#Zeit: 1. Januar 2415, während der Raumschlacht
Rauch zog über die Brücke, und schränkte die Sicht ein. Zum Plärren des Roten Alarms gesellte sich das Heulen mehrere Alarme. Mehrere Leitungsverteiler waren explodiert, die brennende wissenschaftliche Konsole wurde gerade durch den OPS gelöscht. Der letzte Treffer hatte gesessen! Die Hephaistos war ein gutes Schiff, doch noch mehr Treffer dieser Art würde sie kaum aushalten.
Claudia, die auf dem EO-Sessel Platz genommen hatte, hatte sich zuerst wieder aufgerichtet, während ihr Bruder noch ob des Rauchs, den er eingeatmet hatte, hustet.
„Können Sie uns hier weg bringen?“
„Ich weiß nicht wie…“ kam die etwas hilflose Meldung von der CON. Dort draußen waren überall klingonische Schiffe, Disruptorstrahlen und Torpedos. Es kostete alles Können, um weiteren Volltreffern auszuweichen.
„Leftenant Ajur!?“ hustete Shay, der sich in der Zwischenzeit ebenfalls aufgerichtet hatte und sich nun erneut in den Sessel fallen ließ.
„Analyse läuft, Captain“ bellte der Klingone. Die sonst so ruhige und beherrschte Stimme des TAK konnte diesmal Nervosität und Anspannung nicht verbergen. Es gab keinen Zweifel daran, dass die Hephaistos unterlegen war und die Situation ernst.
„Plotte Kurs… das wird ein ‚harter Ritt‘, wie Captain Malcom sagen würde“ zitierte er seinen Ausbilder an der Akademie.
„Besser als vernichtet zu werden“ warf Claudia ein, blickte zu ihrem Bruder. Wenn der nicht gleich den Befehl gab, würde sie es tun. Sie hatte bereits ein Schiff verloren, ein zweites würde nicht drauf gehen.
„Captain, ein weiteres Schiff… materialisiert sich“ unterbrach Ajur da den Entscheidungsprozess. Shay konnte die Verwirrung in der Stimme seines TAKs hören und wusste, dass etwas ungewöhnlich war.
„Klingonisch?“ wollte Shay wissen.
„Negativ, Sir“
„Auf den Schirm“
Das Bild auf dem Hauptschirm wechselte und zeigte ein schlankes, schwarzes Schiff, das sich kaum vom Hintergrund des Alls abhob. Tatsächlich konnte man es besser daran erkennen, was nicht da war, als dass man es wirklich mit den Augen fassen konnte. Das Schiff war ein wenig länger als die Hephaistos, aber kleiner als der Angriffskreuzer der Klingonen. Man konnte sehen, wie Disruptorstrahlen der Klingonen grell durch das Dunkel des Alls schnitten und das schwarze Schiff trafen, doch zeigte es keine Reaktion.
„Der Schiffscomputer versucht noch eine Identifikation vorzunehmen..“ merkte Ajur an, doch Shay schüttelte nur den Kopf: „Das ist nicht notwendig, Leftenant. Das ist ein Kreuzer der Srday.“
Claudia, die ebenfalls verblüfft drein geschaut hatte, schaute nun nicht minder überrascht ihren Bruder an.
„Woher weißt du das?“ wollte sie wissen.
„Ganz einfach – ich bin bereits einmal auf einem mitgeflogen“ antwortete der Schotte mit einem Achselzucken, was – wie er nicht ohne eine gewisse Genugtuung feststellte – dafür sorgte, dass seine Schwester, die weltgewandte Commodore, große Augen bekam.
[Captain! Sehen Sie auch den Srday-Kreuzer?] meldete sich da Sureya von der sekundären Brücke – was erneutes Stirnrunzeln von Claudia hervorrief. Irgendwie schienen hier erstaunlich viele in der Lage zu sein, einen der Kreuzer der Srday zu identifizieren. Dann erinnerte sich dich Dunkel daran, etwas darüber gelesen zu haben, dass die EO für längere Zeit auf Lundraja – der Heimat der Srday – gewesen war.
„Ja, Commander. Sie träumen nicht“ antwortete Shay. „Einer ihrer alten Freunde?“
„Der Srday-Kreuzer sendet eine Nachricht via Breitbandfunk in das System. Stelle durch“ kam da die Meldung von der COMM.
[Hier spricht Colin Averon Shamar an Bord der ‚Schwert der Finsternis‘. Alle Parteien haben 10 Sekunden Zeit, sämtliche Kampfhandlungen einzustellen]
Die Stimme war klar und deutlich – und irgendwie eiskalt.
Shay bekam beinahe einen Hustenanfall, als er das hörte. „Sofort sämtliche Waffensysteme deaktivieren!“
„Sir?“
„SOFORT, Leftenant!“
„Waffen deaktiviert“ Ajur wirkte nicht glücklich mit dieser Entscheidung, folgte aber dem Befehl.
Die Brückencrew konnte sehen, wie die Klingonen – erwartungsgemäß – der Aufforderung nicht Folge leisteten, sondern ihr Feuer auf das Srday Schiff konzentrierten. Doch nur wenige Augenblicke lang. Dann schien es so, als würde sich der fremde Kreuzer schütteln und mehrere violette Strahlen aussenden, die die Klingonenschiffe trafen. Fast sofort brachen deren Schilde zusammen und die Antriebssektionen erloschen.
„Die klingonischen Schiffe sind ohne Energie“ meldete Ajur.
„Welche Macht…“ flüsterte John. „Damit ließe sich leicht der Krieg beenden…“
„Vielleicht sind sie ja deswegen hier“ antwortete Shay, wirkte allerdings skeptisch. „Vermutlich aber nicht.“
Claudia hatte die Stirn gerunzelt.
„Die Srday sind doch Teil der Föderation. Wenn sie diese Technologie allen zur Verfügung stellen…“
„Werden Sie aber nicht“ unterbrach Shay seine Schwester. Diesmal war er es, der mehr wusste. „Mir wurde das einmal erklärt: Die Srday sahen den Vorteil der Föderation und wollten sie unterstützen, sind aber auch der Meinung, dass wir noch ‚zu jung‘ für diese Art der Technik sind. Die Anwendung der Ersten Direktive – nur das wir diesmal am anderen Ende sind.“
„Sir, wir werden gerufen“ meldete die COMM.
Shay seufzte. Das hatte er erwartet. „Stellen Sie durch, Ensign“, sagte er, während er sich erhob.
Das Bild auf dem Hauptschirm wechselte wieder und zeigte einen düsteren Raum, der kaum Details erkennen ließ. Es gab nur einen Flecken Zwielicht in der Mitte, in der eine humanoide, trainierte Gestalt stand. Sie trug einen Kapuzenmantel über einer Art schwarzen Uniform, die jedoch keine Abzeichen erkennen ließ. Da die Kapuze ins Gesicht gezogen war, konnte man die darunter liegenden Züge auch nur sehr vage erahnen.
[„Guten Tag, Captain. Sie haben ein neues Schiff, wie ich sehe.“]
Shays Gesicht wirkte verkrampft.
„Ja. Es ist einiges passiert, seit sie einfach vom Schiff verschwunden sind, Mr. Shamar“ antwortete der Schotte trocken.
[„Ja, das tut mir leid. Aber ich musste ein paar Attentäter abschütteln, eine Rebellion anführen und ein Volk retten“] antwortete dieser trocken.
[„Ah, Lt. Cmdr. DeCoster – sie sind auch da, wie ich sehe. Hat mich mein Gespür doch nicht getäuscht.“]
„Sie wissen, dass Sie wegen unerlaubtem Entfernen von der Flotte gesucht werden?“ fragte Shay – und seufzte dann. „Danke für die Rettung. Meine Crew weiß ihr Auftauchen sicher zu schätzen.“ Er wollte ja nicht undankbar sein.
„Woher kennst du diesen Mann? Wer ist das?“ mischte sich nun Claudia ein und trat neben ihren Bruder. „Sam?“ fragte sie ihre EO, die an der OPS-Konsole stand und den Mann tatsächlich auch (er-)kannte.
„Darf ich vorstellen“ begann Shay mit leichtem Zynismus in der Stimme.
„Colin A. Averon Shamar, früher Lieutenant der Sternenflotte und vor seinem Verschwinden einmal mein stellvertretender CSO, MIA und von der Sternenflottensicherheit zur Befragung gesucht“ deutete er gen Hauptschirm.
„Und das ist Commodore Claudia Ruthven, meine Schwester“ stellte er Claudia vor.
[„Angenehm Sie kennen zu lernen“] antwortete Colin, ohne erkennbare Ironie und von der Tatsache, dass er gesucht wurde, scheinbar vollkommen unbeeindruckt.
„Und was wollen Sie?“ knurrte Claudia, die deutlich weniger von der Vorstellung angetan schien.
„Nicht, dass ihre Hilfe ungelegen kam, aber ich vermute, sie sind nicht nur her gekommen, um diesen Kampf zu beenden?“
[„Ich bin wegen Ihnen hier, Captain Ruthven. Ich möchte mit Ihnen sprechen.“]
Der Mann auf dem Srday-Kreuzer schien die Commodore eher zu ignorieren und konzentrierte sich auf Shay.
[„Wir treffen uns gleich in Ihrem Quartier.“]
Mit diesen Worten brach die Verbindung ab.
„Hey, war…“ Shays Satz endete mit einem gemurmelten Fluch. „Ich hasse es, wenn er das tut.“
„Eindringlingsalarm. Eine Person in ihrem Quartier, Captain. Sie… ist einfach so erschienen“ meldete John.
„Ich sende sofort ein Team hin!“
„Sparen Sie sich die Mühe, Ensign“ hielt Shay ihn auf.
„Mr. Shamar kennt unsere Sicherheitsprotokolle sehr gut – er hat einmal ihren Job gemacht. Und das sehr gut. Und… er ist anders. Glauben Sie mir, es gibt nichts, was ihre Leute ihm entgegen setzen könnten.“
„Sir?“
„Ich werde mit ihm reden“ beschloss Shay. „Sorgen Sie in der Zwischenzeit für eine schiffsweite Kopplung. Leftenant Ajur, Sie haben die Brücke.“
„Soll ich mitkommen, Sir?“ wollte John wissen.
„Das wird nicht notwendig sein, Mr. Geary“ lehnte Shay ab und machte sich auf den Weg.
„Ich komme mit“ sagte Claudia da. Der Schotte blickte auf und zuckte dann mit den Achseln. Seine Schwester würde sich von ihm ohnehin kaum davon abbringen lassen. Die Energie für den Streit konnte er sich auch sparen – schließlich lag ein anderes, ‚interessantes‘ Gespräch vor ihm.
***
#Ort: USS Hephaistos, Flur
#Zeit: kurz darauf
„Und du hältst es für eine gute Idee, dich mit diesem Fahnenflüchtigen zu treffen?“ fragte die Commodore grimmig.
„Nun, ohne ihn wären wir vermutlich nicht mehr hier“ entgegnete Shay ruhig. „Außerdem ist es höflich von ihm, dass er immerhin persönlich vorbei schaut“
‚ … und mich nicht in meinen Träumen heim sucht‘ ergänzte er dann in Gedanken.
„Was ist das überhaupt für eine Geschichte mit dir und den Srday? Und wie passt dieser Shamar da hinein?“ Claudia wollte so leicht nicht locker lassen.
Shay seufzte. „Das ist eine lange Geschichte. Die Kurzform ist, dass Mr. Shamar ein Offizier der Sternenflotte war, der einen alten Srday-Symbionten namens Averon in sich trägt. Es gab wohl politische und philosophische Differenzen innerhalb der Srday, in die Mr. Shamar involviert wurde. Er war CSO auf der USS Vampire, bis diese außer Dienst gestellt wurde. Dann kam er über die Endurance auf die Avalon. Anscheinend war das ein Manöver, um ihn zu überwachen und zu kontrollieren. Ich selbst wurde von den Srday Botschaftern auf Ganymed eingeladen…“ Er beendete den Satz nicht. „Wie dem auch sei – Shamar erkannte wohl, was vor sich ging, und verschwand schließlich. Spätere Untersuchungen ergaben, dass er einen alten Srday-Raumjäger gefunden hatte und diesen nutzte, um sich zu entfernen. Danach verlor sich seine Spur – bis jetzt.“
„Das ist doch kein Zufall, dass er jetzt hier auftaucht!“
„Das denke ich auch. Und genau deswegen werde ich mit ihm reden. Allein.“
„Wenn Mr. Shamar sich unerlaubt von der Flotte entfernt hat, ist er ein Verbrecher, der…“
Shay blieb stehen und hob eine Augenbraue.
„Was willst du tun? Ihn verhaften?“ fragte er spöttisch. „Du hast den Srday Kreuzer dort draußen gesehen. Und wie mühelos er auf dieses Schiff gekommen ist – _trotz_ der Schilde. Nein – wenn Mr. Shamar mich sprechen will, wird er das tun. Und ich bin geneigt, seiner Bitte nachzukommen, so lange er noch mehr oder minder höflich fragt.“
„Das gefällt mir nicht.“ brummte Claudia.
Shay zuckte nur mit den Achseln und ging weiter.
***
#Ort: USS Hephaistos, Quartier des Captains
#Zeit: kurz darauf
„Computer, Licht auf 100%“ gab Shay einen Befehl, als er sein Quartier betrat und nur Halbdunkel vorfand.
[Das Raumlicht besitzt bereits volle Intensität] meldete der Computer. Heller war es trotzdem nicht geworden.
„Geben Sie sich keine Mühe“ hörte Shay eine vertraute wie gleichsam fremdartige Stimme. Er blickte zur Seite und sah die Umrisse eines Mannes langsam näher kommen. Die Dunkelheit schien ihm zu folgen. Der Schotte hatte damals davon gelesen, dass Telepathen den 183cm großen, athletischen Mann mit der weißen Strähne im rabenschwarzen Haar fürchteten und als ‚Schwarzen Mann‘ beschrieben. Er selbst hatte damals immer wieder Schatten gesehen und einen vagen Eindruck erhalten, dass etwas nicht stimmte – doch nun war die Aura, die Colin umgab, fast zum Schneiden. Und definitiv nicht wie bei anderen Srday, die er kennen gelernt hatte. Der psychische Druck der im Raum herrschte war beinahe zu viel für Shay. Es wirkte fast, als wäre Colin zu groß für seinen Körper.
„Die Dunkelheit folgt mir nun wie ein alter Freund. Es ist anstrengend, dies zu ändern.“
„Sie haben sich auch verändert“ bemerkte Shay. Es klang weniger beherrscht, als er es sich ausgemalt hatte. Sein Mund war trocken.
„Ja, das habe ich wohl“ entgegnete er. „Mehr, als ich es je wollte. Mehr, als ein Mensch sich vorstellen sollte.“ Die Stimme klang irgendwie fern, als wäre Colin weit weg.
„Aber das habe ich bereits mit Elisa erörtert. Wie ich hörte, sind Sie beide verheiratet“
„Sie haben mit Elli gesprochen?!?“ Shay war alarmiert.
„Ja, gestern. Ich wollte mich von ihr verabschieden. Es geht ihr gut.“
„Verab.. schieden?“ blinzelte Shay. „Da kommen sie reichlich spät! Sie hätten sich verabschieden sollen, bevor sie vor Jahren verschwunden sind! Und am Besten auch den Dienst quittieren. Sie haben Elli das Herz gebrochen..“ brauste Shay wütend auf.
„Ich weiß. Und ich habe unsere beginnende Freundschaft mit Füßen getreten. Aber damals ging es schon nicht mehr um mich. Ich hatte begonnen, auf einem Pfad zu wandeln, der mich unweigerlich von allem fort brachte, was ich einst schätzte.“
Der Schotte hob eine Augenbraue. „Wollen Sie jetzt Mitleid?“
„Nein“ schüttelte Colin leicht den Kopf. „Mein Geistbruder und ich, wir sind jenseits solcher Konzepte. Ich habe die letzten Jahre mehr gelernt, als ein Mensch in seinem Leben hoffen kann zu lernen. Ich habe Orte gesehen, die wirklich noch kein Mensch je zuvor gesehen hat. Und ich war urtümlichen Mächten ausgesetzt, die mich für immer verwandelt haben“ Er hob seine Hand und betrachtete sie, als sähe er sie gerade zum ersten Mal. „Würde ich einer Hybris erliegen, könnte ich sagen, dass ich einem ‚Gott‘ wohl nahe gekommen bin – doch weiß ich, dass der Weg einerseits noch nicht zu Ende ist, er mich aber auch andererseits weg aus den Gestaden dieser Existenz führen wird.“
„Wenn Sie _mich_ fragen, waren Sie eindeutig zu lange dort draußen“ antwortete Shay. „Sie brauchen Hilfe…“
Der auf der USC Gezehmane geborene Mensch, der ihm gegenüber stand, schüttelte den Kopf.
„Nicht so, wie Sie es glauben, Captain…. Shay“ Der Schotte zuckte zusammen, als Colin so vertraut wurde. „Bitte, hören Sie mir zu. Ich bin aus einem ganz bestimmten Grund hier – und wir sollten die Zeit nicht vergeuden“
Die Ernsthaftigkeit des Tonfalls ließ Shay schweigen. Und so fuhr Colin ungehindert fort:
„Die Sept’arin sind wieder verborgen. Die Mani’Pas haben sich zurück gezogen. Der Zyklus des Kriegs wurde abgewendet. Doch Licht und Finsternis wird es immer geben. Es ist ein Grundpfeiler der Natur.“ Colin lächelte leicht, dünn.
„Wir sind Zwölf. Zwölf Srday mit ihren Geistgeschwistern, die das ursprüngliche Erbe der Srday erneut angetreten haben und sich an einen anderen Ort zurück ziehen, damit jene, die im Schatten bleiben um für einen Ausgleich zu sorgen, wieder erstarken können. Das bedeutet aber, dass Chaos und Zerstörung derzeit die Oberhand haben. Und jemand muss dafür sorgen, dass dies nicht außer Kontrolle gerät.“
„Sie?“ fragte Shay, weit weniger spöttisch, als er es wollte. Colins Präsenz ließen ihn schlucken. Er fühlte sich gerade schrecklich klein – ein unangenehmes Gefühl.
Der ehemalige Sicherheitsoffizier schüttelte den Kopf. „Nein. Ich werde nicht mehr da sein. Ich werde träumen – sozusagen. Träumen von einer besseren Welt. Für uns alle.“ Wieder dieses seltsame Lächeln, das Shay erschaudern ließ.
„Sie sind Teil dieser Geschichte. Und daher komme ich zu Ihnen, um Ihnen mitzuteilen, dass hinter den blutroten Flecken Fremde stehen, die jene benutzen, die glauben, sie besiegt zu haben. Seien Sie wachsam und weise, um jemand zu werden, der erbaut – und nicht zum Zerstörer. Krieg ist in diesen Zeit leicht. Doch wahrer ist der Frieden.“
„Sie haben all dieses Theater veranstaltet, um mir einen Glückskeks-Spruch zu servieren?“ brummte Shay.
„Fast“ antwortete Colin. „Und um Ihnen etwas zu geben.“
Er langte unter seinen Mantel und holte einen Gegenstand hervor, den er in seiner Handfläche balancierte. Es handelte sich um einen etwa 3cm hohen, zwölfkantigen Sockel aus schwarzem Stein, auf dem ein rötlich schimmernder… nein, glühender! … mehrzackiger Kristall ruhte.Es schien Shay so, als würde sich im Inneren des Kristalls etwas bewegen, doch er konnte es nicht wirklich erfassen.
„Was… ist das?“ wollte der Schotte wissen, traute sich nicht, den Kristall entgegen zu nehmen. Irgendetwas urtümliches in ihm schrie, sich fern zu halten.
„Das ist etwas sehr Wichtiges“ sagte Colin. „Ein großer Traumkristall – der zweitgrößte, den ich je sah – und gleichzeitig ein Anker. Sagen wir, er ist so etwas wie eine Rückversicherung für uns alle. Ein Notnagel für Generationen, die nach uns kommen.“
„Ein Anker? Wof… nein, sagen Sie es nicht. Besser, ich weiß es nicht“ sagte Shay und nahm den Kristall dann doch, vorsichtig, entgegen. Der Stein war kalt. Eiskalt.
Colin nickte nur.
„Was soll ich damit?“ wollte der Schotte dann aber doch wissen.
„Bewahren Sie ihn gut auf. Sorgen Sie, dass ihm nichts passiert. Vielleicht vererben Sie ihn weiter. Oder finden ein gutes Versteck für ihn.“
„Und.. was tut er?“
„Sie werden farbigere Träume haben, wenn Sie in seiner Nähe schlafen. Bei manchen fördert das Kunstverstand und Kreativität.“
„Sonst nichts?“
„Nichts, was sie beträfe. Und alles andere hoffentlich auch erst in ferner Zukunft.“
„… ok…“ Shay atmete durch, stellte den Kristall vorsichtig auf dem Tisch ab. „Und nun?“
„Nun werde ich Ihnen ein langes, glückliches Leben wünschen und gehen.“
„Wie? Einfach so?“
„Was haben Sie denn erwartet? Dass ich für Sie steppe?“
Nun musste Shay doch leicht grinsen, als er sich das vorstellte.
„Nein. Aber… ich weiß nicht… mehr Erklärungen? Eine Ankündigung, wann wir uns wieder sehen? Eine ernste Ermahnung, dass ich auf Elli aufpassen soll?“
„Sie wissen alles, was Sie wissen müssen. Sie werden mich nicht wieder sehen. Vielleicht wird Ihnen Elli noch mehr erzählen. Und Elli ist stärker, als sie wirkt, sie braucht niemanden, der auf sie aufpasst. Im Gegenteil – sie wird auf Sie aufpassen“
Bei letzteren Worten schlich sich Wärme in Colins Stimme.
„Sie lieben Sie noch“ stellte Shay fest.
„Und doch bleibt Sie bei Ihnen“ sagte er nur schlicht. „Leben Sie wohl, Shay Ruthven. Werden sie alt und glücklich“ verabschiedete sich Colin. Dann machte er einen Schritt von Shay weg. Die Dunkelheit hüllte ihn ein, wie einen Mantel, formte eine Art Kugel um ihn herum.
„Ich habe Elisa übrigens mitgebracht. Ich lasse Sie gleich an Bord, auf die Krankenstation, transportieren – wegen der Protokolle“ fügte er plötzlich an – und dann war er mit einem Mal verschwunden, als habe er sich in Luft aufgelöst.
Schlagartig wurde es gleißend hell im Zimmer. Shay hatte das Gefühl, als würde das Licht der Quartierbeleuchtung ihm die Augen verbrennen.
„Computer… Licht auf 40%!“
***
#Ort: USS Hephaistos, Brücke
#Zeit: 45 Minuten nach dem Ende des Raumkampfs
„Wie ist der Stand, Leftenant?“ fragte Shay knapp, als er die Brücke betrat.
Sofort erhob sich Ajur, um ihm Platz zu machen.
„Das Schiff der Srday ist gerade verschwunden. Die Schiffe der klingonischen Flotte sind noch immer ohne Energie. Bevor die Srday sich entfernt haben, erhielten wir noch einen Funkspruch: ‚Sie haben noch 75 Minuten. Denken Sie an meine Worte'“ Ajur sah Shay fragend an. „Was bedeutet das, Sir?“
„Das wir genug Zeit haben, um von hier weg zu kommen.“ sagte Shay trocken.
„Kam noch jemand an Bord?“
„Ja…“ meldete sich der CSO zu Wort. „Eine Person wurde auf die Krankenstation .. gebeamt?, wo sie sich in vorläufiger Quarantäne befindet. Der Kennung nach… ihre Frau?“ John klang ein wenig verwirrt.
„Danke, Leftenant..“ Colin hatte ihn also nicht zum Narren gehalten. Shay würde Elisa gleich aufsuchen – wo auch immer an Bord sie war. Aber nun galt es erstmal, das Schiff von hier weg zu bringen.
„Berechnen Sie einen Kurs zur Sternenbasis K7.“
„Sollten wir die klingonischen Schiffe nicht vernichten?“ fragte John da. „Immerhin wäre es eine gute Gelegenheit.“
„Ja. Eine gute Gelegenheit für Mord, Mr. Geary. Wir werden nicht auf Wehrlose schießen.“
Nur aus den Augenwinkeln nahm er war, wie Ajur sich entspannte.
„Kurs Richtung DS K7 berechnet“ vermeldete Cat.
„Wie ist der Status des Schiffs? Sind wir wieder vollständig?“
„Alle Schiffsteile haben angedockt. Wir haben multiple Beschädigungen erlitten, aber nichts, was uns am Heimflug hindert.“ vermeldete Ajur.
„Na dann…“ sagte Shay und blickte sich noch einmal auf der Brücke um.. „Energie!“
</RPG>
<SUM>
# Zeit: 1. Januar 2415 / MD 16
Die Schlacht mit den Klingonen sieht düster aus. Gerade als Shay den Befehl gibt, einen Fluchtversuch zu wagen, erscheint jedoch ein unbekanntes Schiff, dass alle Kampfparteien zur Beendigung der Kampfhandlungen auffordert. Shay, der in dem Schiff einen Kreuzer der Srday erkennt, befiehlt die Waffensysteme zu deaktivieren. Die Klingonen folgen dagegen der Aufforderung nicht, was dazu führt, dass ihnen alle Energie entzogen wird.
Wie sich herausstellt, wird der Kreuzer von einem alten Bekannten Shays geführt, der auch prompt – trotz Schilde – an Bord kommt, um mit dem CO zu sprechen. Besagtes Gespräch findet im Quartier des Captains statt und lässt mehr Fragen zurück, als beantwortet werden. Und doch ist es so etwas wie ein Abschied. Kurz darauf beamt der Besucher zurück – und Shays Ehefrau, Elisa Careen, an Bord. Dann fliegt der Kreuzer der Srday davon. Und auch die Hephaistos entfernt sich – ohne auf die Klingonen zu feuern.
</SUM>