nur eine kurze Szene, die ich schon länger schreiben wollte. Habe gerade
einige Möbel von Ikea geliefert bekommen und bin mit Aufbau und Umräumen
gerade sehr beschäftigt…
<RPG>
# Ort: USS Hephaistos – Bereitschaftsraum
# Zeit: MD 10.1945
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Audrey zu Emilys Füßen zuckte und floss schließlich auseinander. Doch
den drei Offizieren blieb keine Zeit, sich ratlos anzusehen, denn ein
dumpfes *Klonk* störte die Dreisamkeit.
Alle drei drehten sich erschrocken zu dem Geräusch, in Erwartung einer
weiteren komischen Lebensform oder eines weiteren Freundes von Emily.
Doch der graue Schatten am Fenster überraschte sie dann doch.
</QUOTE>
Was es genau war, konnte hinterher niemand mehr sagen. Aber alle fühlten
sich unglaublich von diesem Etwas angezogen. Sich zu ihm hingezogen wie
Motten zum Licht. Es gab keine andere Wahl. Dieses Fenster bedeutete
ihnen alles.
Langsam, gingen Sie darauf zu.
Emily hielt noch immer das Schiffsmodell in der Hand. Verlegen gab sie
es Shay. Aber den Skipper interessierte es nicht. Er stellte es auf
seinem Tisch ab und beachtete nicht, wie es mit einem leisen und dumpfen
Geräusch umkippte
Ettore, der dem Fenster am nächsten war, hatte dieses als erstes
erreicht. Er trat dicht davor und versperrte somit Emily und Shay den Blick.
Sofort fühlten sich der Skipper und die Ingenieurin weniger vom Fenster
angezogen. Sie blickten sich kurz an, so als wollten sie sich
vergewissern, dass der andere genau das Gleiche gefühlt hatte. In dem
stummen Blick des anderen erkannten sie, wie sich ihre eigenen Gefühle
der Mischung aus Anziehung, Angst und Neugierde auch im anderen
widerspiegelten. Entschlossen traten sie gleichzeitig einen Schritt
zurück, so als würde die räumliche Distanz ihnen Sicherheit verschaffen.
Interessiert beobachteten beide, wie der Italiener langsam die Hand
ausstreckte und dann das Fenster berührte. Im gleichen Augenblick schien
die Szenerie wie eingefroren. Ein Atemzug war die Ewigkeit. Kurz darauf
zuckte er zusammen.
Ettore konnte die Spiegelung im Fenster gut erkennen. Eine blonde große
Frau, die ihm zuwinkte. Einladend lächelte sie ihn an. Er streckte die
Hand aus, um die mit der Konturen der Gesichtszüge nachzufahren.
In diesem Augenblick passierte es. Das Bild verzerrte sich zu einer
Fratze. Erschrocken wich der Italiener von dem Anblick zurück, konnte
sich aber auf besondere Weise trotzdem nicht lösen. Zu lange hatte er
nicht mehr an sie gedacht. Jetzt hatte er ein schlechtes Gewissen. Sie
war seine erste Frau gewesen. Aber in letzter Zeit hatte er nur Gedanken
und Gefühle für Mel und die Kinder gehabt.
// Das ist auch richtig so, sie sind Deine Familie.// meldete sich eine
innere Stimme.
// Du hast sie verdrängt und vergessen.// sagte eine andere Stimme.
// Ich habe sie um Erlaubnis gebeten, sie loszulassen und mich Mel
nähern zu dürfen.// sagte eine dritte Stimme.
Ettore kannte diesen inneren Dialog auswendig. Es war das ewig schlechte
Gewissen nicht angemessen reagiert zu haben, zu wenig Zeit getrauert zu
haben. Sein Verstand wusste, dass das falsch war. Er hatte mit ihr
gesprochen. Mel hatte ihnen geholfen. Sie hatte ihn ‚freigegeben‘. Und
doch.
Es war eine Ur-Angst, alles falsch gemacht zu haben. Die falschen
Entscheidungen getroffen zu haben.
// Ich habe genug dafür bezahlt. Ich darf mich heute des Lebens
freuen.// sagte die dritte Stimme wieder.
// Du hast noch nicht genug gelitten, was zählt so eine Behinderung
schon.// war die zweite Stimme zu hören.
// Gib Deine Gefühle denen, die sie empfangen können. Liebe die
Lebenden.// war die erste wieder zu hören.
Kurz darauf fing das Gesicht an, sich zu verformen. Langsam, fast
quälend langsam wurden die Haare dunkler, die Gestalt wurde kleiner und
schmächtiger. Schließlich konnte er unverkennbar ein Abbild von Mel
erkennen.
Tief in seinem Inneren hörte Ettore eine fragende Stimme:// Wer bist Du?
Was hast Du mit Ihr gemacht? Du hast sie im Stich gelassen und einfach
eine Neue gewählt. Wer bist Du?//
Die innere Stimme wurde immer lauter, die letzte Frage wiederholte sich
in einer Endlosschleife.
Ettore ließ das Fenster los, fuhr sich mit der Hand über die linke
Schulter und ging dann übergangslos dazu über, seine Uniformjacke glatt
zu ziehen.
Ein tiefer Seufzer entfuhr ihm: „Ich bin nun mal ich.“
Dann lächelte er noch einmal das Fenster traurig an und wandte sich mit
gesenktem Blick ab.
„Was war das?“, erkundigte sich Shay.
„Eine Begegnung mit mir selbst.“ antwortete der Italiener ohne viel
Energie. „Aber ich weiß, wer ich bin. Ich habe nicht zum ersten Mal in
den Abgrund geschaut. Mir macht es keine Angst. Es macht mich nur traurig.“
Langsam ging er zu einem der Stühle und ließ sich schwer darauf nieder.
Dann stütze er den Arm auf die Tischplatte und legte nachdenklich den
Kopf in die Hand. Er schien mit dem Blick einen Punkt zu fixieren, den
es nicht gab.
Kaum war der Blick auf das Fenster frei, als diese Anziehung auch wieder
Emily und Shay ergriff. Beide näherten sich gleichzeitig dem Fenster.
<NRPG> Na wer will noch einen Blick in sein Innersten wagen? </NRPG>
</RPG>
<SUM>
# Ort: USS Hephaistos – Bereitschaftsraum
# Zeit: MD 10.1945
Das unbekannte Etwas verursacht einen Blick in die dunkelsten Abgründe
des eigenen Ichs.
</SUM>
submitted by
Kim
aka
LtCmdr. Ettore Ludovico della Scala
CNS – USS Hephaistos
SD 270429.9