Gruß Johannes
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# Ort: USS Hephaistos, Holodeck II – ‚Topf voll Gold‘
# Zeit: SpD 13.1932
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„Ja, das ist es.“ stimmte Fabièn zu. „Das zweite Glas können wir dann ja mehr genießen.“
Er lehnte sich demonstrativ zurück. Jetsun ebenfalls. Und sah ihn an. Und fasst dann Mut.
„Sag… würdest Du mit mir tanzen?“ fragte sie ihn.
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Wie aufs Stichwort begann die Folk-Gruppe ein langsames, melancholisches Stück zu spielen. Die nachdenklichen, fast klagenden Töne der Geige füllten den Raum. Nach einigen Takten kam eine Basslinie hinzu, die auf dem Akkordeon gespielt wurden (ja, auch mit diesem Instrument konnte man dezent spielen). Ob nun Trish ihre Hände im Spiel gehabt hatte oder ob es Zufall war, der Augenblick passte perfekt.
„Ähm.. ich kann das nicht wirklich…“, zögerte Fabièn.
„Komm, es ist ganz einfach. Du musst nur Schritte im Takt machen. Ich führe dich schon“, ermutigte ihn die Ärztin. Sie nahm seine Hand in ihre und zog sanft daran.
„Aber … dann werden sie uns für ein Paar halten …“ wehrte er sich immer noch.
„Tun sie doch eh schon – hast du das nicht gerade selbst gesagt?“ lächelte Jetsun. Innerlich verzweifelte sie ein wenig an dem Kerl, aber versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen.
„Stimmt schon“, zuckte Fabièn mit den Schultern, und erhob sich von der Sitzbank. Puh, dachte Jetsun. Sie hielt weiterhin seine Hand, und hatte auch nicht vor sie noch einmal loszulassen. In der Berührung konnte sie spüren, dass der große Franzose sich unwohl fühlte, und sich wohl am liebsten umentschieden und wieder hingesetzt hätte. Nichts da.
Der Pub war nicht sehr groß, und mit wenigen Schritten waren sie auf der Tanzfläche. Fabi sah sich unsicher um – wer wohl gerade alles zuschaute? Er dachte zurück, wann er zuletzt getanzt hatte – aber er konnte sich nicht entsinnen, ob er überhaupt jemals außerhalb des obligatorischen Tanzkurses vor unendlich langer Zeit das Bein geschwungen hatte. Er würde sich bestimmt total blamieren.
„Nicht. Schau mich an“, befahl Jetsun freundlich. Er sah ihr in die Augen und lächelte zaghaft. Jetsun lächelte zurück. Das half ein wenig gegen das Lampenfieber.
Der Gesang der Geige schwebte durch den Raum – gerade wiederholte sie das Eingangsmotiv. Jetsun legte die Arme auf Fabièns Hüften und begann erstmal, sich im Takt hin und her zu wiegen. Fabièn tat es ihr nach, und sie begann vorsichtig, kleine Schritte hin und her zu machen. Wie das wohl aussehen mochte? Zum Glück gab es noch nicht so viele Zuschauer. Er gab sich Mühe ihr zu folgen, und dabei nicht auf ihre Füße zu treten. Besorgt schielte er nach unten.
„Weiter mich anschauen“, erinnerte sie ihn. „Denk nicht so sehr an deine Beine. Fühl einfach die Musik.“
Sie hatte leicht reden. Na gut, dachte Fabi, selber schuld wenn sie nachher Plattfüße hat. Er konzentrierte sich etwas mehr auf die Musik und versuchte nebenher, die Spannung in seinen Beinen und Oberkörper etwas nachzulassen. Nicht einfach, wenn man gleichzeitig den Takt halten wollte.
Es war eigenartig und angenehm, die warmen Hände auf der Hüfte zu fühlen. Seine eigenen Hände hatte er auf Jetsuns Schultern abgelegt – irgendwo mussten sie ja hin – aber allein der Gedanke, damit weiter nach unten zu rutschen, stieß in seinen Gedanken schon auf eine undurchdringliche Wand. Er spürte wie ihre Schulterblätter sich im Takt der Schritte hoben und senkten.
Er sah ihr wieder in die Augen. Es war unglaublich, was man in einem Gesicht alles an Details entdecken konnte, wenn man ihm so nah war. Goldenes Kerzenlicht und Schatten wechselten sich ab auf ihrer Stirn und ihren Wangen, während sie sich durch den Raum bewegten. Auch ihre Aura löste sich in feinere Details auf, wenngleich das zarte Schimmern in den wechselnden Lichtverhältnissen schwer zu sehen war. Kleine, silbergoldene Fünkchen schienen sich aus ihren Wangen zu lösen; sie tanzten in einem grazilen Wirbel um ihre dunklen Augen und verdünnten sich dann zu kaum wahrnehmbaren Fäden. So was hatte er noch nie gesehen, weder bei Jetsun, noch bei jemand anderem. Es war wunderschön und faszinierend.
Die Musik gewann an Intensität. Fähnrich Shengyin aus der Wissenschaft setzte jetzt mit der Panflöte ein. Virtuos fädelte sie die Töne aneinander, es klang nach Wald, Liebe und Geheimnis.
Fabièn achtete nicht mehr darauf was seine Füße taten; die Musik trug sie und ließ den Raum mal links-, mal rechtsherum um sie schweben. Jetsuns Antlitz schwebte vor ihm. Er wagte es nicht, irgendetwas zu sagen oder zu tun; aus Furcht, dass das kleinste Wort den Zauber zerstören würde. Ein oder zwei mal erwischte er mit seinen Schritten tatsächlich die Füße der Ärztin; er merkte es kaum. Ihre Haare waren wie dunkles Nussbaumholz. Weich und seidig schwangen sie im Takt der Schritte hin und her.
Doch schon mündete die Melodie in die letzte Wiederholung; nacheinander klangen die einzelnen Stimmen aus, bis ganz zuletzt ein letzter, klagender Geigenton in der Luft hing, endlos, wie es schien – und – aus.
Sie blieben auf der Tanzfläche stehen. Noch hingen ihre Blicke aneinander. Innerlich hatte Fabi das sichere Gefühl, dass er mindestens die nächsten vier Wochen brauchen würde, um die letzten drei Minuten vollständig zu verarbeiten.
„Danke“, flüsterte Jetsun.
„One, two, three, four“, zählte ein Mitglied der Band. Eine flotte Melodie setzte ein, gestützt von einem Wechselbass, bei dem einem die Füße zuckten. Der Zauber des Augenblicks verflog schneller als ein Traum im Wind.
„Ich glaub‘, ich brauch jetzt was zu essen“, verkündete der Franzose. „Du auch?“
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# Ort: USS Hephaistos, Holodeck II – ‚Topf voll Gold‘
# Zeit: SpD 13.1932
Fabi und Jetsun tanzen.
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**submitted by
Johannes aka Lt. Fabien LaGroille