# Ort: Im Wald
# Zeit: Abends
Sonnenuntergang.
Mit Grauen verfolgte sie, wie die helle Scheibe allmählich hinter den Baumwipfeln versank. Noch war der Himmel hell und blau, doch schon floh das Licht. Die Bäume warfen lange Schatten auf die Flanke des Hügels, auf dem sie saß. Von hier aus konnte man gerade so das Blätterdach überblicken. Endlos schien es scich in alle Richtungen zu erstrecken wie ein grünes Meer. Undefinierbare Geräusche kamen aus dem Wald, vielleicht war das das einsame Blöken eines verirrten Schafes?
Es war ein Glücksfall, dass sie diesen Hügel gefunden hatte. Unter dem Blätterdach des Waldes war es nicht sicher. Eine Lektion, die sie auf die harte Tour gelernt hatte.
Sie dachte an ihren ersten Abend hier zurück, in dieser verfluchten Wildnis. Nach ihrem Erwachen um die Mittagszeit war sie umherspaziert. Hatte die schuppige Rinde der Bäume angefasst, dem Lied der Insekten gelauscht. Später hatte sie einen kleinen Teich in einer Lichtung gefunden. Als es Abend wurde, hatte sie dort einen kleinen Unterschlupf für die Nacht errichtet. Es war wildromantisch – nur sie und die Natur. Die Nacht versprach sommerlich lau zu werden. Im Feuer garten ein paar Kartoffeln, die sie ausgegraben hatte.
Ruhig.
Friedlich.
Sie war so ahnungslos gewesen.
Sie lauschte erneut. Der Ruf des Schafes war verstummt. Doch andere Laute erhoben sich unter dem schützenden Dach der Bäume. Hier ein Rascheln. Da ein Stöhnen. Knack, brach ein Zweig, auf den etwas getreten war.
Wer war sie? Wie war sie hier her geraten? Nutzlose Fragen, die sie schon stundenlang hin-und her gewälzt hatte. Letzendlich half all das Fragen nichts. Nicht einmal das Fragment einer Erinnerung an das Davor war jemals aufgeblitzt. Nur Schwärze.
Die Vergangenheit war irrelevant, hatte sie mittlerweile beschlossen. Nur das Jetzt zählte. Und irgendwann einmal… vielleicht … die Zukunft.
Sie kontrollierte noch einmal rings herum die Befestigungsanlage. Zum Glück waren *sie* nicht schlau genug, mit Händen und Füßen zu klettern. Ein brusthoher Wall sollte reichen, und schon würde keiner von *ihnen* mehr an sie herankommen. Solange nicht einer direkt auf dem Hügel auftauchte… Sie hatte noch nicht ergründen können, wo *sie* jeden Abend herkamen, doch einmal meinte sie gesehen zu haben, wie einer plötzlich aus der leeren Luft heraus auftauchte.
„ooooaaah“, stöhnte es ganz in der Nähe. Die Büsche raschelten. Nun wurde es ernst. Sie wusste, sie konnten sie riechen. Besonders wenn sie vor Angst stank, so wie jetzt. Doch wie hätte sie das verhindern können?
Schlurfende Schritte näherten sich; unsichtbar unter den Bäumen. Gerade fiel das erste Licht des Mondes auf die Baumkronen.
Vor dem Wall hatte sie einige Büsche mit bloßen Händen niedergerissen, so dass sie sehen konnte was sich näherte. Im fahlen silbrigen Licht teilten sich die Blätter der stehen gebliebenen Büsche dahinter. Unbeholfen befreite sich das Wesen aus den Zweigen. Seine untoten, hungrigen Augen waren auf sie fixiert. Oh ja, es wusste genau wo sie war.
Ihr Herz fing an wie wild zu pochen. Unwillkürlich dachte sie an den ersten dieser Zombies, der ihr am ersten Abend begegnet war. Im Rückblick war es ihr vollkommen unverständlich, wie sie ihn für einen anderen Wanderer halten konnte. In der Abenddämmerung war er am anderen Ufer des Teiches aufgetaucht, hatte ihr zugewunken (meinte sie) und dann gemächlichen Schrittes den Teich umrundet. Sie hatte sogar eine Kartoffel für ihn aus dem Feuer geholt!
Doch als sie ihm das Nahrungsmittel hinhielt, hatte er nicht in die Kartoffel gebissen, nein. Noch immer schmerzten die Gebissabdrücke an ihrem Unterarm. Die Umgebung der Bissstelle war rot und entzündet. Wer wusste, welche Gifte oder Krankheitskeime noch in ihrem Fleisch ihr Unwesen taten? Doch sie konnte nichts tun.
Seitdem war sie vielen dieser Wesen begegnet, doch keines hatte sie jemals wieder so nah an sich herangelassen, auch wenn es häufig knapp gewesen war.
Wie sie in dieser ersten Nacht gelaufen war! Noch jetzt brach ihr der kalte Schweiß aus, wenn sie daran dachte. Im dunklen Wald, orientierungslos. Unheilvolles Stöhnen, das Klappern untoter Knochen. Es begann schon wieder hell zu werden, als sie eine halbwegs sichere Höhle gefunden hatte. Dort wartete sie den hellen Tag ab. Die grelle Sonne bekam den Monstern nicht, wie sie später lernen sollte. Doch im Halbdunkel des Waldes konnten sie sich noch lange verstecken, ehe der Hunger nach menschlichem Fleisch sie jede Vorsicht vergessen ließ.
Inzwischen hatten sich ein zweiter und dritter Zombie aus dem Gebüsch geschält. Der erste kratzte hilflos mit seinen verfaulten Händen an dem Erdwall herum, den sie am Tage errichtet hatte. Keine Chance zu ihr zu kommen. Doch ihr Puls wollte sich nicht beruhigen. Der starre Blick des Wesens ließ sie nicht los. Und sie wusste, wenn er nur irgendwie die Chance dazu bekam, würden diese verwesenden, erdigen Finger sich um ihre Glieder schließen, und seine Zähne ihr grausiges Werk beginnen… Es wäre einfacher gewesen, hätte man sie für hirnlose Automaten halten können. Doch sein Blick zeugte von einem wahnsinnigen, verdrehten Verstand.
Schaudernd kroch sie etwas höher auf den Hügel hinauf. Die anderen beiden Untoten gesellten sich zum ersten und behinderten sich gegenseitig im hirnlosen Versuch, die Wand zu überwinden.
Was war das nur für eine verfluchte Wildnis. So wunderschön sie am Tage wirkte, so furchterregend und tödlich wurde sie des Nachts. Ihre einzige Hoffnung war, aus dem Wald herauszufinden und.. und…
Genaugenommen hatte sie keine Ahnung, was sie jenseits des endlos scheinenden Waldes erwarten würde. Doch sie wusste, wenn sie hier bliebe gab es nichts zu erwarten, außer den immer wiederkehrenden Schrecken der Nacht.
Noch einmal kontrollierte sie den ringsherum den Wall. Wenn nur irgendeine Stelle nicht steil genug wäre, würden die Zombies diese finden und sie im Schlaf fressen.
Als sie die Rückseite des Hügels erreicht hatte, raschelte es wieder in den nahen Büschen. Etwas näherte sich, etwas… anderes? Sie konnte es schlecht erkennen, denn der Mond schien nun hell und stand genau im Rücken des Wesens. Doch ganz sicher konnte es nichts gutes sein. Sie spähte angestrengt, um im Gegenlicht etwas zu erkennen. Die schwarze Silhouette schimmerte grünlich (glaubte sie), und wo die Augen sein sollten, erahnte sie schwarze Löcher die in die Tiefe führten…
Sie hatte genug gesehen, beschloß sie. Was immer es war, es war besser, nicht in seiner Nähe zu sein. Zumindest sah es nicht aus als ob es klettern könnte, genau genommen hatte es gar keine Arme. Nur vier stummelige Beine, auf denen es überraschend schnell näher gekommen war!
Die Zeit, in der sie sich aufgerichtet hatte, hatte dem Wesen schon gereicht um die notdürftig gerodeten Büsche zu überwinden. Es stand direkt unter ihr und starrte sie anklagend an.
Starr vor Angst, starrte sie in die leeren Augenhöhlen…
„ssssSSSsSSSSS!!!“ zischte das Wesen aggressiv. Sie fiel hin, krabbelte auf allen vieren, versuchte Abstand zu gewinnen…
Ein heller Blitz blendete sie, und sie wurde herumgewirbelt. Ihre Ohren piepten. Erst mit Verzögerung wurde ihr klar, dass es laut geknallt hatte. Lichtkringel schienen vor ihren Augen zu tanzen, verblassten nur langsam. Sie drehte den Kopf hin und her, um das benommene Gefühl zu vertreiben. Allmählich merkte sie dass sie Schmerzen hatte. Ihr rechter Arm brannte und ihre Beine…
„Auuuu!“ Aufstehen konnte sie vergessen. Was war das nur für ein Tier gewesen!? Anscheinend hatte es sich selbst in die Luft gesprengt. Wie? Warum!?
Mühsam versuchte sie sich wenigstens hinzusetzen. Ihr Arm protestierte, und ihre Beine versuchte sie so gut es ging nicht zu bewegen. Scharfe, stechende Schmerzen durchzuckten sie, wenn sie nur versuchte das Bein zu bewegen. Schließlich hatte sie es geschafft, sich halb sitzend auf die Arme zu stützen. Und nun sah sie die Bescherung.
Das Wesen hatte sie mit seiner Explosion nicht nur durch die Luft geschleudert. Viel schlimmer – es hatte eine Bresche in ihren mühsam aufgeschichteten Erdwall gerissen. Schon hörte sie das Stöhnen weiterer sich nähernder Zombies, und diesmal würde sie nichts aufhalten. Ihre Hände ertasteten einen herumliegenden Stock. Zeit für einen letzten, verzweifelten Kampf…
* * *
Voller Faszination hatte das kleine schwarze Schlangenwesen die Szene verfolgt. Der Geruch nach Angst und Adrenalin hatte es hergelockt. Ein sorgsam designter Pheromoncocktail, den man speziell für ihn hergestellt und im Lüftungssystem verteilt hatte. Doch das wusste das schlangenartige Wesen nicht.
Einmal angekommen, hatte es weit mehr bekommen als es erwartet hätte. Instinktgesteuert wie es war, fragte es sich nicht, wie solch eine Szenerie mit dem Raumschiff zusammenpasste auf dem es sich befand. Alles was zählte, war die Angst. Und davon gab es hier wahrhaftig überreichlich. Sie war fast greifbar, fast reif zur Ernte… Mit aller Anstrengung versuchte es, der Frau ihre Emotionen auszusaugen, bevor sie von den Zombies gefressen würde.
Doch es war wie verhext. Wie als würde man ein Buffet voll der köstlichsten Gerichte vor sich haben, doch mit einer Panzerglasscheibe dazwischen. Es konnte sich anstrengen und anstrengen, doch es … kam… einfach … nicht… ran!!
Sein Instinkt sagte ihm, es musste fressen. Sein kindlicher Verstand ließ kein rationales Denken, keine Reflektion seiner Situation zu. Wieder und wieder fuhr es seine telepathischen Saugrüssel aus, versuchte den Cocktail der Emotionen in sich aufzunehmen.. und scheiterte.
Wie sollte es auch wissen, was eine holographische Simulation war?
Vom Schlangenwesen unbemerkt, schlossen sich die Zugangstunnel. Kraftfelder erwachten summend zum Leben und riegelten jede noch so kleine Öffnung ab. Eine ganze Abteilung von Wissenschaftlern durchforstete die Sensorsignale aus Holodeck 1, um das Wesen genau zu lokalisieren.
<NRPG: Ball hochwerf, dann rückt ihm mal auf die Pelle>
</RPG>
<SUM>
# Zeit: MD10.2200
# Ort: Holodeck 1
Mit einem speziellen Holodeckprogramm wird eines der Schlangenwesen in die Falle gelockt.
</SUM>
**submitted by
Johannes a.k.a Lt. Fabièn LaGroille