MD 19.2145
Ort: Quartier Ruthven/ Careen
Elli lag auf dem Sofa so wie auch schon in den letzten Tagen. Sie hatte sich überwiegend im Quartier vergraben. Sie wollte niemanden sehen oder hören. SIe wollte einfach allein sein und trauern – und nachdenken. Sie fühlte sich, als wäre sie in ein tiefes Loch gestürzt. Und keiner konnte sie verstehen. Nun, Shay vielleicht, da er wusste, was Colin und Elli verband. Aber wie hätte sie mit irgendjemand anderem darüber reden können, der gleichzeitig auch wusste, dass sie mit Shay Ruthven, dem CO dieses Schiffes verheiratet war. Sie mochte Shay, und bis vor einiger Zeit war sie auch der Meinung gewesen, dass dies ausreichte, um eine vernünftige Ehe zu führen. Doch nicht nur ihr Abschied von Colin ließen sie daran zweifeln. Sie ringelte sich auf dem Sofa ein und schloss die Augen. Schlafen konnte sie nicht, aber sie wollte weiter nachdenken und vor sich hinträumen, was hätte sein können.
Als die Tür zum Quartier sich zischend öffnete, glitt Shays Blick über das unordentliche Sofa und die darauf zusammengerollte Frau. Er seufzte leise. So konnte es nicht weitergehen. Seit drei Tagen hatte sich Elli hier vergraben und das war nicht gesund. Er hatte sich schon so seine Gedanken gemacht und eine Idee. Seine Frau brauchte eine Aufgabe, die sie beschäftigte. Außerdem musste sie einen Posten an Bord bekommen, bevor das FKOM ihr etwas anderes zuwies. Sonst würde sie spätestens an der nächsten Starbase abkommandiert werden. Offiziere, die sich heimlich in einer Nacht- und Nebelaktion einfach selbst versetzten waren im FKOM nicht immer sehr beliebt.
„Wir müssen reden.“ Shay setzte sich auf den Tisch vor den Sofa und strich Elisa sacht über die Haare. Er lächelte sie an, als sie die Augen öffnete. „Aye, das müssen wir.“ Elisa setzte sich langsam auf. „Ich habe nachgedacht Shay, und ich…“ sie biss sich auf die Lippen. Dann zwang sie sich jedoch, ihren Ehemann anzuschauen. Das schuldete sie ihm.
„… Shay, wir sollten uns scheiden lassen.“
Shay starrte seine Frau an. Das kam jetzt unerwartet.
„Es ist nur fair, wenn ich dich freigebe.“ fuhr Elisa fort, noch ehe Shay sich gesammelt und die Möglichkeit gehabt hatte irgendwas zu sagen. „Du brauchst jemanden, die wirklich eine Frau für dich ist und zu dir passt. Wir sind gute Freunde, aber mehr war da nie zwischen uns. Ich will dich nicht an mich binden. DU brauchst jemand, der dir Kinder geben kann. Du wirst schließlich auch nicht mehr jünger. Marcus wünscht sich auch so sehr Enkelkinder. Und ich kann die dir nicht geben. Ich kann dir aber helfen, jemanden zu suchen, der für dich passt.“
Shay stand abrupt auf, ging zu seinen geheimen Whiskyvorräten und nahm zwei Gläser. Währenddessen erklärte Elisa einfach weiter. Sie hatte bereits überlegt, wie eine passende Partnerin ausgewählt werden könnte. Wenn sie es richtig angingen, würde Shay eine richtige Frau haben, bevor er 40 war. Das sollte für eine mögliche Vaterschaft auch noch nicht zu spät sein. Befreundet bleiben könnten sie ja auch. Damit würde sich eigentlich auch nicht so viel ändern. Ein anderes Quartier wäre sicher angemessen, aber das würde sich sicherlich finden.
Als Shay ihr ein Glas in die Hand drückte, verstummte sie kurz. „Mich wolltest du wohl gar nicht fragen, was ich davon halte?“
Doch Elli schüttelte nur den Kopf. „Es ist nicht fair, dass ich dich aufhalte. Du bist mir gegenüber zu nichts verpflichtet. Außerdem… ich habe einen anderen Mann geküsst. Ich habe dich damit eh hintergangen.“ Sie blickte ihn fest in die Augen und er musterte ihr eingefallenes Gesicht. Shay lachte rauh. „Ich kann mich erinnern, dass wir eine Vereinbarung haben. Auch ich habe andere Frauen geküsst. Und Colin ist ein Idiot, dass er dich aufgegeben hat.“ Er setzte sich neben Elisa auf das Sofa und nahm sie in den Arm. Kurz zögerte sie, doch dann ließ sie es geschehen und lehnte sich an ihn.
„Mir ist egal, was mein Vater möchte. Er hat noch andere Kinder, von denen er Enkelkinder erwarten kann.“ Elisa seufzte. „Wir müssen das nicht jetzt entscheiden, aber bitte denk darüber nach.“ Sie spürte sein Nicken. Ein Anfang war gemacht. Und sie saßen eine ganze Weile schweigend beieinander. Dann durchzuckte Elisa ein Gedanke.
„Worüber wolltest du eigentlich mit mir reden?“
„Ich glaube grad nicht, dass das der richtige Moment ist. Ich verdaue gerade noch deinen Vorschlag“ murmelte er ihr Gewicht in seinem Arm spürend. Doch das nützte ihm wenig. Elli richtete sich auf, rutschte etwas von Shay weg und blickte ihn herausfordernd an. „Nun sag, worüber wolltest du reden?“
Shay seufzte. „Kannst du dich nicht einfach wieder anlehnen, dich trösten lassen und wir reden morgen?“ doch er erntete nur entschlossenes Kopfschütteln. „Raus mit der Sprache.“
„Okay,“ Shay dachte kurz nach und strich sich nachdenklich über die Haare. „Du bist jetzt wieder an Bord der Hephaistos, aber ohne Versetzungsorder und ohne Posten. Du hast erzählt, das FKOM will dich gern auf einen Führungsposten schieben und das wird bei uns an Bord nicht geben. Ich fürchte also, sobald wir an der Starbase sind, werden sie dich wegbeordern. Ich habe mir überlegt, dass ich einen einzigartigen Posten für dich hätte, bei denen deine Fähigkeiten gefragt sind. Wenn du den übernehmen würdest, wird auch das FKOM erst mal die Füße still halten. Aber jetzt weiß ich gar nicht, ob du überhaupt hier bleiben möchtest. Ich meine…. wenn wir uns scheiden lassen gibt es für dich keinen Grund an Bord meines Schiffes zu bleiben. Also vielleicht ist es keine gute Idee, wenn du den Job übernimmst.“
In Elisas Augen funkelte Interesse auf. Bei ihrem spontanen Aufbruch hatte sie tatsächlich nicht darüber nachgedacht, was sie an Bord der Hephaistos machen sollte. Und nach ihrem langen Abschied hatte sie auch gar keine Lust mehr gehabt, darüber nachzudenken. Sie war mit ihrem Selbstmitleid genug beschäftigt gewesen, so dass der Gedanke an die Zukunft irrelevant war. „Nun sag schon, was hast du vor?“
„Was weißt du über ATAK?“ fragte Shay erst mal nach. Doch Elli zuckte nur mit den Schultern. „Nicht viel – ein Testsystem an Bord für die Taktik. Aber was es genau macht oder wie es funktioniert, keine Ahnung.“ – „Zusammenfassend ist das richtig. Die Autonome Taktische Analyse Komponente ist bei uns eingebaut. Ich weiß nicht, was du von der Raumschlacht mitbekommen hast, ehe ihr uns gerettet habt, aber das war ATAK. Ohne das System wären wir bereits geentert gewesen, als ihr eintraft. ATAK ist in die Systeme der Hephaistos eingebunden, aber es ist ein nachträglich eingebautes Testsystem, nicht alle Schnittstellen funktionieren so, wie sie sollen und es gibt noch wie ich hörte gelegentliche Probleme in der Ressourcenzuweisung. Offiziell möchte ich gern, dass du die Verbindung zwischen unserem taktischen Offizier und der Operations und der Technik einnimmst. Du kannst mit den Leuten in der OPS umgehen und kennst die Prozessabläufe.“
„Und was sind deine Hintergedanken?“ Elli runzelte die Stirn und Shay sah sie überrascht an. „Woher…. ich meine wie kommst du darauf, dass ich Hintergedanken habe?“ SIe lachte. „Wir sind nun lang genug verheiratet, dass ich dich kenne. Außerdem hast du sogar gesagt, dass das die offiziellen Gründe sind. Also was stimmt nicht mit ATAK? Hast du Angst vor dem Computer?“
„Du durchschaust mich, aber nein. Ich denke ATAK ist eine gute Sache, vielleicht etwas spooky, wenn man zu intensiv drüber nachdenkt, aber gut. Nun inoffiziell hoffe ich, dass du ein Auge auf den dazugehörigen Spezialisten hast. Lt. Ajur, Sohn des Nedek.“ Elli sog hörbar die Luft ein. „Ich möchte ihm grundsätzlich vertrauen, und doch ein gewisses Misstrauen ist da und dir vertraue ich.“
„Du weißt schon, dass ich nie im Leben die Sicherheitsfreigaben für ein solches System bekommen würde.“ Elisas Stimme hatte einen leicht hörbaren traurigen Unterton, doch Shay winkte nur ab. „Das ist doch egal, die benötigst du nichtmal. Es geht darum, dass du den TAK entlastest um die notwendige Kommunikation mit der OPS und der Technik, wenn es um Einbauten oder Ressourcen geht und dass du einfach einen Blick auf ihn hast.“
Unschlüssig starte Elisa ihn an. „Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist….“
Shay zog sie einfach wieder zu sich, so dass sich Elli wieder an ihn anlehnen musste. Kurz wollte sie ihn stoppen, doch dann ließ sie es zu und genoss seine starken Arme und die Wärme. „Denk einfach drüber nach.“
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MD 19.2145
Ort: Quartier Ruthven/Careen
Elisas und Shays Pläne für die Zukunft gehen im ersten Moment weit auseinander. Während Elli für Shay die Freiheit möchte, bietet er ihr einen besonderen Job an
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***submitted by
ela aka Elisa Careen