So ihr Lieben,
vielen Dank für das schöne Jahr mit Euch. Zum Abschluss eine winterliche Erzählung aus London. Null Missionsrelevant, 100% Charbuilding. Ich hoffe sie macht Euch Freude. Mit hat sie das auf jeden Fall gemacht.
<RPG>
Ort: Büro des CNS
Zeit: MD 23.1620 (Backpost)
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Kurz bevor das Ziel erreicht war, sagte der Counselor plötzlich: „Eine,
die mich nicht langweilt, die Sie beruhigt und die voll und ganz der
Wahrheit entspricht.“
Jenn schrak auf. „Wie, was?“, fragte sie.
„Genau so soll die Geschichte sein. Aber vorher legen sie alle
entwendeten Samentüten vorher wieder auf den Tisch“, sagte Ettore ruhig.
Als Jenn nicht reagierte sagte er ganz leise: „Miss Larson: Legen Sie
jetzt die Tüten auf den Tisch.“
Jenn überlegte noch immer. Auf die beiden Tüten käme es sicher nicht an.
Und die Verlockung das mal zu rauchen war wirklich sehr groß.
Andererseits fürchtete sie sich auch davor, es gleich beim ersten Besuch
beim Counselor es in seine Schwarze Liste zu schaffen, wie sehr sicher
war ein jeder in diesem Beruf führte.
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„So eine Geschichte wollen sie also hören, na mal schauen, ob ich hier etwas für Sie habe“, überlegte Jenn. Sie kratztes sich mit ihrem Finger am linken Ohr. Danach begann sie mit einer Strähne ihres Haares zu spielen. In Wahrheit hatte Jenn viele Geschichten zu erzählen. Doch ob der Doc diese auch alle hören wollte, da war sie sich unsicher. Zudem gab es ein paar Geschichten, die niemand kannte und das aus gutem Grund. Was also würde den Doc glücklich machen? Heidi konnte er sich auch selbst herunterladen.
„Nun, es war mein zweites Jahr in London,“ begann Jenn.
Doch Ettore unterbrach sie sofort wieder. „London?“
Ein Seufzer entrang sich Jenns Kehle. Sie hatte angenommen dass der Doc ihre Akte kannte. „Hören Sie Doc, Sie müssen sich schon etwas anstrengen, sonst macht das mit dem Geschichten erzählen keinen Spass.“
Ettore zuckte zusammen. „Bleiben Sie doch bei LtCmdr. Scala, oder Mr. Scala, bitte.”
“Sicherlich Doc, sicherlich.” Jenn liebte Spitznamen und sie vergab diese gerne, wenn sie damit etwas provozieren oder Respektlosigkeit verbreiten konnte.
Ettore seufzte, er würde das Spiel nicht mitmachen. „Nun gut Ms. Larson, die Geschichte, London?“
„London, richtig.“ Sie wollte ihm die Geschichte erzählen, immerhin war sie gut. „Ich wurde auf die Erde in ein Internat geschickt. Eigentlich war ich auf einer Sternenbasis aufgewachsen, doch meine Mutter kam mit ihrem Job und mir nicht zurecht. Also wurde ich auf die Erde geschickt zu meinem Vater.“
Gespannt horchte Ettore auf. Bekam er tatsächlich etwas aus der Vergangenheit von Jennifer Larson erzählt? Ihm war schon klar, dass diese Frau ihn nur sehen ließ, was sie auch sehen lassen wollte, doch manchmal gab es Momente wo er Hoffnung hegte. So einer dieser Momente hatte er gerade jetzt.
„Ja und in meinem zweiten Jahr in London, da wollte ich unbedingt in die Baker Street, aber es war mir nicht erlaubt, denn ich hatte mich mal wieder unmöglich benommen…“
*** Viele Jahre früher ***
Verzweifelt zerrte Jennifer an dem Fenster. Es musste doch einfach aufgehen. Sie konnte es nicht fassen, man hatte sie tatsächlich in ihrem Zimmer eingesperrt. Doch hätte sich Sherlock Holmes davon aufhalten lassen? Sie hatte einen Fall zu lösen. Also musste sie nur den richtigen Weg finden. Die Lösung lag vor ihr, es galt nur genau zu beobachten.
Doch egal wie lange sie das Fenster anstarrte, weder wollte es sich von selber öffnen, noch bekam sie irgendwelche Hinweise, wie man es öffnen konnte. Der Griff war abmontiert worden. Dort wo er sich befunden hatte, war jetzt nur noch ein einsames Loch. Enttäuscht setzte sie sich auf ihr Bett. Sie nahm eines der Kissen und zog es zu sich heran. Sie hatte das Bedürfnis mit etwas zu kuscheln, sich nicht so einsam, so verloren zu fühlen. Terra war eine Katastrophe. Sie sehnte sich nach 295 zurück. Dort war es ihr gut ergangen und dort hatte sie auch Freunde gehabt. Nicht so wie hier. Natürlich waren es angeblich die falschen Freunde gewesen. Doch man konnte von einem Ferengi und einem Andorianer sehr viel lernen. Nun war sie unter ‚ihresgleichen‘ und fühlte sich total fehl am Platz. Aber nein, das war für ein junges Mädchen in ihrer Entwicklung viel besser als sich mit Subversiven Elementen abzugeben.
Sie schleuderte das Kissen von sich. Wütend starrte sie ihm hinterher. Sie vermisste Nax und Akahl. Mit den beiden hatte sie viel Spass gehabt und Nax hätte bestimmt gewusst wie man das Fenster aufbekam. Tränen traten auf Jennifers Wangen.
In diesem Moment öffnete sich die Tür zu ihrem Zimmer. Mrs. Impertinent kam herein. Nein, so hieß die Frau nicht wirklich. Eigentlich hieß sie Daphne Moore. Sie wollte am liebsten Mrs. Moore genannt werden. Doch für Jennifer war sie nur Mrs. Impertinent. Denn als genau das, wurde sie von ihr immer bezeichnet.
„Nun Ms. Larson, haben Sie schon über ihr Verhalten nachgedacht!“ lautete die kühle Frage von Mrs. Impertinent. Dabei fiel der Blick der Lehrerin auf das aufgeschlagene Aufgabenheft auf Jennifers Schreibtisch und das zerknüllte Kissen an der Wand. Sie zog eine Augenbraue nach oben. „Offenbar nicht. Dann verlängere ich ihren Aufenthalt in diesem Raum über das ganze Wochenende, warum sind sie auch immer so impertinent Ms. Larson.“
In diesem Moment fiel Jennifers Blick auf einen Schlüsselbund an der rechten Seite von Mrs. Impertinent. Daran war ein größerer Gegenstand befestigt. Es handelte sich um den Griff für ihr Fenster. Langsam erhob sich Jennifer. „Das können sie nicht machen. Ich habe tausendmal in das Heft geschrieben ‚Ich werde mich nicht mehr so impertinent verhalten. Impertinent bedeutet, dass ich unverschämt, respektlos und gemein gegenüber meinen Lehrern und Mitschülern bin‘. Sie hatten zu mir gesagt, wenn ich das tue…“
„Tja, Ms. Larson, ich hegte die Hoffnung, dass sie verstehen, was sie da schreiben. Doch ich sehe, Sie haben es nicht verstanden. Also werden Sie es noch viertausendmal schreiben. Wir wollen doch, dass es sich so richtig verinnerlicht. Nicht wahr!“ Ein falsches Lächeln lag auf dem Gesicht der Lehrerin.
Jennifer sprang auf Mrs. Impertinent zu und machte einen Kniefall. „Bitte Mrs. Moore, das können Sie mir nicht antun. Ich flehe sie an…“ Dabei ergriff sie mit ihren Händen, die von Mrs. Moore und blickte möglichst leidend zu der Lehrerin auf.
Als diese die Stirn runzelte und ihre Hände von Jennifers Händen befreite, schob die Schülerin ihre Hände an die Seiten der Frau und zerrte flehend an der Hose der Lehrerin.
„Ms. Larson, lassen Sie das. Sie sind es schon wieder, impertinent!“ Die Lehrerin wehrte sich vor allem gegen die linke Hand von Jennifer, die immer weiter nach oben tastete. Dadurch bekam sie allerdings auch nicht mit, wie Jennifer mir der rechten Hand gekonnt den Fenstergriff von dem Schlüsselbund löste, welcher lose in den Ring gesteckt worden war.
„Es reicht Ms. Larson.“ Die Lehrerin stieß Jennifer zu Boden und baute sich noch bedrohlicher auf. „Wenn ich könnte, dann würde ich Sie den Satz mit ihrem Blut schreiben lassen. Auf jeden Fall werden sie das ganze nun zehntausendmal schreiben und wehe sie sind bis Montag damit nicht fertig!“
Als Jennifer zu Boden gegangen war, wäre ihr fast der Fenstergriff entglitten. Ihr Arm schmerzte, um den Griff nicht zu verlieren, hatte sie sich mit der rechten Seite nicht wirklich abgefangen. Zum Glück war es aus ihrer knieenden Position nicht weit bis zum Boden gewesen. Innerlich triumphierend war es ihr egal was Mrs. Impertinent von sich gab. Sie hielt den Weg in ihre Freiheit in ihrer Hand. Diese starrte Jennifer möglichst wütend nieder und verließ dann das Zimmer. Die Tür schloss sich hinter ihr und Jennifer konnte hören wie Mrs. Impertinent das Türfeld bediente, mit dem sie die Tür zu Jennifers Zimmer versperrte. Dabei war die Schülerin nur froh, dass die Tür ein modernes Schloss hatte, sonst hätte die Lehrerin womöglich schneller bemerkt, dass der altmodische Fenstergriff fehlte.
Trotz ihrer großen Vorfreude war Jennifer vorsichtig. Sie blickte aus dem Fenster, immerhin befand sie sich im dritten Stock. Es war also nichts mit, ich öffne das Fenster und springe heraus. Doch glücklicherweise befand sich links von ihrem Fenster das Abflussrohr der Dachrinne. Sie musste sich also nur ungefähr zwei Meter nach links hangeln und dann an dem Rohr herunterklettern. Das war machbar.
Schnell eilte Jennifer zu ihrem Schrank, sie nahm sich ihre dicke Winterjacke und die Handschuhe, so wie Schal und Mütze heraus. Dann suchte sie nach ihren Stiefeln. Ein kritischer Blick auf das Profil der Stiefel entlockte ihr einen enttäuschen Seufzer. Die Stiefel besaßen so gut wie kein Profil mehr. Aber es war kalt und somit sicherlich keine gute Idee, die Halbschuhe zu nehmen. „Die Stiefel müssen es richten, da hilft nichts.“ Entschloss sich Jennifer.
Sie wartete noch eine halbe Stunde. Dann würde es für alle artigen Kinder Tee und Gebäck im Speisesaal geben. Die beste Zeit um abzuhauen, da die Lehrer ebenfalls dort anwesend waren.
Doch eine halbe Stunde konnte sich als äußerst lang erweisen. Die Minuten krochen nur so dahin und Jennifer hätte am liebsten den Sekundenzeiger ihrer Uhr angeschuckt. So saß sie nervös auf ihrem Bett, blickte immer wieder furchtsam zur Tür. Es konnte ja sein, dass Mrs. Impertinent jeder Zeit den fehlenden Fenstergriff bemerken würde. Dann würde ihr schöner Plan in Rauch aufgehen. Endlich läutete die Schulglocke zum Nachmittagstee und Jennifer beeilte sich in ihre Jacke, Handschuhe, Schal, Mütze und Schuhe zu schlüfen. Dann schob sie den Griff in das dafür vorgesehene Loch und öffnete das Fenster. Die winterliche Luft, welche ihr entgegen schlug roch nach Freiheit. Sie nahm einen tiefen Luftzug und hüpfte vor Freude in ihrem Zimmer als es erneut zu schneien begann. Schon am Vortag hatte der Schnee die ganze Stadt in ein Winterwunderland verwandelt. Die Welt war nicht genug! Sie würde heute nicht nur ihre Freiheit gewinnen, sie würde es allen zeigen. „Universum, ich komme!“ rief sie vor lauter Freude hinaus.
Schnell hatte sie sich aus dem Fenster geschwungen. Zum Glück war sie schwindelfrei. Dann tastete sie sich vorsichtig an dem kleinen Mauervorsprung entlang bis zu dem Abflussrohr. Als sie daran herunterklettern wollte, stellte sie fest, dass ihre Stiefel tatsächlich kaum Halt fanden und ihre Hände mit den Handschuhen ebenfalls kaum Grip gaben. Während sie noch sicher auf dem Vorsprung stand, entschloss sie sich dazu, die Handschuhe auszuziehen. Das kalte Metall der Regenrinne biss in ihre Hände. Doch sie hatte wesentlich mehr Halt am Metall. Vorsichtig begann sie nach unten zu klettern. Dabei waren ihre Stiefel wirklich keine große Hilfe. Das eine oder oder andere Mal rutschte sie fast ab. Doch immer konnte sie sich mit ihren Händen am Rohr festhalten. So kam sie vorsichtig und langsam, aber sicher ihrem Ziel näher. Als sie noch ungefähr ein Stockwerk zu bewältigen hatte, schob sich ein Kopf aus ihrem Fenster.
„Ms. Larson, wagen Sie es nicht!“
Mrs. Impertinent hatte sie entdeckt. Jennifer versuchte sich zu beeilen, dabei verlor sie aber nicht nur den Halt mit den Stiefeln, sondern auch ihre Hände, die mittlerweile kalt und klamm waren konnten sie nicht mehr retten. Mit einem Aufschrei stürzte Jennifer in die Tiefe. Erschrocken blickte sie zu ihrem Fenster hoch. Das wütende Gesicht, welches durchaus Befriedigung über den Sturz der Schülerin zeigte, brannte sich in ihr Gedächtnis.
Dann wurde sie von einer weißen Wolke verschluckt. Der Hausmeister hatte die Wege vom Schnee freigeräumt. Glücklicherweise hatte er sich entschieden, den Schnee unter dem Rohr, an welchem Jennifer hinabgeklettert war zu sammeln. So wurde ihr Sturz vom diesem wunderbaren, weißen etwas abgemildert. Lachend befreite sich Jennifer aus dem Schneeberg. Ihre schwarzen Haare waren überzuckert vom Schnee und sie musste sich die verklebten Strähnen aus dem Gesicht streichen. Dann suchte sie ihre Mütze, schnell zog sie sich diese wieder über den Kopf, blickte zum Fenster hoch, aus diesem Mrs. Impertinent lauthals brüllte.
„Ms. Larson, wagen sie es nicht. Bleiben Sie wo Sie sind. Das wird Konsequenzen haben…“
So ging es in einem fort. Zum Glück war Mrs. Impertinent sowohl unsportlich als auch unflexibel. Anstatt der Schülerin nachzusetzen verlegte sie sich aufs Schreien und rot anlaufen. Jennifer blickte der Lehrerin in die Augen und hob dann ihre rechte Hand mit ausgestrecktem Mittelfinger.
Dann rannte sie lachend vom Gelände. Dies war der beste Tag ihres Lebens! So schmeckte Freiheit, so schmeckte Rebellion! Sie hätte am liebsten glücklich ausgerufen „Mr. Holmes ich komme!“ doch sie tat es nicht. Ein Sherlock Holmes gab keine Hinweise darauf, wo man ihn finden konnte, so dumm war Sherlock Jennifer Holmes nicht. Stattdessen lachte sie die ganze Zeit frohlockend. Ihr triumphaler Abgang wurde begleitet von dem hysterischen Gezeter von Mrs. Impertinent. Das war die beste Melodie überhaupt.
Wenig später erreichte Jennifer die Schnellbahn. Sie löste sich ein Ticket und setzte sich in den nächsten Zug, welcher sie in die Stadtmitte von London brachte. „Baker Street 221b, ich komme!“ rief sie lachend, als sie zusah wie der Zug immer schneller wurde und die Umgebung im Rausch der Geschwindigkeit an ihr vorbeizog.
Mehrere Menschen, ein Andorianer und ein Ferengi im Zug lachten mit Jennifer, als diese sich glücklich in ihren Sitz fallen ließ. Das ausgerechnet ein Andorianer und ein Ferengi im Zug waren, das war ein Zeichen. Da war sich das Mädchen sicher.
Als der Zug in Central Station anhielt stieg Jennifer freudig erregt aus. Nun musste sie nur noch die U-Bahn zur Baker Street nehmen und dann war sie ihrem Ziel so nahe, wie sie immer nur davon geträumt hatte. Wie immer wimmelte und wuselte die Central Station von allerlei Reisenden, Touristen und Pendlern. Für einen Moment hielt Jennifer deswegen inne und inhalierte dieses Gefühl. Es hatte etwas von Sternenbasis 295. Auch dort hatte immer wieder ein reges Treiben geherrscht. Ein Kommen und Gehen, ein verladen von Waren, ein Handeln und Feilschen oder an- und abdocken. Sie hatte diese Momente geliebt. Auch hier herrschte dieser besondere Flair. Da stand ein Straßenmusiker und vergrätzte die Reisenden mit seinem astronomisch schlechten Gesang. Gegenüber war ein Zeitschriftenkiosk, der tatsächlich noch auf Papier gedruckte Bücher und Zeitschriften verkaufte. Neben dem Kiosk gab es einen Stand, welcher Fish und Chips anbot, natürlich nur mit Mayonnaise und Vinegar. An diesem Stand ein Geschäftsmann in Anzug. Seine Aktentasche hatte er sich zwischen die Beine geklemmt, um das fettige und ungesunde Essen in Empfang zu nehmen. Unweit davon stand eine Gruppe englischer Fußballfans und sang gröllend Lieder während sie sich ein Bier nach dem anderen zuführten. Das ganze wurde untermalt von einer kitschigen Weihnachtsmusik die im Hintergrund lief und Reisenden die sich Abfahrtszeiten und Bahnsteige zuriefen.
Lachend begann Jennifer im Stand Kreise zu drehen. So einen schönen Tag hatte sie schon ganz lange nicht mehr gehabt. Immer schneller und schneller drehte sie sich. Ihre Umgebung verwandelte sich in ein Karussell und die einzelnen Menschen wurden zu Farbschlieren, die immer mehr Vielfalt in das Kaleidoskop brachten. Schließlich musste sie außer Atem und schwindlig anhalten. Doch noch immer lachte Jennifer dabei glücklich. Auch wenn die Welt sich in einen gefährlichen Drehwurm verwandelt hatte und so mancher Reisende lieber einen Bogen um das junge Mädchen machte.
Als der Drehwurm sich endlich ins Nichts auflöste fokussierte Jennifer wieder ihren Blick. Sie musste nun zur U-Bahn gelangen. In diesem Moment fiel ihr ein kleines Mädchen, mit blonden Locken, einer roten Schleife im Haar, einem grünen Mantel auf. Es blickte sich ängstlich um und weinte mit voller Kraft. Niemand schien Notiz von dem Mädchen zu nehmen.
Entrüstet schritt Jennifer auf das Mädchen zu. Wer ließ so ein armes, verlorenes Geschöpf ganz allein? Warum kümmerte es niemand, dass dieses Mädchen offensichtlich Angst hatte? Sie ging in die Hocke und blickte das Mädchen freundlich an. Doch diese wich erst einmal ängstlich von Jennifer zurück.
„Hey, wie heißt Du Kleines?“ fragte Jennifer und streckte ihr vorsichtig eine Hand entgegen.
Doch der kleine Engel mit den blonden Locken blickte nur ängstlich auf die Hand von Jennifer und heute noch lauter.
„Hab keine Angst, ich will Dir helfen!“ Jennifer nahm die Hand wieder ein Stück zurück.
Das Mädchen blickte Jennifer aus den braunen Augen an und noch immer sprach große Angst aus seinem Blick. Doch für einen Moment vergaß es zu weinen. „Ich soll nicht mit Fremden reden.“ Lautete die ernsthafte Antwort.
Jennifer verzichtete darauf ihr klar zu machen, dass sie dies bereits tat. „Ich bin Jennifer. Jennifer Larson. Schülerin an Whitemore Internat.“
„Whitemore?“ fragte das kleine Mädchen zaghaft.
„Ja, ein ganz schreckliches Internat. Aber das braucht Dich nicht zu kümmern. Wie heißt Du eigentlich?“ fragte nun Jennifer fröhlich um das Vertrauen der Kleinen zu gewinnen.
„Emilia,“ sagte die Kleine, während sie immer wieder schluchzte. Noch waren die Tränen nicht versiegt und auch die Verzweiflung nicht verschwunden. Doch irgendwie fühlte sich Emilia besser, seitdem sie Jennifers Aufmerksamkeit bekam.
„Und kannst Du mir noch sagen wie Du weiter heißt?“
„Emilia Theodora…“
Theodora? Wer nannte sein Kind Theodora? Waren die Eltern noch ganz bei Trost? Doch Jennifer zuckte mit den Schultern. Eigentlich hatte sie auf einen Nachnahmen gehofft. Oder war eventuell Theodora…
Jennifers Gedanken wurden von einer Durchsage unterbrochen. „Die kleine Emilia Watson wird vermisst, wir bitten die Reisenden nach einem kleinen Mädchen im grünen Mantel, mit blondem Haar und einer roten Schleife Ausschau zu halten. Es wäre freundlich, wenn sie Emilia zur Information bringen, dort wartet ihr Vater auf sie!“
Jennifer musste grinsen. „Heißt Du Emilia Watson, ja?“
Die Kleine nickte begeistert. Das Spiel war schön. Woher kannte das Mädchen jetzt nur ihren Namen. „Ja, Du bist ja ein richtiger Sherlock!“ freute sich das Mädchen.
Der Tag wurde immer besser. Auch wenn der echte Sherlock jetzt wahrscheinlich schon gewusst hätte, wo Emilia lebte, wie alt sie war und was sie am liebsten als Nachtisch mochte, so fühlte sich Jennifer wirklich etwas wie der Meisterdetektiv. Dazu hieß die Kleine auch noch Watson. Was konnte es Besseres geben. Sie nahm Emilia an der Hand und führte diese zur Information. Dort blickte ein junger Mann sich suchend um. Als er Jennifer mit der kleinen Emilia erblickte rannte er auf die beiden Mädchen zu und drückte den blonden Engel ganz fest an sich. Auch Emilia ließ sich erleichtert in die Umarmung ihres Vaters sinken. Nun war die Welt wieder in Ordnung. Eigentlich hätte sich Jennifer jetzt gerne davon gemacht. So schön es war, alle wieder glücklich und vereint zu sehen, so hatte sie immer noch ein Ziel, welches sie erreichen wollte.
Da hörte sie die Worte der kleinen Emilia. „…das Mädchen sagte sie ist auf Whitemore, da wusste ich, sie würde mir helfen…“
Während Jennifer sich den Vater nicht so genau angeschaut hatte, sondern sich viel mehr über Emilias leuchtenden Augen gefreut hatte wurde ihr Blick nun magisch von dem Mann angezogen.
Auch dieser blickte überrascht auf das Mädchen, welches seine Tochter gefunden hatte. „Jennifer Larson, was machen Sie denn hier? Sollten Sie nicht…“
Auf einmal wurde der Tag zu einem grausamen Tag. Vor ihr kniete ein Lehrer. Gerald Watson, einer der Lehrer der nicht ganz so schlimm war aber trotzdem, er war ein Lehrer. Schnell drehte sich das schwarzhaarige Mädchen und versuchte davonzueilen. Doch da hatte sie Mr. Watson schon sanft ergriffen und hielt sie fest. „Jennifer, was machen Sie hier?“
„Ich…, das ist…, …oh man!“ entfuhr es Jennifer und tatsächlich hatte sie Tränen in den Augen. Sie hätte so gerne die Baker Street gesehen. Eine weitere Lektion für ihr Leben, eine gute Tat lohnt sich einfach nicht.
Doch die Augen von Mr. Watson blickten sie freundlich an. „Eigentlich müssten sie doch jetzt impertinente Sätze schreiben, oder?“
„Ja, Mr. Watson.“ Jennifer überlegte für einen Moment ob sie sich aus dem Griff des Mannes befreien sollte. Doch was nützte es. Der Mann war sportlich, er würde ihr bestimmt nicht hinterherschimpfen wie Mrs. Impertinent.
„Stattdessen sind Sie hier und retten meine Tochter. Wie ist das möglich?“ Gerald lächelte sich freundlich an.
„Ich wollte zur Baker Street 221b!“ gab Jennifer zu und verwünschte sich insgeheim. Warum erzählte sie das dem Mann?
„Das ist ja wunderbar.“ Rief nun Emilia aus. „Du bist tatsächlich Sherlock Holmes!“
Gerald lächelte seine Tochter an. „Eher Jennifer Holmes, würde ich sagen. Seine Schwester, weißt Du!“
„Aber er hat keine Schwester Namens Jennifer.“ Erklärte Emilia ernsthaft.
„Erzähl es niemand weiter, es ist ein Geheimnis.“ Sagte der Vater zu seinem kleinen Mädchen. Dann blickte er zu Jennifer. „Wir wohnen in Baker Street 21b. Ist nicht das ganz Gleiche, aber ich würde sie gerne einladen Ms. Larson. Sie haben immerhin meine Tochter gerettet.“
Sprachlos blickte Jennifer zu ihrem Lehrer. Wollte er sie tatsächlich belohnen? Nicht wieder einsperren? Sie bestrafen und ihr erklären wie impertinent sie war? „Ist das Ihr Ernst?“
„Mein voller Ernst.“ Dann nahm er die beiden Mädchen an seine Hände und machte sich auf dem Weg zur U-Bahn.
***zurück auf der Heph, bei Ettore im Büro***
„Es wurde der schönste Nachmittag meines Lebens. Es gab Kekse, Kuchen, Tee und ich wurde irgendwie Teil der Familie. Ab da förderte Mr. Watson mich. Er war es auch, der mich dazu brachte mich zur Sternenflotte zu melden. Irgendwie hatte ich für einige Jahre eine Ersatzfamilie.“ Schloss Jennifer ihre Erzählung.
Ettore schaute zweimal hin, allerdings so unauffällig wie möglich, denn er entdeckte tatsächlich feuchte Augen bei Jennifer. „Und MRs. Impterinent?“
„Die blieb impertinent, ich musste zwanzigtausend Sätze schreiben. Dafür sorgte Mr. Watson dafür, dass ich sie mit dem Computer schreiben durfte. Nachdem ich den ersten Satz geschrieben hatte, zeigte er mit wie Copy und Paste funktioniert.“ Erklärte Jennifer lächelnd.
Eine ganze Weile herrschte Ruhe zwischen den Beiden.
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Ettore machte sich ein paar Notizen in einem Padd.
„Sie führen dann bitte im nächsten Monat ein Tagebuch. Ich möchte sicher
gehen, dass Sie genug Ruhe bekommen. Versuchen Sie, Arbeit zu delegieren
und sich Freiräume für Entspannung zu schaffen.“ Hier sah er kurz auf.
„Und ich meine richtiges Nichtstun, nicht irgendwelche Nebentätigkeiten.
Wir sehen uns dann in zwei Wochen, um Ihre Fortschritte zu besprechen.“
Er gab ihr dass Padd.
Jenn wollte schon gehen.
„Die Samentüten, Miss.“ ermahnte Ettore.
Widerwillig legte sie die Tüten auf den Tisch. Wurde wohl nichts mit dem
Salat rauchen.
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„Bin ich jetzt Mr. Impertinent?“ fragte Ettore, Jenn.
Doch diese schüttelte den Kopf. „Nein, Doc,“ dabei verzog er wieder das Gesicht, „sind Sie nicht. Danke für diese Erinnerung. Ich habe schon lange nicht mehr daran gedacht.“
Dann schloss sich hinter ihr die Tür.
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Ort: Büro des CNS
Zeit: MD 23.1620 (Backpost)
Jennifer erzählt Ettore eine Geschichte aus ihrer Zeit in London.
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submitted by
Friddi
aka
Jennifer Holmes
Baker Street 21b