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Ferien auf Qo’noS – Teil III

Posted on 21. Februar 2021 By admin
<NRPG>
Hallo zusammen,

und hier folgt dann der dritte – und letzte – Teil des Urlaub-RPGs, bei dem Sam und Ajur auf dem Holodeck mehr voneinander erfahren.
Viel Spaß!
ela & effi
</NRPG>

<RPG>
#Ort: USS Hephaistos, Holodeck 1 / Qo’noS,  Kloster des Khar’tschok
#Zeit: SpD 10.1918

Die Talgkerzen waren überall in dem Gewölbe aufgestellt, doch ihr flackerndes Licht erhellte es dennoch nur unzureichend. Ajur war früher oft hier gewesen – doch erst diese Simulation machte ihm klar, wie sehr er diesen Ort vermisste.

Das Mediationsgewölbe lag unter der Hauptebene und war nur durch eine schmale Treppe zu erreichen, die man in dem Gewirr der Gänge erst einmal finden musste. Es war warm hier. Und trocken. Die Kerzen gaben der Lust eine gewisse rauchige Note, doch gab es genug Abzüge, um die Atmung nicht zu gefährden. Dazu mischte sich der Geruch von Kräutern, welche in einem großen Kohlebecken aus Bronze, welches in der Mitte des Raumes stand, verbrannt wurde.

Ajur suchte sich einen Platz mehr am Rand des fahlen Lichtscheins. Dort, wo er schon früher häufig gesessen hatte. Es mutete rituell an, wie er – barfuß und in die Roben des Klosters gekleidet – in Meditationshaltung Platz nahm und durchatmete. Fast sofort spürte er die Schwere des Raumes, die auch einen stolzen Klingonen klein und demütig werden lassen konnte. Der Berg war so viel älter als jeder Klingone – und hier war er Freund und Feind zugleich. Herausforderung und Zuhause. Sein Zuhause.

Er war kein Kind mehr und auch kein Junge. Sondern ein erwachsener Klingone. Doch selbst nachdem er von seiner Familie in dieses Kloster geschickt worden war, weil man ihn für schwach hielt, hatte er sich nicht so entwurzelt gefühlt, wie er es zwischendurch in der Sternenflotte tat.
Das Kloster hatte ihn geschärft, hatte ihn stark gemacht – so stark, dass er aus der Verachtung seiner Familie Kraft geschöpft und sich den Rang eines Kriegers erkämpft hatte. Wissend, dass er trotzdem im Klingonischen Reich nicht glücklich werden würde, hatte er sich der Sternenflotte angeschlossen, deren Ideale ihm näher waren, als die Doktrin des Klingonischen Reiches.

Vielleicht hatte er auch gehofft, zum Verständnis der Völker beitragen zu können. Zum Frieden zwischen Klingonen und der Föderation. Eine Hoffnung, die jäh zersplittert war, als der Krieg begann. Nun, nicht ganz – sein Wunsch war nicht unmöglich geworden, aber doch in weitere Ferne gerückt als zuvor.
Nun war er kein Zweig mehr, der wuchs – sondern ein Gestrandeter. Irgendwo gefangen zwischen den Welten. Sicher,  es gab Föderationsbürger, die ihn als das annahmen, was er war und sich seine Freundschaft verdient hatten. Ganz vorne war da Emily – und das, obwohl ihre erste Begegnung an Bord alles andere als gut verlaufen war. Auch der Captain versuchte ihm wohl zu vertrauen und ihn anständig zu behandeln – doch jüngere Handlungen zeigten, dass da wohl auch Zweifel waren. Wer konnte sie ihm verdenken? Würde er, in der Situation des Captains, anders handeln?

Es gab noch ein paar andere – aber größtenteils war er an Bord doch für sich geblieben. Und dann gab es ja auch noch jene, die ihn offen nicht mochten und gegen ihn Stimmung machten. Das hatte sich zwar in den letzten Wochen etwas beruhigt – die Abneigungen waren aber nicht plötzlich verschwunden.

Und dann war da jetzt eine Samantha DeCoster als neue EO, die ihn plötzlich zu einem gemeinsamen ‚Urlaub‘ einlud. Was sollte er davon halten? Vermutlich war es ganz logisch, wenn auch etwas unkonventionell, der Versuch, ihn zu verstehen und besser kennen zu lernen. Vielleicht auch einschätzen zu können. Allein die Programmwahl sagte ja einiges über ihn aus. Doch – was waren die Beweggründe der Offizierin?
Wollte sie nur eine gute EO sein und versuchen, möglichst gut zu harmonieren? Hatte Sie Angst, dass ein Klingone an Bord Ärger bedeutete? War sie ebenfalls auf ihn angesetzt worden? Oder war es etwas ganz anderes? Auf jeden Fall war Samantha DeCoster eine neue Variable im sozialen und dienstlichen Gefüge der USS Hephaistos, die zu ergründen war. Doch brachte es nichts, sich darüber nun den Kopf zu zermartern.

Jetzt musste er sich erst einmal den eigenen Herausforderungen stellen. Die eigene Mitte finden und wieder ausbalancieren, was es hieß, ein Klingone in der Sternenflotte zu sein. Das wilde Tier, das in ihm tobte und heraus wollte, einzusperren und zu kontrollieren. Dem Durst nach Gewalt und Blut nicht nachzugeben, der Ratio zu folgen und den heißen, schäumenden Emotionen nicht die Oberhand zu geben. Besonders, wenn andere etwas taten, was ihn beleidigte oder wenn ein vorgesetzter Offizier in einer Art und Weise handelte, die dem klingonischen Verständnis nach, feige und unangemessen war.

Er atmete wieder tief durch, sank ein in sich selbst. Er hatte es bisher geschafft, er würde es weiter schaffen. Er musste nur regelmäßig meditieren und auf solche Dinge wie Alkohol verzichten. Die Feier war ein Fauxpas, den es auf der Hephaistos nicht geben würde.

Einatmen. Ausatmen. Einatmen…

***

#Ort: USS Hephaistos, Holodeck 1 / Qo’noS,  Kloster des Khar’tschok
#Zeit: SpD 11.0630

Das Morgenlicht schwebte sanft durch die hohen Bogenfenster des Refektoriums. So langsam gewöhnte sich Sam an das leicht rot verschobene Lichtspektrum und konnte so die Schönheit des Morgens genießen. Die durch das Fenster sichtbaren Berggipfel, die von Nebelschwaden umschmeichelt wurden, verliehen der Szenerie etwas geheimnisvolles – als wären sie weit, weit weg in einem Märchenland, fern von den Problemen der Realität.

Das Frühstück war auch eher einfach – aber es passte irgendwie zu der ganzen Szenerie. Früchte und Nüsse komplettierten eine Mahlzeit, die aus einer breiigen Masse bestand, die man wohl am Ehesten als irgendwas zwischen Grießbrei und Milchreis beschreiben konnte. Daneben gab es eine Art ungesäuertes Fladenbrot und gegrillte Insekten(?), um die Sam aber lieber einen Bogen machte.
Dazu gab es HuHqlj – ein außerhalb des klingonischen Reiches kaum getrunkener Kaffee – und Dargh-Tee.

„Darf ich mich setzen?“ Sam hatte Ajur an einem der hohen Bogenfenster entdeckt, wie er alleine frühstückte und nach draußen sah. Als die Brünette, die in dem Hohen Rock, der ihre Beine und die ganz ansehnliche Oberweite betonte, eine durchaus aparte Figur abgab, an den Tisch trat, blickte er auf.

„Natürlich, Mrs. DeCoster“ antwortete er höflich.

„Danke“ Sie schenkte dem Klingonen ein Lächeln und nahm Platz. Ein kurzer Blick auf das Tablett des Klingonen offenbarte, dass er die Insekten nicht verschmäht hatte, jedoch ebenfalls Brei und Früchte aß sowie den Tee trank.

„Haben Sie wohl geruht?“ bemühte sich Ajur um höfliche Konversation, doch es klang irgendwie gezwungen.

„Ja, danke. Anders als in meinem Quartier – aber dieses Kloster hat eine ganz eigene Atmosphäre“ Samantha beschloss, Ajur zu erlösen und selbst ein Gesprächsthema einzuführen. Das stellte eine gute Übung – für sie beide – da und außerdem konnte sie so noch ein paar Dinge fragen, die sie interessierten.
„Apropos – ich war gestern in der Bibliothek. Wow…“ Sie musste sich gar nicht anstrengen, um ins Schwärmen zu geraten. Die Klosterbibliothek war förmlich riesig, mit steinernen Regalen auf mehreren Ebenen, Arbeitstischen, Lese- und Schreibpulten, Papierwerkstatt… und natürlich Unmengen an Schriften.
„Allerdings… viele der Bücher, die ich öffnete waren im Inneren… weiß“

Ajur räusperte sich, verlegen. „Die Grenzen der Simulation.“ entschuldigte er sich. „Auch wenn die meisten Bücher des Klosters katalogisiert sind, sind sehr viele nie digitalisiert worden. Oder wenn sie es wurden, stehen diese Daten nicht zur Verfügung. Daher… ich fürchte, wenn Sie die wirklich seltenen Werke lesen möchten, müssen Sie irgendwann selbst das Kloster aufsuchen…“

„Oh.“ meinte Sam, „Das ist schade. Ich glaube nicht, dass das so bald möglich sein wird.“ Ganz davon abgesehen, dass Sie die Werke im Original auch nicht würde lesen können, mangels Kenntnisse in Klingonisch. „Dennoch, die Bibliothek ist überwältigend.“

Ajur nickte. „Ich denke, gängige Werke werden Sie in den Datenbanken der Sternenflotte finden. Diese gibt es auch mit Übersetzungen ins Sternenflottenstandard. Interessieren Sie sich für bestimmte Themen?“

Sam dachte kurz nach. „Literarische Werke fände ich interessant. Ich vermute, zentrales Thema in der Literatur ist der Kampf?“ Ihr war schon seit ihrer Ankunft hier aufgefallen, wie wenig sie über Klingonen wusste. Wenn sie  so drüber nachdachte, sie las zwar viel, aber ein klingonisches Buch hatte sie noch nie vorher in der Hand gehabt.

„Wenn Sie ‚Kampf‘ verallgemeinern, könnten Sie Recht haben.“ antwortete der Klingone. „Der Kampf gegen die wilde Natur, das Auflehnen gegen die grausamen Götter, die Schlachten, die man mit sich selbst ficht, der Kampf eines brennenden Herzens um die Liebe…“ Er lächelte leicht. „Auch wenn viele das glaube, so besteht klingonische Literatur nicht nur aus Schlacht und Gemetzel. Unser großer Gründer und erster Imperator Kahless war ein beispielloser Philosoph und viele haben versucht, seinem Weg zu folgen. Es gibt auch einige sehr starke Lyrikwerke – wobei insbesondere klingonische Liebeslyrik für Außenstehende vermutlich nur schwer zu verstehen ist. Und auch nur schwer übersetzt werden kann.“
Er nahm nachdenklich einen Schluck seines Tees.
„Als ich hier lernte, habe ich sehr viel gelesen. Philosophische Werke, Lyrik, naturwissenschaftliche Schriften, taktische  Abhandlungen.. und vor Allem Geschichte. Dieses Kloster hat vermutlich eine der umfassendsten Sammlungen von Geschichtswerken auf ganz Qo’noS. Es gibt viel, was man daraus lernen kann.“

Das war eine Seite an Ajur, die für Sam überraschend war. Der TAK entsprach so oft nicht ihrem Bild eines typischen Klingonen, dass es für ihren Kopf manchmal schwer war, das in Deckung zu bringen. Die zurückliegende Zeit auf dem Holodeck war sehr erhellend gewesen, sowohl hinsichtlich der Verhaltensweisen von Klingonen jedoch noch mehr Ajur betreffend.

Sie lächelte. „Ich gestehe, ich bin überrascht. Ich denke, wenn ich das nächste mal Lektüre suche, werde ich in der Datenbank nach etwas Klingonischem schauen.“

Ajur blickte sie an. „Sie sind überrascht, weil die klingonische Literatur vielseitig ist? Oder sind Sie überrascht, dass ich vielseitig interessiert bin.“ Sam fühlte sich ertappt, traf doch beides zu. Sie musterte ihr Frühstück und nahm eine Gabel zur Hand und konnte so Ajurs Blick ausweichen.

„Nun ich fürchte, von beidem ein wenig. Ich gestehe, ich habe mich nie zuvor damit beschäftigt, was typisch für Klingonen ist, also darüber hinausgehend, was gängigen Klischees entspricht. Auch beschränkten sich meine Kontakte zu Klingonen bisher auf wenige eher unschöne Ereignisse.“ Sie dachte an die Enterung der Ainama und verzog ein wenig das Gesicht und versuchte durchzuatmen.

„Vermutlich lassen sich so einige ‚unschöne Ereignisse‘ auf ein schlechtes Verständnis für den anderen zurück führen – beidseitig“ gestand Ajur freimütig ein. „Und auch Engstirnigkeit.“
Er seufzte.
„Die Leitkultur der Föderation unterscheidet sich stark von der klingonischen Lebensweise. Viele Dinge, die Ihnen als rational oder natürlich erscheinen, stellen unter Klingonen ein Zeichen von Schwäche oder eine Beleidigung dar. Und nicht jeder Klingone versucht wie ich, die kulturellen Unterschiede zu verstehen und zu akzeptieren.“
Er zögerte. Aber es machte keinen Sinn, mit Dingen hinter dem Berg zu halten, die Samantha auf jeden Fall herausfinden würde, wenn sie es nicht ohnehin schon wusste.

„Den Vorfall rund um die USS Ainama bedaure ich sehr – insbesondere, da Familienangehörige von mir daran beteiligt waren.“ Er seufzte wieder. „Aber ich glaube, was da passiert ist, war Ausdruck des eigentlichen Problems – und nicht das Problem an sich. Trotzdem werden so natürlich die Gräben vertieft.“

Sams Stirn umwölkte sich. „Das… wusste ich nicht.“ Diese Eröffnung Ajurs Familie betreffend traf sie unvorbereitet. Bis eben hatte sie gedacht, sie könne trotz des Krieges mit einem Klingonen an Bord umgehen und so fremdartig die beiden Tage auf dem Holodeck für sie gewesen waren, so hatte sie nicht das Gefühl gehabt, mit den Klingonen in der SImulation oder Ajur ein Problem zu haben. Doch nun…. vor Samanthas Augen erschienen Bilder, die letzten Minuten auf der Brücke, der rote Alarm. Die Aufforderung an alle, sich in die Fluchtkapseln zu begeben. Diese Bilder, von denen sie gehofft hatte, sie nie wieder sehen zu müssen.
Schweigen breitete sich zwischen den beiden aus.  Die Situation war auch für Ajur.. unangenehm. Aber er wusste nicht, was er sagen sollte. Jedes weitere Wort konnte das Falsche sein. So ließ er ihr also den Raum, den sie – vermutlich – brauchte. Abrupt erhob sich Sam und durchbrach das Schweigen. „Ich… es tut mir leid, ich benötige etwas Zeit.“ Ohne auf eine Antwort abzuwarten wandte sie sich ab und verließ den Raum.

Erst wollte sie sich in ihre Cella zurückziehen, doch hatte sie das Gefühl, Luft zu benötigen, daher lenkte sie ihre Schritte in Richtung Garten. Es war noch früh und so waren nur wenige Klingonen unterwegs und keiner von ihnen schenkte ihr Beachtung. Ein Gärtner arbeitete bereits und Sam grüßte ihn, wie sie es bei Ajur gesehen hatte mit einer leichten Verbeugung.

Die frische Luft und die Umgebung wirkten und vertrieben die Bilder vor ihren Augen. Es tat ihr bereits leid, dass sie den Klingonen einfach hatte sitzen lassen. Er hatte ihr an keiner Stelle Anlass gegeben, an ihm zu zweifeln. Im Gegenteil hatte er sich bei nachträglicher Betrachtung beleuchtet, fast für sie verbogen. Während sie unwissend in diese Simulation gestolpert war, ohne grundlegendes Wissen über die klingonische Kultur, hatte er Stolperfallen für sie umschifft. Es wäre nicht nötig gewesen. Diese Simulation wäre geeignet gewesen, sie ganz klar Schiffbruch erleiden zu lassen.

Sie erreichte eine Bank, doch setzte sie sich nicht. Die Bewegung half ihr, sich selbst und ihre Gefühle in den Griff zu bekommen. Bei klaren Licht betrachtet war Ajur nicht verantwortlich für die Taten seiner Familie. Nicht er hatte die Ainama aufgebracht, sondern irgendjemand aus der Familie. Und auch derjenige hatte das Leben der Wesen, die ihr anvertraut gewesen waren auf dem Gewissen und nicht Ajur. Trotzdem fühlte es sich an, als hätte sie einen Eisklotz in der Magengrube.

Als Sam wieder eine Bank erreichte, setzte sie sich doch. Bei Tageslicht betrachtet änderte das Wissen darum, wer die Ainama zerstört hatte, nichts. Ihr Blick fiel auf den Gärtner, der nach wie vor an einer Art Busch zu arbeiten schien. Sam hatte den Eindruck, er würde diesen formen. Auch wenn er nur ein Hologramm war, schien der Klingone in sich und seiner Tätigkeit zu ruhen. Nicht jeder Klingone war ein Krieger, das hatte sie hier gelernt. Dies war ein Ort, an den Kinder abgeschoben wurden, für die sich ihre Familien schämten, weil sie nicht ins Bild passten.

Noch eine ganze Weile beobachtete sie den Gärtner, während ihre Gedanken und der Sturm in ihren Gefühlen zur Ruhe kam, bis sie beschloss, nach dem TAK zu suchen. Also erhob sie sich und suchte langsam den Rückweg. Doch sie musste gar nicht lang suchen, denn sie sah ihn bereits von Weitem. Auch Ajur hatte sich in den Garten begeben.

Im Näher kommen beobachtete sie ihn. Er hob seine Arme, doch nicht um ihr zuzuwinken. Sam war sich nicht mal sicher, ob er sie bemerkt hatte, denn schon senkte und drehte er die Arme in langsamen, fast fließenden Bewegungen. Sacht drehte er sich dabei um seine Körperachse. Es schien, als würde er etwas greifen und mitnehmen, als er nach hinten glitt. Dabei wirkten alle Bewegungen, die er machte ruhig und bedacht. Es kam Sam so vor, als würde er sich in Zeitlupe bewegen. Als sich Sam weiter näherte, stellte sie fest, dass Ajur offenbar hochkonzentriert mit der Ausführung seiner Bewegungen beschäftigt war. Daher blieb sie erst stehen und setzte sich schließlich unter einen Baum auf den Boden, um den Klingonen zu beobachten und zu warten. Sie musste Geduld beweisen, ehe Ajur sich aufrichtete und sie direkt ansah.

„Das sah schön aus.“ brach sie nach einem Moment das Schweigen. „Es war fast wie die Choreographie eines Tanzes.“

Ajur trat zu ihr und ließ sich ebenfalls mit einer fließenden Bewegung auf dem Boden nieder. „Es handelt sich um Tai Chi. Es ist kein Tanz.“ Sam runzelte fragend die Stirn. „Das ist doch eine irdische Kampfkunst?“

Ajur nickte. „Im Kloster von Khar’tschok werden nicht nur klingonische  Techniken gelehrt. Aber Tai Chi Quan ist die Kampfkunst, die Sie meinen. Tai Chi ist… meditativer.“

Samantha nickte, auch wenn sie nicht ganz verstand was er meinte. Außerdem wollte sie etwas anderes loswerden. „Es tut mir leid, Mr. Ajur, dass ich Sie einfach habe sitzen lassen. Ihre Information bezüglich der Zerstörung der Ainama kam für mich überraschend. Mir ist natürlich klar, dass Sie damit nichts zu tun hatten.“ Sie dachte kurz nach. „Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit.“

Ajur nickte. „Ich dachte, Sie sollten es wissen“ sagte er, die Miene steinern. „Es gibt dazu noch mehr zu sagen – aber vielleicht erst wenn Sie bereit sind. Ich denke, Sie werden mich finden, um zu reden.“

Dann legte er den Kopf  nach rechts und links, schüttelte die Glieder aus. „Kommen Sie, machen Sie mit. Es erdet.“

Damit stellte er sich wieder in Position.  Samantha stellte sich ihm gegenüber und versuchte seine Haltung zu spiegeln. Dann nickte sie. „Gut.“ Nach einigen Lockerungsübungen begann Ajur ein paar leichtere Formen, welche Samantha versuchte zu kopieren. Immer wieder irritierten sie Bewegungen, wenn es darum ging, unterschiedliche Bewegungen der Arme zu koordinieren und einige Male drohte sie zwar das Gleichgewicht zu verlieren, doch glücklicherweise stürzte sie nicht. Langsam entwickelte sie ein Gefühl dafür, was sie tun musste. Ajur gab dabei immer wieder ruhige Anweisungen. Der Vorteil war, dass die einzelnen Formen langsam waren, so dass Sam genug Zeit hatte zu beobachten und nachzuahmen.

„Schließen Sie Ihre Augen und versuchen Sie die Bewegung zu spüren.“ riet ihr Ajur nach einer Weile, was Sam zu einem Lachen verleitete. 

„Dann seh ich ja nicht, was ich tun soll.“ 
„Sie sollen es spüren, nicht sehen!“

***

#Ort: USS Hephaistos, Holodeck 1 / Qo’noS,  Kloster des Khar’tschok
#Zeit: SpD 11.1445

Es half nichts – die Zeit war gleich um. Zeit, zurück zu kehren, in das Bordleben der Hephaistos. Die letzten 48 Stunden waren tatsächlich ganz anders gewesen, als Sam sich das vorgestellt hatte. Unerwartet. Und sie hatte viel gelernt. Nicht nur über den taktischen Offizier an Bord, sondern auch über die klingonische Kultur. Und – vielleicht – auch ein wenig über sich.
Sie seufzte und strich die Uniform glatt, legte dann das geliehene Gewand ordentlich zusammen… auch wenn es gleich sowieso derepliziert werden würde, wenn sie ihre Cella verließ.

Jetzt sollte sie langsam Ajur suchen. Was er wohl noch so machte? In seiner Cella war er nicht – dort hatte sie eben schon geklopft und während sie sich umzog hatte sie ihn auch nicht reinkommen hören. Bei _der_ quietschenden Tür hätte sie das bemerkt.

Als Sam ihre Cella verließ und nach draußen ging, traf sie die schwüle Mittagshitze wieder mit voller Wucht. Sie schnaufte. Ja, dieser ‚Hohe Rock‘ war definitiv angenehmer gewesen. Sie blinzelte ein wenig in das Licht… und stellte fest, dass der Garten leer war. Und doch konnte sie Geräusche hören. Es schienen aufgeregte Rufe darunter, Anfeuerungen und Schmähungen. Was war da los? Ein Kampf?

Vorsichtig folgte sie den Stimmen. Das war nicht leicht, denn abseits der ihr bekannten Örtlichkeiten glichen die Gänge und Pfade hier oftmals einem Labyrinth. Schließlich, nachdem sie mehrfach ein Wegstück zurück gegangen war und sich neu orientiert hatte, erreichte sie den Ort von dem die Rufe kamen:
   
Es war mehr ein Spalt der auf einer der Klosterseiten tiefer in die Berge führte. Zu schmal und zu kurz um von einem Seitental zu sprechen, reichte er trotzdem bis zum Himmel, war schroff und zerklüftet. Unwillkürlich fühlte man sich klein, wenn man hier stand – so als befände man sich im Einschnitt einer titanischen Axt. Sand bedeckte den steinigen Boden – kaum ein Grashalm wuchs hier.
Eine der Wände war behauen – wenn auch alt. Reste von Figuren flankierten rechts und links ein Wandstück mit leichtem Übergang, dass bis ganz nach oben zur Kante reichte. Dort schien eine Art… Gong befestigt, der im Wind immer wieder leicht geschlagen wurde.

In der Mitte der Spalte hatte sich eine ganze Reihe von Klingonen versammelt und blickten nach oben, zu einem Kletterer, der die Wand erklomm. Sam musste den Kopf in den Nacken legen und die Augen abschirmen, um wirklich etwas zu erkennen. Doch schließlich bestätigte sich das, was sie schon vermutet hatte – bei dem Kletterer handelte es sich um Ajur!

Er schien schon recht weit gekommen. Das zweite Drittel des Weges hatte er schon hinter sich gelassen und näherte sich mit kräftigen Armen und Beinen der oberen Kante. Kurz rutschte die linke Hand ab und Steinchen vielen hinunter, doch fing sich der Klingone wieder. Einige der Zuschauer brummten anerkennend, andere wirkten fast enttäuscht.
Sam konnte sehen, wie der Klingone an einem hervorragendem Stück Fels innehielt und durchatmete. Dann biss der TAK die Zähne zusammen, stieß sich mit den Füßen ab – und katapultierte sich schräg hoch und zur Seite, um dort mit den Fingern Halt zu finden. Er schrie auf, grollte – und zog sich höher, bis seine Füße halt fanden.

Sam konnte spüren, wie ihr Herz vor Aufregung pochte und hielt unwillkürlich den Atem an. Das hier musste diese ‚Wand‘ sein, von der Ajur gesprochen hatte. Sie hätte sich denken können, dass Ajur sich dieser Herausforderung noch stellen würde! War das der eigentlich Sinn dieses Programms gewesen?

Sie verfolgte, wie der Klingone sich Zentimeter um Zentimeter empor schob, bis er knapp unter der Kante hing, wo der Gong auf ihn wartete. Tritt sicher hob der Klingone den rechten Fuß, stellte ihn in einen Spalt und schob sich hoch. Er musste nur noch die Hand ausstrecken, um den Gong zu erreichen, dann hatte er es…

Ajur atmete durch und schloss die Augen. Dann ließ er los – und sich fallen.

„Nein!“ Sam stöhnte auf. Er hatte sich jetzt nicht wirklich absichtlich fallen lassen! Die Wand sah in ihren Augen unschaffbar aus und doch hatte es Ajur nicht nur bis ganz nach oben geschafft. Er war schon am Ziel gewesen. Hatte es etwa keinen Wert, wenn er die Wand nur auf dem Holodeck überwand? Sie eilte zu der wartenden Menge. Hier schien sich niemand zu wundern, dass Ajur kurz vorm Ziel aufgab.

Mit ausgebreiteten Armen fiel er rücklings dem Boden entgegen… bis die Sicherheitsprotokolle des Holodecks griffen und ihn in einem Kraftfeld auffingen und sanft zu Boden gleiten ließen.

„Computer, Programm anhalten!“ rief Sam – und trat zu dem Klingonen.
„Was… was war das? Sie hatten es geschafft! Sie hätten nur den Arm ausstrecken müssen! Was sollte das?“
Sie war irritiert vom Gesichtsausdruck des TAKs. Denn anstatt wütend oder enttäuscht wirkte er … gelöst, fast freudig.

„Ich war noch nicht bereit.“ antwortete Ajur, lapidar. Und erhob sich.
Wie selbstverständlich klopfte er sich den Staub ab.
„Aber ich bin bereit für meinen Dienst.“ fügte er hinzu – und wirkte mit einem Mal wieder wie ganz der Alte. Also in diesem Fall wie der kontrollierte, beherrschte Klingone, der sorgfältig auf der Brücke seinen Dienst versah.

Sam zögerte… und nickte dann. Gerade, als sie geglaubt hatte, den Klingonen zu verstehen, warf er neue Rätsel auf. „Es ist gleich 15 Uhr. Ende unseres Urlaubs.“

„Dann sollten wir“ nickte Ajur.
„Computer, Ausgang zeigen.“

Nur wenige Meter von ihnen entfernt formte sich die Tür des Holodecks und gewährte den beiden Offizieren einen Blick auf den Gang der Hephaistos.
„Nach Ihnen, Lt. Commander“ bat Ajur und deutete voraus.

Sam nickte und schritt voran.
„Hat Ihnen der Urlaub gefallen?“ wollte sie wissen.

„Er war überraschend. Aber besser als ich mir vorgestellt habe.“

„Ja… das könnte ich wohl auch sagen“ Sam musste nun doch grinsen.
„Wollen wir uns morgen früh zum Frühstück treffen?“

„Einverstanden. Aber nur wenn ich einen Raktajino bekomme.“ stellte Ajur eine Bedingung.

„Ich denke, das lässt sich einrichten“ sagte Sam und verließ das Holodeck.

Ajur hingegen blieb stehen und blickte noch einmal zurück, auf die eingeforerene Szene. Er seufzte kurz, straffte sich dann. „Computer, Programm beenden.“
Dann verließ er das Holodeck mit gewohntem Schritt. Die Arbeit wartete.

</RPG>

<NRPG>

So – und damit endet dieser Ausflug.
Wir hoffen, es hat euch gefallen und konnte euch die Figuren etwas näher bringen.
Wir hatten auf jeden Fall viel Spaß beim Schreiben.
</NRPG>

<SUM>

#Ort: USS Hephaistos, Holodeck 1 / Qo’noS,  Kloster des Khar’tschok
#Zeit: SpD 10.1918

Während der Meditation versucht Ajur die Lage zu analysieren und wieder seine innere Mitte zu finden.

***

#Ort: USS Hephaistos, Holodeck 1 / Qo’noS,  Kloster des Khar’tschok
#Zeit: SpD 11.0630

Beim Frühstück unterhalten sie sich erst über die großartige Bibliothek und klingonische Literatur, doch als im als das Gespräch im weiteren Verlauf auf die Zerstörung der Ainama kommt, ist Samantha von Ajurs Aussage im ersten Moment geschockt und geht zum Nachdenke in den Garten.

***

#Ort: USS Hephaistos, Holodeck 1 / Qo’noS,  Kloster des Khar’tschok
#Zeit: SpD 11.1445

Der Urlaub ist fast zu Ende. Ajur erklimmt „die Wand“, ist aber noch nicht so weit, diese wirklich zu meistern. Zu Sams Überraschung scheint er das jedoch nicht zu bedauern.
Beide sind sich einig, dass dieser Urlaub nicht wie erwartet, aber dennoch gut war.
</SUM>

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