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Sensible Systeme

Posted on 19. Oktober 201919. Oktober 2019 By admin

Sensible Systeme

Betreff: Sensible Systeme
Von: v2vc
Datum: 15.10.2019, 22:47
An: USS-Hephaistos@yahoogroups.de

<RPG>

# Ort: Miniosum
# Zeit: MD 05.1205

<Q>
„Sehr gut! Dann äh lass ich euch beide wohl mal besser allein. Die Damen
entschuldigen mich. Die Brücke wartet auf mich. Ms. von Las’Tor. Ich
wünsche viel Erfolg.“ deutete Shay noch eine knappe Verbeugung an und
ging rückwärts Richtung Tür bis das zischen erklang und er die Flucht
antreten konnte.

Ileytis sah dem Captain nach. Dann wieder zu Ms. Loona. Jetzt war sie
gespannt, wie es weiter gehen würde. Die Dame hatte ja schon gesagt,
dass ihre Kleidung eher unpassend wäre. Würde sie jetzt sofort zum
Umziehen fort geschickt werden oder würde Ms. Loona erst einmal das
Gespräch mit ihr suchen? Bislang wurde sie ja eher wie ein Gegenstand
verschachert. Jedenfalls hatte diese eigenwillige Botanikerin sie nicht
ein einziges Mal direkt angesprochen sondern nur ‚über‘ sie geredet.

Ileytis war gespannt.

</Q>

Melody stemmte die Arme in die Hüfte und begutachtete die neu
Angekommene. Vom Scheitel bis zur Sohle, dann wieder zurück. Ohne ein
weiteres Wort machte sie auf dem Absatz kehrt und ließ Ileytis stehen,
ohne auch nur ein Wort zu sagen.

Die Liduuri wusste nun überhaupt nicht mehr, wie sie reagieren sollte.
Was sollte das nun wieder werden, sie hatten noch gar nicht angefangen
und schon schien sie soviel falsch gemacht zu haben, dass die fremde
Frau sie einfach stehen ließ. Unentschlossen blickte sie um sich.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Melody mit einem kleinen Tablett
zurück. Auf diesem waren drei gleich aussehende Pflanzen. Aber weder
eine Arbeitskleidung noch Handschuhe waren drauf. Gut, war das wohl eine
andere Form von einer Probe.

„So, das hier sind Ableger von orionischen Maulbeersträuchern. Bitte
sagen Sie mir, welchen Zweck sie erfüllen, ob die Beeren essbar sind und
welche Pflanze bereit ist, eingepflanzt zu werden.“ Melody deutete auf
die Pflanzen, die in Ileytis Augen alle irgendwie leicht verdorrt
aussahen und hätte die andere nicht gesagt, sie wären zum Einpflanzen
bereit, hätte nichts darauf hingedeutet.

„Ich kenne diese Pflanzen nicht“, gab Ileytis zu.

Mel rollte mit den Augen: „Das erwarte ich auch nicht, es gibt
eindeutige Zeichen an den Pflanzen. Diese möchte ich, dass Sie sie deuten.“

Die Liduuri trat näher. „Sie können Sie ruhig in die Hand nehmen“,
ermunterte Mel sie. Dann beobachtete weiter. Iletys war überrascht. Es
war das erste freundliche an Sie gerichtete Wort.

„Ich würde sagen diese hier.“ Sie deutete auf die Pflanze ganz rechts,
die ihr irgendwie weniger krumm aussah als die anderen. „Ich könnte mir
vorstellen, dass die Beeren nicht essbar sind. Aber wozu die Pflanze gut
ist, kann ich nicht sagen.“

„Gut geraten, zumindest was die Beeren angeht.“ Melody lächelte. „Sie
sind in der Tat nicht genießbar. Die Rinde und die Blätter können als
Sud aufbereitet bei Magenschmerzen o.ä. mit entkrampfender Wirkung
unterstützen. Man kann es an den leuchtenden Beeren erkennen. Die Kerne
sind für die Tiere, die sie fressen, unverdaulich, aber das
Fruchtfleisch hat für sie eine Art berauschende Wirkung. So verteilen
sich die Pflanzen sehr schnell. Und was die Verwendung angeht, man kann
es an einem ganz einfachen Verfahren feststellen.

Mel nahm die mittlere Pflanze. „Diese hier ist bereit eingepflanzt zu
werden.“ Sie drückte einmal vorsichtig mit dem Daumen auf einen kleinen
Knubbel und ein Tropfen Flüssigkeit, den man in diesem trockenen Stengel
nicht hatte vermuten wollen, kam zum Vorschein. „Daran hätten sie auch
sehen können, welchen Nutzen die Pflanze für uns hat“, erklärte sie weiter.

„Ich vermute mal, Sie können mir nicht sagen, warum diese Pflanze gerade
jetzt eingepflanzt werden sollte?“ Sie frage es eher geistesabwesend,
nahm eine kleine Schale mit Erde und setzte die Pflanze hinein. Dann hob
sie die Hände über die Pflanze, schloss sie die Augen und murmelte
etwas, von dem die Liduuri nur etwas wie ‚Mutter‘ verstand.

„Vielleicht hat die Pflanze genug gelagert?“ riet Iletys aufs gratewohl.

„Netter Versuch. Die orianischen Planeten stehen derzeit in Symmetrie
fördern so das Wachstum optimal. Wir haben das hier simuliert und daher
ist dieses Pflanze in wortwörtlich vollem Safte.“ Mel drückte der
fremden Frau die Schale in die Hand.

„Ich glaube, das wird nichts mit Ihnen.“ Mel sammelte die anderen
Pflanzen wieder ein und ging in den hinteren Teil des Miniosum. „Aber
grämen Sie sich nicht, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Vielleicht sollten Sie erstmal ein paar botanische Fachbücher studieren.“

Iletys folgte ihr. „Ähm eigentlich…“, begann Iletys als sie
unversehens stolperte und die Schale mit einem Krachen zu Boden fiel.

Keinen Augenblick später, als eine andere Tür des Miniosum aufzischte
und Ettore erschien: „Bitte, was soll denn der Lärm hier? Du weißt doch,
dass derzeit Ruhezeit im Miniosum sein soll, weil wir nebenan Gespräche
führen. Und schon gar keine Fremden sich hier aufhalten sollten.“

Melody war inzwischen wieder zurück, half erst Iletys auf die Beine,
begutachtete dann den Schaden. Sie holte eine neue Schale, setzte die
Pflanze wieder ein. Gab die Schale Ileytis erneut in die Hand und hob
ihre eigenen Hände zu einem kleinen Segensspruch.

„Der Captain war gerade hier, ich dachte, es sei abgesprochen. Er wollte
den Gast an Bord mit einer Tätigkeit versorgen. Und dann kam er auf die
Idee, ihn hier unterzubringen.“ Mel zuckte mit den Schultern, fegte die
Reste der ersten Schale auf und brachte dann die Schale eigenhändig zu
dem ihr zugedachten Platz.

Ettore musterte die fremde Frau.

„Ja, das ist richtig, der Captain wollte mich aber nicht an ‚sensible
Systeme‘ lassen. Ich wäre lieber in der Astrometrie eingesetzt. Ileytis
von Las’Tor ist mein Name.“ Ileytis sagte dies mit ruhiger Stimme.

„Oh, der private Gast von Miss Pema“, entfuhr es Ettore unwillkürlich.

Als er sah, dass Ileytis so etwas wie leichte Röte im Gesicht zeigte,
beeilte er sich zu sagen: „Entschuldigen Sie. Ich freue mich, Sie
persönlich kennenzulernen, nachdem ich schon von Ihnen gehört habe. Mein
Name ist della Scala und ich bin der Counselor an Bord.“

Er reichte ihr die Hand. Ileytis war nicht sicher, von was sie mehr
irritiert war, von der Geste oder der Tatsache, dass dem Mann
offensichtlich ein Arm fehlte, oder der seltsamen Gesichtsbehaarung.

Als sie die Hand nicht ergriff, zog Ettore sie zurück und deutete eine
leichte Verbeugung an. „Sicher kein guter Start, aber ich werde dem
Captain eine Notiz hinterlassen, dass nur weil etwas kein Computersystem
ist oder von taktischer Bedeutung, es dennoch sensibel ist… Bitte
entschuldigen Sie mich nun, ich habe gerade einen Klienten. Versuchen
Sie bitte, leise zu sein.“

Er deutete noch eine Verbeugung an und war dann wieder durch die Tür.

In diesem Augenblick kam Mel zurück. Sie wischte sich die Hände an der
Latzhose ab, die sie bei der Arbeit gerne trug. „Tja, alles in allem
glaube ich, dass das hier mal ein klassischer Fehlstart war. Vielleicht
fragen Sie mal den Pächter vom ‚Topf voll Gold‘. Vielleicht hat der eine
Aufgabe für Sie.

Mel zog eine Grimasse, die zeigte, dass es ihr wirklich leid tat, da sie
die Enttäuschung auf Ileytis Gesicht sehen konnte.

Dann geleitete sie die Liduuri zur Tür.

<NRPG> So kleiner Ball für Jetsun. Wo geht sie jetzt hin? </NRPG>

# Ort: Ready Room
# Zeit: MD 05.1623

Als Shay einige neu eingegangene Nachrichten durchging sah er auch ein
kurzes Memo des Counselors.

===/&#92;===

# Bitte denken Sie daran, dass auch die Psychologische Abteilung ein für
den Ablauf des Schiffs ‚sensibler Bereich‘ ist. Dort wie auch in der
Nähe haben fremde Personen, namentlich Gäste keine Zutritt. Dieser ist
für die Crew und Klienten der Psychologischen Abteilung auf Einladung
reserviert. Da es einen offenen Zugang zum Miniosum gibt, möchte ich
ebenfalls daran erinnern, dass die Zeiten dort eingehalten werden, damit
nebenan eine sinnvolle Arbeit möglich ist. Bemerkung am Rande: Da es
sich bei Miss von Las Tor anscheinend um einen privaten Gast von Miss
Pema handelt, bitte ich darum, nicht weitere andere damit zu behelligen,
Sie zu beschäftigen.#
gez. CNS dS
===/&#92;===

Shay gab einen undefinierten Laut von sich. Das musste ja so kommen. Der
Versuch ging wohl daneben. Jetzt musste er sich etwas anderes einfallen
lassen. Aber im Grunde gab er dem CNS recht. Als ehemaliger CSO verlor
er gerne mal aus dem Blick, dass auch etwas, das weder Waffe noch Schiff
war, ein ‚sensibles System‘ sein konnte.

Er seufzte. Vielleicht ließ sich das irgendwie aussitzen. Er hatte
wirklich anderes zu tun.

# Ort: Thyene (Thassos IV), Region Myzen, Palast Myzia
# Zeit: MD 6.2045

<Q>
Währenddessen hatte Iklaka, der Mann der Wirtschafsministerin, versucht, den
bisher so schweigsamen Ettore in ein Gespräch zu ziehen jetzt, wo die Frauen
anderweitig abgelenkt waren. „Das ist alles hochinteressant, finden Sie
nicht?“ Ettore bestätigte dies lächelnd, das war es in der Tat. „Aber von
Ihnen habe ich noch gar nichts gehört, Counselor Ettore Ludovico della Scala
atto Föderation. Was unternehmen Sie denn in Ihrer Freizeit so? Und was,
wenn ich fragen darf, macht ein ‚Counselor‘?“

Ettore schmunzelte in sich hinein. Dieser Kikone war offenbar sehr
umgänglich und gut gelaunt und schien mehr, als die anderen, die er bisher
getroffen hatte, aus dem Bauch heraus zu reden.
</Q>

„Es ist sehr freundlich von Ihnen, dass Sie nachfragen. Aber ich
versuche, mich in der Freizeit zu entspannen und mich um die Familie zu
kümmern.“ Ettore lächelte freundlich, versuchte aber das Ganze so
unverbindlich wie möglich zu halten. Familie war hier wohl ein Thema,
das unter Männern nicht so geeignet war. Immerhin wollte er andeuten,
dass er auch eine hatte.

„Sie kümmern sich um die Familie?“ fragte Iklaka nach.

Ettore schürzte die Lippen, nach dem vorhergegangen Gespräch musste er
es wohl etwas präzisieren. „Wir kümmern uns gegenseitig umeinander. Die
erwachsenen Mitglieder der Familie sind gleichgestellt.“

„Das ist ja wirklich interessant.“ Der Mann schien einen Moment
nachzudenken. „Und was machen Sie als Counselor, also ohne Familie!?“

„Als Counselor bin ich Berater für die Crew und den Captain, zudem
betreue ich alle psychologisch“, erklärte Ettore kurz.

„Ah… Berater… ja, das verstehe ich. Das ist sicher eine Tätigkeit,
bevor Sie aussortiert werden“, sagte Iklaka vor sich hin.

„Wie meinen Sie das?“, hakte Ettore mit ein wenig Schärfe in der Stimme
nach.

Der Kikone blickte überrascht auf. Ihm war klar, dass da wohl irgendwas
schief gelaufen war. „Entschuldigen Sie. Ich glaube, Ihr
Universalübersetzter hat da wohl etwas falsch wiedergegeben. Ich wollte
Ihnen nicht zu nahe treten.“ Er überlegte einen Augenblick.

„Bei uns dürfen verdiente invalide Kämpfer noch eine beratende Tätigkeit
ausüben, bevor sie in den Ruhestand versetzt werden.“ Der Kikone
beobachtete Ettore genau, ob der Universalübersetzer diesmal alles
richtig übersetzt hatte. Ihm war schon den ganzen Abend aufgefallen,
dass Mann mit dem einen Arm sehr schweigsam war und hatte dies für eine
Haltung seines Standes kurz vor dem Ruhestand erachtet. Dennoch war er
neugierig genug, zu fragen.

Er konnte nicht wissen, dass sich Ettore eigentlich gesträubt hatte, mit
zu diesem Empfang zu müssen. Zwar war er neugierig, aber als er die
ersten Bilder von heroischen Kämpferinnen und der damit verbundenen
unweigerlichen Körperlichkeit gesehen hatte, war ihm schon lange klar
gewesen, dass er da nur deplaziert sein konnte. Shay hatte ihn aber mehr
oder weniger bedrängt, mit zu gehen, und so hatte der Italiener wohl
oder übel die Galauniform aus dem Schrank geholt und seine Frau gebeten,
wie immer bei dieser Uniform, den linken Ärmel sorgfältig hochzustecken
und festzupinnen.

Nun merkte er, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg.

„Sehr geehrte Kalokairi Iklaka atto Glastria. Die Tätigkeit als
Counselor ist in der Sternenflotte wie alle anderen Tätigkeiten auch
jedem Offizier zugänglich, der dafür geeignet und qualifiziert ist. Es
ist ein selbstständiger Karrierepfad, der von geeigneten Kandidaten
jeglicher Spezies und unabhängig vom Geschlecht eingeschlagen werden
kann. Ich übe diese Tätigkeit aufgrund meiner Qualifikation aus, nicht
aufgrund eines Mangels. Sie entschuldigen mich.“ Er nickte dem Mann
freundlich zu. Das Interesse, mehr über ihn zu erfahren war ihm
eindeutig vergangen. Er verbeugte sich und suchte sich dann eine Ecke,
um in Ruhe die anwesenden beobachten zu können. Hoffentlich würde er
nicht noch einmal von jemandem angesprochen werden.

</RPG>

<SUM>

# Ort: Miniosum
# Zeit: MD 05.1205
Die botanische Probe im Miniosum ist ein Fehlschlag. Zudem kommt es zu
einer ungewollten Störung. Ileytis muss sich nach etwas anderem umsehen.

# Ort: Ready Room
# Zeit: MD 05.1623
Shay erhält ein kurzes Memo.

# Ort: Thyene (Thassos IV), Region Myzen, Palast Myzia
# Zeit: MD 6.2045
Ettore und Iklaka unterhalten sich, dabei kommt es zu einem gewaltigen
Mißverständnis.

</SUM>

submitted by
Kim
aka
LtCmdr. Ettore Ludovico della Scala
CNS – USS Hephaistos

SD 251019.9

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