< RPG>
# Ort: USS Hephaistios – Messe
# Zeit: SpD 5.0745
Jeder in Skyes Familie wusste, dass sie morgens vor 10 Uhr selten zurechnungsfähig war, weshalb sie vielleicht härter über Emily urteilte, als nötig war. Vermutlich erschien ihr hier alles nur so seltsam, weil sie eigentlich noch halb schlief und ihr Gehirn so viel Kommunikation nicht verkraftete. Warum konnte man sie nicht in Frieden ihr Müsli essen lassen, bevor man sie mit so vielen Worten überfiel?
Jetzt musste ihr Verstand tatsächlich Analysearbeit betreiben und herausfinden, ob mit Emily irgendetwas grundlegend falsch war, oder sie einfach so….war. Letzteres war vermutlich die tragischere Antwort auf diese Frage, dachte Skye stumm, als sie Emily dabei beobachtete, wie sie mit ihrer Serviette kämpfte, die an den klebrigen Fingern haften geblieben war. Waren Trill grundsätzlich so seltsam, oder war dieses Modell hier irgendwie kaputt gegangen? Skye wusste nicht allzu viel darüber wie Trill Symbionten funktionierten, aber vielleicht fand da auch so etwas wie Verschleiß statt mit den Jahren.
„Also, Emily“, begann sie, um mehr über ihr Gegenüber herauszufinden.
„Wie lange bist du schon auf der Hephaistos?“ Eine einfache Frage, aber Skye hoffte, dass Emily so lange darüber plaudern würde, dass Skye danach einfach höflich aufstehen und zu ihrem Dienst gehen konnte, ohne unverschämt zu erscheinen. Reden konnte die junge Frau definitiv ohne Punkt und Komma.
Immer noch blickte Emily auf ihre Finger und diese blöde Servierte. Sie zupfte kleine Stückchen des Papieres ab und legte sie neben ihren Teller auf den Tisch. Sie hätte aufstehen können um sich Desinfektionstücher zu replizieren, damit hatte sie gute Erfahrungen gemacht. Man bekam die Finger immer sauber und die imaginäre Manifestation ihres dritten Wirts sprach 90 % der Zeit über von fiesen Vieren und Bakterien. Am Anfangt hatte Emily das mit viel Selbstvertrauen ignoriert, aber mittlerweile? Nummer 3 hatte da wirklich gute Argumente.
Leider! Leider! Leider, konnte sie Skye nicht mit ihrem Essen allein lassen, denn die Frau war noch eine fremde Freundin und konnte noch nicht wissen, dass man einen langsamen qualvollen Tod starb, wenn man sich am Essen der CING zu schaffen machte.
Abgelenkt und immer noch auf die Fingerchen starrend, (ob man Keime sehen konnte?) sprach sie weiter: „Es ist hier so anstrengend das es mir wie Jahre vorkommt, aber in Wirklichkeit ist das noch nicht so lang, aber wir sind hier schon eine Familie, da ist das egal wie lang man hier ist. Es ist ja ein sehr kleines Schiff.“
Emily hatte einen Fetzen der Servierte mit der rechten Hand von der linken gezupft, nur um gefrustet zu sehen, das er nun einfach an der zweiten Hand klebt.
„Was hast du denn gemacht bevor du hier warst? Und warum hat der neue niedliche Typ von der Sicherheit deinen Nachnamen?“
Skye beobachtete Emily dabei, sie wie verzweifelt versuchte die Reste der Serviette von ihren Fingern zu pulen und musste sich ehrlich das Lachen verkneifen. Emily wirkte beinahe hilflos und Skye, die mit Geschwistern groß geworden war, kämpfte gegen den Drang an ihr zu helfen, erinnerte sich allerdings daran, dass ihr Gegenüber durchaus erwachsen war und das sicherlich alleine hinbekam.
Als Emily zu sprechen begann, hörte Skye ihr mehr oder weniger aufmerksam zu, glücklich darüber, dass sie selbst nichts sagen musste. Dafür war es eindeutig zu früh, doch bei den Fragen die Emily ihr stellte, kam sie nicht umhin das Gesicht zu verziehen. Der ’niedliche‘ Typ von der Sicherheit, war immerhin ihr Bruder und sie wollte gar nicht so genau wissen, was andere Crewmitglieder von seinem Aussehen hielten. Das erinnerte sie schlagartig an ihre peinliche Teenyzeit mit den Jungs, als sie ständig irgendwelche neuen Cheerleader mit nach Hause gebracht hatten.
„Ich war auf der Sternenflotten Akademie bis vor einem Monat. Die Hephaistos ist mein erstes Schiff. Ich war nur bei einem Training vorher und jetzt bin ich hier. Der Typ von der Sicherheit ist leider mein älteter Bruder Finn. So niedlich ist der nicht, wenn man ihn näher kennt“, murmelte Skye in ihr Müsli und schauderte. Definitiv nicht niedlich. „Teilst du dein Quartier mit irgendwem?“
Gewonnen! Sie hatte das Zeug von den Fingern bekommen und musste es wohl doch nicht mitessen. Vor allem aber hatte sie nicht aufstehen müssen und ihr kostbares Essen mit der neuen Freundin zurücklassen müssen. Ja, sie hatten nun so viele Worte gewechselt, dass sie keine fremden Freunde mehr waren, sondern lockere Freunde.
Emily stopfte sich nun final wieder Essen in den Mund und begann zu kauen, während sie ihrem Gegenüber zuhörte, dabei nickte, aber überwiegend doch einfach nur kaute, „Oh direkt von der Akademie? Daran erinnere ich mich auch noch!“ Trocken würgte Emily ihr Essen hinunter, mit der Brudersache war sie noch nicht durch. Geschwister waren ein spannender Aspekt – zumindest wenn man immer Einzelkind gewesen war.
„Aktuell wohn ich allein. ABER, der Boss…. Also der Captain fliegt das Schiff IMMER kaputt und rettet Zivilisten. Das heißt die Quartiere sind immer das letzte was die Technik repariert. Es nützt einem ja nichts wenn man heißes Wasser unter der Dusche hat, aber dafür die Wand zum All weg ist. Bei meiner ersten Mission hier auf dem Schiff, habe ich bei Nik von der COMM gewohnt, bei der zweiten habe ich zwischen dem Quartier von Cat, Ajur und meinem Büro gewechselt zum Schlafen. Dann ist Trish bei mir eingezogen, dann habe ich mir ein Quartier mit Jenn und Sam geteilt, weil bei Trish Fabi geschlafen hat.“
Skye vergaß nun tatsächlich für einen Moment das Kauen und starrte ihr Gegenüber an, sie hoffte inständig, dass sie hier nicht in einem fliegendem Puff gelandet war.
„Ahhh so“, hauchte die CSO über den Tisch, bemüht sich nicht an ihrem Müsli zu verschlucken.
„Aber aktuell lebe ich allein“, Emily griff sich das PADD ihres Gegenübers und gab den Code zu ihrem Quartier ein, „Für den Notfall.“
Skye war nun wirklich etwas verwirrt und in Sorge.
„Und lebst du allein? Oder hat man dir ein Doppelquartier zu geteilt, als Abteilungsleiter steht dir auf jeden Fall ein eigenes Quartier zu…. Außer sie haben mit dir den Spaß gemacht wie mit vielen Neuen? Hat man dich in das Quartier von irgendwem geschickt? Wenn ja, dann war es ein Spaß der OPS – Abteilung, wir haben aktuell nämlich keine Flüchtlinge auf dem Schiff.“
Sky legte den Kopf schief bei Emilys Erzählung und Realisation über ihren Unfall mit Jetsun schien einzutreten. Es war also kein wirklicher Fehler gewesen, der die Beiden unsanft zusammen geführt hatte, sondern ein Streich für die Neue an Bord. Dummerweise schien Jetsune nicht eingeweiht gewesen zu sein, denn der Schock war ihr ins Gesicht geschrieben gewesen. Weniger wegen Skyes Anwesenheit, sondern offenbar mehr wegen irgendwelchen potentiell entlaufenen Hörnchen, aber trotzdem. Wenn Skye eines verstanden hatte in ihrer kurzen Zeit an Bord, dann war es die Tatsache, dass seltsame Haustiere hier gang und gebe waren. Von Kobolden, über Backenhörnchen von irgendeinem Alienplaneten, bis hin zu Hühnern – auf der Hephaistos schien nichts unmöglich.
„Oh, ja, den Streich hat man mir gespielt und mich in Jetsunes Quartier geschickt, die unglücklicherweise grade halb nackt aus dem Bad kam und auch offenbar keine Ahnung davon hatte. Generell habe ich glücklicherweise aber mein eigenes Quartier“, erklärte sie Emily und stocherte im Müsli herum. „Das mit dem Schiff klingt jetzt nicht gerade beruhigend“, murmelte sie weiterführend und runzelte die Stirn, denn wenn das, was Emily sagte, so stimmte, musste der Captain eventuell noch einmal in die Flugschule. Gegen das Aufnehmen von geretteten Zivilisten hatte sie generell weniger, aber wenn plötzlich eine Wand in ihrem Quartier fehlte, war das doch durchaus unerfreulich.
„Und, hast du auch irgendein seltsames Haustier? Scheint hier der Trend schlechthin zu sein. Ich hab in zwei Tagen mehr Absonderlichkeiten gesehen, als in drei Jahren an der Akademie zusammen.“ Mit dem Löffel kratzte sie den letzten Rest ihres Müslis aus der Schüssel und stand kurz auf. „Bin sofort wieder da“, erklärte sie zu Emily und ging zum Replikator herüber, um sich einen Kaffee zu holen und die genutzte Schüssel zu entsorgen. Nach dem Drücken einiger Knöpfe nahm sie einen Moment später ihre Tasse und ging damit wieder zurück zu Emily.
Emily hatte die Abwesenheit ihrer Tischnachbarin dazu genutzt, ihre gesagten Worte mit den imaginären Freunden zu besprechen. Unter normalen Umständen wäre die Trill nun an die Decke gegangen, wie konnte man all die niedlichen kleinen, flauschigen Freunde bitte Absonderlichkeiten nennen. Sie zog ihr PADD hervor und machte sich einige Notizen. Wenn so etwas noch einmal vorkommen würde, dann würde Skye einige Zeitlang in der Klimazone Arktis leben müssen und konnte ihr Quartier bedeckt mit einer dicken Eisschicht vorfinden. Ihre Freunde rieten Emily jedoch der Menschenfrau noch mal eine Chance zu geben, sie schien zwar etwas nüchtern und kühl, aber das war wohl oft so wenn man bei der Sicherheit arbeitet. Außerdem war Skye noch neue auf dem Schiff und da fühlte man sich bestimmt noch allein, es dauerte ein wenig bis man in der Familie angekommen war. Auch wenn des auf der Hephaistos oft recht schnell ging. Sie lebten hier auf einem kleinen Zerstörer und man kannte sich.
Emily bemühte sich jedoch an einem vorsichtigen Lächeln, als Skye zurück an den Tisch trat, „Ich habe Hühner. Die leben aber in einem Gehege in der Botanik.“
Skye atmete tief durch, an und für sich waren Hühner ja nicht ungewöhnlich, aber auf einem Raumschiff? Wenigstens hatte sie nun herausgefunden zu wem die Viecher gehörten.
„Ich mag Hühner“, erklärte Skye, dachte nun jedoch eher an Reis mit Hühnerbrust, als ihr auch schon ein PADD mit Bildern unter die Nase gehalten wurde.
„Das ist Flauschi…. Und das Puschel…. Und das ist Frida… und das ist Shay…. Es gibt auch Shay jr. Das ist das erste Küken was geschlüpft ist. Vielleicht ist es ein Mädchen, dann heißt es Shayline.“
Skyes Augen weiteten sich. Hieß der Captain dieses Schiffes nicht Shay. Innerlich folgte ein Kopfschütteln, „Du hast aber wenig Bilder von dem Küken“, versuchte die junge Sicherheitschefin es sich mit der Trill nicht zu verscherzen. Es spukten ihr viele andere Sätze im Kopf herum, aber wenn sie ihren Ausbildern Glauben schenkte, dann führten alle samt dazu, dass in den nächsten Wochen irgendetwas in ihrem Quartier nicht funktionieren würde.
Emily nahm ihr PADD an sich, sah die Bilder noch einmal durch. „Du hast Recht“, stellte sie fest. Wie konnte das passieren? Wieso lieferten Shay und Elisa so wenige Bilder?!
Gerade im Babyalter brauchte man doch viele Bilder, wieso wussten die Beiden das nicht.
Emily starte noch immer ungläubig auf ihr PADD, als der Captain die Messe betrat. Er war dem Drama in der Taktik entkommen und wusste nicht, das er hier auf der Suche nach einem Becher Kaffee direkt in das Nächste steuerte.
Emily wedelte wild mit ihren Armen und lockte den Boss so an.
„Guten Morgen die Damen“, begrüßte Shay die Frauen und konnte nicht verhindern, dass sein Blick zum Replikator floh.
Emilys Freunde verstanden, „Wir holen den Kaffee und essen kannst du meine Reste.“ Shay ahnte Schreckliches als Emily freiwillig ihr halb gefülltes Tablett zu dem freien Platz hinüber schob. Skye war noch nicht so ganz sicher, was sie davon halten sollte hier mit dem Captain zu sitzen. Ihr Kaffee war noch halb voll, also konnte sie nicht sofort flüchten. Geschickt schob Emily ihre Schale mit Müsli zu ihrer neuen Freundin und flitzte zum Replikator.
Skyes ungläubiger Blick verfolgte die Trill, „Zu Quierlig für diese Uhrzeit“, murmelte die junge Frau vor sich hin, mehr an sich gerichtet als an Shay.
Als sie aufblickte wurde Skyes Blick entschuldigender, „Sir!“
Shay nickte, er hatte doch vor seinem nächsten Termin nur einen Kaffee haben wollen.
<NRPG Hepp an Mac >
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# Ort: USS Hephaistios – Messe
# Zeit: SpD 5.0745
Skye und Emily lernen sich weiter kennen, wobei die neue Sicherheitschefin feststellt, das der Neuen ein Streich gespielt wurde und das die Trill zu dieser Uhrzeit kaum zu ertragen war.
Die unzähligen Haustiere die ihr vorgestellt wurden konnte Skye vielleicht noch verwinden, aber nicht das auf einmal der Captain bei ihnen am Tisch saß.
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