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SFG Joint Venture – Im blauen Dunst der Realität

Posted on 9. Juni 2024 By admin

Im blauen Dunst der Realität

By Daniel_Maximini@… (Daniel Maximini)

Heya

Sooo, das lief schon länger, aber hier endlich das Copo von Mo und mir,
wer also Spaß um tiefgehende Moraldebatten hat, dürfte hier auf seine
Kosten kommen. 😉

<RPG>
# Ort: USS Artemis, Offiziermesse
# Zeit: MD -21.1342 (ist noch aus der Soapphase)

In der Offiziermesse der USS Artemis herrschte nach dem Ende der
offiziellen Ansprachen und Toasts immer noch eine lebhafte Atmosphäre.
Einige Offiziere hatten bereits die Messe verlassen, um ihren Pflichten
nachzugehen, während andere noch in Gruppen zusammen standen, angeregte
Gespräche führten oder ihre Gläser leerten.

Gaspar Toussaint saß an einem der eleganten Tische, an dem sich noch
einige wenige Offiziere aufhielten. Ein paar verstreute Gläser und
halbvolle Tellern zeugten davon, dass nicht alle bereits gegangen waren.
Ein leichter Hauch von Erwartung lag in der Luft, da die Crew sich auf
den bevorstehenden geheimen Einsatz vorbereitete.

In einer Ecke des Tisches saß Dr. Liyun Corapara, einen halb gegessenen
Teller vor sich. Seine Gedanken schienen weit weg zu sein, während er in
sein Essen starrte und über die bevorstehende Mission nachdachte. Gaspar
bemerkte dies. Es war ein merkwürdiger Anblick. Liyun wirkte sehr in
sich gekehrt, als würde er sein Umfeld gerade gar nicht wirklich
wahrnehmen. “Doktor? Alles in Ordnung?” fragte der Captain dann doch nach.

Dessen Reaktion verriet, dass er sein Umfeld sehr wohl wahrgenommen
hatte. Es war kein schreckhaftes Erwachen, sein Körper schien gar nicht
darauf zu reagieren, dass er nun in ein Gespräch geraten war. Weiter
blickte er in sein Essen. Und dennoch antwortete er. “Ich machte mir
meine Gedanken, Captain. Ich habe auf der USS Cerritos das ein oder
andere mal gefährliche Situationen erlebt, aber johlende Marines, die
einen bevorstehenden Konflikt mit den Klingonen beklatschen, das ist neu
für mich.” Erst jetzt blickte er auf und zum Captain. “Ich weiß, es sind
mutige Frauen und Männer und die Aussicht, diesen Krieg mit solch einer
Mission ein Stück schneller beenden zu können, ist etwas gutes. Aber
irgendwie hätte ich an der Stelle etwas mehr Demut erwartet.
“Demut?” fragte Gaspar nach.

“Jetzt jubeln sie. Die meisten Opfer solcher Momente, die später dann in
meiner Krankenstation erscheinen, jubeln nicht mehr. Sie fürchten sich
mehr um ihr Leben. Und hier und da werde ich es nicht mehr retten
können.” erklärte Liyun seine Gedanken.
“Sie sind für solche Momente ausgebildet worden. Mögliche Verletzungen
oder der Tod im Einsatz gehören zu solchen Situationen dazu. Die USS
Artemis ist eben kein Forschungsschiff. Sie haben damit doch kein Problem?”

Der Bolivianer schüttelte den Kopf. “Non. Ich bin vorbereitet. Ob ein
Patient nun eine Schusswunde, eine Plasmaverbrennung, gebrochene Knochen
oder Chlamydien hat, das macht für mich keinen Unterschied. Aber jubeln
werde ich deswegen trotzdem nicht. Ein Kampfeinsatz bedeutet immer auch
Leid, nicht für für das Opfer, sondern auch für dessen Freunde und
Familien. Vor allem aber auch für die Leute, die auf solche Situationen
nicht eingestellt sind. Davon haben wir ein paar an Bord. Um die mache
ich mir eigentlich gerade mehr Sorgen. Von daher sehen sie also eher
gerade einen grübelnden Counselor.”

Gaspar Toussaint lehnte sich in seinem Stuhl zurück und beobachtete Dr.
Corapara für einen Moment, bevor er nickte. “Ich verstehe Ihre Bedenken,
Doktor. Krieg ist niemals eine leichte Angelegenheit, und selbst die
besten Krieger können den emotionalen Tribut, den er fordert, nicht
immer vermeiden.”

Er schob sein Glas ein Stück zur Seite und beugte sich vor, seine Stimme
leiser und eindringlicher. “Wissen Sie, es gibt da diese Tradition. Vor
jedem Einsatz erinnern wir uns an die Menschen, für die wir kämpfen. Die
Familien, die Freunde, die uns erwarten, wenn wir zurückkehren. Es ist
eine Art, unsere Menschlichkeit zu bewahren, auch wenn wir uns in den
Krieg stürzen.”

Dr. Corapara hob eine Augenbraue und lehnte sich ebenfalls vor. “Und was
ist mit denjenigen, die diese Menschlichkeit nicht bewahren können?
Diejenigen, die den psychischen Druck nicht aushalten? Es gibt immer ein
paar, die unter dem Gewicht des Krieges zerbrechen.”

Gaspar nickte langsam. “Ja, das gibt es. Und genau deshalb sind Sie so
wichtig, Doktor. Nicht nur um die physischen Wunden zu heilen, sondern
auch um den mentalen und emotionalen Schaden zu lindern. Ihre Rolle geht
über die eines einfachen Mediziners hinaus. Sie sind auch ein Ankerpunkt
für die Crew, jemand, der ihnen hilft, ihre Ängste und Sorgen zu
verarbeiten.”

“Na Großartig, der Captain erinnert mich an meine Pflichten und baut
gleich noch ein wenig Druck auf. Auf dass ich nicht vergesse, warum ich
hier bin.” gab Liyun sarkastisch zurück, wenn auch mit einem sanften
Lächeln, um darzustellen, dass seine Reaktion auch selbstironisch zu
verstehen war. “Sie sind sich im Klaren, dass sie mir gerade eine
scheinbar unlösbare Aufgabe zumuten?”

Gaspar lächelte und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. “Das
weiß ich, Doktor. Und jetzt, bevor die nächste Mission beginnt, sollten
wir vielleicht noch ein paar von diesen verstreuten Gläsern leeren und
uns gegenseitig Mut zusprechen. Die Zeit, die vor uns liegt, wird hart.
Aber wir sind gut vorbereitet, und wir werden es gemeinsam durchstehen.”

“Si. Ängste und Sorgen, to do bien.Dass man einen Geist heilen muss,
nachdem er auf Grund der Perversion seines Umfeldes Schaden genommen
hat, das ist etwas, womit ich auch arbeiten kann. Dafür wurde ich
ausgebildet. Und dennoch sorgt es mich, wenn mein Umfeld in Erwartung
des Chaos diesem freudig zujubelt, bevor es überhaupt eintrifft… da
kommen wir dann in den Bereich des generellen Charakters. Da wird es
richtig schwer, denn es wird einigen Crewmitgliedern darum gehen, wie
man seinen persönlichen Umfeld noch entgegentreten kann, wenn sich deren
persönlichen Ideale so diametral gegenüber stehen.”
“Sind das jetzt Prognosen über Probleme, die auf dem Schiff auftreten
können oder Prognosen über Probleme, die sie persönlich haben werden?”
wollte Gaspar sichergehen, dass sein Counselor nicht gerade nur jammerte.

“Wie gesagt, um mich müssen sie sich keine Gedanken machen. Ich bin
nicht so naiv zu glauben, dass meine pazifistische Ideologie über den
notwendigen Idealen der Sternenflotte stehen könnte. Es ist Krieg, da
wird es ruppig. Meine Aufgabe ist dann, vorzuleben, dass es noch etwas
anderes gibt. Das ist die Verantwortung meines Amtes. Doch frenetischer
Beifall… es ist eben ein schmaler Grad von dahin bis zu tosenden
Jubelgesang, weil einer der Anführer seine Meute fragt, ob sie einen
totalen Krieg wollen.” wählte Liyun eine recht heftige Geschichte
Referenz aus dem 20sten Jahrhundert.

“Na. Soweit sind wir ja nun wirklich noch nicht.” schüttelte der Captain
den Kopf.
“Das denke ich auch nicht. Und dennoch sollten wir alle sehr früh ein
Auge darauf haben, dass sich jeder hier seinen moralischen Kompass
bewahrt. Und dazu gehört meiner Meinung nach, dass man eben jene Demut
zeigt und sich klar macht, dass auch die noble Absicht unserer Mission
nicht darüber hinwegtäuscht, dass wir etwas sehr grausames erleben und
teilweise auch ausführen werden. Noch ist es nur ein Klatschen.

Aber daraus kann sich eben schnell Fanatismus entwickeln und da liegt
auch die Gefahr inne, dass der Gegenüber in seiner Freude der Stimme der
Vernunft irgendwann nicht mehr zuhören kann. Dann kann ich reden und
tun, wie ich will, ich wäre nur die eine Stimme, die etwas kaputt machen
will, was einem ein seltenes gutes Gefühl gibt. Man muss, um so etwas zu
verhindern, vorher bereits klar machen, welches Verhalten man belohnt
und welches nicht. Und das betrifft dann alle Führungsoffiziere.
Verstehen sie, was ich meine?”

Gaspar Toussaint lehnte sich in seinem Stuhl zurück und blickte Liyun
nachdenklich an. „Ehrlich gesagt, Doktor, bin ich mir nicht sicher, ob
ich Ihnen komplett folgen kann. Ich sehe mich selbst als Soldat, jemand,
der Befehle ausführt“, stellte der Kanadier klar und ließ sein Blick
einmal durch den Raum schweifen. Bevor Corapara antworten konnte fuhr er
aber fort:
„Das heißt nicht, dass ich ihre Haltung zu den Begleiterscheinungen des
Krieges nicht teile. Aber ich bin der Überzeugung, dass ich es mir
selbst sehr leicht machen würde, wenn ich dieser Situation an der Front
einfach aus dem Weg gehen würde“, sagte er und schwieg erneut.

„Der Zustand der Gesellschaft in der Vereinten Föderation der Planeten
ist ein Privileg, für das Menschen und Wesen seit vielen hundert Jahren
hart gearbeitet haben. Zusammen haben wir mit viel Diplomatie und
Scharfsinn einen Zustand erreicht, der einem gewissen Idealzustand sehr
nahe kommt. Ist es also nicht wert, für diese Ideale und für diesen
Zustand zu kämpfen?“

Liyuns Finger spielten nachdenklich mit dem Rand seines Glases.
„Natürlich ist es das wert, Captain. Wir alle haben uns der
Sternenflotte angeschlossen, um diese Ideale zu verteidigen. Aber es ist
ein schmaler Grat zwischen dem Schutz unserer Werte und dem Verlust
unserer Menschlichkeit im Prozess. Die Gefahr liegt darin, dass wir,
wenn wir nicht wachsam sind, selbst zu dem werden, was wir bekämpfen.“

Gaspar nickte erneut, während er innerlich ganz froh war noch nicht mehr
getrunken zu haben. Die intellektuelle Qualität ihres Gesprächs war
nichts für einen dumpfen Kopf.

„Ich stimme Ihnen zu Doktor. Es ist wichtig, den moralischen Kompass zu
behalten. Aber in den hitzigen Momenten des Gefechts, wenn alles um uns
herum explodiert, ist es schwer, an Philosophie und Ethik zu denken. Da
zählt nur das Überleben und das Erfüllen der Mission.“

„Das ist wahr,“ stimmte Liyun zu. „Und gerade deshalb ist es so wichtig,
diese Gespräche im Vorfeld zu führen. Wenn wir jetzt darüber nachdenken
und uns selbst bewusst machen, wofür wir kämpfen und was wir bewahren
wollen, dann haben wir eine bessere Chance, diese Prinzipien auch in den
dunkelsten Stunden aufrechtzuerhalten.“

Innerlich staunte Gaspar. Diese Diskussion ging weit über das hinaus,
was er erwartet hatte. Nun war es Zeit für einen wichtigen Test. „Ich
habe eine Frage auf der Seele liegen.“, begann er.
„Was kann ich für sie tun?“, wollte Corapara wissen.

„Wie stehen sie zum Genuss einer orientalischen Wasserpfeife?“

“Als Arzt oder als Person.” grinste Liyun.

“Sagen wir beides?” Lächelte auch der Captain.
“Als Arzt sage ich natürlich nur Pfui-Bah, ihre armen Lungen, ihre arme
Kondition, ihr armer Bluthochdruck, ihre armen Zähne, ihr
bemitleidenswerter Herz-Kreislauf, aber was ein Glücksfall für die
chronisch obstruktive Bronchitis. Als Mensch… wenn die Maya uns eine
nützliche Sache gebracht haben, dann Damiana. Dagegen hat sich nicht mal
mein Volk gewährt. Auch hier natürlich nur zu besonderen Anlässen. Es
hat ein wenig Zigarrencharakter. Aber in Notfällen darf es zum passenden
gesellschaftlichen Anlass natürlich auch mal eine Wasserpfeife sein.
Darf ich das als Einladung verstehen?”

# Ort: USS Artemis, Bereitschaftsraum des Captains
# Zeit: MD 8.2038

In wenigen Stunden würde die Artemis die Station K7 verlassen, das Ziel:
Xarantine. Die Crew bereitete sich auf den bevorstehenden Einsatz vor,
und inmitten dieses Chaos suchte der Captain einen seltenen Moment der
Entspannung. Der Türsummer ertönte. Liyun betrat den Bereitschaftsraum,
seine Haltung entspannter als bei ihrer letzten Begegnung zu zweit. „Ich
hoffe, ich störe nicht?“ fragte er mit einem leichten Lächeln.

Der Raum war mit eleganten, aber funktionalen Möbeln ausgestattet. In
einer Ecke stand ein großes, ergonomisches Pult, das Gaspars
Schreibtisch bildete. Der Schreibtisch selbst war aus dunklem Holz
gefertigt, mit einer glatten, glänzenden Oberfläche, die nur von einem
holographischen Computerdisplay und einigen sorgfältig platzierten PADDs
unterbrochen wurde. Neben dem Schreibtisch befand sich ein kleiner,
silberner Tisch, auf dem Gaspars persische Wasserpfeife thronte.

„Keineswegs, Doktor. Setzen Sie sich, die Kohle glüht schon“, sagte der
Captain und deutete auf den Sessel gegenüber. Liyun setzte sich und
betrachtete die Pfeife mit einem anerkennenden Nicken. Die Wasserpfeife
war ein kunstvolles Stück Handwerkskunst. Der gläserne Körper war mit
filigranen Mustern verziert, die in Gold und Blau gehalten waren und an
traditionelle persische Designs erinnerten. Der Kopf der Pfeife war aus
poliertem Messing, und der Schlauch, der zu Gaspars Platz führte, war
aus weichem, dunkelblauem Leder mit goldenen Akzenten.

 „Es ist selten, ein solches Angebot zu bekommen, danke für die
Einladung“, sagte Corapara aber der Kanadier winkte ab.

„Der Dank ist ganz auf meiner Seite.“, sagte Gaspar mit einem
freundlichen Lächeln. Neben der Wasserpfeife stand ein kleiner,
silberner Kohlenbehälter, der die glühenden Kohlen bereit hielt, die den
Tabak erhitzten. Ein eleganter Kohlenzange lag daneben, wonach Gaspar in
diesem Moment griff und ein neues Stück Kohle auf das Tabakköpfchen
legte. Der Duft von frischem Tabak und exotischen Kräutern erfüllte den
Raum, eine angenehme, beruhigende Atmosphäre schaffend.

Eine Wand des Bereitschaftsraums bestand fast vollständig aus einem
großen Fenster, das den Blick auf das unendliche All freigab. Der
Sternenhimmel bot eine beruhigende Kulisse, und manchmal konnte man weit
entfernte Nebel und Galaxien sehen, die in leuchtenden Farben
erstrahlten. Viel zu friedlich, wenn man bedachte, auf was sich die
Artemis gerade zubewegte.,

Neben dem Fenster standen einige Pflanzen, die mit ihrem satten Grün
einen Kontrast zur technologischen Umgebung bildeten und dem Raum eine
lebendige Note verliehen.
In einer Ecke des Raumes befand sich ein kleiner Schrank, der mit
verschiedenen Getränken und Gläsern bestückt war. Neben den typischen
Lieblingsgetränken des Captains befanden sich auch ein paar Flaschen
seines aktuellen Jahrgangs hier, Gap’s Long Oak.

Gaspar nahm einen Zug und reichte Liyun den zweiten Schlauch weiter.
Dieser nahm einen tiefen Zug und ließ den Rauch langsam ausströmen. „Das
ist wirklich angenehm,“ sagte er und lehnte sich zurück. „Unsere letzte
Unterhaltung hat mir viel Stoff zum Nachdenken gegeben. Wie stehen Sie
jetzt zu den Themen, die wir damals besprochen haben?“

Gaspar nahm selbst einen Zug und nickte nachdenklich. „Ich habe viel
über Ihre Worte nachgedacht. Die Balance zwischen dem Schutz unserer
Werte und dem Erhalt unserer Menschlichkeit ist eine Herausforderung.
Besonders in den letzten Tagen vor unserem Aufbruch.“

Liyun nickte. “Es ist ein sensibles Thema, ja. Und wie ich schon sagte,
es lässt sich nicht einfach komplett auf den Counselor abwälzen. Unsere
Innung hat leider den Ruf, vor allem dann gebraucht zu werden, wenn man
eine Schulter zum Ausweinen braucht. Wir werden gerne verwechselt und
statt dem moralischen Berater sieht man uns stattdessen den emotionalen
Seelenklempner, der nur dazu da ist, einem auf den Kopf zu tätscheln und
zu sagen “Oh, du armes Putput.” Mit dem Ergebnis, dass man uns nicht so
ernst nimmt wie andere, wenn wir ernste Kritik äußern. Mit Ärzten ist es
übrigens genau so. Wenn wir unseren Patienten sagen, wie sie gesund
werden können und worauf sie deswegen verzichten müssen, ist es, als
würden wir den Leuten eine Versicherung verkaufen und risikofreudiges
Ignorieren dessen, was einem gesagt wurde, wäre eine reelle Option. Dass
hinter Psychologie und Medizin eine Jahrtausend alte Wissenschaft
steckt, wird dabei selten anerkannt. Und deswegen könnte ich vor dem
Start der Mission zwar noch einmal breit gefächert daran erinnern, dass
wir aktuell mit den Klingonen im Krieg liegen, aber dass dies auch schon
anders war und der Tag auch wieder kommen würde, wo man miteinander im
Universum leben könnte. Aber im Ernstfall ginge das, was sie hörten, aus
dem anderen Ohr wieder raus.” Er nahm einen weiteren Zug aus der Pfeife
und blickte seinen Captain erwartungsvoll an.

“Wie würden Sie das Thema denn in so einem Fall an die Person bringen,
sodass eben das nicht geschähe?” fragte der Kanadier, der Interesse
halber nach.

“Die Zeit gibt es jetzt vermutlich nicht mehr her. Ich hätte ein
Pflichtprogramm für alle Einsatzpersonen vorbereitet, welches
hauptsächlich dazu da gewesen wäre, die Werte der Föderation und ihre
Vorzüge erlebbar zu machen. Wir stehen für Kooperation, für Toleranz
gegenüber Bewohner anderer Planeten, für ein freies Ausleben von Kultur
und Religion, wir sind von unserer Natur her uneigennützige Forscher,
keine Soldaten. Unsere Triebfeder ist Gemeinsamkeit. Dieses Programm
hätte ein jeder durchgehen dürfen, um sich danach besser zu fühlen, um
sich daran zu erinnern, wofür wir kämpfen und eintreten und warum das
etwas gutes ist. Nur um direkt danach einen Strafenkatalog zu
präsentieren, welches Verhalten wir auch in Kampfsituationen gegenüber
dem Feind auf keinen Fall zeigen und welches wir selbst bestrafen
werden, egal, wie viele Leben wir damit retten. Der Zweck heiligt
niemals die Mittel. Und deswegen dürfen Brutalität, Sadismus, Hass,
Rassismus, Erniedrigung oder Ignoranz niemals das Mittel unserer Wahl
werden. Wir sind besser als das. Aber naja… wie gesagt, ich bin halt der
idealistische Counselor. Wenn ich mit sowas komme, bin ich der
Traumtänzer, der ja nicht weiß, wie es da draußen ist. Von daher erlaube
ich mir die Frage – wie würden sie das Thema an die Person bringen?”

Gaspar nahm einen weiteren Zug von der Wasserpfeife und ließ den
aromatischen Rauch langsam entweichen, während er nachdachte. Dann sah
er Liyun an und sagte: „Ich verstehe Ihre Perspektive, und ich schätze
Ihre Ideale. Wir brauchen Menschen wie Sie, die uns daran erinnern,
wofür wir stehen. Aber ich glaube auch, dass es Zeiten gibt, in denen
wir pragmatischer sein müssen. Manchmal erfordert der Schutz unserer
Werte, dass wir schwierige Entscheidungen treffen.“

Liyun war nicht entgangen, dass das eigentlich keine richtige Antwort
auf seine Frage war, aber er wollte auch nicht zu penetrant erscheinen,
daher gab er sich damit erstmal zufrieden. Der Bolivianer nickte, sein
Gesichtsausdruck zeigte Verständnis. „Das ist ein legitimer Standpunkt.
Es ist wichtig, dass wir diese Diskussionen führen und unterschiedliche
Ansichten berücksichtigen.”

Gaspar reichte Liyun den Schlauch der Wasserpfeife zurück und lehnte
sich in seinem Sessel zurück. „Ich bin froh, dass wir dieses Gespräch
führen konnten. Es gibt mir viel zum Nachdenken, auch wenn wir nicht
immer einer Meinung sind.“

Liyun lächelte leicht und nahm einen letzten tiefen Zug von der
Wasserpfeife. „Das Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit, Captain.Ich danke
Ihnen für Ihre Offenheit. Und bin jetzt auch zuversichtlich, dass dieser
konstruktive Umgang zwischen uns sicher auch noch stattfinden wird, wenn
ich Sie mit meiner Ideologie und konditionsstarken Diskutierfreude so
richtig zur Weißglut bringe.“

Der Kanadier hob eine Augenbraue. “Sie geben zumindest nicht schnell
nach, das ist mir schon aufgefallen. Sie wissen natürlich schon, dass
ich manchmal die unpopulären Entscheidungen zum Wohl der Mehrheit
treffen muss? Und dass das dann auch irgendwann ihre Ideologische
Einstellung treffen wird?”
“Damit habe ich gar kein Problem, solange es eben Argumente gibt. Die
wirkliche Gefahr besteht eigentlich nur, sollten sie anfangen, sich wie
meine Exfreundin zu verhalten.” zwinkerte der Arzt dem Captain zu. Beide
gönnten sich eilig einen weiteren Zug aus der Pfeife.

Gaspar nickte zustimmend und blickte aus dem großen Fenster in den
Weltraum. Die leuchtenden Sterne und fernen Galaxien bildeten einen
friedlichen Kontrast zu den Herausforderungen, die vor ihnen lagen. „Die
Ruhe vor dem Sturm,“ sagte er leise, mehr zu sich selbst als zu Liyun.

Der Counselor folgte Gaspars Blick und ließ den Moment auf sich wirken.
Dann stand er auf und lächelte. „Ich werde jetzt gehen und den Rest der
Crew auf den bevorstehenden Einsatz vorbereiten. Danke für die
Einladung, Captain.“

Gaspar erhob sich ebenfalls und begleitete Liyun zur Tür. „Vielen Dank,
Doktor. Bis später..“

Liyun verließ den Bereitschaftsraum, und Gaspar schloss die Tür hinter
ihm. Er setzte sich wieder an seinen Schreibtisch und nahm noch einen
letzten Zug von der Wasserpfeife, bevor er sie beiseite stellte. Der
Duft des Tabaks hing noch in der Luft, während er aus dem Fenster in die
Weiten des Alls blickte und sich auf die kommenden Herausforderungen
vorbereitete.

</RPG>

<SUM>

# Ort: USS Artemis, Offiziermesse
# Zeit: MD -21.1342

Nach einer Einsatzbesprechung kommt der CNS über das Verhalten einiger
anderern ins Grübeln und kommt so mit dem Captain ins Gespräch. Dieser
lädt ihn zu einer Wasserpfeife ein, um das näher zu besprechen.

# Ort: USS Artemis, Bereitschaftsraum des Captains
# Zeit: MD 8.2038

Es wird Zeit für Moral und Realismus im Zeichen der Wasserpfeife.

</SUM>

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