysikia deutete auf einen der Sessel in Arsinoes Wohnzimmer.
Isidora sah sich schnell neugierig um. Das Zimmer war schlicht aber geschmackvoll eingerichtet. Offene Fenster, wehende Vorhänge. Keine Wachen. Dennoch machte sie sich keine Illusionen. Außerdem war ein Gespräch mit der Prinkipax ja genau das, was sie sich immer gewünscht hatte. Also setzte sie sich.

„Isidora, ich möchte gern die von Dir geleitete Rebellion beenden. Mir ist aber bewusst geworden, dass das mit Waffengewalt nicht zu erreichen ist. Ich könnte niemals alle Mitglieder Deiner oder anderer Gruppen vernichten. Außerdem würde durch solch ein barbarisches Vorgehen nur neue Rebellionen erzeugt werden. Es muss also einen anderen Weg geben.“

„Der Weg wäre ein recht einfacher. Oder besser, es wäre früher ein recht einfacher Weg gewesen. Zu Zeiten Eurer Frau Mutter, Herrin. Jetzt ist der Weg deutlich komplizierter geworden.“

„Und der Weg wäre gewesen?“

„Vertrauen. Gerechtigkeit. Ehre.“

„Wollt Ihr mir Ehre absprechen? Und Gerechtigkeit?“

„Nein Herrin. Verzeiht. Was ich meinte ist, dass es den Kikoninnen, welche ihr Rebellen nennt, nicht an Ehre gebricht, ihr diese aber nicht anerkennt. Und sie werden nicht gerecht behandelt.“

Lysikia zuckte mit den Händen. Irgendwie schien das Gespräch in alte, ausgeleierte Bahnen zu geraten. Das würde zu nichts führen.
Zum Glück ergriff Arsinoe das Wort. Npch vor einem, nein, einem Vierteljahr hätte Lysikia sich so etwas verboten, doch inzwischen schien ihre junge Tochter immens gereift zu sein. Lysikia war wirklich stolz auf sie und ließ sie somit gewähren.
“ Carpianis Isidora, Du weisst sicherlich noch, was ich zu Dir in der Festung gesagt hatte. Und was Du erwidert hattest.“

„Natürlich. Das ist keine Tetatoras her.“

„Äh…“ Arsinoie ging darauf nicht ein.
„Was ich damit sagen wollte ist, dass meine Mutter und ich zum dem Schluss gekommen sind, anstelle der Waffen und der Gewalt lieber Worte sprechen zu lassen. Daher…“

„Daher bieten wir Dir und allen Rebellen, die bereit sind, die Waffen zu strecken eine Generalamnestie an.“ übernahm Lysikia, die der Ansicht war, dieses Angebot selber machen zu müssen.

Irritierender weise schien Isidora nicht beeindruckt zu sein.
„Ich für meinen Teil freue mich darüber. Jedoch wird das alleine nicht ausreichen.“ war deren Antwort.

Ein wenig ärgerlich fuhr Lysikia fort.
„Natürlich nicht. Ich weiß das. Unsere Pläne gehen deutlich darüber hinaus.“
Sie seufzte und verfluchte innerlich ihre schlechte Laune.
Ihr operiert in der Region Trichonida, richtig?“

„Ihr wisst, wo unser Lager war. Wir lebten dort. Einige von uns.“

„Gut. Du gehörst zur Sippe der Carpianis. Ihr lebt dort in der Region. Deine ganze Familie und viele derjenigen, die der Rebellion beigetreten sind.
Nein, keine Furcht. Ihr sagte schon, dass ich nicht vorhabe, den Kampf weiter fortzusetzen. Ich wünsche eine Einigung. Und dazu brauche ich Deine Hilfe.“

„Eine Einigung? Gerne.“ Isidora lächelte. Dennoch war sie sich unsicher, worauf die Prinkipax hinaus wollte.

„Gut. Die ganze Region Trichonida einschließlich der Ortschaft Thermidava umfasst ein Gebiet von rund 2000 Hektatien. Diese Region gehört zum Fürstentum Myzen. Ich werde es zu einer Kyvernas machen. Und eine Kyvernitix einsetzen, die diese Region zu regieren hat. Ich möchte Dich zu dieser Kyvernitix machen.“

Isidora sah ihre Prinkipax entsetzt an. „Was? Kyvernitix? Aber… ich bin nicht mal adlig!“

„Ich weiß. Steh auf und knie Dich hin!“

Isidora gehorchte wie in Trance.
Lysikia stand ebenfalls auf und legte ihre Hand auf Isidoras Kopf.
„Ich ernenne Dich hiermit zur ersten Pera des Reiches. Steh auf, Pera Carpianis Thoas Isidora atto Thermidava.“ Lysikia nickte ihrer Tochter zu und setzte sich wieder.

Arsinoe hielt Isidora die Hand hin und half ihr auf.
„Komm, setz Dich wieder, Pera Isidora.“

„Danke… ich… mir schwirrt noch der Kopf. Was soll das alles? Ich komme gerade nicht mit.“
Isidora ließ sich gerade ziemlich unzeremoniell in den Sessel plumpsen.

„Der Gedanke ist folgender. Deine Heimat wurde, wenn ich das richtig recherchiert habe, vor gut 70 Jahren von Myzen annektiert. Zusammen mit einigen anderen bislang unabhängigen Gebieten. Du weisst ja, die schlechte alte Zeit. Seither wurden Deine Leute klein gehalten.“

„So kann man es nennen, ja.“ zischte Isidora, verbitterter als sie es wollte.

„Gut. Oder nicht gut. Nun, wir wollen diesen Fehler jetzt korrigieren. Wir wollen ihn aber nicht gegen einen anderen Fehler ersetzen.“ erklärte Lysikia.
„Wir geben Deinen Leuten ihre Rechte wieder zurück, nicht aber ihre Unabhängigkeit. Sie werden in der neu gegründeten Kyvernas leben, jedoch als teil Myzens. Und natürlich Thyenes. Sie werden somit keinen Einschränkungen unterliegen, die die anderen Bürger nicht auch teilen. Wir hoffen so, die eigentliche Ursache für die Rebellion zu beseitigen. Ihr könnt wieder prosperieren.
Darüber hinaus habe ich vor, einen Kronrat zu begründen, der aus allen Fürsten Myzens bestehen wird. Darunter auch Trichonida. Damit wärst auch Du eine Vertreterin Deiner Kyvernas im Kronrat. Du kannst Dich also jederzeit zu Wort melden und hast als Mitglied dieses Rates das recht, Dich jederzeit an mich zu wenden. Ohne zuvor um eine Audienz zu bitten.“

„Danke, ich… ich verstehe nur nicht so ganz.
Warum? Was hat Dich dazu veranlasst?“

„Meine Tochter. Und Du.“

„Oh…“ Isidora schloss ihre Augen. Das alles war eigentlich zu viel auf einmal. Irgendwie fürchtete sie, jederzeit aufzuwachen und ihre Henkersmahlzeit zu bekommen. Aber sie wusste natürlich, dass das nicht der Fall sein würde.
„Was erwartet ihr jetzt von mir, Herrin?“

„Ich möchte, dass Du heimgehst zu Deinen Leuten. Du bekommst Brief und Siegel und auch einen Siegelring mit. Bitte überzeuge Deine Leute, dass ich es ehrlich meine. Wenn Du möchtest, würde ich Dir Arsinoe als Begleiterin mitgeben. Sprich mit ihnen. Geh in Deinen Heimatort. Die dortigen Kräfte werden entsprechend instruiert. Glaube mir, darin bin ich gründlich. Ihr könnt euch neu organisieren. Setze Dimarchinnen ein, wo und wen Du dafür als fähig erachtest. Es ist Deine Entscheidung.“

Arsinoe lächelte. „Aber erst einmal wollen wir Dich vernünftig einkleiden, ja?“

„Nein!“ Isidora schüttelte den Kopf.
„Gebt mir meine Kleidung. Mehr nicht. Ich möchte nicht, dass man denkt, ich wäre von euch gekauft worden. Das zu vermeiden wird sowieso der schwierigste Teil dessen, was mir jetzt bevor steht.“

</RPG>

<SUM>

Ort: Thyene, Myzen
Zeit: MD 13.0840

Die Problematik um Tabitha und deren Familie führt Arsinoe zu einer etwas drastisches Idee.

Ort: Thyene, Myzen, Palast der Prinkipax
Zeit: MD 13.1000

Arsinoe bespricht ihre Idee mit ihrer Mutter. Diese kann sich für diesen gedanken erwärmen. Letztendlich ist es nur eine Abwandlung dessen, was sie beide schon zuvor überlegt hatten.

Ort: Thyene, Myzen, Palast der Prinkipax
Zeit: MD 13.1300

Carpianis Isidora wird zur Pera erhoben und als Kyvernitix ihrer Heimat Trichonida eingesetzt.
Prinkipax Lysikia hofft, auf diese Weise der Rebellion die Grundlage zu entziehen.

</SUM>

submitted by
Isabelle
a.k.a.
Ens. Jetsun Pema
(i)CM USS Hephaistos