[USS-Hephaistos] Ein Leben für ein Leben

Hi!
Und wieder etwas weiter mit unseren kleinen Helden. Diesmal liegt das Augenmerk ganz auf Isidora und Arsinoe.

# Ort: Palast der Prinkipax Myzen # Zeit: MD 9.1600
„Warum?“
Die Frage stand im Raum wie ein granitener Monolith. Und niemand schien eine vernünftige Antwort darauf zu haben. Niemand.
Prinkipax Myzen Elektryon Lysikia Mideia atto Myzen hatte sich lange mit ihrem Gemahl Cheiromach darüber unterhalten. Was hatte die Föderation im Sinn, wenn sie einen überladenen Phaser auf die heilige Insel beamte? Das machte überhaupt keinen Sinn. Gar keinen. Es diskreditierte die Föderation. Ja, vielleicht auch sie selbst, weil sie nicht in der Lage gewesen war, solches zu verhindern. Aber welchen Nutzen sollte die Föderation davon haben? Es gab einfach keinen Sinn.
Lysikia vertraute ihrem Mann. Er hatte zwar keine besondere politische Weitsicht, dafür aber einen ausgezeichneten Verstand. Und ein großartige Intuition. Und diese hatte ihm deutlich gemacht, dass an der ganzen Geschichte etwas nicht stimmte. Die Föderation war hier nicht der Täter, sondern das Opfer. Irgendjemand anders hatte das inszeniert. Jemand, der einen Nutzen darin sah, dass sie, die Kikkonen und die Föderation in Streit gerieten und somit aus einem Vertrag und einer Annäherung nichts werden würde.
DAS fand Lysikia auch viel, viel einleuchtender. Und es passte auch zu ihrer eigenen Idee. Sie selber war zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen, war aber nun froh, dass auch Cheiromach diese Einschätzung hatte.
Die Frage, die sich nun stellte, war, welche Fraktion in diesem Spiel nun so viel Nutzen zog, dass sie bereit war einen derartigen Frevel zu begehen. Möglicherweise gab es die eine oder andere Rebellengruppierung, die so dermaßen weit gehen würde. Doch das waren dann wirklich verrückte Spinner. Und die hatten nicht die Möglichkeit zu einem solch gut inszenierten Trick. Denn letztendlich zeigten die Sensorauswertungen, dass der Phaser, ein Föderationsmodell, wirklich von der Position des Föderationsschiffes aus gebeamt worden war.
Wenn es also nicht die Rebellen sein konnten… wer dann? Ein konkurrierendes Fürstentum? Intriganten aus den eigenen Reihen gar? Nein, das schloss Lysikia aus. Weder Prinkipax Crobyzes Parathma Itira Reza atto Crobyzes wäre dazu imstande, noch Leute aus deren oder gar aus ihren eigenen Reihen. So weit würde niemand gehen.
Welche Fraktionen blieben dann noch übrig? Auf Anhieb fielen Lysikia nur noch die Klingonen ein. Diese waren die Feinde der Föderation in einem heißen Krieg. Natürlich würden die nicht wollen, dass es zu einem Ausgleich zwischen Kikkonen und der UFP kam. Und rein technisch waren die bestimmt in der Lage, solch einen Trick durchzuführen. Und natürlich war eine heilige Insel und heilige Tiere, die im Feuer starben kein Hinderungsgrund für sie. Ganz sicher nicht. Nur… es gab keinerlei Anzeichen für Klingonen in diesem Raumsektor. Wenn dem so wäre, wäre das sogar höchst fatal, denn das würde bedeuten, dass die Klingonen in der Lage gewesen wären, die Sektorverteidigung zu unterwandern.
Das waren keine guten Gedanken. Oder eben doch. Nur mit schlimmen Folgen.
Lysikia seufzte tief, dankte ihrem Mann für seine Gedanken und Anregungen und machte sich auf, Yevirax Sikaar Numaris Adaia atto Tyre zu kontaktieren. Die Kommandierende Generalin der Systemverteidigung musste davon wissen, auch wenn es nur Überlegungen waren. Dennoch war der Gedanke, Klingonen unerkannt im eigenen Heimatsystem zu haben, die darüber hinaus auch noch eine Kriegshandlung gegen einen durchgeführt hatten in höchstem Maße beunruhigend.

# Ort: Irgendwo auf dem Weg zurück # Zeit: MD 9.1600
„Warum?“
Die Frage stand im Raum wie ein granitener Monolith. Und niemand schien eine vernünftige Antwort darauf zu haben. Niemand.
Prinkipaxillis Myzen Elektryon Arsinoe Xanthia Solange atto Myzen hatte den ganzen Weg zurück darüber nachgedacht, was hier eigentlich geschehen war. Bis dato war sie felsenfest davon ausgegangen, dass die Rebellen die heilige Insel angesteckt hatten. Selbst wenn diese Isidora selber dafür nicht direkt verantwortlich war, so war sie es als Anführerin dieses Abschaums zumindest indirekt. Doch sie hatte sich mit Jetsun Pema Wangchuck atto Bhutan über dieses Thema unterhalten. Viele Stunden lang hatten sie darüber gesprochen, wie das kleine Königreich damals funktioniert hatte, bis es dann mehr oder weniger freiwillig seine politische Unabhängigkeit aufgegeben hatte. So ganz hatte Arsinoe das nicht nachvollzogen, aber wichtig war auch eine andere Idee. Eine Idee, die sie nicht mehr losließ.
Das Zauberwort lautete ‚Peers‘!
Jetsun hatte ihr davon erzählt. Ein anderes Reich der Erde, das sogenannte Britische Empire, hatte diese Art von Adelstitel eingeführt und das Königreich Bhutan hatte es, da es sein Reich ein wenig nach dem britischen System modelliert hatte, übernommen. Demnach wurden Personen, die etwas Besonderes geleistet hatten dadurch belohnt, dass sie den Titel eines Peer erhielten. Und ein Peer war Teil des Hochadels! Damit wurde frisches Blut in das ganze Adelssystem gebracht und die Bevölkerung – auch ganz einfache Leute! – hatten Hoffnung auf einen solchen Titel und bemühten sich nach Kräften, solch einen Titel zu verdienen. Das Besondere daran war, dass ein solcher Titel tatsächlich nur einer einzelnen Person verliehen wurde. Nicht der ganzen Familie. So war es hier bislang Tradition, weshalb eine solche Verleihung so gut wie nie vorkam. Wer wollte schon ein ganzes Geschlecht adeln? Aber eine einzelne Person? Und die würde dann, zwar Hochadel, dennoch eine Besonderheit darstellen.
Arsinoe fand diese Idee bestechend.
Doch dann zog es ihre Gedanken zurück zu dem ‚Warum‘. Warum hatten die Rebellen Gewalt angewandt? Natürlich waren sie bewaffnet, was sie schon allein deshalb zu Verbrechern machte. Besitz von Kriegswaffen war in höchstem Maße strafbar. Aber dann hatten sie auch noch auf Lochagis Cyra Nephele atto Akragas geschossen. Arsinoe biss die Zähne aufeinander. Cyra war ermordet worden. Doch weshalb? Auch das machte überhaupt keinen Sinn. Waren diese Rebellen doch einfach nur hirnlose, schießwütige Terroristen? Aber diese Isidora machte überhaupt keinen solchen Eindruck. War es wohlmöglich die Tat eines Einzelnen? Aber dann würde das bedeuten, dass Isidora ihre Leute nicht unter Kontrolle hatte, was es nicht wirklich besser machte.
Dann waren die Feuerkämpfer gekommen. Und ein Rettungstrupp. Sie hatten Isidora mitgenommen. Und Arsinoe hatte festgestellt, dass sie sich irgendwie in der Verantwortung sah für die Rebellin. Dazu hatte nicht nur Jetsun beigetragen, deren Haltung ziemlich der ihren entsprach. Auch der männliche Kommandant der Föderierten hatte sie beeindruckt. Zwar schien er der Rebellion gegenüber positiv eingestellt zu sein, was sie sehr ärgerte, aber er war tapfer, ehrlich und ehrenhaft.
Doch Arsinoe hatte noch ein wichtiges Argument, dass sie dazu brachte, diese Isidora mit anderen Augen zu sehen. Ihre eigene Ehre. Isidora hatte sie nicht nur vor dem Feuer gerettet (eine Tatsache, die die Prinkipaxillis lange von sich gewiesen hatte, jedoch dann doch einsehen musste). Isidora hatte auch dafür gesorgt, dass sie wohlbehalten gerettet werden konnten. War das erste möglicherweise noch ein gewisser Selbstschutz, um bei der Föderation zu punkten, so war diese Art der Übergabe unnötig. Die Rebellen hätten sie auch einfach bei dem Lagerplatz zurücklassen und sich in Sicherheit bringen können. Aber sie hatten es nicht getan. Stattdessen hatte Isidora sich selbst ‚geopfert‘ um sicher zu gehen, dass sie alle in Sicherheit gebracht werden konnten. Und das in dem Wissen, dass sie ihr Leben damit aufgab. Das musste ihr völlig klar sein.
Und das nagte an Arsinoe.
Denn… sie verdankte dieser Rebellin auch ihr Leben. Und das konnte Arsinoe einfach nicht vergessen.

# Ort: Myzen # Zeit: MD 11.1400
Arsinoe trat vor den Haupteingang des Hochsicherheitsgefängnises. Die junge Prinkipaxillis trug ihre Uniform. Das war keine Kriegerrüstung, sondern die Kleidung einer Medizinerin. Dazu aber trug sie auch die Zeichen ihrer Familie und ihres Ranges. Natürlich war das gesamte Outfit ausgesprochen freizügig. Auf der Erde hätte sie so höchstens an einem Badestrand auftreten können und hätte dort dennoch alle Blicke auf sich gezogen. Hier war es dagegen ein eindrucksvoller Auftritt einer hochadligen Fürstentochter. Der Prinkipaxillis! Und das öffnete Tür und Tor. Selbst die Tür eines Hochsicherheitsgefängnisses.
Arsinoe hatte heute überrascht und erleichtert erfahren, dass Cyra noch am Leben war! Also hatte sie sofort ihren kleinen Gleiter genommen und war in das Krankenhaus gefahren um die Lochagis aufzusuchen. Sie hatten einige Zeit miteinander gesprochen und Arsinoe hatte die Verbitterung der jungen Offizierin aufgenommen, hinterrücks niedergeschossen worden zu sein. Cyra wollte dafür Genugtuung und Arsinoe verstand das. Isidora hatte dafür möglicherweise den Tod verdient. Und möglicherweise auch allein dafür, dass sie eine bewaffnete Rebellion anführte.
Dennoch… ein Leben für ein Leben…
Die junge Toxotai vor dem Haupttor stand stramm und präsentierte ihre Waffe. „Prinkipaxillis!“
Arsinoe lächelte. „Ich wünsche die Komandeurin dieser Einrichtung zu sprechen.“
„Selbstverständlich, Prinkipaxillis!“ Die junge Soldatin hob ihren Armband-Kommunikator vor den Mund und nahm Verbindung zu ihrer Wachhabendin auf. „Toxotai Helia. Herrin, die Prinkipaxillis Myzen Elektryon Arsinoe Xanthia Solange atto Myzen ist hier. Sie wünscht die Kommandantin zu sprechen…“
Fünf Minuten später stand Arsinoe einer älteren Generalin gegenüber. Diese lächelte kühl. „Natürlich verstehe ich Euch, Prinkipaxillis. Und es spricht nichts dagegen, dass ihr die Gefangene sehen könnt. Ich werde dafür Sorge tragen, dass sie in einen Besprechungsraum gebracht wird. Ihr müsst euch nicht dazu herablassen, eine Zelle zu betreten.“
Weitere fünf Minuten später betrat Arsinoe einen karg eingerichteten Raum. Isidora erwartete sie schon. Insgeheim hatte Arsinoe erwartet, dass die Rebellin in einer schlechten Verfassung sein würde, doch dem war nicht so. Dennoch wirkte Isidora desillusioniert. Als diese Arsinoe erblickte, verhärteten sich ihre Züge. „Prinkipaxillis Myzen Elektryon Arsinoe Xanthia Solange atto Myzen. Welche Ehre. Seid Ihr gekommen, um Euch an meinem Anblick zu ergötzen? Nun, das Recht habt Ihr Euch sicher verdient. Wohlan, hier bin ich. Seht Euch satt!“
Arsinoe kniff die Lippen aufeinander und wäre ums Haar wortlos umgekehrt und wieder gegangen. Doch sie beherrschte sich. „Nein, Carpianis Thoas Isidora atto Thermidava. Das ist mitnichten meine Absicht. Ich wollte im Gegenteil mich mit Euch besprechen. Nicht unterhalten, sondern besprechen. Eure Ziele, eure Beweggründe verstehen.“
„Warum?“ Isidora war ernsthaft überrascht.
„Warum? Ja, genau das ist die Frage. Warum habt ihr das alles getan? Doch setzen wir uns erst einmal. Doch dies habe ich Euch mitgebracht.“ Und sie überreichte Isidora eine Schale voller Pralines.
„Was soll das? Ich… verstehe Euch nicht.“
„So wenig, wie ich Euch. Doch das möchte ich ändern.“ Sie beugte sich vor. „Ihr werdet sterben, Isidora. Doch ich möchte nicht, dass Ihr sterbt, ohne dass ich verstanden habe, wieso. Damit könnte ich nicht gut zurechtkommen.“
Isidora senkte den Blick. Diese junge Prinkipaxillis war heute ganz anders drauf als letztens. obwohl… bei ihrer Festnahme hatte sie sich wie auch der Captain der Föderierten für sie eingesetzt. Und ihr Wort hatte anders als das des Captain Gewicht. Das war nicht nötig gewesen, doch sie hatte es getan. Also beschloss sie, ihre Häme, die sie als Schild vor sich hergetragen hatte, zu beenden. Letztendlich war es auch einerlei. „Danke, Prinkipaxillis. Und… ich meine das auch so. Es ist nicht leicht, dem eigenen Tod gelassen entgegen zu sehen.“
„Ja.“ bestätigte Arsinoe. „Tod ist auch meine erste Frage. Weshalb wolltet ihr Cyras Tod?“
Isidora senkte erneut den Blick. Natürlich kam die schwierigste Frage zuerst. „Ich wollte ihn nicht.“
„Dennoch habt ihr ihn gebilligt.“
„Nein. Habe ich nicht.“
„Wurde die Lochagis also ohne Euer Wissen niedergeschossen? Oder entgegen Euren Wunsch?“
Isidora seufzte. „Ja. Und Ja. Ich habe das nur aus dem Augenwinkel heraus gesehen. Ich konnte nichts dagegen tun. Aber die ganze Situation… das Feuer… das ganze Chaos. Wir hatten sogar Angst. Diese cyra war eine ausgezeichnet ausgebildete Kriegerin. Wir alle nicht. Ich wollte das alles nicht. Wir wollten nur mit den Föderierten sprechen. Das ganze Andere… es hat mich einfach überrumpelt. Ja, ich gestehe, dass ich in diesem Augenblick überfordert war. Ihr wisst, dass ich nur ein einfaches Fischermädchen war. Ich habe keine Kampfausbildung genossen. Alles, was ich habe, ist mein Verstand. Der hat mir sehr weit geholfen. Doch in jener Situation… ich habe ganz einfach die Übersicht verloren.“
Arsinoe nickte. „Habt ihr die Täterin gerichtet?“
Isidora schüttelte den Kopf. „Nein. Ich konnte es nicht. Ich habe sie beschimpft. Geschlagen. Aber ich konnte nicht… nein.“
„Weil sie Eure Verwandte ist, nicht wahr?“
„Ja.“
„Ich verstehe.“ Arsinoe seufzte. „Und die Rebellion? Weshalb habt ihr die Waffen aufgenommen?“
Isidora sah auf. Das war einfacher. Dennoch beschloss sie, ehrlich zu sein. „Wir wollten Chancen. Mehr nicht. Chancen, die uns unser Ansicht nach zustanden, die uns aber verwehrt blieben. Seit Jahrzehnten… Jahrhunderten.“
„Ihr wollt keinen Umsturz?“
„Natürlich nicht! Unsere Gesellschaft ist uralt und funktioniert. Nur Wahnsinnige würden so etwas zerstören wollen. Daraus kann nur Chaos entstehen. Nein, ich wollte Aufmerksamkeit. Ich wollte die Möglichkeit, gehört zu werden. Und meine Argumente vortragen.“
„Nun, Isidora, die Gelegenheit habt Ihr nun.“
„Nein. Habe ich nicht. Es nützt nichts mehr. Mein Wort mag ja vielleicht gehört werden, doch unter meinen Leuten hat es ja kein Gewicht mehr. Ich werde sterben. Jetzt werden Andere die Führung übernehmen. Andere, die andere Ziele haben.“
Arsinoe hob ihr Kinn. Und sah Isidora etwas kühl an. „Ist das ein Trick, um Euch freizulassen? Dazu braucht es mehr. Bedeutend mehr.“
„Nein. Ich weiß, dass ich nicht freikommen werde. Das ist unmöglich.“ Isidora seufzte. „Ich wünsche mir nur, dass Ihr meine Motive versteht. Ich… wollte reden. Verhandeln. Allerdings nicht aus einer Position der Schwäche heraus. Ich wollte Euch… Eure Mutter vielmehr… an den Verhandlungstisch zwingen. Mit der Unterstützung der Föderation wäre uns das möglicherweise gelungen.“
„Und nun?“
„Nun… ich fürchte Schlimmes. Nicht jeder unter uns teilt meine Idee, den Kampf auf diese Art zu gewinnen. Möglicherweise wird der Kampf jetzt schlimmer.“
Arsinoe schüttelte entschieden den Kopf. „So könnt ihr nicht gewinnen! Wir können uns nicht erpressen lassen. Das ist unmöglich.“
„Ich weiß das. Aber andere sehen das anders.“
Arsinoe ließ die Luft heraus. „Gut. Ich verstehe Dich. Ich will Dich verstehen.“
Sie seufzte erneut. „Ich bin allerdings nicht alleine deshalb gekommen.“ Sie sah auf, Isidora direkt in die Augen. „Cyra hat überlebt. Das rettet Dir das Leben. Wäre sie tot, hätte ich Dich nicht aufgesucht. Dann wärst Du in meinen Augen eine Mörderin. Auch wenn Du nicht selber geschossen hast. So aber… nun, ich schulde Dir mein Leben. Und das Leben der Anderen. Das ist in meinen Augen eine Ehrenschuld. Eine Schuld, die ich begleichen muss, bevor Dein Leben endet. Denn… danach müsste ich mit dieser Schuld leben. Und das möchte ich nicht.“
Sie hob die Schale mit den Pralinen. „Iss. Bitte. Die mit dem Stern.“
Isidora runzelte die Stirn. „Bitte?“
„Stell bitte keine Fragen. Nimm die Praline mit dem Stern und iss sie.“
„Und dann?“
„Keine Fragen. Bitte. Iss jetzt, ehe ich es mir doch noch anders überlege!“
Isidoras Gedanken rasten. Sie verstand nicht. Hunderttausend Möglichkeiten durchzuckten ihr Gehirn. Drogen? Todesähnlicher Zustand? Sogar so etwas Verrücktes wie temporäre Superkräfte kamen ihr in den Sinn, doch natürlich war das absoluter Unsinn. Unwillkürlich leckte sie sich mit der Zungenspitze über die Lippen. Dann atmete sie aus. Es war ja auch egal. Was immer geschehen würde, wenn sie nichts tun würde, würde sie in ein paar Tagen hingerichtet werden. Was hatte sie zu verlieren?
„Gut!“ Sie nahm die Praline und legte sie auf sie Zunge.
„Kauen! Du musste sie kauen!“
Isidora tat wie geheißen. Nichts geschah. Keine Superkräfte. Natürlich nicht. „Und nun?“ fragte sie.
„Nun wartest Du ab. Es dauert nicht lange.“ Arsinoe erhob sich, nicht ohne ebenfalls ein paar Pralinen zu essen. „Die übrigen lasse ich Dir hier. Iss, soviel Du magst. Biete sie auch gern den Wachen an.“ Sie nickte Isidora zu. „Wir sehen uns wieder.“
„Ich verstehe nicht…“ sagte Isidora verwirrt. „Wir werden doch gewiss abgehört…“
„Nein. Ich bin die Prinkipaxillis. Und ich hasse Dich. Und ich habe einen Störsender.“ Arsinoe lächelte. „Ich möchte dieses Gespräch gern ein andermal fortsetzen.“ Sie drehte sich um. Machte ein paar Schritte. Dann sah sie sich noch einmal um. Isidora saß noch immer wie erstarrt da, die Schale mit den Pralinen in den Händen. „Ein Leben für ein Leben.“ sagte Arsinoe leise. Dann ging sie.
Isidora wurde in ihre Zelle zurückgebracht. Die Pralinen wurden ihr nicht abgenommen, jedoch wurden einige eingezogen um untersucht zu werden. Ergebnislos.

Etwa eine Stunde später gellte Alarm durch die Festung. Von einem Augenblick zum anderen war die Gefangene verschwunden. Nur ihre Kleidung wurde gefunden. Alle Kleidung. Man hatte eine Energiesignatur festgestellt. Ein Transportersignal. Eindeutig kikkonischen Ursprungs. Der Transporter war außerhalb des Gefängnisses geortet worden und wurde schnell gefunden. Es war eine ganz normaler Transporteinheit, wie es sie zu kaufen gab. Dennoch… Mit einem solchen Transporter konnte die Rebellin unmöglich aus einem abgeschirmten Gefängnis gebeamt werden. Sie wäre nicht zu orten gewesen. Sofort wurde die ganze Stadt abgeriegelt. Die Rebellin würde nicht entkommen!
Zuhause in ihrem Zimmer stellte Arsinoe ihre Tasche ab. Sie hatte diese nicht mit im Gefängnis gehabt, sondern sie in einem öffentlichen Schließfach hinterlegt. Sie holte eine etwa Schuhkartongroße technische Einheit heraus und sah auf das Display. Dann seufzte sie erleichtert. Der Transporterpuffer war in Ordnung. Isidora war am Leben, wenn auch nicht physisch. Jetzt musste sie den geeigneten Ort und Zeitpunkt finden, sie wieder zu rematerialisieren. Zufrieden mit sich, öffnete sie ihren privaten kleinen Safe in ihrem Zimmer, in dem sie ihren Schmuck aufbewahrte und stellte den Puffer dazu. Hier würde er sicher sein.


# Ort: Palast der Prinkipax Myzen # Zeit: MD 9.1600
Prinkipax Myzen kommt zu dem Schluss, dass die Föderation nicht die Ursache für den Brand sein kann, auch wenn das das Ergebnis reiner Überlungen sind. Ohne Beweise.
# Ort: Irgendwo auf dem Weg zurück # Zeit: MD 9.1600
Prinkipaxillis Arsioe denkt lange über die Motive der Rebellen nach. Und überlegt, ob es nicht besser sei, denen diese Motive zu nehmen anstatt sie zu bekämpfen.
# Ort: Myzen # Zeit: MD 11.1400
Arsinoe trifft Isidora in deren Hochsicherheitsgefängnis und unterhält sich mit ihr. Dann, und erst dann, aufgrund des Gesprächsverlaufs, entschließ sie sich, die Rebellin aus dem Gefängnis zu holen um sie später wohlmöglich frei zu lassen.


Eine Erklärung zu der Befreiung:
Die Praline enthielt eine Substanz, die Arsinoe in ihrer Profession als Medizinerin zusammengemischt hatte, welche auf eine bestimmte Strahlungsfrequenz reagiert und ihrerseits eine Reflektion bewirkt. Diese Reflektion ist gezielt anmessbar. Die Substanz ist nicht besonders gesundheitsschädlich und wird nach einigen Tagen aus dem Körper wieder ausgeschieden.
So hatte sie Isidora direkt anpeilen können und sie aus dem Gefängnis heraus beamen können. Jedoch kam es zu keiner Rematerialisation, da Arsinoe den Transporter an einen mobilen Transporterpuffer angeschlossen hatte, den sie dann mitgenommen hat. Isidora ist also noch dematerialisiert in dem Puffer. Weiterhin war der Transport nur möglich, weil die Reflektionssubstanz sich in Isidoras Körper ausgebreitet hat. So war sie anmessbar, jedoch nur die ‚Biomasse‘. Für mehr war die Ortung dann doch zu ungenau. Daher wurde nur Isidoras Körper transportiert, nichts aber, was sie noch bei sich hatte. Auch keine Kleidung. Etwas, was die Wachen reichlich verwirrte.
Ich überlege noch, ob Arsinoe auch die Schildfrequenz des Gefängnisses in Erfahrung gebracht hatte, weiß aber noch nicht so recht, wie. Das wäre aber eine weitere Erklärung, wie der Transport hatte funktionieren können. Darüber denke ich noch einmal nach.
Auf jeden Fall gefällt mir die Überlegung, dass Isidora die ‚gemäßigte Seele‘ der Rebellion ist. Und dass Arsinoe über die Peers nachdenkt 🙂

Submitted by Isabelle a.k.a. Jetsun Pema, CM
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