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# Zeit: MD 96.2345
# Ort: Deck III.20 (Tertiäre Sektion)
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Sarah starrte die Frau verwirrt an. Irgendetwas stimmte mit ihr nicht. Oder sie versuchte sich einen mächtigen Spaß mit ihr zu erlauben. Vorsichtig nickte sie.
„In Ordnung!“ sagte sie dann. „Ich kann Lieutenant Jetsun Pema rufen, dass sie hierher kommt. Möchten Sie das?“ Wenn diese Frau keinen Ärger mit der CM bekommen wollte, müsste sie jetzt spätestens einknicken oder „April-April!“ rufen.
Doch zu ihrer noch größeren Verwirrung nickte diese Indianerin enthusiastisch. „Ja, bitte. Ich danke Dir sehr!“
Just in diesem Augenblick tauchte von links ein kleiner Zweiertrupp Marines auf, während von rechts der CSO ankam. Beide wirkten streng. Ganz offenbar stimmte hier wirklich ganz massiv etwas nicht.
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Massimo erblickte das Mädchen und erstarrte. Er kannte sie, er kannte dieses Outfit, aber es gehörte nicht in diesen Gang! Es war eine Holodeckfigur, etwas, was sich Jetsun ausgedacht hatte, wie sie erzählt hatte, aber auch in Arcadia und Reedale war dieses Mädchen schon so völlig anders gewesen, als die anderen Figuren aus dem Holodeck, die dort kleine Feen gewesen waren.
Als Jori um die Ecke bog, breitete sich ein sehr merkwürdiges Bild vor ihm aus. Zum einen standen dort zwei Frauen auf dem Gang: Eine in Sternenflottenuniform, eine andere mit einem sehr einfachen Gewand, das ihn irgendwie an etwas erinnerte, das er früher irgendwo schon mal gesehen hatte. Und dann kamen da noch zwei Mitglieder des Hazard Teams mit dazu. Zunächst blickte der CSO zu dem Crewmitglied, von dem er aber nur fragende Blicke erntete. Dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf die andere Frau. Irgendwie kam ihm diese auch vom Gesicht her bekannt vor, konnte sie aber nicht richtig zuordnen.
„Ist irgendetwas nicht in Ordnung, Sir?“ fragte Sarah und warf der seltsamen Indianerin einen misstrauischen Blick zu.
Bevor Jori etwas sagen konnte, entfuhr dem italienischen Marine der Name der Person, die gar nicht hier sein dürfte: „Nenii?“
Das Mädchen und alle anderen blickten zu dem Mann im leichten Körperpanzer, der nun seinen Helm abnahm und fortfuhr: „Aber… wie?“
Die junge Arapahoe-Jägerin brauchte einen kurzen Augenblick. Dann erkannte sie das Gesicht und den markanten Schädel mit den fehlenden Haaren. Das war der Freund von Jetsun!. Mit dem sie die Wanderung gemacht und auch in die furchtbare Höhle gestiegen war. „Massimo!“ Das war sein Name!
Sie spürte auf einmal, wie furchtbar angespannt sie war. Ohne sich weiter um die Geisterfrau hier zu kümmern, eilte sie dem Mann entgegen, beide Hände ausgestreckt.
„Massimo, Massimo… Wo ist Jetsun, bitte?“
“Staff Sergeant Aquilla?” Jori blickte verdutzt zu Massimo hinüber. “Sie wissen, wer das ist?” Er schaute die junge Frau etwas schief an.
Der Marine nickte: „Ja. Nur verstehe ich nicht…“, er wandte sich direkt an das Mädchen: „Wie bist Du hierher gekommen? Was ist passiert?“, wunderte er sich.
Nenii sah ihn an: „Ich habe die Hütte besucht, in der Jetsun in meine Welt kommt und dann habe ich gesagt, dass die Geister die Tür öffnen sollen und ich bin dann auf die Suche gegangen nach Jetsun.“
Jori blickte den Italiener zweifelnd an, aber dieses Mädchen stand nun einmal hier und war nicht zu übersehen.
„Nenii ist eine… Hologramfigur“, begann er eine Erklärung, „aber auch schon in der Anomalie war sie völlig anders als die anderen Hologramme. Ich verstehe das nicht.“
„Ich bin ein Mensch! Eine Jägerin des Volkes!“ protestierte die Arapahoe. Wieso verstanden die Geister das hier nicht? Oder war dieser seltsame Begriff für die Geister das, wie sie die Menschen des Volkes benannten?
Der Eska wünschte sich einen Trikorder mitgebracht zu haben. So blieb also nur mit der Fremden vor ihm zu reden und herauszufinden, was es mit ihr auf sich hatte.
“Ihr Name ist Nenii, richtig?” begann Jori schließlich vorsichtig zu fragen.
Die Indianerin blickte den Eska verunsichert an, wobei ihr Blick an seiner Stirn hängen blieb.
„Mein Name ist Neniitowuh’koohut. Das ist… ‚Runs Ahead‘ in der Sprache der Ve’hoé. Aber Jetsun, die Heilerin, sie nennt mich Nenii. Wie meine Freunde!“
“In Ordnung, ich verstehe…”, dabei warf der Eska Massimo einen fragenden Blick aus den Augenwinkeln zu. “Mein Name ist Jori…ich bin der Sicherheitschef dieses Schiffs…wissen Sie denn, wo Sie hier sind?”
Nenii schüttelte den Kopf. „Ich glaube, ich bin in der Welt der Geister. Aber hier ist kein Wald, wie da, wo ich Jetsun und Massimo getroffen habe.
Aber ich habe diese Höhle hier, aus Eisen und Licht, schon früher einmal gesehen. Als Jetsun mich wieder verlassen hatte, weil sie in ihre Welt zurückkehren musste.“
Nenii sprach ein gutes, wenn auch akzentuiertes Standard, so stellte Jori fest.
„Bitte… kannst Du mich vielleicht zu Jetsun bringen?“
Jori blickte Nenii einige Augenblicke schweigend an. Scheinbar kannte die junge Frau Jetsun und Massimo. Und auch Massimo schien sie kennen. Laut ihm handelte es sich bei Nenii um ein Hologramm. Dies schien ihr aber ganz offensichtlich nicht bewusst zu sein. Und wenn er es richtig verstanden hatte, dann schien sie selbständig das Holodeck verlassen zu haben.
“Nenii… ich hoffe, ich darf Sie so nennen… “ der Eska lächelte entschuldigend “…ich fürchte ihren richtigen Namen kann ich nicht fehlerfrei aussprechen. Sie sagten, sie hätten die Geister gebeten die Tür zu öffnen…was haben sie zu diesen gesagt?”
Nenii nickte entschieden. „Ja. Ich habe gelernt. Es sind zwei Bitten.
Zuerst sage ich: Computer, Ausgang! Und dann: Computer öffne den Ausgang.“
Sie lächelte glücklich, die Frage verstanden zu haben. Es war nicht immer leicht, da die Geister ebenso wie die Ve’hoé immer so gerne von sich und anderen in der Mehrzahl sprachen.
Massimo schüttelte den Kopf. Seit wann hörten Computer auf… nunja, Computerprogramme? Obwohl… das genau war ja deren Aufgabe. Nur weshalb hatte Nenii die Berechtigung, den Computer zu bedienen? Wie kam das alles?
Eins nach dem Anderen. Als erstes mussten sie mit Jetsun sprechen und dann… wer war für die Technik der Holodecks verantwortlich, für die Programmbibliotheken und die Emitter, die Energie und was alles daran hing? OPS und CING? Und vielleicht war auch jemand aus der Wissenschaft notwendig, um herauszufinden… nein, das ging jetzt zu weit. Eins nach dem Anderen.
Der Marine tippte auf den Kommunikator an seiner leichten Rüstung: „Aquila an Jetsun Pema.“
Es dauerte ein paar Sekunden, dann meldete sich die Ärztin: [„Massimo“], ihre Stimme hörte sich erfreut an, [„Was ist los?“]
„Nun, wir hatten vor kurzem gesprochen, dass wir Nenii besuchen wollten, also, bitte erschrick nicht, aber ich stehe hier in Gang… III.20-D, zusammen mit Jori Tainia und mit Nenii. Ich glaube, wir brauchen Dich hier.“
[„Mit… Nenii? Willst Du mich… äh… foppen?“]
„Jetsun, ich… nein, ich sage die Wahrheit. Moment…“
Er wandte sich an die Jägerin: „Bitte, sag etwas zu Jetsun, sie kann Dich hören!“
Nenii starrte den Marine verwirrt an. „Wie… wie kann sie mich hören? Wo ist sie denn?“
[„Nenii?!“] erklang jetzt Jetsuns Stimme.
[„Ich bin sofort da!“]
Jori war während des Wortwechsels an die Konsole an der Bordwand getreten und hatte einige Befehle eingetippt. //Normalerweise verhindern Sicherheitssperren, dass sich Holofiguren selbst aus dem Holodeck rauslassen konnten.// überlegte der CSO. Und genau das machte ihm jetzt ernste Sorgen, da er befürchtete, dass irgendetwas mit diesen nicht mehr stimmte. Er überflog nun die Ergebnisse seiner Anfrage: Bereits auf den ersten Blick konnte er sehen, dass die Holoemitter in diesem Bereich des Korridors aktiv waren und jede Menge Energie verschlangen. Außerdem wurde die Rechenleistung des Hauptcomputers der tertiären Sektion von einem einzigen Programm über Gebühr in Anspruch genommen. Er schüttelte den Kopf und blickte zu Nenii.
“Sie sagten, sie sind Jägerin?” fragte der Eska schließlich und hoffte, dass er damit das Wesen vor sich erst einmal beschäftigen und beruhigen konnte, bis Jetsun eintraf.
„Ja!“ nickte Nenii. „Ich… mein Bruder. Viele Jäger sind in meinem Stamm. Und auch Tsitsista… also Cheyenne. Und ein Ojibwe. Ah, und Lakota. Wir sind viele. Und viele Jäger. Ja. Ich bringe so Fleisch für alle nach Hause.“
Sie lächelte. „Aber nicht die letzten Tage. Da habe ich Jetsun getroffen. Das ist eine Aufgabe für mich. Sie bringt Ehre und Frieden für das Volk. Aber es ist leicht. Jetsun ist eine sehr liebe Geisterfrau. Ich habe sie gern.“
Sie blickte zu Massimo. „In Deiner Welt. In der Stadt im Wald. Da hast Du mitgeholfen. Du weißt es noch? Als der böse Mann mich mit der Peitsche schlagen wollte.“
Natürlich wusste Massimo das. Er nickte: „Und dann sind wir Fabi begegnet, im Wald, und dann in diese Feenwelt gegangen.“
Nenii lachte glockenhell. „Der Mann mit dem Bart?“
Massimo nickte erneut: „Ja, der hat uns den Weg gezeigt, wie wir zu den Feen kamen.“
Es war verrückt. Total. „Aber das hier“, der Italiener deutete auf die nächste Umgebung im Rund, „das hier ist die Welt, aus der wir wirklich stammen, Jetsun, Fabi und ich. Ich weiß nicht, ob Du Lieutenant Tainia begegnet bist, dem Wildhüter aus dem Wald? Er sah etwas anders aus dort.“
Nenii erinnerte sich nicht. Sie sah den Sicherheitsoffizier an. „Ich glaube, er… jemand, der so ähnlich aussah, war vor der Kirche? Als der böse Mann mit der Kutsche und der Peitsche da war.“
Massimo nickte: „Ja, er war da auch. Der böse Mann ist gestorben, er hatte einen Unfall, einen Tag später.“ – was der Grund war, weshalb Massimo nun einer der Leiter des Hazard-Teams war. Diese andere Welt war verrückt genug gewesen. Die OPS als unterdrückte Ehefrau seines Lieutenants, der seinen Sadismus an allen dort ausließ. Nichts davon war so, wie hier. Aber er hatte dort Jetsun gefunden und sich in sie verliebt.
Hoffentlich kam sie bald und könnte dazu beitragen, das Rätsel zu lösen.
Schnelle Schritte erklangen, so als ob jemand den Gang entlang gelaufen kam. Dann kam Jetsun in Sicht. Mit wehenden Haaren in ihrer Scant-Uniform aber, natürlich, nicht ohne ihren Rachu, den bhutanischen Schal, den sie mit einer Hand festhalten musste.
„Massimo! Jori! Nenii!!!“
Mit einer Hand ergriff die CM die Hand des Marines, mit der anderen umarmte sie die Arapahoe-Jägerin, die sich fast sofort in ihre Arme geworfen hatte.
Ein wenig hilflos blickte der Marine zwischen Frau und Mädchen hin und her, um sich dann an Jori zu wenden: „Ich weiß wirklich nicht, wie das passiert ist.“
Der CSO hatte sich inzwischen alles auf dem Wandterminal genau angesehen und versuchte sich zusammen zu reimen, wer und was Nenii war.
Die Werte auf dem Terminal zeigten nun deutlich, dass die beanspruchte Rechenleistung seit dem Eintreffen von Jetsun deutlich runter gegangen war. Ganz offensichtlich hatte Jetsun einen gewissen Einfluss auf Nenii…oder diese Holofigur…
Leise wandte sich Jori an Massimo: “Ich fürchte, dass weiß zur Zeit niemand. Ich frage mich nur, ob wir es gerade mit einem ernsten Problem für das Schiff zu tun haben. Der Energieverbrauch der Holoemitter ist enorm und ihr Programm belegt einen beträchtlichen Teil des tertiären Hauptcomputers…”
Jetsun hatte nichts von dem mitbekommen. Sie hielt die Jägerin noch fest in ihren Armen und hatte mit ihr ein paar liebe Worte gewechselt. Jetzt sah sie auf.
„Können wir vielleicht in mein Quartier gehen?“ fragte sie. „Oder gibt es noch etwas zu klären?“
Massimo war sich nicht sicher, ob das überhaupt funktionieren würde. Und ob das Quartier die richtige Umgebung war. Sicher, es gab überall Holoemitter und auch in Jetsuns Quartier, wie der kürzliche Besuch der Chefingenieurin deutlich gezeigt hatte. Aber würde das mit Nenii funktionieren?
„Werden die Holoemitter das mitmachen? Jetsun, Nenii ist immer noch ein Holodeckkonstrukt, funktioniert das? Und… die Rechenleistung ist anscheinend…“, er blickte zu Jori, der auf den Wandschirm sah, auf dem die Leistung, nun, wo Jetsun hier war, auf beinahe normale Werte gefallen war, „…wieder gesunken jetzt?“
“Nenii, du sagst, dass du von deiner Welt in unsere gekommen bist?” wandte sich Jori nun an die junge Jägerin.
Diese nickte ihm mit einem breiten Lächeln zu.
“Dann würde ich vorschlagen, dass wir erst einmal dorthin zurückgehen…” Jetsun blickte Jori überrascht an. “Dieser _Ort_ hat eigene Systeme, die zum Teil mit höherer Kapazität ausgelegt sind… das wäre sicherer, für das Schiff… und Nenii.”
„Ich verstehe das nicht!“ meinte Jetsun. „Die Holoemitter hier sind doch für ganze Heerscharen von Sicherheitsleuten ausgelegt, oder? Oder liegt es an der gegenwärtigen Situation des Schiffes, dass das nicht geht?“
“Das ist richtig, dass die Emitter einige verschiedene Hologramme gleichzeitig erzeugen können, aber nicht bei weitem von dieser Komplexität.”
„Oh!“ machte Jetsun und wurde rot. „Das, äh… ist vielleicht meine Schuld.“
Der CSO blickte Jetsun nun fragend an, beschloss aber, das später zu hinterfragen. Wieder warf er einen Blick auf den Energieverbrauch und die Rechenauslastung des Computers. Er atmete einmal tief aus. So wie es aussah, hatte Jetsun einen _beruhigenden_ Einfluss und damit auf den Ressourcenverbrauch des Holoprogramms. Vielleicht wäre es tatsächlich keine so schlechte Idee, Nenii zu Jetsuns Quatier zu bringen…sofern dieser weiterhin auf diesem Niveau blieb.
“Also gut, wir können auch zu deinem Quartier gehen, Jetsun, und von dort weitersehen. Allerdings nur, wenn der Ressourcenverbrauch auf diesem Niveau bleibt…sonst brechen wir ab und bringen Nenii zurück auf das Holodeck, einverstanden?” er blickte zu Jetsun, sah aber den verwirrten Blick der jungen Jägerin aus den Augenwinkeln. “…also ich meine, dass wir dich sonst in deine Welt zurück bringen…”
Massimo überlegte. Hatte es da nicht irgendwann einmal einen Fall gegeben, dass ein Holodeckprogramm Bürgerrechte erlangt hatte? Da war irgendwas mit einem mobilen Emitter einer anderen Spezies, einer fremden Macht oder so etwas gewesen. Nun, es gab verrücktere Dinge. Magie zum Beispiel in einer Anomalie.
Der Marine fiel ins Persönliche: „Jori, kommst Du mit uns?“ Der nickte. Nenii blieb an Jetsuns Hand geklammert, sie verstand nicht wirklich, was hier vor sich ging. Und wenn Jetsun ehrlich zu sich selbst war, verstand sie auch nicht, was hier passierte. Aber sie war froh, Nenii zu sehen und zu sehen, dass es ihr gut ging.
Massimo verabschiedete seinen Kameraden und drückte diesem den Helm in die Hand. Den Rest der Rüstung würde er später zurückbringen, wichtig war jetzt einzig und allein Jetsun und die Klärung der Umstände des Erscheinens ihres Programmes in den Korridoren der Hephaistos.
Auch Jori entließ Sarah, die still staunend die ganze Zeit mit dabei gestanden hatte.
Das seltsame Quartett ging den Gang in Richtung Turbolift, in dem, das wussten alle, ebenfalls Holoemitter waren. Ansonsten hätte es ein Problem gegeben.
Jori behielt sein PADD im Auge, auf das er sich die Energiedaten und Rechenlast der lokalen Recheneinheiten übertragen hatte. Massimo ging voran und Jetsun mit Nenii an der Hand folgten dem Marine.
Und dann, kurz vor Erreichen des Turboliftes stieß Nenii plötzlich einen gellenden Schrei aus und sprang fast aus dem Stand einen Satz rückwärts. Jetsun, die die Jägerin an der Hand gehalten hatte, sah sich völlig verwirrt… und dann entsetzt um!
Neniis rechte Hand war wie mit einem Messer inmitten des Handtellers abgetrennt. Blut schoss aus der Wunde hervor und spritzte auf den Boden, wo es teilweise einfach verschwand, an einigen Stellen aber liegenblieb. Hier gab es eine klare Trennlinie.
Jetsun und Massimo, als ausgebildete Ärztin und Rettungssanitäter, waren wie der Blitz an Neniis Seite. Massimo hielt den verletzten Arm und Jetsun nahm behutsam die Hand des Mädchens, um die Verletzung zu untersuchen, als wie von Geisterhand die eben noch abgetrennte Hand wieder erschien. Nenii, die das ganze nicht begriff, schluchzte immer noch herzzerreißend. Jori, der auch gern helfen wollte, aber hier das dritte Rad am Wagen wäre, starrte ebenso verwirrt auf die Hand des Mädchens.
„Was… war das denn hier?“ fragte Massimo.
Jori hatte plötzlich eine Idee. Er tippte kurz ein paar Befehle in die nächste Wandkonsole, dann deutete er in die Marschrichtung: „Da ist ein dysfunktionaler Emitter. Das Mädchen muss mit seiner Hand da hineingeraten sein.“
„Aber… sowas… diese Verletzung… das habe ich noch nie erlebt!“ Massimo sah immer noch ziemlich verwirrt drein. Dann hatte auch er eine Idee. Er griff in seine Tasche und holte ein kleines Gefäß hervor und nahm eine Probe des Blutes, was noch immer auf dem Boden schillerte. „Das will ich jetzt wissen!“ meinte er.
Nenii hatte sich inzwischen wieder beruhigt. Mit noch etwas zittriger Stimme drückte sie sich an Jetsun. „Danke! Danke, Heilerin!“ keuchte sie. Jetsun sah Massimo ein wenig hilflos an, dann streichelte sie dem Mädchen den Rücken. „Ist schon gut. Ist alles gut!“
Dann an Jori: „Kannst Du einen anderen Weg finden? Oder müssen wir umkehren?“
Jori schaute sich den Lageplan des Decks an. “Ich denke, wir sollten noch einen anderen Weg finden, Moment.” Während der Eska nach einer sicheren Route suchte, blickte er auf den Ressourcenverbrauch von Neniis Programm. Dieser war für kurze Zeit enorm in die Höhe geschossen – wohl genau in dem Moment, als sie ihre Hand verloren hatte. Jetzt war dieser aber wieder deutlich abgesunken. Er hoffe, dass keine dieser Spitzen den Hauptspeicher des Computers übersteigen würde. Die Reserven sollten eigentlich ausreichen. Eigentlich!
“Ok, ich habe eine sichere Route gefunden. Ist zwar ein Umweg, aber dafür sollte es auf dem Weg keine defekten Emitter geben…”
Massimo nickte, er war sich unsicher, ob das alles eine gute Idee war. Ein defekter Emitter, der solche Wunden verursachte? Was würde passieren, wenn die Energie plötzlich zusammenbrach? Das Mädchen, war sie einfach nur ein Programm im Computer? Der Geist in der Maschine? Ein wenig hatte er Angst, was passieren könnte. Er mochte Nenii, er hatte sie als Mensch angesehen, als er sie kennenlernte und hatte ihr beigestanden gegen die Grobheiten eines Fieslings, ohne zu zögern. Jetsun war das Mädchen ebenfalls sehr wichtig. „Na gut, versuchen wir es. Können wir ausschließen, dass so etwas noch einmal passiert?“
Jori sah sich noch einmal die Daten an. Er kontrollierte den Status der Holoemitter auf dem Weg. Dort schienen alle online und in Ordnung zu sein, es deutete nichts auf weitere Problem hin. „Ich denke schon. Alles im grünen Bereich.“
Nenii hatte sich ein wenig gefangen, hielt sich aber noch immer an der Heilerin fest. Letztere sah zu Massimo. Der nickte: „Folgen wir dem Lieutenant.“
Dieser blieb stehen und sah zu der Jägerin. „Nenii,“ fragte er sie dann und lächelte dabei lieb. „magst Du mir vielleicht einen Deiner Pfeile geben?“
Die Arapahoe schaute verwirrt zurück, nickte dann aber und zupfte einen ihrer etwa 80cm langen Pfeile aus ihrem Köcher und reichte ihn dem Eska. Der schaute sich die Spitze kurz an. Der Feuerstein war messerscharf und die Spitze mit nassen Lederriemen am Schaft befestigt. Beim Trocknen hatte sich das Leder zusammengezogen und so saß die Spitze bombenfest am Schaft. „Eine gute Arbeit!“ lobte er lächelnd und nahm den Pfeil dann am gefiederten Ende, wobei er die Federn nicht zusammendrückte. Dann gingen sie weiter.
Jori hielt dabei den Pfeil wie einen Tast- oder Zeigestock vor sich. Sollten sie in einen Bereich geraten, wo entgegen seinen Erwartungen ein Emitter doch eine Fehlfunktion aufwies, würde er es an dem Pfeil zuerst merken. Nenii würde so vor weiteren Verletzungen bewahrt bleiben.
Diese Idee war sehr gut. Massimo dankte Jori, ein einfaches Warnsystem, das ihnen zeigen würde, wohin Nenii gefahrlos gehen konnte. Noch immer hatte er keine Vorstellung davon, was genau Nenii nun eigentlich war. Sie war ganz sicher ein holografisches Konstrukt, aber sie handelte und reagierte menschlich, nicht wie die Holodeckfiguren, die zwar auch auf das reagierten, was man selbst machte oder sagte, aber nur in ihrem speziellen Handlungsrahmen. Der Schmerz, die Hand, das war echt gewesen. Nicht einfach die Reaktion eines Computers.
Langsam ging das kleine Grüppchen durch weitere Gänge. Der Pfeil zeigte keine weiteren Probleme und auch Nenii hatte sich gefangen, auch wenn sie noch immer die Nähe Jetsuns suchte und sich eng an sie hielt.
Die Tür zu Jetsuns Quartier öffnete sich und beinahe hätte Jori den Damen den Vortritt gelassen, erinnerte sich dann aber an den Pfeil in seiner Hand und trat als Erster ein.
Der Übergang von Gang zum Quartier machte dem Pfeil nichts aus und so entschied Jori, dass es für das Holomädchen sicher war. „Ihr könnt eintreten“, begann er und wollte einen Schritt vorwärts gehen, wobei er beinahe über eine ihm in den Weg huschende Katze gestolpert wäre. Die setzte sich direkt vor ihn, blickte aber an ihm vorbei auf die Frau, die hinter ihm stand: „Ma-Ma“, miaute sie.
„Hey Sissi, Du musst aufpassen, wo Du hin läufst“, gab der italienische Marine in Richtung des Fellbündels zu verstehen.
Das Kätzchen schien zu nicken: „Ma-Mo“, miaute es, um sich dann etwas weiter an den Rand zu begeben.
Massimo schmunzelte. Auch er und die Damen traten ein.
Jori sah ein wenig perplex auf die Kätzin, dann aber zu Jetsun, Nenii und Massimo, die keinerlei Verwunderung über die Laute des kleinen Pelztieres zeigten. Dann war das wohl normal?
Er wandte sich an die Arapahoe: „Dein Pfeil. Vielen Dank, dass Du ihn mir anvertraut hast.“
Das Mädchen neigte den Kopf: „Vielen Dank, dass Du ihn für mich getragen hast.“ Feierlich nahm sie ihr Eigentum zurück und steckte es in den Köcher.
„Massimo, kommst Du mit, den Bericht schreiben?“, fragte Jori, doch der verneinte: „Ich glaube ich möchte noch etwas hier bleiben“, der Blick, den er auf Jetsun warf, war deutlich und Jori nickte: „Gut, dann morgen früh, Null Achthundert.“
Der Italiener bestätigte: „Ich komme in Dein Büro.“
„Gute Nacht“, verabschiedete sich der CSO in die Runde und wartete nur kurz auf die Antworten der Anderen, bevor er Jetsuns Quartier verließ.
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<SUM>
# Zeit: MD 96.2345
# Ort: Deck III.20 (Tertiäre Sektion)
CSO und Marine treffen fast zeitgleich bei der holographischen Arapahoe-Jägerin ein. Diese erkennt Massimo und dann auch Jori und bittet beide, sie doch zu Jetsun zu bringen.
Massimo erkennt das Mädchen aus Reedale, ist sich aber sehr unsicher, ob es vielleicht ein Sicherheitsproblem mit dem Holodeck gibt. Auch Jetsun wird dazugerufen und man entschließt sich, das Mädchen tatsächlich in Jetsuns Quartier zu bringen.
</SUM>
submitted by
Isi, Oli, Sven
aka
Nenii und Jetsun, Jori, Massimo