# Zeit: MD 10.1020
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Langsam schritt die Atrexa auf die Prinkipax zu. Ihr Mann folgte ihr und den beiden wiederum folgte Samantha DeCoster in voller Sternenflottenuniform. Sowohl Shay als auch Claudia waren förmlich sprachlos.
Die Atrexa umrundete die Artefakte und nickte zufrieden.
„Lass dich von mir nicht unterbrechen, Prinkipax. Ich bin hier um die Questlinge zu würdigen und die Déax ton prix mit eigenen Augen zu sehen. Immerhin läutet ihre Ankunft das 4. Zeitalter ein.“ erklärte die Atrexa und bedeutete der Prikipax mit einer Handbewegung fortzufahren.
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<RPG>
Prinkipax Lysikia rollte mit den Augen.
Oh, sie war nicht weniger religiös als die Atrexa. Eher vielleicht noch etwas mehr. Ein Staatsamt lässt einen ja bekanntlich leicht zum Zyniker werden, und das wiederum verträgt sich nicht gut mit dem Glauben. Dennoch fand sie es etwas unpassend, eine Alien, noch dazu in der Uniform der föderierten Sternenflotte hier offiziell als Göttin vorzustellen. Vor allem wegen des erwähnten 4. Zeitalters. Was diese Aussage alles bewirken konnte. Nur gut, dass hier nichts live übertragen wurde. Die Aufzeichnungen konnte man dann ja noch überarbeiten.
Doch dann fiel ihr der Blick der Atrexa Diomeda auf. Außenstehende würden das nie bemerken, doch Lysikia und die Diomeda kannten sich auch privat gut… naja, recht gut. Von daher fiel der Prinkipax die leichte Ironie auf, die sie durch ihre Mimik ausdrückte.
Lysikia war ernsthaft erleichtert.
Der Rest der Zeremonie ging dann ein wenig unter. Jedenfalls wurden die mitgebrachten allgemein bestaunt und Smantha erntete mehr als nur ein paar schüchterne und zugleich staunende Blicke, die die Lieutenant Commander nun doch ein wenig unwohl werden ließ und sie die Nähe zum Captain suchte.
Doch dann erklang ein lauter aber melodischer Gong und ein Sprecher in einem ausgesprochen klassisch-griechischem Kostüm, wie es schien, bat alle Anwesenden mit seiner klangvollen Stimme in den Nebenraum, wo zu einem Essen geladen wurde.
Die Atrexa Diomeda beugte sich zu Prinkipax Lysikia und flüsterte ihr zu: „Ich bin beeindruckt, dass Du es noch geschafft hast, die Sitzordnung ändern zu lassen.“
„Frag nicht!“ erwiderte Lysikia. „Meine Maiordomina hat Blut und Wasser geschwitzt. Ich habe eben erst das Zeichen bekommen, dass alles komplett neu arrangiert wurde.“
„Ich weiß. Es gibt ja so furchtbar viele Abhängigkeiten, wer mit wem zusammen sitzen darf und wer nicht.“
Diomeda seufzte tief. „Unsere Männer haben es da so viel einfacher. Die können sich einfach zusammenstellen und miteinander ganz zwanglos über ihre Hobbies reden ohne dass daraus gleich eine Intrige geschnitzt wird.“
„Du weißt, wie ich über die Regenbogenpresse denke!“ stimmte Lysikia zu.
„Manche der Blätter würde ich zu gerne verbieten und deren Redakteurinnen und Herausgeberinnen auspeitschen lassen wollen.“
Diomeda lachte laut auf, was ihr sofort etliche skeptische Blicke einbrachte.
„Ich verstehe Dich nur zu gut. Vielleicht sollten wir doch mal über eine Gesetzesinitiative nachdenken.“
Ausgesprochen gut gelaunt nahmen beide Fürstinnen dann am Kopf der Tafel ihre Plätze ein. Daneben bekamen die Questlinge und die ‚Déax ton prix‘ die Ehrenplätze. Dann kam der Rest der eingeladenen Teilnehmer. Dann wurde aufgetragen.
# Ort: Thyene (Thassos IV), Myzen, Palast Myzia
# Zeit: MD 10.1040
Die Vorspeisen wurden gerade abgeräumt, als eine Offizierin in voller Kampfausrüstung jedoch ohne Waffen eintrat und zur Prinkipax heran trat. Sie beugte sich vor und gab der etwas irritiert wirkenden Fürstin ein kleines Tablet, welches diese las. Daraufhin verdüsterte sich deren Miene deutlich.
„Ist das gesichert?“ fragte Prinkipax Lysikia die Offizierin, die daraufhin nickte.
„Ja, Prinkipax. Sowohl Quelle als auch Ziel und Inhalt sich hundertprozentig gesichert.“
Lysikia nickte. „Danke. Gebt mir Meldung, sobald weitere Informationen verfügbar sind. Jede Kleinigkeit dies betreffend.“
„Jawohl, Prinkipax!“ Die Offizierin trat ab.
„Etwas, was ich wissen sollte?“ fragte die Atrexa nun.
„Ich denke, ja. Dies ist brisant. Aber nicht eilig. Wir sprechen nachher darüber. Jetzt wollen wir diese Feier würdig weiter begehen.“
Dennoch knirschte Lysikia mit den Zähnen, was nicht nur der Atrexa Diomeda auffiel. Auch Captain Ruthven bemerkte das ebenso wie Arsinoe, die zusammen mit Jetsun saß und sich gut unterhielten.
# Ort: Thyene (Thassos IV), Myzen, Palast Myzia
# Zeit: MD 10.1120
Wieder erklang dieser melodische Gong. Prinkipax Lysikia erhob sich, ihr Glas mit dem würzigen Wein in der Hand. Dieses Getränk war recht stark, weshalb es üblicherweise eins zu fünf mit Wasser verdünnt wurde, was dem Geschmack jedoch kaum abträglich war.
„Geehrte Gäste, werte Teilnehmer an dieser heroischen Queste!
Trotz widrigster Umstände, die sogar einen sehr tragischen Teilverlauf eingenommen hatte und nicht ohne Verletzungen, ja man kann sogar sagen, Verwundungen ablief, so wurden alle Aufgaben doch vollends erfüllt. Darauf erhebe ich meinen Kelch. Und ich bitte alle Anwesenden, dasselbe zu tun.“
Einige der Sternenflottenangehörigen wollten aufstehen, doch die Kikkonen bedeuteten ihnen, sitzen zu bleiben und stattdessen ihren Kelch im Sitzen zu erheben. Sitten und Gebräuche eben.
Alle leerten dann ihren Kelch und Shay erwartete beinahe, dass dieser nun noch zerschlagen werden würde, wie es bei den Russen ja Brauch war. Doch zum Glück gab es keine Scherben.
„Ich danke Euch allen.“ fuhr die Prinkipax dann fort.
„Ich will auch keine weiteren Worte mehr verlieren. Damit ist der formale Teil dieses Treffens beendet. Zieht euch gern zurück in die Gärten oder in andere Räume, wenn euch danach ist.
Noch einmal danke. Es war eine sehr würdige Queste.“
Damit stellte die Prinkipax ihren Kelch wieder ab. Das Lächeln, welches sie eben noch auf dem Gesicht getragen hatte, war wie weggeblasen. Lysikia nickte Diomeda zu und gemeinsam verließen beide Fürstinnen den Raum.
Shay beugte sich zu Arsinoe vor. „Sagt, Prinkipaxillis, ist etwas geschehen, was ich wissen sollte?“
„Was meinte ihr?“ fragte Arsinoe zurück.
„Eure Mutter. Sie wirkte ausgesprochen ernst. Nachdem sie eine Nachricht bekommen hatte.“
Arsinoe fand das zwar etwas direkt, erwiderte aber: „Ich weiß es nicht. Vielleicht etwas wegen des Brandes auf der Insel des Glücks. Es hat ja leider sehr viele Opfer unter den Prixes gegeben. Leider.
Aber ich weiß es nicht, Captain Ruthven.“
Shay nickte. Dennoch gefiel ihm diese Sache nicht. Und so beschloss er, diese Feier für sich ausklingen zu lassen. Die anderen konnten ja noch bleiben, aber er wollte zurück zur Hephaistos. Nicht, dass wieder irgendetwas aus dem Ruder lief.
# Ort: USS Hephaistos, Transporterraum
# Zeit: MD 10.1140
„Sir!?“
Kaum dass der Kommandant der USS Hephaistos auf der Transporterplattform rematerialisiert war, trat der stellvertretende CING, Ensign Forbes auf ihn zu und machte formell Meldung. Das war etwas, was Shay schon aufmerken ließ.
„Ensign? Was gibt es denn so dringendes?“ fragte er äußerlich locker, aber innerlich angespannt.
„Sir, wir haben ein formales Schreiben von der Planetenoberfläche erhalten. Es ist… nun ja…“
Er sammelte sich kurz, was Shay genügte um nachzuhaken.
„Na, raus damit. Es ist doch keine Kriegserklärung, oder?“
„Nein, natürlich nicht, Sir. Nein, es ist die Bitte um politisches Asyl.“
„Ach…“ Shay lächelte leicht. Schon seltsam. Er selber hatte der Rebellenanführerin Isidora Asyl angeboten. Und nun kam eine solche Anfrage.“
„Von wem denn?“
„Hier bitte!“ Forbes überreichte dem CO ein PADD mit einem Transcript der Meldung.
„Eine gewisse Dagon Allatrix Ismara Tabitha atto Myzen.“
„Tabitha… Tabitha??? Da soll mich doch…“ entfuhr es dem CO.
„Sie kennen diese Dame, Sir?“
„Kennen ist zuviel gesagt. Aber ich bin ihr schon begegnet, ja. Eine Dame von Adel, wie man aus dem langen Namen ja schon ersehen kann. Und sie hat… zusammen mit ihrer ganzen Familie… um Asyl gebeten. Hmm. Mann, Kinder und Dienerschaft. Na sowas!“
Er sah Forbes an.
„Haben Sie dem stattgegeben?“
„Nein, Sir. Die Meldung kam grade rein. Also vor rund einer Stunde.“
„Aber bestätigt?“
„Selbstverständlich, Sir!“
„Hmm… Gut. So brandeilig kann es ja nicht sein. Wobei…“ murmelte Shay und setzte sich in Bewegung in Richtung Brücke.
Forbes ihm nach.
„Gibt es etwas, was ich wissen sollte, Sir?“
„Nein.“ erwiderte der CO.
„Nur so eine Vermutung von mir. Wir werden dem stattgeben. Es ist Politik der Föderation, Asylsuchenden eben dieses Asyl zu gewähren, solange sie keine Straftaten begangen haben, die auch unter Föderationsrecht strafbar sind. Also gegen die Föderation gerichtet sind. Ich werde das machen.“
„Gut, Sir!“ Forbes nickte. Zufrieden und erleichtert. Zufrieden, weil er ebenfalls so entschieden hätte, hätte er die Entscheidung treffen müssen. Erleichtert deshalb, weil er offenbar keinen Fehler gemacht hatte, mit der Entscheidung zu warten.
Auf der Brücke angekommen wies er den amtierenden COMM an, eine Verbindung zu Tabhita aufzunehmen. „Mr. Enovo, eine Verbindung zu den folgenden Empfänger: Dagon Allatrix Ismara Tabitha atto Myzen.“
Es dauerte keine 15 Sekunden, als er das Bild der jungen Kikkonin vor sich sah.
„Hallo Dagon Allatrix Ismara Tabitha atto Myzen.“
[Captain Shay Ruthven atto Federation. Ich bin ja so froh, Sie sprechen zu können.]
<Ball an Friddy. Oder Mac. Oder wer will…>
# Ort: Thyene (Thassos IV), Myzen, Palast Myzia, Besprechungsraum der Prinkipax
# Zeit: MD 10.1145
Atrexa Attrades Alledies Diomeda Ismara atto Thyene ließ sich auf dem einfachen Stuhl vor dem riesigen Arbeitstisch der Prinkipax nieder. Nach dem ganzen Sitzen auf den weichen Kissen bei der Feier eben war ihr so ein Stuhl deutlich lieber. Sie selber war nicht mehr jung, wohl aber durch ein ausgewogenes Sportprogramm körperlich absolut fit, was man ihren Formen, die unter dem ausgesprochen freizügigen Gewand, welches sich bei den Kikkonen so großer Beliebtheit erfreute, großzügig abzeichneten auch gut entnehmen konnte.
„Also, Lysikia, was ist nun wieder passiert?“
„Lies selbst!“ erwiderte die Prinkipax und reichte ihrer Atrexa das Tablet.
Diese überflog es kurz, dann reichte sie es wieder zurück.
Diomeda hatte einen scharfen Verstand ohne den sie sich kaum so lange in ihrer Position hatte halten können. Dennoch brauchte sie einige Augenblicke um die Folgen dieser Meldung zu überschauen.
„Na klasse!“ war ihr erster Kommentar.
„Oh. Ich hatte schlimmeres auf der Zunge.“ kommentierte Lysikia.
Die Atrexa sah kurz auf, dann zuckte sie mit den Schultern.
„Was sind denn die Fakten dahinter?“
Die Prinkipax setzte sich auf ihren Arbeitssessel und aktivierte das Display.
„Erinnerst Du Dich an dieses Interview, was dieser sentimentale Narr gegeben hatte? Dagon Allatrix Plutark Tomasi atto Myzen.“
„Der potentielle Sternenreisende? Himmel, ja. Ich habe versucht, diese Klatschsendungen zu vermeiden. Aber so ziemlich jeder Diener und jede Dienerin hatte darüber geredet.
Und Du meinst, dass diese Geschichte jetzt derartige Kreise gezogen hat?“
„Ja. Aber nicht direkt, sondern indirekt. Ich habe das hinterfragen lassen. Meine Kontakte sind…“
„Ich weiß… sehr gut! Besser als meine, denke ich.“
Das stimmte natürlich nicht, doch Atrexa Diomeda hatte nicht vor, die wahre Tüchtigkeit ihrer Spione offen zu legen.
„Wie es aussieht, hat dieses Interview die ganze Familie gesellschaftlich ruiniert.“
„Wie das?“
„Dieser Mann, Plutark, wurde entrechtet. Und seine Kinder der Familie entzogen und unter die Vormundschaft der Tante gegeben. Die Dienerschaft… naja, Du kannst es Dir ja vorstellen.“
„Du meine Güte!“ entfuhr es der Atrexa.
„Sind diese Leute etwa Promethen?“
„Schlimmer! Semeleiten!“ nickte die Prinkipax.“
„Na klasse!“ Atrexa Diomeda schüttelte ihren Kopf.
„Ich war von Anfang an dagegen, dass diese religiösen Gruppierungen eine derartige Macht haben.“
Fast unbewusst stand sie auf.
„Einen einfachen Mann, mag er auch noch so ein naiver Träumer sein, so derart zu… zu schädigen. Und seine ganze Familie. Nur weil er eben einen Traum träumt. Meine Güte!“
Sie wandte sich an die Prinkipax. „Hast Du mit dieser… Tante gesprochen?
Ach, natürlich nicht. Wann auch. Ich will, dass Du sie hierherbeorderst. Höst Du? Nicht hierher bittest, sondern hierher befiehlst. Und dann will ich diese Frau sprechen.“
Lysikia nickte. In diesem Augenblick erklang ein harmonischer Dreiklang.
„Eine Nachricht. Höchste Priorität.“
Die Atrexa seufzte. „Was ist es? Hat die Föderation diesem Asylantrag stattgegeben?“
Lysikia öffnete die Nachricht. Und verkniff ihr Gesicht.
„Nein. Das nicht. Noch nicht jedenfalls. Aber es gibt wieder Nachrichtenverkehr zwischen dem föderierten Schiff und Myzen.
Nein, hier ist etwas anderes. Ein Transkript. Diese Tabhita, sie hat den Captain der Hephaistos schon zuvor getroffen. Die zwei kennen sich. Und…“ sie unterbrach sich. Das war etwas, was sie der Atrexa nicht erzählen wollte.
„Und was?“ hakte Diomeda nach. Natürlich wusste sie, um was es ging, hatte damit aber keine Probleme.
„Geht es um diese Isodora?“
Jetzt sah Prinkipax Lysikia doch erstaunt auf. Dann nickte sie.
„Ja. Er hatte ihr ebenfalls schon Asyl angeboten.“
„Oh!“ Dieses Detail hatte Diomeda noch nicht gewusst.
„Interessant. Hat die Föderation etwa vor, unsere… Revolutionäre zu unterstützen?“
„Ich habe morgen ein Gespräch mit dem Captain der Hephaistos. Informell. Möchtest Du dabei sein?“
„Warum nicht? Kann ich hier übernachten?“
„Natürlich. Dein Raum ist immer bereit.“
„Schön.“ Atrexa Diomeda atmete tief durch. „Manchmal benehmen sich diese Föderierten wie die Kinder. Hätten sie nicht wenigstens damit warten können bis der Vertrag in trockenen Tücher ist?“
„Unsere Damen sind ja auch nicht besser. Sind unsere Männer wie Kinder, so sind manche der Frauen wirkliche Katsikas (kik. Ziegen).“
Beide Frauen lachten müde.
„Lass mich bitte jetzt alleine, meine Liebe. Ich möchte mich auf das Gespräch mit dieser Tante vorbereiten. Es soll… wirken.“
„Ist recht. Ich widme mich noch ein wenig den Gästen.“ meinte die Prinkipax, die keine Probleme damit hatte, ihren persönlichen Besprechungsraum der Atrexa zu überlassen.
„Oh, da fällt mir was ein. Zum Thema Religion. Was gedenkst Du in Bezug auf diese ‚Déax ton prix‘ zu machen? War das ernst gemeint mit dem ‚4. Zeitalter‘?“
„Ist dieses Zeitalter nicht schon eingeläutet? Genau das erleben wir hier ja gerade.
Und nein, natürlich nicht. Eine Menschenfrau wird und kann niemals eine Göttin der Kikkonen sein. Wir werden sie ehren und sie wird immer eine bevorzugte Stellung in unserer Gesellschaft innehaben. Das hat sie sich verdient. Aber eine Göttin? Mit wohlmöglicher göttlicher Macht? Nein. Niemals. Das wäre auch politischer Selbstmord. Denk an die Promethen. Oder die Semeleiten! Die würden uns bei lebendigem Leib die Haut abziehen.“
„Gut. Ruf mich, wenn Du etwas brauchst, meine Atrexa.“
„Diomeda!“ erwiderte diese mit einem leichten Vorwurf in der Stimme.“
# Ort: Thyene (Thassos IV), Myzen, Palast Myzia, Garten
# Zeit: MD 11.1800
„Captain Ruthven! Sein Sie als mein Gast erneut herzlich willkommen!“
Diese Begrüßung war in der Tat höchst informell. Kein ‚atto irgendwas‘.
Shay, der angesichts der informellen Einladung zwar all seinen Begleitern gestattet hatte, zivile Kleidung zu tragen, hatte aber selber das Gefühl, dass für ihn die Uniform angemessener sei. Umso erfreuter war er, eben derart locker begrüßt zu werden.
Bislang hatten sich die Kikkonen immer geradezu überschlagen, ein riesen Trara zu machen aus allen Begegnungen. Viel Marmor, viel Gold, Musiker und Tänzerinnen, eine hübscher und nackter als die andere. Hier, so stellte er zufrieden fest, waren wirklich nur der Garten, ein hübscher Brunnen und viel von dem moosartigen Gras. Plus natürlich ein Tisch mit ein paar Getränken und Gebäck und sieben sehr bequem aussehende Liegen, auf die man sich setzen oder legen konnte.
Auf Seiten der Kikkonen erkannte er neben der Prinkipax noch deren Herrscherin, die Atrexa, die er nicht unbedingt bei einer solch informellen Begegnung erwartet hatte. Und dann noch die junge Arsinoe. Das war gut, da deren Beziehung zu Jetsun Pema hoffentlich für eine gewisse Entspannung sorgen würde.
„Déax ton prix!“ Die Prinkipax als Gastgeberin ließ es sich nicht nehmen, jeden der Gäste selber zu begrüßen. „Es ist mir eine Ehre, Euch hier wieder begrüßen zu dürfen.“
„Danke!“ erwiderte Samantha und obwohl sie diese Art von Aufmerksamkeit durchaus schön fand, war es ihr doch ein wenig zu viel, als Göttin angesehen zu werden.
„Bitte, nennt mich einfach Samantha DeCoster.“
„Wenn das Euer Wunsch ist.“
„Jetsun Pema Wangchuck atto Bhutan. Ich freue mich, Dich wieder zu sehen. Lass Dir gesagt sein, dass Dir dieses Gewand vorzüglich steht.“
Jetsun war ein wenig verlegen. Sie wollte dieses Teil tragen, auch wenn alles, was ihre Brüste bedeckte etwas Goldstaub war. Aber sie hatte es von Arsinoe bekommen als Ersatz für das auf der Queste kaputt gegangene Kleid. Und ob sie später je noch einmal die Gelegenheit bekommen würde, es zu tragen?
Prinkipax Lysikia wandtze sich dann an den zweiten Mann der Delegation zu.
„Botschafter Jared. Ich bin immer wieder überrascht, einen Mann zu sehen, der eine so hohe diplomatische Position innehat. Sein auch Sie herzlich willkommen.“
„Ich möchte Ihnen unsere Atrexa Attrades Alledies Diomeda Ismara atto Thyene vorstellen, falls Sie sie noch nicht kennen gelernt haben. Sie hatte den Wunsch geäußert, bei dem heutigen Treffen zugegen zu sein.“
Dann wies Lysikia auf ihre Tochter.
„Dies ist meine Tochter, Prinkipaxillis Myzen Elektryon Arsinoe Xanthia Solange atto Myzen.
Geehrte Gäste, da es sich um ein rein informelles Treffen handelt, mit dem Ziel vorab jeder formalen Verhandlung mögliche Stolpersteine aus dem Weg zu räumen, bitte ich Sie, uns dementsprechend zu verhalten. Von dem hier gesprochenen wird nichts nach außen dringen, aber alles, was gesagt wird, wird sicherlich unsere Entscheidungen beeinflussen. Das ist auch das Ziel.“
Ein paar kleine Erfrischungen standen bereit und alle Anwesenden ließen sich auf einer der Liegen nieder.
Diese Liegen… Kurz warf Shay einen Blick auf Jetsun, die sich seiner Ansicht nach viel zu nackt gekleidet hatte. Auf solch einer Liege sorgte sie ebenso wie die junge Arsinoe, deren Kleid Jetsuns eher noch mehr in den Schatten stellte für erhebliche Konzentrationsmängel.
Shay räusperte sich. Er hatte sich schlau gemacht und wusste, dass es nun an ihm war, die Gespräche zu eröffnen.
„Majestäten, Hoheit, ich danke noch einmal für diese Einladung, der ich gern gefolgt bin.
Darf ich fragen, ob Sie schon darüber nachgedacht haben, inwieweit eine mögliche Allianz zwischen unseren Völkern für Sie in Frage kommen würde?“
Es war die Atrexa, die das Wort übernahm.
„Captain Ruthven, sicherlich haben Sie sich schon mit Ihrer Offizierin, Commander DeCoster besprochen, mit der ich schon das Vergnügen gehabt hatte zu konferieren.
Wie Sie sicherlich wissen, ging es unter anderem darum, dass uns als kleines Sternenreich kaum eine Wahl bleibt, als uns mit der Föderation zu verbünden. Sehen Sie das anders?“
„Mit Verlaub, Majestät,“ warf Botschafter Jared ein „Man hat immer eine Wahl. Es muss ja kein Bündnis sein. Es gibt zahlreiche Varianten von Verträgen, die wir abschließen können.“
„Das wird auch nötig sein. Denn ein Bündnis kommt derzeit leider nicht mehr in Frage.“ Warf Prinkipax Lysikia ein. Und es klang auch wie ein Vorwurf.
„Darf ich fragen, weshalb das der Fall ist?“ fragte Jared nach.
„Nun, jede Art von Allianz basiert auf Vertrauen. Die Frage ist nun, ob wir als Kikkonen der Föderation vertrauen dürfen. Oder ob wir befürchten müssen, dass Sie uns hintergehen. Zum Beispiel, indem Sie sich ohne uns zu fragen in unsere inneren Angelegenheiten einmischen. Wohlmöglich mit Elementen verhandeln oder gar paktieren, die wir als gesuchte Verbrecher ansehen.“
„Sie wissen, dass die Föderation solches nie tun würde. Wir haben ganz eindeutige Vorschriften. Unsere Föderation ist ein sehr großes Gebilde aus vielen unterschiedlichen Völkern mit unterschiedlichen Wertevorstellungen. Dennoch leben wir in Eintracht miteinander zusammen. Dies sollte Ihnen einen Eindruck vermitteln, dass wir mit Sicherheit niemals mit solchen Taten, wie Sie sie erwähnten in Verbindung gebracht werden können. Sie erinnern sich sicherlich auch daran, dass diese Sache mit dem Phaser nicht unser Werk war.“
„Ja, das wissen wir. Wir wissen aber auch, dass allein durch Ihre Anwesenheit nunmehr die Klingonen davon ausgehen werden, dass wir Ihnen gegenüber zumindest freundlich eingestellt sind. Damit sind wir automatisch in deren Fokus. Ich persönlich glaube nicht, dass sich das wieder ändern lässt.
Und ich glaube nicht, dass Ihnen das nicht bewusst war. Ich nehme an, dass das ein taktischer Zug war.“
„Das war es mit Sicherheit nicht, Majestät!“ ergriff Shay wieder das Wort.
„Dass sich ein klingonisches Schiff entweder an unsere Fersen geheftet hatte, oder aber bereits hier im System auf uns wartete, war uns nicht bekannt. Möglicherweise haben wir die Tarnfähigkeiten des Klingonen unterschätzt. Jedoch, sollte das klingonische Schiff hier bereits gewartet haben, dann waren Sie bereits im Fokus dieser Leute. Von daher können Sie nur gewinnen, wenn Sie sich uns zuwenden.“
„Das glaube ich auch!“ erwiderte die Atrexa.
„Und ich persönlich hätte eine Allianz mit der Föderation begrüßt. Keinesfalls aber eine Aufnahme unseres reiches in die Föderation. Das wäre Jahrzehnte zu früh, wenn es denn überhaupt möglich wäre.
Aber… nachdem Sie jetzt bereits zweimal unsere Gesetze und unsere Sitten und Gebräuche mit Füßen getreten haben, wie können wir Ihnen da noch vertrauen? Wir müssen es, denn alleine wären wir den Klingonen hoffnungslos unterlegen. Dennoch haben Sie es uns im grunde bereits unmöglich gemacht.“
Shay war blass geworden und Botschafter Jared rot.
„Darf ich fragen, Majestät, was Sie meinen?“ fragte er.
„Es geht um politisches Asyl. Zuerst boten Sie der Rebellenführerin Carpianis Thoas Isidora atto Thermidava politisches Asyl an. Und danach gewährten Sie es Dagon Allatrix Ismara Tabitha atto Myzen, ihrem Gemahl, ihren Kindern und ihrer kompletten Dienerschaft.
Würden Sie sich bitte dazu äußern?“
Botschafter Jareds Gesicht ähnelte inzwischen mehr einer überreifen Tomate als er sich wortlos dem Captain zuwandte, jedoch nichts sagte. Erst einmal.
Shay dagegen nickte.
„Ja, Majestät, da haben Sie recht. Das haben wir getan. Unsere Föderation gewährt jedem intelligenten Lebewesen, ob es nun Bürger der Föderation ist oder nicht, gewisse unveräußerliche Grundrechte. Diese einzuhalten ist ein hohes Gut. Aus diesem Grunde habe ich der Rebellenführerin Asyl angeboten. Es ging mir nicht darum, sie vor einer gerechten Strafe zu bewahren, sondern darum, dafür Sorge zu tragen, dass sie nicht ohne ein verfahren einfach getötet werden würde. Diese Gefahr bestand auch nach Aussage Eurer Tochter durchaus. Allerdings, das wissen Sie ja, lehnte Isidora das Angebot ab.
Dasselbe galt für Dagon Allatrix Ismara Tabitha atto Myzen. Ich nehme an, Sie wissen, was ihr und ihrer Familie geschehen ist. Ich werde das jetzt nicht bewerten. Jedoch bat sie mich, sie selbst und die Ihren vor gesellschaftlicher Ächtung und Verfolgung zu beschützen. Wer bin ich, dass ich mich einer solchen Bitte gegenüber verschließen kann?“
„Ich verstehe, Captain Ruthven. Sie glaubten ehrenvoll zu handeln. Und möglicherweise war es auch so. Allerdings haben Sie eben so gehandelt ohne wirklich zu wissen, was sie taten. Unsere Gesellschaft ist in der jetzigen Form weit über dreieinhalbtausend ihrer Jahre alt. Sie mag Fehler haben, doch sie existiert immerhin und sie funktioniert. Und wir, also die Kikkonen wollen sie auch so. Sicherlich nicht das ganze Volk, jedoch die überwiegende Mehrheit.
Und jetzt stellen Sie sich den Umkehrschluss vor. Was, wenn wir zu Ihnen reisen würden, dort eine gesuchte Verbrecherin, an deren Händen Blut klebt, aus dem Kerker holen und ihr politisches Asyl anbieten. Weil sie ja nachweislich bei Ihnen verfolgt wird. Ich nehme an, nach wenigen Tagen würde sich eine recht ansehnliche Flotte von Föderationsschiffen an unserer Grenze einfinden und höflich darum bitten, sie doch wieder herauszugeben.
Captain, noch einmal: Sie mögen in ehrenhafter Ansicht gehandelt haben. Und ich persönlich schätze Ihr Engagement. Aber so geht es nicht. Tatsächlich haben Sie es uns schlechterdings unmöglich gemacht, eine Allianz mit der Föderation einzugehen.“
Stille.
Dann sprach Arsinoe: „Was können wir nun tun, damit wir dennoch zu einem Abschluss kommen?“
Sie sah sich um.
„Es macht doch keinen Sinn, formal zu sein. Bei einem informellen treffen. Versuchen wir lieber konstruktiv zu sein.“
Samantha ergriff das Wort.
„Die Sache mit Isidora ist ja nun Geschichte. Wir wissen nicht, was aus ihr geworden ist…“
„Sie ist frei.“ unterbrach die Prinkipax.
„Ich habe sie begnadigt. Oder vielmehr, ich wollte sie begnadigen. Ich hatte sogar vor, es bei diesem treffen hier zu tun, doch das wird nun nichts. Aber es wird geschehen.“
„Aber… warum?“ Samantha war etwas sprachlos. „Ich meine, ich finde das grundsätzlich begrüßenswert. Aber hat sie nicht nachweisliche Verbrechen begangen?“
„Sie persönlich nein. Sie hält die Verantwortung für ihre Leute, ja. Aber sie ist eher ein mäßigender Faktor innerhalb der Rebellion. Ich hatte vor, mit ihr zu sprechen und mir ihre Beweggründe anzuhören. Aber dazu bitte später.“
Samantha nickte eifrig.
„Danke. Was nun Tabhita angeht, so haben Sie sicherlich erfahren, was genau das Problem ist.“
Die Atrexa schürzte ihre Lippen.
„Das ist eine interne Angelegenheit, derer wir uns bereits angenommen haben.“
„Aber es ist auch eine Sache, die bereits mehrere Leben zerstört hat.“ beharrte Samatha.
„Dennoch ist es eine innere Angelegenheit, die Sie absolut nichts angeht. Vor allem, da es sich um eine vorwiegend religiöse Angelegenheit handelt. Ich wünsche, dass Sie sich aus solchen Angelegenheiten heraushalten.“
„Kann ich in meiner Eigenschaft als Déax ton prix irgendetwas bewirken?“ ließ Samantha nicht locker.
Die Atrexa schwieg. Sekundenlang. Dann sagte sie: „Möglicherweise. Allerdings habe ich die beteiligte… Partei bereits persönlich instruiert. Wenn Sie wirklich dahingehend noch aktiv werden wollen, dass ist das möglich, jedoch nur ein enger Absprache mit mir oder der Prinkipax.“
„Sie sagten, Sie haben sich dieser Angelegenheit angenommen. Heißt das, dass Tabithas Ruf und der ihrer Familie wieder hergestellt ist?“
„Es heißt, dass diejenigen, die gegen die Familie vorgegangen sind, darüber im Klaren gesetzt wurden, dass sie sich durch diese Handlungsweise das äußerste Missfallen der Prinkipax und der Atrexa zugezogen haben. Mit allen Konsequenzen.
Den familiären Ruf… den hat der gute Mann leider selbst ruiniert.“
„Und nun?“ fragte Jetsun, die das ganze ziemlich mitgenommen hatte.
„Sollten wir ernsthaft über eine Allianz nachdenken wollen, ist unsere Bedingung, dass Sie erstens den Antrag auf Asyl zurückweisen und zweitens keine weiteren Versuche unternehmen, sich in derartige innere Angelegenheiten des Reiches einmischen. Und das ist nicht diskutabel.“
Shay erstarrte. „Das ist…“
„Im Gegenzug bieten wir ihnen erstens an, dass die Familie der Dagon Allatrix Ismara Tabitha atto Myzen jederzeit freiwillig und ohne weitere Konsequenzen ausreisen darf. Sie behält ihre kikkonische Staatsbürgerschaft und darf natürlich jederzeit zurückkommen. Thyene ist kein Gefängnis. Vielleicht haben Sie es noch nicht verstanden, aber unser Volk, die Kikkonen, wir sind ein sehr heimatverbundenes Volk. Warum sollten wir woanders hingehen wollen, wo es hier doch am schönsten überhaupt ist. Jedenfalls ist das die Überzeugung der allermeisten Kikkonen. Das können Sie allein schon daran erkennen, dass wir sehr wohl die Kenntnisse haben, interstellare Reisen durchzuführen, es aber schlichtweg nicht wollen.“
Die Prinkipax lächelte jetzt offen.
„Können wir uns darauf verständigen?
</RPG>
<SUM>
# Ort: Thyene (Thassos IV), Myzen, Palast Myzia
# Zeit: MD 10.1020
Die Zeremonie für die Queste endet. Vor allem wurde Samatha als immerhin offiziell von der Atrexa als ‚Déax ton prix‘ bestaunt. Und natürlich auch die Questitems, die die drei Gruppen mitgebracht hatten.
# Ort: Thyene (Thassos IV), Myzen, Palast Myzia
# Zeit: MD 10.1040
Prinkipax Lysikia bekommt eine Nachricht, die durch die Systemsicherheit aufgefangen wurde. Es handelt sich um die Kommunikation zwischen der Hephaistos und Tabitha.
# Ort: Thyene (Thassos IV), Myzen, Palast Myzia
# Zeit: MD 10.1120
Die Zeremonie endet und es wird in einen informellen Teil übergegangen.
Atrexa Diomeda und Prinkipax Lysikia ziehen sich zu einer internen Beratung zurück.
Shay beamt auf das Schiff zurück, Jetsun bleibt bei Arsinoe.
# Ort: USS Hephaistos, Transporterraum
# Zeit: MD 10.1140
An Bord der Hephaistos bekommt Shay die Nachricht von Tabitha. Ihre Bitte um Asyl nimmt er gern an. (oder nicht?)
# Ort: Thyene (Thassos IV), Myzen, Palast Myzia, Besprechungsraum der Prinkipax
# Zeit: MD 10.1145
Atrexa Diomeda und Prinkipax Lysikia einigen sich darauf, dass sie die Tante von Tabitha scharf ins Gebet nehmen. Diese gehört einer strengen religiösen Gruppierung an, die Semele anbeten und besonders streng auf die ‚guten Sitten‘ achten.
Außerdem besprechen sie Shays Vorstoß, Isidora politisches Asyl zu gewähren. Und die Atrexa möchte bei dem informellen Gespräch am nächsten Tag mit den Föderierten dabei sein.
# Ort: Thyene (Thassos IV), Myzen, Palast Myzia, Garten
# Zeit: MD 11.1800
Das Gespräch zwischen Thyene und der Föderation beginnt gar nicht gut. Jedoch können sich beide Seiten dann doch noch auf einen Modus Vivendi einigen. Zumindest bei den Vorverhandlungen.
</SUM>
Submitted by
Isabelle
as
Ens. Jetsun Pema,
(i)CM USS Hephaistos