Ich weise noch einmal darauf hin, dass die Erinnerungen, die Ileytis von Las’Tor hier preis gibt, Erinnerungen sind, die ihr künstlich eingegeben wurden. Ileytis ist ein Kunstprodukt, genetisch manipuliert und in einer künstlichen Welt in einem wissenschaftlichen Labor aufgewachsen. Sie ist sich dessen natürlich nicht bewusst und geht felsenfest davon aus, dass alles, was sie glaubt erlebt zu haben auch so geschehen ist. Derzeit gibt es kaum Hinweise, dass dem nicht so ist.
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# Zeit: MD 15.1035
# Ort: Insel Vios, Thyene
Herrlich! Jetsun und Ileytis waren zusammen hinunter auf den Planeten gebeamt. Sie hatten sich einiges vorgenommen, vor allem aber einfach nur zu entspannen. Und das ging, so fanden beide, vor allem da, wo es warm und schön war. Und ruhig.
Wintersport war für beide keine Entspannung. Wandern in einem Wald konnte schön sein, doch Jetsun wollte Meerluft atmen. Also mit einem gewissen Salzgehalt. Das half der Bhutanerin immer am allerbesten. Und Ileytis hatte nichts dagegen. Ihre Heimatstadt hatte ebenfalls am Meer gelegen und in ihrer Erinnerung heraus konnte man aus den Palastfenstern direkt auf eine wunderschöne Bucht schauen.
Also hatten sie sich der größten Urlaubergruppe der zweiten Welle angeschlossen. Gestern war das erste Kontingent nach unten gegangen, jetzt war der zweite Tag mit der zweiten Welle.
Zuvor hatte Jetsun noch Arsinoe angefunkt und gefragt, ob die vielleicht Zeit und Lust hätte, sie und Ileytis zu treffen. Das hatte sie, hatte aber tagsüber Dienst. Sie würden die beiden Föderierten aber gerne am späten Nachmittag abholen und ihnen dann ein wenig Fremdenführerin spielen.
Die Urlaubsinsel Vios, die von der Prinkipax für die Crew der Hephaistos geräumt worden war, war groß genug, dass sich die Leute, wenn sie wollten, gut aus dem Weg gehen konnten. Das half auch, falls einige Leute gern FKK machen wollten, andere sich wiederum daran störten. Jetsun fragte sich, wie die Kikonen es organisiert bekommen hatten, eine komplette Insel zu räumen und was das wohl die Prinkipax kosten würde. Andererseits interessierte sie das dann eigentlich doch nicht wirklich. Wichtig war nur die warme Sonne auf der Haut und die salzhaltige Luft, die so sauerstoffreich war, dass ihr davon schon fast schwindelig wurde. Sie tastete nach rechts, fand Ileytis‘ Hand und umfasste sie. Hier war es schön!
# Zeit: MD 15.1510
# Ort: Insel Vios, Thyene
Nicht nur die Sonne und die Luft war hier schön, auch das Wasser war herrlich. Klar und warm. Und voller Leben. Tausende kleiner Lebewesen, die eher an Seepferdchen erinnerten, schwammen hier umher. Jetsun und Ileytis schwammen zusammen mit einem gute Dutzend anderer Crewmitglieder nackt im flachen Wasser umher. Einige hatten Schnorchelausrüstung und erkundeten mehr die Unterwasserwelt. Jetsun war richtig entspannt und alberte gerade ein wenig mit zwei Leuten aus der wissenschaftlichen Abteilung herum, als Ileytis ihr zurief: „Jetsun, schau mal. Da, am Strand!“
Die Medizinerin schaute zuerst zu Ileytis, die Wasser trat und ihr zuwinkte. Dann schaute sie in Richtung Uferlinie. Dort standen zwei Leute in Uniform und winkten etwas hektisch mit beiden Armen. Und das wirkte nicht fröhlich. Jetsuns Brust zog sich zusammen. //Nicht ein Notfall!// dachte sich und schwamm zusammen mit ihrer Freundin zurück Richtung Land.
Crewman Sylvia Prochazkova aus der medizinischen Abteilung, Sanitäterin in Ausbildung stand zusammen mit Petty Officer Jackson von der Sicherheit hier am Strand. Sie beide waren gestern im Urlaubskontingent gewesen und Sylvia erinnerte sich gut an diese herrliche Luft. Sie hatte sich ebenfalls gesonnt, war geschwommen und hatte ein wenig gelesen aber eben vor allem diese wunderbare Atmosphäre hier genossen. Jetzt war sie zusammen mit PO Jackson hierhergeschickt worden um ihre Chefärztin zu stören.
Sylvia war darüber gar nicht glücklich. Sie erinnerte sich noch sehr gut daran, als sie zusammen mit Kadett Szabo das Chaos mit dem Huhn auf der Krankenstation erlebt hatte. Da hatte es ihr im Nachherein wahnsinnig leid getan, die CM so zusammenbrechen gesehen zu haben und nichts getan zu haben, ihr zu helfen. Sie war so froh, dass sie dann wenigstens das Huhn einfangen durfte. Zu ihrem Glück war nichts darauf mehr erfolgt. Nicht mal eine Ermahnung. Nicht, dass sie die gebraucht hätte. Sie hatte sich auch so furchtbar geschämt. Und jetzt sorgte sie wieder für Ärger, wenn auch dieses Mal nur mittelbar.
PO Jackson kniff die Lippen aufeinander. Er war beileibe nicht prüde doch zwei hübsche Frauen nackt aus dem Meer kommen zu sehen war schon was und machte ihn ziemlich nervös. Zum Glück bückten sich beide nach ihren Badetüchern und warfen diese um sich, ehe sie zu ihm kamen.
„Ja?“ fragte die CM. „Was gibt es?“
Jackson räusperte sich schnell.
„Ensign Jetsun Pema, es tut mir leid, wir konnten sie nicht erreichen.“
Natürlich, ihr Kommunikator lag bei ihren Sachen in der Korbtasche neben der Liege. Wie gut, dass man sie nicht einfach direkt aus dem Wasser hochgebeamt hatte!
Sylvia Prochazkova fuhr fort:
„Ma’am, ich wurde von Ensign Grace beauftragt, sie für eine Notoperation an Bord zu bringen. Sie benötigt Hilfe für diese OP. Es tut mir leid, Ma’am.“
„Natürlich!“ seufzte Jetsun. „Was ist denn passiert?“
„Eine Art Bootsunfall. So, wie ich es verstanden hatte hatten zwei Crewman ein Rennen mit so etwas wie Jetskis gemacht. Dabei ist der vordere gestürzt und wurde dann von dem hinteren überfahren. Die Dinger hatten Schrauben oder sowas. Sieht gar nicht gut aus.“
Jetsun verzog das Gesicht.
„Ileytis, wartest Du hier auf mich? Ich komme hoffentlich rechtzeitig zu unserer Verabredung zurück.“
Die Liduuri nickte. „Sicher. Ich halte Deinen Platz frei. Nicht, dass das nötig wäre hier.“
Jetsun lächelte. „Gut. Danke.“
Sie gab Ileytis einen flinken Kuss, dann wandte sie sich an die zwei Besatzungsmitglieder. „Wir können.“
# Zeit: MD 15.1520
# Ort: USS Hephaistos – Krankenstation
Jetsun hatte darum gebeten, direkt in ihr Büro auf der Krankenstation gebeamt zu werden, was PO Jackson unterstützte. Immerhin war es eine Art Notfalltransport. Schnell schlüpfte sie in ihren Arztkittel und wickelte sich ein Handtuch um ihre nassen Haare. Dann trat sie hinaus zu Ensign Grace, die schon wartete.
Nathaly grinste ein wenig verzerrt. „Jetsun. Es tut mir so leid. Ich hatte aber echt Sorge, dass ich das alleine nicht so gut hinkriege. Der Mann sieht wirklich nicht schön aus.“
Die CM winkte ab, auch wenn sie anders fühlte. Es machte wenig Sinn, Nathaly für diese Art Notfall verantwortlich zu machen. Das war halt ihr Job. „Das ist in Ordnung. Mach Dir keine Gedanken.“
Sie lachte leise auf. „Es ist wohl inzwischen schon normal hier auf der Krankenstation, dass ich nur mit meinem Kittel bekleidet und einem Handtuch um den Kopf zur Arbeit erscheine, hm?“
Nathaly lächelte. „Meinst Du, das würde mir auch stehen?“
„Da bin ich sicher!“ grinste Jetsun zurück. Dann machten die Beiden sich an die Arbeit.
# Zeit: MD 15.1720
# Ort: Insel Vios, Thyene
Prinkipaxillis Arsinoe hatte keine Probleme, die für Kikonen gesperrte Urlaubsinsel Vios zu erreichen. Rang hatte seine Privilegien. Und ihr schneller Gleiter hatte die 650 km in weniger als einer Stunde zurückgelegt. Natürlich hätte sie auch Beamen können, doch irgendwie war ihr nicht danach gewesen. Der Flug, die bequemen Sitze, Musik und einfach nur Ruhe nach dem hektischen Tag in der Klinik. Vielleicht hätte sie sich nicht auf Kindermedizin spezialisieren sollen. Der Beruf als Solcher war herrlich befriedigend, aber die Väter konnten so furchtbar unlogisch und hektisch reagieren. Da schütze sie nicht einmal ihr Rang, auch wenn die meisten Leute hinterher immer ganz entsetzt waren.
Die Anflugkontrolle hatte sie glatt durch gewinkt und die Landeautomatik setzte den Gleiter butterweich auf dem Landefeld auf. Kaum, dass die Türen sich öffneten drang die herrlich warme Luft ein und umwehte ihren Körper. Arsinoe seufzte zufrieden. Ja, die Stunde Flugzeit war gut gewesen.
Jetzt stellte sich das Problem, Jetsun zu finden. Die Insel Vios war nicht eben klein und wirklich verabredet hatten sie sich ja nicht. Eine einzelne Terranerin hier zu suchen wäre sicherlich völlig witzlos gewesen, also ging die Prinkipaxillis zu einer der Sicherheitsbeamtinnen und sprach diese an:
„Entschuldigung. Ich suche die medizinische Führungskraft der Föderierten. Kannst Du mir helfen?“
„Oh, Eromeni! geht es Dir nicht gut? Soll ich nicht besser eine unserer Sanitäterinnen rufen?“
Die junge Beamtin wirkte sofort leicht verstört.
„Nein, nein.“ Arsinoe machte eine verneinende Geste.
„Mir geht es gut. Ich bin mit der… der Chefmedizinerin der Föderierten verabredet, weiß aber nicht, wo sie hier auf Vios ist.“
„Ah. Ich verstehe.“ Die junge Frau verstand zwar nicht, weshalb man sich mit diesen Föderierten treffen sollte, aber akzeptierte die Aussage vorbehaltlos.
„Einen Augenblick. Wie ist denn der Name dieser Terranerin?“
„Sie heißt Ensign Jetsun Pema.“
„Danke.“
Die Beamtin betätigte ihren Kommunikator.
„Ypodekanix Aliki, Wache Landefeld 4.“
Dank der zwischengeschalteten Translationsmatrix klappte die Verbindung ausgezeichnet.
[CPO Lehmann, föderierte Urlaubs-Koordination. Was kann ich für Dich tun, Ypodekanix?]
„Ich suche eine… Ensign Jetsun Pema. Wo bitte ist diese Dame?“
[Einen Augenblick… Ah, hier. Ensign Pema befindet sich exakt bei +19:34:22, -155:30:04.
Soll ich sie rufen?]
Die junge Beamtin sah fragend zu Arsinoe, doch die schüttelte den Kopf.
„Nein, vielen Dank, CPO Lehmann. Ich wiederhole noch einmal die Koordinaten.
+19:34:22, -155:30:04. Richtig?“
[Korrekt.]
„Danke. Weiterhin einen schönen Tag!“
[Dir auch!]
Arsinoe hatte inzwischen die Koordinaten in ihren Kommunikator eingegeben und nickte dann.
„Danke, Ypodekanix Aliki. Das finde ich.“
„Gerne, Eromeni!“ Die junge Beamtin nickte zurück und freute sich, ihrer Prinkipaxillis gezeigt haben zu können, wie gut hier alles funktionierte.
Arsinoe stieg zurück in ihren Gleiter, ließ die Seitenfenster herunter und flog dann die letzten zweieinhalb Kilometer zu dem genannten Standabschnitt in gemäßigtem Tempo. Keine 3 Minuten später setzte sie sanft auf und zog dann erst einmal ihre Sandalen aus. Himmel, wann hatte sie selbst das letzte Mal so Urlaub gemacht? Wo es so wunderschöne Fleckchen auf ihrer Heimatwelt gab!
Ein kurzer Blick auf den Armband-Kommunikator zeigte ihr Richtung und Entfernung zu Jetsuns Aufenhaltsort. Und da lag auch eine Frau auf einem Liegestuhl und hatte ihr pechschwarzes Haar lang und offen ausgebreitet. Arsinoe lächelte. Es war bitte, Jetsun schon morgen abreisen zu wissen. Naja. Nicht klagen sondern über das freuen, was geht. Schnell lief sie paar hundert Meter zu dem Liegestuhl… und stutzte! Das… war nicht Jetsun! Das war eine Fremde, die jetzt aufst und sie aus riesigen dunklen Augen ansah.
„Verzeihung…“ sagte Arsinoe verwirrt, doch dann erkannte sie die Frau. Das war Jetsuns Freundin und Geliebte. Und auch diese schien sie zu erkennen, denn sie lächelte offen und erhob sich.
„Prinkipaxillis Arsinoe. Bitte Verzeih, wenn ich Dich nicht mit vollem Titel anspreche. Ich habe mir diesen leider noch nicht vollständig merken können. Es ist mir eine Freude.“
Arsinoe zermarterte sich einen Augenblick lang ihr Gehirn, dann fiel ihr der Name dieser Frau wieder ein. „Ileytis von Las’Tor, richtig? Wir wollen Freunde sein, ja? Also lassen wir die Titel. Ich bin einfach nur Arsinoe.“
Ileytis‘ Lächeln wurde noch breiter und Arsinoe fühlte eine unglaubliche Herzenswärme von dieser Frau ausgehen. „Sicherlich nicht nur ‚einfach‘, Arsinoe. Aber ich freue mich. Ich bin Ileytis.“ Und sie bot der Kikonin ihre Hand an.
Arsinoe sah die ihr dargebotene Hand einen Augenblick lang an. Dann erinnerte sie sich daran, dass diese Geste bei den Terranern ja eine ganz normale Angelegenheit war. Und da Ileytis die Geliebte ihrer Freundin Jetsun war, gab es eigentlich keinen Grund, sie nicht zu berühren. Also ergriff sie die Hand und staunte, als sich die Wärme von eben noch weiter verstärkte.
„Möchtest Du Dich vielleicht zu mir legen, Arsinoe?“ fragte Ileytis dann und deutete auf den leeren Liegestuhl neben dem ihren.
„Ja, ich… gern.“ erwiderte die Prinkipaxillis. Sie setzten sich beide und Ileytis streckte sich wieder aus.
„Sag… ist Jetsun nicht auch hier? Ich habe die Auskunft erhalten, dass sie hier sein sollte. Ist sie gerade schwimmen?“ fragte Arsinoe dann und schaute hinaus aufs Wasser.
„Nein.“ meinte Ileytis. „Leider nicht. Sie wurde zurück aufs Schiff befohlen. Zumindest vorübergehend. Es hatte einen Unfall gegeben und ihre Hilfe wurde dringend benötigt. Sie bat mich aber, auf sie zu warten.“
„Oh. Seltsam. Warum hat man mir das nicht gesagt?“ fragte Arsinoe und runzelte die Stirn. Immerhin hatte sie eindeutige Koordinaten bekommen. Naja. Sie seufzte kurz, dann streckte auch sie sich in dem Liegestuhl aus.
Einige Minuten lang wurde nichts gesagt ehe Ileytis die Stille durchbrach.
„Ihr habt eine wundervolle Welt hier, Arsinoe. Ich habe bislang erst nur diese Insel hier gesehen, doch nach dem, was Jetsun so erzählt hatte ist dies hier ein Juwel in dieser Galaxis.“
„O, danke. Ja, wir fühlen uns hier sehr wohl und geben sehr ach darauf, dass es auch so bleibt.“
Arsinoe drehte den Kopf und sah Ileytis an. „Wie ist Deine Heimat? Du bist keine Terranerin, nicht wahr?“
„Nein. Ich bin eine Liduuri. Mein Volk ist sehr alt und meine Heimat wohl sehr, sehr weit weg. Tatsächlich weiß ich nicht genau, wo und wann ich mich gerade befinde.“
„Oh. Nun, dies ist der Planet Thyene im Thassos-System. Wir befinden uns ziemlich im galaktischen Südwesten des Beta-Quadranten. Aber das müsstest Du eigentlich wissen.“
„Ja, verzeih. Ich meinte das anders. Meine Heimat liegt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in dieser Galaxie, sondern in der Nachbargalaxis, die die Föderierten Andromeda nennen. Wir nennen sie einfach nur ‚die Insel‘. Diese Galaxie hier kenne ich nicht oder nur kaum. Hier bin ich seit Ewigkeiten nicht gewesen.“
Arsinoe merkte auf. Konnte das wirklich die Möglichkeit sein oder wollte Ileytis sie jetzt auf den Arm nehmen? Irgendwie glaubte die Prinkipaxillis das aber nicht. Sie kannte den Humor dieser… Liduuri nicht, aber es hatte nicht den Anschein, als wolle diese scherzen. „Willst Du mir davon erzählen?“ fragte sie daher.
„Hat Jetsun nichts über mich erzählt?“ fragte Ileytis zurück.
„Wir hatten nicht viel Zeit miteinander.“ wich Arsinoe aus.
Ileytis lächelte. Sie wusste immerhin, wie Jetsun und diese junge Kikonin ihre wenige Zeit miteinander verbracht hatten. Sie drehte ebenfalls ihren Kopf und ihre Augen trafen sich. Ja, sie konnte Jetsun gut verstehen.
„Wenn Du möchtest.“ meinte sie.
„Mein Volk ist alt. Sehr alt.“ begann sie.
„Das ist meines auch.“ erwiderte Arsinoe lächelnd. Diese riesigen Augen waren schon sehr einnehmend.
„Wirklich alt.“ meinte Ileytis. „Als ich geboren wurde… das war übrigens auf einer Welt namens Verva im Atargatis-System, hatten meine Leute bereits seit 15.000 Jahren die Galaxie hier erkundet und auch den Sprung über die ‚Weite‘ zur Nachbargalaxis vollzogen. Das war vor… nun, mindestens 10.000 Jahren. Ich hatte damals die Regentschaft über das Sulvy-System mit der Hauptwelt Tarnum übertragen bekommen. Tarnum war auch wunderschön. Deine Welt hier erinnert mich sehr an Tarnum. Der Regierungspalast lag auf einer Anhöhe über einer Bucht, wo das Klima auch im Winter angenehm war. Im Sommer war es ein Traum.“
„Sterben Deine Leute denn nie?“ fragte Arsinoe etwas verwirrt. Das klang doch reichlich märchenhaft. Konnte diese Frau denn über 10.000 Jahre alt sein? Sie wirkte mehr wie… knapp über dreißig.
„Oh, doch. Aber ich nicht. Die Liduuri waren technologisch weit fortgeschritten und hatten auch kleine Geräte entwickelt, die den Alterungs- und Zerfallsprozess des Körpers durch mehrdimensionale Strahlung dadurch unterbinden, indem sie das Zellwachstum anregen.“
Arsinoe beäugte die junge Frau neben ihr. Ob das dieses kleine Teil war, was an einer Kette um deren Hals befestigt zwischen deren rüsten ruhte?
„So etwas würde bei uns möglicherweise eine Revolte auslösen.“ meinte sie skeptisch.
„Ich weiß, was Du meinst.“ nickte Ileytis. „Es gab immer nur rund zwei Dutzend dieser Geräte. Sicher wollten viele Liduuri dieses ewige Leben, doch je älter ein Liduuri wird, desto weniger klammert er sich an sein Leben. Wir Liduuri sind ja ein durchweg altes Volk. Und irgendwann erlischt auch der Lebenswille bei den meisten. Außerdem ist unser Leben aufgrund unserer biotechnischen Entwicklung zumindest in medizinischer Hinsicht problemlos gewesen.“
„Und Du? Ist bei Dir der Lebenswille nie erloschen?“
Ileytis schüttelte langsam den Kopf. „Nein. Nicht.“
Und sie lächelte.
Arsinoe lächelte zurück.
Ewiges Leben! Sie wüsste auf Anhieb so einige Kikonen, die dafür morden würden. Vor allem die weiter oben an der Macht saßen. Viele würden diese Macht zu gern weiter und weiter ausüben wollen. Andererseits… vielleicht auch nicht. Sie dachte an ihre Mutter, die Prinkipax von Myzen. Wie die immer wieder entnervt von ihren Regierungsaufgaben berichtete und durchblicken ließ, dass sie den Tag herbei sehnte, an dem sie ihre Regierungsgeschäfte an sie übergeben könnte. Ewiges Leben war nicht unbedingt ein Segen. Es konnte auch eine Bürde sein. Vor allem, wenn man über Jahrhunderte von Eindrücken überflutet wurde. Konnte ein Gehirn überhaupt so viel Informationen aufnehmen? Oder veränderte sich der Kikone dann im Laufe des langen Lebens?
„Und wie bist Du hierhergekommen? Ich meine, so weit von zuhause fort?“ setzte Arsinoe die Unterhaltung fort.
„Das war… schlimm. Eine Revolte im Reich, die sich aufgrund verfehlter Politik ausgeweitet hat und dann leider auch nicht vor meinem System Halt gemacht hatte. Ich gehörte zur herrschenden Schicht und wurde abgesetzt. Aber ich wurde nicht hingerichtet, sondern in die Verbannung geschickt. Ich wurde in Stasis versetzt und offenbar sehr weit weg befördert. Wie lange ich in Stasis gelegen habe, weiß ich nicht.“
Arsinoe war geschockt. Hatte sie hier ein, wenn auch nur ehemalige Herrscherin eines ganzen Planetensystems vor sich? So wie die Atrexa?
„Und was machst Du nun auf der Schiff?“ fragte sie offen.
„Ganz ehrlich?“ fragte Ileytis zurück. Aber sie meinte diese Frage nur rhetorisch, denn sie fuhr gleich fort: „Nicht viel. Zum Glück habe ich eine fundierte Ausbildung als Bio-Chemikerin, auch wenn es lange her ist, dass ich aktiv darin gearbeitet habe.
Eine kurze Zeitlang habe ich die wissenschaftliche Abteilung an Bord geführt. Doch das ist vorbei. Derzeit helfe ich in der Astrometrie und habe nach meinem Heimatsystem gesucht. Aber das ist alles nicht sehr erfüllend.“
„Oh.“ machte Arsinoe.
In diesem Augenblick flirrte dicht neben den Liegestühlen die Luft und eine weitere Person materialisierte aus einem Transporterfeld.
„Jetsun!“ riefen Ileytis und Arsinoe wie aus einem Munde.
„Arsinoe!“ erwiderte diese und ging die fünf-sechs Schritte zu den Liegestühlen, warf das um ihren Leib geschlungene Handtuch ab und ließ sich in den Sand sinken. „Ich komme wohl ziemlich spät.“
„Nein, Du bist nicht spät!“ Arsinoe sprang aus dem Liegestuhl auf und gesellte sich zu ihr.
„Ich bin auch gerade erst zehn Minuten hier.“
„Ach gut.“ nickte Jetsun. „Habt ihr euch gut unterhalten?“
„Ja.“ meine Arsinoe. „Ileytis hat mir etwas über sich und ihr Volk erzählt. Es war sehr faszinierend.
Aber wie geht es Dir?“
„Ich bin etwas steif. Ich habe eine zweistündige Operation hinter mir und bin auch mental etwas ausgelaugt. Ich würde mich jetzt gern etwas ausstrecken.“ Sie hob beide Arme hoch über den Kopf und reckte sich.
„Oder nein, ich glaube, ich möchte etwas schwimmen.“
„Ich begleite Dich!“ meinte Arsinoe. „Und Du, Ileytis?“
Diese hatte eben Jetsun bewundert, wie diese sich gereckt und gestreckt hatte. Ihre Geliebte war schon wunderschön! Gern hätte sie sie jetzt in den Arm genommen und an sich gedrückt, doch sie nahm an, dass Arsinie das wohl ebenso gern getan hätte.
Außerdem erkannte sie in Jetsun den Wunsch, sich etwas mit der Kikonin auszutauschen. Und eigentlich kam ihr das zupass, denn in ihr war ein Gedanke aufgekommen und begann zu wachsen.
„Nein.“ sagte sie. „Ich bleibe noch etwas liegen und genieße die Sonne. Und ich werde mir vielleicht etwas zu trinken besorgen. Soll ich euch dann etwas mitbringen?“
„O ja, gerne!“
Arsinoe schlüpfte schnell aus ihrer Kleidung, die eh nur sehr knapp bemessen war und lief dann zusammen mit Jetsun hinunter zur Wasserlinie um etwas zu schwimmen. Ileytis sah den beiden Frauen nach. Dann schloss sie ihre Augen und dachte über ihren zugegebenermaßen recht spontanen Einfall nach.
# Zeit: MD 15.2240
# Ort: Restaurant ‚Kymenia‘, Myzen, Thyene
Die drei Frauen hatten sich gut satt gegessen und genossen jetzt einen schönen, schweren Wein.
Sie hatten einen niedrigen Tisch bekommen und sich auf dicke Kissen niedergelassen. Etwas abseits von anderen Tischen, aber nicht so alleine, als dass sie den Eindruck hatten, alleine im Restaurant zu sein. Die Unterhaltungen der anderen Gäste sowie leise Musik war immer zu hören.
Das kikonische Essen hier war richtig gut gewesen und hatte Jetsun entfernt an Tappas erinnert. Unendlich viele kleine Schälchen mit Zutaten, die man dann wieder mit anderen Speiseelementen zusammen tat und aß. Es machte Spaß, dauerte schön lange und vermittelte einem immer wieder neue geschmackliche Eindrücke. Arsinoe hatte erklärt, dass dies ein süd-thyenisches Spezialitätenrestaurant war, etwas, was sie alleine nie aufsuchte. Einerseits war es dazu zu teuer und andererseits machte solch ein Essen alleine keinen Spaß. Jetsun fühlte sich ein wenig beschwipst und außerdem musste sie auf die Toilette. Das dauerte. Und als sie wiederkam, merkte sie zunächst nicht, dass die Stimmung gekippt war.
„Jetsun..?“ begann Ileytis vorsichtig.
„Ja?“ fragte die Buthanerin zurück.
„Jetsun… wenn Du nachher zurück an Bord gehst… werde ich nicht mitkommen.“
„Wieso? Was willst Du denn noch machen? Wir starten doch morgen und es gibt noch so einiges zu tun. Außerdem… Die Nacht wird auch so sehr kurz werden.
Oder… meinst Du…?“
Der Alkohol ließ sie ausgesprochen langsam schalten.
„Ich werde gar nicht mehr zurück an Bord kommen. Ich werde hier auf Thyene bleiben.
Es tut mir leid. Es tut mir sehr leid.“
„WAS?“ Jetsun war entsetzt.
„Aber warum? Ich… ich will nicht, dass Du gehst. Ich will Dich behalten. Ich liebe Dich!“
Ileytis lehnte sich in den Kissen vor und nahm Jetsuns Hand, die sich eiskalt anfühlte.
„Ich liebe Dich auch, Jetsun. Ehrlich! Ich habe Dich vom ersten Augenblick an, an dem wir einander berührt hatten geliebt. Ich verdanke Dir alles. Du hast mein Leben gerettet. Ohne Dich wäre ich elendig erstickt. Du hast Dich für mich eingesetzt, hast mich bei Dir aufgenommen und umsorgt. Ich weiß nicht, wie ich ohne Dich zurechtgekommen wäre. In dieser für mich fremden und ungewohnten Umgebung an Bord.
Aber bitte sieh, dass ich an Bord der Hephaistos keine Zukunft habe. Ich bin eine Fremde. Ein Alien. Ein EBE. Ich bin nicht einmal Föderationsbürgerin. Es gibt keine Vergangenheit von mir. Niemand kennt mich. Viele mistrauen mir. lehnen mich ab.
Ich könnte auch niemals dauerhaft an Bord bleiben. Dass ich überhaupt dort etwas tun durfte, verdanke ich Dir und dem Captain, der sich geradezu übernatürlich entgegenkommend gezeigt hatte. Aber über kurz oder lang müsste ich das Schiff verlassen. Das steht fest. Ich müsste zunächst Föderationsbürgerin werden. Das wäre schon ohne eine genaue Untersuchung kaum möglich. Und dann müsste ich, wenn ich es denn überhaupt wollte, die Sternenflottenakademie aufsuchen. Ich zweifle nicht, dass ich das könnte. Doch ob ich dann wieder auf die Hephaistos kommen würde ist auch sehr fraglich. Immerhin herrscht Krieg und da werden wenige Wünsche erfüllt. Genauso gut kann es auch sein, dass die Sternenflotte mein Wissen und meine Fähigkeiten andernorts einsetzen möchte.
Nein, Geliebte, ich habe auf der Hephaistos keine Zukunft.
Hier dagegen, auf Thyene, habe ich das. Ich kann hier mein Wissen und meine Fähigkeiten viel besser einsetzen. Mit Arsinoe und vielleicht ihrer Mutter habe ich Personen, die mich und die ich unterstützen kann. Es ist ein kleines, überschaubares System. Anders als die Föderation. Du könntest mich hier jederzeit finden. Und ich fühle mich hier sehr wohl.“
„Dann bleibe ich auch!“ Jetsuns Stimme überschlug sich.
„Ich reiche meinen Abschied ein. Ich kann hier sehr gut in einem Krankenhaus arbeiten!“
Sie sah Arsinoe an. „Das kann ich doch, oder? Ich bin eine gute Ärztin. Chefmedizinerin auf einem Sternenschiff!“
Arsinoe schüttelte den Kopf.
„Das kannst Du nicht, mein Schatz. Du bist Offizierin der Sternenflotte. Und es ist Krieg. Du kannst nicht einfach kündigen. Das wäre Fahnenflucht. Desertation. Du würdest vor einem Kriegsgericht landen und verurteilt werden.“
Jetsun schossen die Tränen in die Augen.
„Ich kann fliehen. Ich kann hier untertauchen. Es gibt kein Auslieferungsabkommen. Du wirst mir doch helfen, oder?“ Doch Jetsun klang schon gar nicht mehr überzeugt. Sie sah in die verschwommenen traurigen Gesichter ihrer Freunde. „Bitte!“
„Oh, mein Schatz!“ sagte jetzt Arsinoe.
„Ileytis ist doch nicht aus der Welt. Sie ist hier und Du kannst jederzeit hierher kommen. Wann immer es geht. Und wir werden zu Dir kommen, sie und ich auch, wann immer wir die Möglichkeit haben. Das Reich hat schnelle Schiffe. Wir können uns jederzeit treffen. Hier und dort. Wo wir wollen.
Außerdem… wir wissen gar nicht, was kommen wird. Vielleicht endet der Krieg schon bald. Vielleicht sehen die Klingonen ein, dass sie gegen unser beider Völker nicht gewinnen können. Oder wir schlagen sie gemeinsam. Ach!“
Sie sah sich nach Ileytis um und nickte. Beide Frauen standen auf und knieten sich neben Jetsun und umarmten diese eng. Und verharrten lange so. Dann tippte Arsinoe auf ihren Kommunikator und ließ sie drei in einem Direkttransfer in ihren Garten im Palast beamen.
</RPG>
<NRPG>
Ouuh, das fiel mir schwer…
</NRPG>
<SUM>
# Zeit: MD 15.1035
# Ort: Insel Vios, Thyene
Jetsun und Ileytis genießen Luft und Sonne auf einer kikonischen Urlaubsinsel.
# Zeit: MD 15.1510
# Ort: Insel Vios, Thyene
Nach einem herrlichen Urlaubsmittag wird Jetsun zu einer Notfalloperation an Bord der Hephaistos gerufen. Ileytis bleibt alleine auf der Insel zurück.
# Zeit: MD 15.1520
# Ort: USS Hephaistos – Krankenstation
Zusammen mit Ens. Nathaly Grace gelingt es Jetsun, den schwer verletzten und verstümmelten Crewman in einer mehrstündigen Operation wiederherzustellen.
# Zeit: MD 15.1720
# Ort: Insel Vios, Thyene
Prinkipaxillis Arsinoe sucht Jetsun und findet stattdessen Ileytis von Las’Tor. Die beiden Frauen sind einander sofort sympathisch, was einerseits durch Ileytis‘ Vilga-Drüse und andererseits durch die Empathie der Kikonen verstärkt wurde. Die beiden unterhalten sich gut miteinander bis Jetsun nach Ende der Operation wieder zurück auf die Insel kommt. Arsinoe und sie gehen zusammen schwimmen, Ileytis bleibt zurück und denkt nach.
# Zeit: MD 15.2240
# Ort: Restaurant ‚Kymenia‘, Myzen, Thyene
Nach einem wundervollen Nachmittag auf der Insel führt Arsinoe Jetsun und Ileytis in ein kikonisches Spezialitätenrestaurant in ihrer Heimatstadt aus. Die drei Frauen genießen ein köstliches Essen und schweren Wein. Dann eröffnet Ileytis Jetsun, dass sie sich entschlossen hat, hier auf Thyene zu bleiben. Jetsun bricht in Tränen aus und versucht ihre Geliebte von deren Plan abzubringen, sieht aber ein, dass es wirklich Sinn macht für Ileytis, hier zu bleiben.