So… Selene kommt an Bord.
(dies RPG geht auch an die USS Galathea)
<RPG>
# Ort: Thyene, Myzen, Tempel der Göttin Aletheia
# Zeit: MD 14.1600 (Bordzeit USS Hephaistos)
Es tat doch irgendwie gut, mal wieder Zivilkleidung zu tragen. So angenehm ihre Dienstuniform auch auf der Haut lag, so schön war es einmal, diese weiten, wallenden und luftigen Gewänder aus gelockerter Seide zu fühlen. Es war, als ob man nur in eine Wolke gehüllt war. Selene nahm sich vor, von diesen Gewändern bestimmt mindestens ein Dutzend mit in ihr Exil zu nehmen.
Exil. Manchmal kam es ihr so vor. Natürlich wusste die junge Offizierin, dass dem nicht so war. Es war ja sogar eine Ehre für sie und für die ganze Familie. Doch ebenso wie ihre Leute fühle sich die junge Kikonin hin- und hergerissen. Niemand ihres Volkes, der noch ganz bei Trost war, wollte seine Heimat gern verlassen. Wo anders konnte es denn noch schön sein? Wo anders schmeckte die Luft so satt und süß, wo anders war die Farbe des Himmels so klar und wo anders war das Wasser so rein und grün? Nur hier, auf der Welt der Götter. Ach, manchmal fürchtete Selene sogar, dass sie sich außerhalb der Reichweite der Arme Aletheias begab. Was, wenn die Göttin sie nicht mehr in ihre gefiederten Arme nehmen konnte um sie zu beschützen?
Doch natürlich würde sie dennoch gehen. Es war ja nur für eine gewisse Zeit. Und es war auch furchtbar wichtig. Das neue Bündnis mit der Föderation würde hoffentlich Thassos davor bewahren, von den Klingonen übernommen zu werden. Selene würde alles dafür tun, damit ihnen ein solches Schicksal erspart werden würde. Und wenn es dazu notwendig war, ein paar Jahre unter Barbaren zu leben, dann war das eben so.
Am Vormittag war sie zusammen mit all ihrer Leuten in den Tempel gegangen und hatte gebetet. Selene war immer schon sehr religiös gewesen. Anders als viele Kikonen nahm sie auch heutzutage ihren Glauben sehr ernst. Sie hatte einen Krug Milch als Opfer mitgebracht und freute sich, als dieser durch die Hohepriesterin gesegnet und dann mit nach hinten genommen wurde. Natürlich wusste sie, dass die Milch unter der Priesterschaft und den jungen Akolythinnen getrunken wurde. Doch das Opfer war deshalb nicht weniger ein Opfer. Die Göttin selber trank die Milch nicht, freute sich aber sehr wohl über solche Aufmerksamkeiten. Und viele der jungen Akolythinnen kamen aus bescheidenen Familien und konnten sich nicht unbedingt solche Leckereien leisten. Selene fand das beschämend und war daher mehr als zufrieden dass die Prinkipax den Glauben ihrerseits stärkte, auch wenn man sie selber eher selten im Tempel antraf.
Nach der Feierstunde hatten sie die Hohepriesterin noch angesprochen und sie um ein Gespräch gebeten. Glücklicherweise hatte diese sich die Zeit genommen, was möglicherweise dem Ansehen der Familie Loutra geschuldet war. Auch wenn sie nicht zum Hochadel zählten, so war ihre Nähe zum Tempel doch von Wert. Und so war Selene zusammen mit ihrer Mutter hinauf auf die Dachterasse der Hohepriesterin gestiegen und hatten es sich dort zusammen unter einem luftigen Baldachin bequem gemacht.
„Agia Mitera,“ sprach Medea, Selenes Mutter die Hohepriesterin dann mit ihrem Titel an.
„Wir bitten um den speziellen Segen der Göttin, denn meine Tochter tritt eine lange Reise an und bedarf dabei sicherlich deren göttlichen Beistand.“
„Oh,“ sagte die Hohepriesterin, eine Frau Anfang 60, jedoch mit einem erstaunlich frischem Aussehen. Sie konnte ihr luftiges aber farbenfrohes Gewand ausgezeichnet tragen.
Sie sah Selene an. „Wohin soll es denn gehen?“
„Agia Mitera, ich werde für einige Jahre mit dem Sternenschiff der Föderierten reisen und in ihren Reihen Dienst tun. Ich wurde von unserer Prinkipax ausgewählt, um als Vertreterin unseres Volkes als Austauschoffizierin dort Dienst zu tun.“
„Richtig!“ meinte die Hohepriesterin. „Du bist ja Offizierin der Systima Amynas. Und jetzt wirst Du Thassos verlassen und weit hinaus in die Galaxis gehen?“
Sie seufzte mitfühlend. „Das ist eine mutige Tat. Bist Du dazu bereit?“
„Ich hoffe es, Mitera. Doch ja, ich bin überzeugt davon. Aber ich wünsche mir dazu den Segen und den Beistand Aletheias.“
„Das verstehe ich gut. Nicht viele Kikonen wäre dazu in der Lage, noch weniger bereit.“
Sie lächelte. „Doch sei sicher. Dein heutiges Opfer wurde freudig angenommen. Und dabei wusste ich nicht einmal, wofür Du es gebracht hattest. Dennoch will ich Dir gern den Segen geben.“
Sie zwinkerte Selene zu. „Es gibt sogar einen großen Reisesegen. Er wird kaum noch gespendet, höchstens noch unter den wenigen Außenhändlern. Allerdings auch da eher selten. Aletheia ist unter ihnen eher selten vertreten. Schade eigentlich. Nun, auch andere Göttinnen haben ihre Aufgaben.
Komm. Auch Du, Medea. Wir wollen ins Adyton (= Allerheiligste) gehen.“
Sie schritt voran und Selene und Medea folgten ihr.
Unten, im Adyton knieten die drei Frauen vor einer fast vier Meter hohen Status aus Oricalk, die eine nackte Frau darstellte, deren Arme wie die Schwingen eines Greifvogels mit langen Federn bestückt war, schützend ausgebreitet hielt. Selene war hier im Allerheiligsten bisher nur zweimal gewesen. Einmal als kleines Kind bei ihrer heiligen Vaptisma bei der sie in Alatheias Gemeindschaft aufgenommen wurde. Und dann noch zur Feier der Syntonismos ton neon, als sie zur Frau wurde.
Es war nur eine kleine, fünfzehnminütige Feier, doch Selene war sehr ergriffen. Am Ende schenkte die Hohepriesterin ihr ein Amulett, welches im Grunde eine exakte Kopie der großen Statue war. Dazu ein kleines Holztäfelchen auf dem ein Spruch eingraviert war:
Herrin, am Beginn meiner Fahrt bitte ich dich: Sei mir nahe und umgib mich mit deinem Schutz.
Bewahre mich davor, dass ich andere oder mich selbst in Gefahr bringe. Schenke mir Umsicht und Geistesgegenwart und führe mich sicher ans Ziel.
Selene verbeugte sich tief und dankte der Hohepriesterin. Medea überreichte ihr dann noch einen Umschlag, in den die Hohepriesterin dann ein wenig neugierig hineinlugte. „Oh!“ machte sie und sah ein wenig erschreckt auf. „Eromeni Medea, das ist… äußerst großzügig. Seid ihr sicher, dass ihr das wollt?“
„Ja, Agia Mitera. Ich möchte ein Opfer bringen für meine Tochter. Und ein Opfer muss auch ein Opfer sein, nicht wahr?“
„Dann danke ich dafür. Die Göttin segne Geber und Gabe. Komm. Dann will auch ich euch… Dir, Selene, etwas geben, was Dir auf Deiner Reise eine weitere Hilfe sein kann.“
Sie gingen wieder hinauf in die Privatgemächer der Hohepriesterin, wo diese eine Art Köfferchen von rund vierzig Zentimetern Länge hervorkramte.
„Dies ist mein erster Reisealtar. Ich habe ihn jetzt bestimmt seit fast vierzig Jahren, doch ich habe ihn gefühlte Ewigkeiten nicht mehr genutzt. Eigentlich ist das jammerschade, denn er ist wirklich sehr schön und viel zu schade, immer nur im Regal zu stehen.“
Gedankenvoll strich die Hohepriesterin über das Holz.
„So etwas Schönes wird heutzutage nicht mehr hergestellt. Jedenfalls ist das meine Ansicht.“
Sie überreichte ihn Selene, die ihn leicht unter Schock stehend annahm.
„Ich bin sicher, Selene, dass Du an Bord des Föderationsschiffes einen schönen Platz dafür findest. Das Hologramm der Göttin passt sich selbsttätig der Größe des Raumes an. Und wenn Du mich in Dein Gebet einschließen würdest, wäre ich Dir sehr dankbar.“
Selene musste mehrmals schlucken um wieder klar sprechen zu können.
„Danke, Agia Mitera. Ich… kann Dir gar nicht sagen, wie dankbar ich Dir bin.“
„Du musst mir nicht danken. Ich freue mich, dass dieses schöne Stück endlich wieder einer sinnvollen Verwendung zugeführt wurde.“ Sie sah Selene lächelnd an. „Das ist doch auch schon beinahe Fügung, nicht wahr?“
# Ort: Thyene, Myzen, Hauptquartier der kikonischen Systemverteidigung (Systima Amynas)
# Zeit: MD 15.1100 (Bordzeit USS Hephaistos)
Anthipopliarchix Selene hatte den Befehl bekommen, sich um punkt 11 Uhr Systemzeit im Hauptquartier der Systima Amynas, der kikonischen Systemverteidigung einzufinden. Das war insofern ein wenig ungewöhnlich, da sie selber ja eigentlich noch Planitiki Asfaleia, der planetaren Sicherheit angehörte. Aber einen Befehl, der von Yevirax Sikaar Numaris Adaia atto Tyre kam, stellte man nicht in Frage. Und so fand sie sich fünf Minuten vor der Zeit im Vorzimmer der Oberkommandierenden ein und wurde angewiesen, bitte Platz zu nehmen und zu warten.
Auf die Sekunde pünktlich wurde sie dann aufgefordert durchzutreten und sich im Dienstzimmer der Nafarchix (Admiralin) Adaia zu melden. Dabei wurden ihre Knie plötzlich butterweich, als sie feststellte, dass auch noch zwei weitere Offizierinnen zugegen waren. Sowie auch die Prinkipax und die Atrexa. Himmel! Gut, dass sie sich besonders viel Mühe gemacht hatte mit ihrer Schminke und ihrer Uniform.
„Anthipopliarchix Selene,“ krächzte sie. „Ich melde mich wie befohlen!“ Und führte zum militärischen Gruß ihre Hand flach vor die Brust.
„Stehe bequem, Selene!“ erwiderte Nafarchix Adaia den Gruß.
„Ich bin sicher, Du fühlst Dich im Augenblick ein wenig… überfordert. Hier, im Kreis solch erlauchter Personen. Doch bitte, dies ist nur ein ganz klein wenig offiziell…“
Hier wurde sie von der Atrexa Diomeda unterbrochen, die den Satz doch lieber selber vollenden wollte:
„Tatsächlich war es vor allem meiner Neugier geschuldet, dass wir hier sind, Deine Prinkipax Lysikia und ich. Ich wollte einfach unsere erste Austauschoffizierin kennen lernen, die unser Volk und unser Reich in der Föderation vertreten wird.“
Selene hatte die Atrexa bislang nur im Rundfunk gesehen. Bei Ansprachen, wichtigen Veranstaltungen oder beim alljährlichen großen Segen. Sie hatte einmal an einer besonderen Parade teilgenommen, doch als junge Offiziersanwärterin als die sie an der Tribüne vorbei marschierte, hatte sie schlichtweg nichts erkennen können und war nur heilfroh gewesen, als alles vorbei war.
Nafarchix Adaia übernahm wieder das Wort.
„Dies ist Deine Oberkommandierende, Stratigix (Generalin) Phyllis von der Planitiki Asfaleia. Und dies ist Pterarchix (Reichsführerin) Fuxia der Froura (= Garde).
Bitte, steh weiterhin bequem!“
Selene nickte und zwang sich, ihre leicht verkrampfte Haltung aufzugeben und nahm die vorgeschriebene Haltung des angeblich bequemeren Stehens ein.
Prinkipax Lysikia lachte leise auf und meinte dann: „Ach, beginne wir doch lieber mit dem offiziellen Teil. Danach können wir es uns dann ein wenig gemütlicher machen, ja?“
„Natürlich!“ Atrexa Diomeda nickte der Prinkipax zu und wandte sich dann Selene zu.
„Du, Selene, bist die erste von insgesamt fünf Austauschoffizierinnen, die wir in die Föderation entsenden. Die anderen werden zu einem etwas späteren Zeitpunkt gehen. Du aber wirst schon in den nächsten Tagen mit der Hephaistos, dem Föderationsschiff hier, aufbrechen. Mit Dir werden die ersten Vertreter einer neuen Botschaft reisen, die wir auf der Erde einrichten wollen. Du aber wirst ja nicht zur Erde gehen sondern auf ein anderes Schiff mit dem Namen Galathea. Was genau dort Deine Aufgabe sein wird, wird die die Kommandantin der Galathea mitteilen.“
Sie machte eine Pause.
„Wir haben uns überlegt, wie wir mit Dir umgehen wollen. Schau, Dein Dienstgrad ist der einer Anthipopliarchix. Das ist absolut angemessen für eine Austauschoffizierin. Wir können keine Frau entsenden, die zu hoch im Range steht, da wir die föderierte Kommandantin damit möglicherweise beschämen könnten. Eine Offizierin aber muss es sein. Daher bist Du als Anthipopliarchix perfekt für diese Aufgabe.“
Selene nickte, tatsächlich ein ganz klein wenig enttäuscht. Ein höherer rang wäre schon schön gewesen.
„Andererseits möchten wir, dass die Vertreterin des kikonischen Reiches schon etwas herausragt aus unserem Volk. Wenn dies nicht über den Dienstgrad geht, dann muss es eben anders gehen. Allerdings stehen uns hierfür auch nur sehr begrenzte Wege zur Verfügung. Wir haben dank unserer Prinkipax Lysikia einen neuen Adelstitel, den einer Pera. Eine Pera ist ein Titel, der aufgrund besonderer Verdienst erteilt wird. Er ist nur für eben diese Person gedacht, nicht erblich und nicht auf die Familie ausgedehnt. Aber er ist auch ein niederer Adelstitel. Damit wäre Dir nicht geholfen.“
Sie machte eine kurze Pause.
„Daher haben wir uns mit allen Prinkipaxii besprochen und einen Ehrentitel ins Leben gerufen. Du wirst die erste sein, die diesen erhält. Knie nieder!“
Selene wurde kalt, ein sicheres Zeichen, dass ihr Kreislauf gerade in den Keller ging. Von daher war es gar nicht so schlecht, dass sie sich jetzt hinknien musste. Wie vorgeschrieben ging sie auf die Knie und legte beide Hände vor sich auf den Boden. Wäre sie keine Offizierin, hätte sie jetzt noch die Oberarme flach legen müssen und den Kopf darauf. Das ging jetzt leider nicht.
Atrexa Diomeda legte beide Hände auf Selenes Scheitel.
„Anthipopliarchix Menodora Nikitidis Selene atto Loutra. Hiermit übereigne ich Dir den Ehrentitel einer Eroika! erhebe Dich, Eroika Menodora Nikitidis Selene atto Loutra.“
Das gelang Selene tatsächlich erst im zweiten Anlauf. Dann stand sie ein wenig unsicher vor ihrer Atrexa.
„Dieser Titel, Selene, erlaubt es Dir, Dich in der Öffentlichkeit zu benehmen und zu kleiden wie eine Dame aus dem Hochadel. Du hast freien Zugang zu allen öffentlichen Einrichtungen wie Parks, Bäder oder Ausstellungen. Und Du hast Anspruch auf die entsprechende Behandlung durch alle anderen Kikonen. Bedenke, dies ist ein Ehrentitel. Hier geht es um Ehren, die Dir zuteil werden. So!“
Die Atrexa ließ sich durch Prinkipax Lysikie einen edlen Ring geben, den sie Selene auf den Zeigefinger steckte. Dann nahm sie noch ein Objekt entgegen, das ein wenig an einen Serviettenring erinnerte. Sie streckte die Hand aus und löste Selenes Ippos von ihrem Peril, den hauchdünnen Schal, der durch einen Ring gezogen an dem metallenen Kragen befestigt war und der ihre Brüste bedeckte. Den Schal fädelte sie durch diesen Ring hindurch und befestigte ihn dann wieder am Kragen. Dann lächelte sie.
„Dies nennt man Dachtylidi, oder einfach kurz Tylidi. Eingearbeitet in diesen Tylidi ist das Ehrenzeichen der Eroika, welches Du nun berechtigt bist an der Uniform zu tragen. Du kannst es ganz oben tragen, wie es jetzt der Fall ist, jedoch bist Du nun nicht mehr in der Pflicht, mehr Dich so zu verhüllen. Daher würde ich Dir empfehlen, das Tylidi eher so zu tragen!“ Und sie zog den breiten Ring wie einen Kordelstopper am Stoff des Schals herunter bis zwischen Selenes Brüste, welche nun offen und nackt prangten.
Die Atrexa trat dann zwei Schritte zurück und musterte Selene.
„Ja, das steht Dir bedeutend besser, Eroika!“
„Dem stimme ich zu,“ pflichtete Prinkipax Lysikia zu.
„Doch kommen wir zu praktischeren Dingen. Pterarchix Fuxia?“
„Jawohl Eromeni.“ Die Reichsführerin der Palastgarde trat vor. Sie war eher klein und trug eine braune Mähne, die durch ein einzelnes Band kaum gebändigt wurde.
„Atrexa Diomeda hat mit befohlen, Dich sachgemäß auszustatten, damit Du in der Lage bist, Dich in der Föderation bei gewalttätigen Auseinandersetzungen optimal zu verteidigen. Gib mir Deine Sfaliarai!“
Selene nickte und legte ihre breiten Unterarmbänder ab und übergab sie der Pterarchix. Diese reichte ihr zwei andere, die ähnlich aussahen, jedoch eben nur ähnlich.
„Links Defensiv, recht offensiv. Merk Dir das!“ erklärte Pterarchix Fuxia. Selene merkte, dass diese Frau ihre Ausrüstung ausgezeichnet zu kennen schien, jedoch nicht gewohnt war, sie erklären zu müssen. Sie kam sich ein wenig wie eine Rekrutin vor.
„Hier links hast Du die Kontrolle Deines Schirmfeldgenerators. Du kannst die Stärke wie gewohnt justieren. Auf die schwächste Stufe gestellt wirst Du vor Regen und Kälte behütet. Du könntest Dich so in einen lauen Landregenschauer stellen ohne nass zu werden. Oder oben am Pol stehen ohne zu frieren. So verbraucht der Schirm kaum Energie und würde ewig halten.
Auf höchste Stufe gestellt, hält er starke Energie- und Projektilwaffen ab. Und damit meine ich starke!“
Sie zeigte auf einen anderen Schieber, der wie der erste eben wunderbar in die Verzierungen eingearbeitet war. „Wogegen der Schirm nicht hilft ist der direkte kinetische Impact. Wenn Du von einer Brücke stützt, würdest Du zwar nicht zerschellen, wohl aber durch den Aufschlag sterben. Unversehrt, aber tot. Nun, wenigstens wärst Du eine hübsche Leiche.
Dagegen hilft der Trägheitsdämpfer hier. Kinetische Energie wird direkt abgelenkt. Achte darauf, dass direkt in deiner Nähe stehende Kameradinnen davon betroffen werden. Ich weiß nicht, ob die Föderation derartige Abwehrmaßnahmen haben. Denke also daran. Ach, und mit aktiviertem Trägheitsdämpfer kannst Du dann auch beruhigt von der Brücke springen. Du würdest unten ankommen kaum schneller als wenn Du aus zwei Meter Höhe springen würdest.“
Dann hob sie Selenes rechten Arm an.
„Das ist eine starke Phasenwaffe. Sie entspricht, nach allem, was ich weiß, den Phasern der Föderation. Ihre Leistungsstärke kann eingestellt werden. Hier! Bei geringer Leistung wird das Nervensystem der Ziele beeinträchtigt und führt zu unkontrollierten Muskelnbewegungen und zu Ohnmacht. Bei stärkerer Leistung kommt es zu Verbrennungen oder zu Desintegration des Zieles. Sei also vorsichtig. Aktiviert wird die Waffe so!“ Fuxia tippte auf einen versteckten Taster und aus der Unterseite des Armbandes schnellte ein Teil vor, welches Selene gut mit ihren Fingern umfassen konnte.
„Wichtig noch,“ fügte Fuxia an, „In Gefahr einfach beide Armbänder zweimal schnell aufeinanderfolgend gegeneinander schlagen. Dann wird bei der Offensiv- und der Defensivwaffe jeweils die höchste Leistungsstufe aktiviert. Das für Gefahrensituationen, wo Du schnell handeln musst und nicht lange überlegen kannst.
Verstanden?“
„Ja, Eromeni.“ nickte Selene.
„Darf ich fragen, was das für Waffen sind?“
„Das ist Froura-Ausrüstung.“ erwiderte Fuxia.
„Oh.“ machte Selene.
„Ja,“ lachte Fuxia. „Ich weiß, was Du denkst. Die Garde ist eine hübsch anzusehende Trachtengruppe voller klasse aussehender Mädchen. Aber mehr eben auch nicht.“
„Nein, ich…“ versuchte Selene sich zu verteidigen, doch Fuxia lachte laut.
Also blieb Selene lieber stumm.
„Weiter! Hier Dein neues Schwert. Zieh es einmal.“
Selene nahm eine Art Säbel entgegen. Es hatte wie ihr bisheriges Schwert eine Klingenlänge von rund 80cm, hatte jedoch am Griff zusätzlich eine Art Griffglocke. Sie erinnerte sich, dass man bei Paraden das Schwert gezogen hielt, die Klinge an die Schulter gelegt. Das ging mit dieser Art Parierstange deutlich besser.
Allerdings war die Waffe sehr leicht. Eine Trainings- oder Präsentationswaffe nahm Selene an.
Fuxia deutete auf den Griff. „Dort unten, knapp unter der Parierstange ist ein Schiebeschalter. Damit aktivierst Du die Waffe. Sie ist aus Bi-Molekularem Material. Unter Spannung gesetzt verhärtet sich das Material. Dann könntest Du damit Löcher in die Schiffsaußenwand schneiden. Deaktiviert kannst Du damit Deine Kinder verhauen.“
Selene stöhnte bei dem Vergleich auf und Fuxia lachte wieder.
„Hier Deine Seitenwaffe. Eher klassisch. Eine einfache Pistole mit zwei Wechselläufen. Einmal 5.5 Millimeter und einmal 10.5. Hier umschaltbar. Sie arbeitet aber nicht auf pyrochemischer Basis. Natürlich nicht. Die Feuergefahr wäre viel zu hoch. Hier wird die Munition direkt repliziert und wird energetisch geladen und dann statisch verschossen. Die Mündungsgeschwindigkeit stellst Du hier ein. Es gibt nur drei Stufen: Kurz, mittel und weit. Weit bedeutet große Löcher auch in weiter Entfernung.“
Fuxia seufzte kurz.
„Zuletzt noch der Gürtel. Du siehst, dass alles, was Du bislang an Ausrüstung hast, Energie verbraucht. Und die steht in den Ausrüstungsgegenständen nur sehr beschränkt zur Verfügung. Daher der Gürtel. Das ist im Grunde nur ein Energiepaket. Aktiviere den Gürtel und Du hast fünfzig Mal so viel Energie. Mehr kann er nicht. Außer natürlich, dass er scharf aussieht.
Alles klar?“
Selene nickte. Wieder lachte Fuxia
„Du bekommst eine Beschreibung zu den Teilen mit. Mache Dich damit vertraut. Und pass darauf auf, das Zeug ist teuer.“
„Froura-Ausrüstung?“ fragte Selene.
„Ja. Alles. Dass Du das bekommst, bedeutet aber nicht, dass Du jetzt zur Froura gehörst. Das ist nur geliehen.“
„Schade!“ meinte Selene. „Das alles gefällt mir.“
Diesmal war das Lachen der Pterarchix weniger spöttisch sondern klang eher zufrieden.
# Ort: USS Hephaistos, Haupttransporterraum
# Zeit: MD 15.1800
Mit dem charakteristischen Flirren eine einzelne Person auf der Transporterplattform.
Lieutenant Samantha DeCoster, die die Aufgabe erhalten hatte, den Neuankömmling an Bord zu begrüßen, wartete geduldig. Zuvor hatte ihrere Bordkameradin, Ensign Jennifer Larson ihrerseits sechs andere Kikonen übernommen. So, wie Sam es mitbekommen hatte, hatte Ensign Larsson wohl schon etwas Erfahrung mit denen bei einer Schiffsführung gemacht. Das war gut. Sie selber war eher gespannt, wie diese Offizierin der Kikonen wohl drauf war.
Das Flirren ließ nach und Sam bemerkte, dass die weibliche Kikonen sich etwas suchend umsah. Sie hatte ausgesprochen spärliche Kleidung an, jedoch wirkte sie insgesamt recht militärische in ihrer Haltung. Ihr langes honigfarbenes Haar dagegen erschien Sam dagegen alles andere als militärisch. Sam trat einen Schritt vor und grüßte. Jennifer tat es ihr nach. „Willkommen an Bord der USS Hephaistos!“
Die junge kikonische Offizierin lächelte erkennend auf und grüßte ihrerseits auf eine Art, indem sie ihre Hand waagerecht vor die Brust legte, so dass der Daumen diese gerade berührte. „Guten Tag. Ich bin Anthipopliarchix Menodora Nikitidis Selene atto Loutra. Ich bitte an Bord kommen zu dürfen.“
Das war in deutlich akzentuiertem aber absolut verständlichem Standard gesprochen. Zumindest der Teil am Anfang und am Ende. Das dazwischen war wohl der schrecklich lange Name der Kinkonin.
Sam lächelte.
„Erlaubnis erteilt. Ich bin Commander Samantha DeCoster, die zweite Offizierin an Bord. Sie sprechen Föderationsstandard?“
Das Gesicht der jungen Kikonin zeigte deutlich, dass das nicht der Fall war. Sie tippte auf eines ihrer schicken Armbänder und sagte dann etwas, was wiederum ziemlich akzentuiert übersetzt wurde:
„Verzeihung. Ich habe das nicht verstanden.“
Sam nickte. Das war also ein Übersetzungsprogramm der Kikonen. Naja, woher sollten sie auch föderierte Aussprache kennen.
„Ich bin Commander Commander Samantha DeCoster, die zweite Offizierin hier an Bord. Willkommen auf der USS Hephaistos.“
Die junge Offizierin trat die Stufen hinunter von der Plattform. Sam ergriff schnell wieder das Wort.
„Ich bitte um Verzeihung, ich habe Ihren Namen nicht vollständig verstanden. Wie darf ich Sie anreden?“
„Ah!“ die Kikonin lächelte. „Ich bin Anthipopliarchix Menodora Nikitidis Selene atto Loutra. Du kannst mich Anthipopliarchix Selene nennen. Oh, oder auch Eroika Selene.“
Sam fragte sich, ob das mit dem Du und dem Sie ein Fehler in der Übersetzungsmatrix war, aber es gab auch genug Sprachen innerhalb der Föderation, bei der es diesen Unterschied nicht gab. Vielelicht war das bei den Kikonen ja auch der Fall.
„Fein, dann… vielleicht Eroika Selene. Hier…“ Sam nahm einen Sternenflotten-Kommunikator aus der Tasche und reichte ihn Selene. „…dies ist unser Standard-Kommunikationsmittel. Es beinhaltet auch einen recht guten Translator. Heften Sie ihn einfach irgendwo auf der Brust an… äh… nun, halt irgendwo an Ihre Kleidung. Um aktivieren einfach einmal darauf tippen. Der Computer ist recht schlau und hilft, falls mal etwas nicht sofort klappt.“
„Ah, danke.“ Selene nahm das hübsch geformte aber recht schlichte Objekt und besah es sich. Dann überlegte sie. Der feine aus gelockerter Seide bestehende Ippos war überhaupt nicht geeignet, ein solches Objekt zu halten. Zurzeit trug sie ihn ihre Brüste bedeckend. Dennoch… nein, das ging nicht so gut.
Versuchsweise heftete sie den Kommunikator vorn an ihre linke Oberarmmanschette. „Geht das? Oder kann das Probleme machen?“ fragte sie.
„Nein!“ Sam schüttelte den Kopf. „Das geht. Darf ich Sie dann erst einmal zu Ihrer Kabine geleiten? Ihr Gepäck ist bereits dort.“
„Gern, danke.“ Selene lächelte breit. Abgesehen davon dass die Leute hier alle viel zu dick angezogen waren, schienen sie hier recht zivilisiert zu sein. Nur die Luft… so dünn wie sie hier war hoffte Selene, dass sie sich schnell daran gewöhnen würde.
</RPG>
<SUM>
# Ort: Thyene, Myzen, Tempel der Göttin Aletheia
# Zeit: MD 14.1600 (Bordzeit USS Hephaistos)
Selene und ihre Mutter besuchen den Tempel der Göttin Aletheia, wo sich Selene einen Segen durch die Göttin erhofft. Die Hohepriesterin spendet ihr diesen gerne und überlässt Selene dann sogar noch einen Reisealtar mit einer holographischen Darstellung der Göttin.
# Ort: Thyene, Myzen, Hauptquartier der kikonischen Systemverteidigung (Systima Amynas)
# Zeit: MD 15.1100 (Bordzeit USS Hephaistos)
Atrexa Diomeda hat zusammen mit ihren Prinkipaxii beschlossen, die kikonischen Austauschoffizierinnen gesellschaftlich etwas aufzuwerten, damit sie in der Föderation mehr hermachen. Selene ist die erste die den dazu neu geschaffenen Titel einer Eroika (= Heldin) verliehen bekommt. Dazu bekommt sie für die Mission die beste Ausrüstung der kikonischen Palastgarde.
# Ort: USS Hephaistos, Haupttransporterraum
# Zeit: MD 15.1800
Selene triff kurz nach Tabitha und deren Familie auf der Hephaistos ein.
Sam empfängt die Kikonin in ihrer neuen Eigenschaft als zweite Offizierin und führt diese erst einmal in deren Quartier.
</SUM>
submitted by
Isabelle
a.k.a.
Eroika Anthipopliarchix Menodora Nikitidis Selene atto Loutra
z.Z. Gast auf der USS Hephaistos